von Friederike Gabriel
Arber/Hochficht. Mehr im Liegestuhl als auf den Brettln verbringen die Skiurlauber heuer die Weihnachtsferien. Das so genannte „Inversionswetter“ - mit zunehmender Höhe steigen die Temperaturen - sorgt dafür, dass in den Bergen die Schneekanonen immer noch nicht funktionieren. Und von Naturschnee kann schon gar keine Rede sein.
Am Arber versuchen die Betreiber der Bergbahn, das Beste aus der miserablen Schneelage zu machen. Die Gondel bringt Spaziergänger zum Gipfel, wo sie gestern auf der Terrasse der „Eisensteiner Hütt’n“ bei drei Grad plus in Scharen Sonne und Aussicht genossen. Und: Der Thurnhofhang, sonst für die Anfänger reserviert, ist sogar soweit beschneit, dass sich hier zwischen den Skizwergerln auch viele gestandene Skifahrer und Snowboarder tummeln. Schlittenfahrer bringt der Sonnenhang-Sessellift nach oben, über die Familienabfahrt geht es rasant ins Tal. „Unsere hundert Schlitten waren ständig ausgeliehen“, freut sich Thomas Liebl, Betriebsleiter der Arber-Bergbahn, mit den Familien.
Auch das Skizentrum Mitterdorf bei Philippsreut wagt ab heute einen Versuch, die Skisaison zu eröffnen: Der kleine Almberglift ist ab neun Uhr in Betrieb. Zehn bis 15 Zentimeter Kunstschnee wollte Geschäftsführer Manfred Selwitschka auf die Piste bringen - „vorausgesetzt, die Nacht ist kalt genug“, sagte er gestern. Die Schneekanonen arbeiten erst ab fünf bis sechs Grad minus. Selwitschka rät, sicherheitshalber unter Tel. 08557/313 nachzufragen, bevor die Ski aufs Auto geschnallt werden.
Alexander Achatz, Betriebsleiter der Geißkopf-Bahn bei Bischofsmais, ist weniger optimistisch. „Heuer wird’s nichts mehr mit dem Schnee.“ Höchstens fünf Zentimeter der weißen Pracht hat er gemessen. Sogar nachts hat es am Berg Temperaturen von zwei bis drei Grad plus. Seit dem ersten Weihnachtsfeiertag ist aber die Sesselbahn in Betrieb, um Wanderer auf den Gipfel zu bringen, auch die Gaststätte ist geöffnet. An den Feiertagen waren hier auch einige Urlauber und Einheimische, zum Teil mit Schlitten, unterwegs. „Aber jetzt fahren die wohl lieber zum Shoppen in die Städte“, vermutet Achatz.
„Schlimm“, nennt Richard Brillinger die Schneelage im oberösterreichischen Skigebiet Hochficht. Keine der Pisten ist zur Zeit befahrbar. „Uns fehlen noch zwei bis drei kalte Nächte“, sagt Brillinger. Dann könnten wenigstens die Hochfichtbahn mit der Standard-Abfahrt und das Kinderland mit seinen zwei Schleppern in Betrieb gehen. Doch das Thermometer zeigte gestern auf 1010 Metern Höhe plus vier Grad: „Es ist wie verhext.“ Jedoch, fügt Brillinger hinzu, in der Geschichte der Hochficht Bergbahnen GmbH habe es durchaus schon Jahre mit ähnlichen Schneeverhältnissen gegeben. Nach dem Rekordwinter 1969/70 mit 149 Betriebstagen liefen die Lifte in den Folgesaisonen nur noch 71 bzw. 6 Tage, zeigt ein Blick in die Statistik. „Letzten Winter haben wir uns über 127 Betriebstage gefreut“, sagt Brillinger. Aber: „Bäume und Wild litten unter der Schneelast.“ Manche Förster erklärten ihm: Nach solch schweren Wintern helfe die Natur sich selbst.
Quelle: PNP 28.12.06