Schweiz: Sport und Spaß im Partywürfel

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Schweiz: Sport und Spaß im Partywürfel

Beitrag von snowflat »

Schweiz: Sport und Spaß im Partywürfel

Ein Bergdorf, einst verschlafen, jetzt hip und trendig: Mit Party, Musik und skurrilen Wintersportarten lockt das Hotel Cube die Jugend in das schweizerische Savognin.

Von Mathias Peer

Mein Gesicht steckt im Schnee, meine Nase blutet. Funsport kann richtig wehtun. Die erste Erkenntnis aus einem Tag auf der Piste – nicht mit Skiern und Snowboard – sondern mit den selbsternannten Trendsportgeräten des 21. Jahrhunderts.

Zehn Uhr morgens an der Bergstation des Piz Martegnas bei Savognin in 2670 Meter Höhe. Während es im Tal noch viel zu warm ist für die Jahreszeit, sticht hier der Wind eiskalt durch den Anorak. Ich sitze auf einer merkwürdigen Mischung zwischen Fahrrad und Carving-Ski. Snowcycle nennt der Hersteller das Gerät. Martin, 20 Jahre alt und – wie scheinbar jeder Schweizer – Wintersportler von Geburt an, will mir zeigen wie ich mit dem Ding den Berg runter komme. Seine Einweisung fällt bedenklich kurz aus: „Kurven machst du, indem du dich zur Seite legst“, sagt er in bemühtem Hochdeutsch, „ansonsten einfach Vollgas geben.“ Im Gegensatz zu mir trägt er wenigstens einen Helm. Für Sicherheitsbedenken ist es aber zu spät. Jetzt geht es bergab.

Neues Konzept bringt die Jugend ins Dorf
Savognin ist kein Szene-Skiort wie Ischgl, Davos oder gar das mondäne St. Moritz. Als ruhig und familiär galt das Dorf – zumindest bis vor kurzem. Denn für einen akzeptablen Umsatz reichten allein Familienurlauber nicht aus. Eine neue Zielgruppe musste her, die dem Ort bislang größtenteils fern blieb: die Jugend. Dass man in Savognin innovativ sein kann, zeigten die Touristiker schon 1978, als sie die ersten Schneekanonen Europas aufstellten. Das Konzept, mit dem heute die jungen Gäste angelockt werden, lautet: Musik, Party und Trendsportarten. Mit einem Wort: „The Cube“.

Der Cube – ein Hotel in Würfelform – ist eine Mischung aus Designer-Lounge und Jugendherberge. Jeder Kubikmeter ist auf jugendlich getrimmt. Zwischen den roten Sofas in der Eingangshalle stehen Internet-Terminals, Flachbildschirme mit Boarder-Videos und Playstation-Konsolen. Seit vergangenem Winter gibt es den Cube in Savognin. Mit ihm kam der Funsport in das kleine Bergdorf.

Die Betonung liegt dabei eher auf Fun als auf Sport. Nicht gerade ernst zu nehmend wirken die skurrilen Kreationen, die das Cube-Hotel im angegliederten „New Technology Center“ verleiht, auf den ersten Blick. Das Angebot „Blue Day“ erlaubt Skeptikern, sich vom Gegenteil zu überzeugen: Hotelgäste können sich die unterschiedlichsten Geräte kostenlos ausleihen, sonst kostet die Miete 92 Schweizer Franken (rund 55 Euro, inklusive Bergbahnen-Ticket). Die Sportarten sind selbst für Skianfänger zum Teil ausgesprochen leicht zu erlernen, sorgen aber auch bei erfahrenen Wintersportlern noch für Überraschungen.

Mit dem Snowcycle durch den Schnee
Den ersten Sturz vom Snowcycle überstehe ich mit leichten Blessuren. Eine Eisplatte wurde mir zum Verhängnis. Das Snowcycle ist ansonsten einfach zu bedienen, schon nach wenigen Minuten habe ich ein gutes Gefühl für das Bike auf Skiern. Der Sitz ist angenehm gepolstert, anstrengend ist nur das Bremsen mit den Füßen. Metallplatten, die man sich vorher an die Schuhe schnallen kann machen das zwar etwas leichter, mit der Zeit wackeln die Knie dabei aber recht ordentlich.

Das nächste Gerät heißt: Skifox. Wie beim Snowcycle sitzt man auch auf einem taillierten Carving-Ski, nur dieses Mal gibt’s keinen Lenker. „Bis jetzt war’s gemütlich“, sagt Martin und in der Tat ist der Skifox eher unbequem. Um das Gleichgewicht zu halten, muss ich mich vom Skifox-Sitz ein wenig nach hinten lehnen. „Das ist gut für die Bauchmuskeln“, meint Martin. „Welche Bauchmuskeln?“, frage ich mich und fürchte schon den morgigen Muskelkater.

Ausgestattet mit dem Nötigsten: „Das ist das Konzept“
Kurze Pause im Tal, im Cube direkt neben der Talstation. Wer nach einer langen Partynacht erst jetzt aufwacht, bekommt sein Frühstück noch bis 15 Uhr. Der DJ spielt sanfte elektronische Musik. Vereinzelt sitzen junge Menschen, meist in Kapuzenpullis auf den Sofas, an der Bar oder beim Essen. Die verschiedenen Teile der Eingangshalle gehen beinahe fließend in einander über. Optisch getrennt sind sie lediglich von rot, grün und blau leuchtenden Säulen. Zigarettenrauch wabert durch die Luft. Rauchen ist – abgesehen von den Zimmern – überall erlaubt. Doch dort hält sich ohnehin kaum einer der Gäste auf. Ausgestattet sind diese nämlich nur mit dem Nötigsten: Bett, Dusche, Toilette. Selbst eine Sitzmöglichkeit fehlt.

„Das gehört zum Konzept“, sagt die braungebrannte Hoteldirektorin Claudia Schneider, die ursprünglich aus Berlin stammt und die Hipness der Hauptstadt auch tief in den Alpen noch ausstrahlt. „Die Gäste sollen sich außerhalb der Zimmer aufhalten, damit sie nicht nur unter sich bleiben, sondern auch mit den anderen in Kontakt kommen.“ Eine weitere Besonderheit: In den Vorraum der Zimmer kann jeder Vorbeigehende durch transparentes, farbiges Glas reingucken. Jeder soll sehen können welches coole Snowboard man bei sich hat. Showroom heißt der Raum deshalb auch im Cube-Jargon. Überhaupt ist nicht Rätoromanisch, das immer noch die Mehrheit der Savogniner spricht, sondern Englisch die Standardsprache im Hotel. Computer-Spiele sind in der „Gaming Zone“, Entspannung gibt’s in der „Relax Area“. Die „rooms“ hießen bis vor kurzem noch „boxes“. Das klang dann aber doch zu billig.

Zurück auf den Berg. Ich schlittere mit dem Snowboard-ähnlichem Snowscoot den Hang runter und werfe meinen Oberkörper auf ein Airboard, das so eine Art Luftmatratze für die Piste ist. Mit dem Captain Avalanche, einem weiter entwickelten Schlitten aus festem Kunststoff, erreiche ich heute meine gefühlte Höchstgeschwindigkeit und sause – wie mit dem Airboard auch – Kopf voraus nach unten. Auf der normalen Piste darf man die drei Geräte nicht fahren, nur auf einem abgetrennten, separaten Hang. „Das wäre sonst zu gefährlich“, sagt Martin. Und er hat Recht. Egal womit ich gerade fahre, meistens endet es mit einer unkontrollierten Landung im Schneehaufen.

Kurz nach 16 Uhr ist der Funsport-Tag vorbei. Obwohl Airboard, Skifox und Co. kein vollwertiger Ersatz für die etablierten Wintersportarten sind, hinken sie ihnen in einem Punkt garantiert nicht hinterher: Sie machen ganz schön müde. Als Après-Ski reicht mir dann ein Bier an der Bar – für den Hiphop-Abend im hauseigenen Club des Hotelwürfels fehlt mir einfach die Kraft.
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^^ Foto: PR/Cube Hotel
Das Snowcycle
Einfach zu bedienen: Es dauert nur wenige Minuten, um diese Mischung aus Fahrrad und Carving-Ski in Griff zu bekommen. Nach der kurzen Übungsphase haben auch komplette Skianfänger viel Spaß mit dem Gerät. Zu schnell sollte man am Anfang aber nicht fahren – sonst verliert man spätestens in der nächsten Kurve das Gleichgewicht.

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^^ Foto: PR/Cube Hotel
Der Skifox
Ausgefuchstes System: Carven im Sitzen ist auch mit dem Skifox möglich. Der Fahrer hält sich an der Seite des Sitzes fest und lenkt das Gerät über Gewichtsverlagerung nach links und rechts. Da der Skifox keine Rückenlehne hat, werden besonders die Bauchmuskeln strapaziert.

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^^ Foto: PR/Cube Hotel
Der Snowscoot
Board mit Lenkrad: Was am einfachsten aussieht ist am schwersten zu bedienen. Anfänger sollten den Snowscoot eher meiden. Wer ihn beherrschen will, muss am meisten Geduld mitbringen.

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^^ Foto: PR/Cube Hotel
Das Airboard
Nur mit Helm: Die Schnee-Luftmatratze ist ein spannender Ersatz für den herkömmlichen Schlitten. Auf dem Bauch und Kopf voraus rast man auf dem Airboard den Hang herunter. Auf der Skipiste ist das Gerät aber nicht erlaubt.

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^^ Foto: PR/Cube Hotel
Captain Avalanche
Noch schneller: Wenn das Airboard zu langsam ist, empfiehlt sich der Captain Avalanche. Der Schlitten besteht aus festem Kunststoff und fährt auf Metallkufen. Über die bewegliche Vorderachse lässt sich der Kapitän relativ leicht lenken.

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^^ Foto: PR/Cube Hotel
Snow-Tubing
Zum Zurücklehnen: Hier kann sich der Sportler endlich mal entspannen und die Schwerkraft macht für ihn die ganze Arbeit. Die Luftreifen können nur in einer speziellen Half-Pipe-ähnlichen Bahn verwendet werden

Quelle: Die Welt
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!

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