Quelle: Die WeltWie die Profis: Skistiefel nach Maß
Sie sind schlimmer als trübes Wetter, schlechter Schnee und volle Pisten. Unpassende Skistiefel können die besten Skiferien vermiesen. Was Profis längst tun, das entdecken immer mehr Freizeitfahrer. Sie gehen zum Spezialisten und lassen ihre Skistiefel nach Maß perfektionieren.
Von Georg Weindl
^^ Skistiefel vom Spezialisten können leicht 1000 Euro kosten. Dann passen sie aber auch optimal
Foto: pa/dpa
Die einen laufen ins Sportgeschäft, lassen sich vom Verkäufer einen Skistiefel vorschlagen und laufen dann auf dessen Anweisung einmal durch den Laden. Wenn dann nichts drückt und zwickt, ist das gute Stück gekauft. Die anderen hegen und pflegen ihre antiquierten Heckeinsteiger, technische Errungenschaften aus den frühen achtziger Jahren. Wo er doch über Jahre eingefahren und so bequem ist.
Alles Unsinn. Das sagt Herbert Auer. Der freundliche grauhaarige Tiroler ist vom Fach und nicht nur das. Der gelernte Maßschuhmeister und Orthopädieschuhtechniker kennt das spannungsreiche Verhältnis zwischen Fuß und Skistiefel wie kaum ein zweiter. Seit den fünfziger Jahren baut er maßgeschneidertes Schuhwerk und ist in seinem Geschäft in Steinach am Brenner eine hochgeschätzte Adresse für Toprennläufer, Hobbyracer, Skilehrer und diverse andere Wintersportler der professionellen Art.
Testlauf im Schuhladen
Auers Laden ist auf den ersten Blick ein Schuhgeschäft wie viele andere. Die Besonderheiten verbergen sich hinter den Kulissen. Dort wo in der engen Werkstatt Plastik- und Lederteile bearbeitet, leisten und Innenschuhe archiviert werden. Wer sich mit dem Skischuh beschäftigt, der muss nach Auers Worten zuerst eines wissen. Der Skischuh ist kein Laufschuh sondern hauptsächlich zur Kraftübertragung da. Deshalb wird hier nicht Probe gelaufen sondern auf dem Boot-Tester simuliert. Ein Gestell, auf dem abgesägte Ski samt Bindung montiert sind und der Kunde bei skifahrerischen Bewegungen überprüfen kann, wie er mit dem neuen Stiefel zurecht kommt.
Das Problem der Serienstiefel ist, dass sie mit ihrem Innenleben und ihren orthopädischen Eigenschaften eine möglichst große Zielgruppe abdecken sollen. Für individuelle Eigenheiten bleibt da kein Spielraum. Nicht nur weil Füße an sich ein komplexes und sensibles Eigenleben haben sondern auch weil nicht gerade wenige Menschen mit Hohl-, Platt-, Senk oder Spreizfüßen ausgestattet sind. Und weil ein störrischer Stiefel die besten Skitage gründlich vermiesen kann, laufen immer mehr Menschen zu Spezialisten wie Auer.
Dort kann man nicht nur neue Schuhe optimal anpassen sondern auch das vorhandene Equipment gewissermaßen tunen lassen. Der Skischuh ist ein individueller Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit. Otto Normalskifahrer tendiert verständlicherweise zum Komfortschuh, weshalb er nicht selten das gute Stück ein bis zwei Nummern zu groß kauft und dann auf der Piste bei jedem Schwung mehr eiert als carvt. Je nach Einsatzgebiet kann ein Mensch ganz unterschiedliche Schuhgrößen haben, sagt Christian Müller von Sport Oberhorner im bayerischen Bad Endorf. Müller gehört wie Auer zu den Topadressen in Sachen Schuhoptimierung und betreut unter anderem Rennprofis wie Regina Häusl oder den Snowboarder Markus Ebner.
Bei einer Straßenschuhgröße von 43 läuft man mit Bergschuhen mit 44, mit Tourenskischuhen mit 42 und mit Skistiefeln mit 41“, veranschaulicht Müller seine These. Ganz anders beim Rennläufer, dem Bequemlichkeit weitgehend fremd ist und optimale Passform und Kraftübertragung braucht. Wie streng deren Stiefel geschlossen sind, kann man erahnen angesichts der Hektik, mit der die Spezialisten im Zielbereich die schnallen lockern. Der Weg zum perfekten Skischuh führt also über die eigene Fahrweise und vor allem über die Fußanalyse. Dabei werden die Füße vermessen und die Druckverteilung im Schuh bestimmt.
Beliebt: Der komplett geschäumte Innenschuh
Nicht selten müssen auch unterschiedliche Fußformen berücksichtigt werden, zum Beispiel als Folge von Verletzungen. Im Anschluss wird dann der neue oder auch gebrauchte Schuh optimiert. Hier schlägt die Stunde des traditionellen Schuhmacherhandwerks. Beim Innenschuh wird dann nach bedarf mit Spezialeinlagen, Zungenauflagen oder geschäumten Zungen gearbeitet. Sehr beliebt ist auch der komplett geschäumte Innenschuh. Speziell bei sportlichen Fahrern wird dann auch noch die Kunststoffschale bearbeitet. Einmal kann die Form durch Wärmebehandlung angepasst werden und dann wird, speziell für den Rennlauf, noch an diffizilen Stellen gefräst. Speziell bei kalten oder abgeschlafften Zehen empfiehlt sich eine Weitung des Vorderfußbereichs durch Warmverformung oder Ausfräsen.
Immer beliebter werden auch Skischuhheizungen, die mit aktuellen Akkus und orthopädisch geformten Sohlen mittlerweile sehr viel Behaglichkeit bieten. Der Weg zum optimalen Stiefel kann also recht aufwendig werden. Wer sich bei einem der Skischuhspezialisten eine Rundumbehandlung gönnt, muss auch in die Tasche greifen. Kleine punktuelle Bearbeitungen an der Schale gibt es zum Beispiel bei Orthopädieschuhtechnik Bonleitner in Hausham ab zehn Euro. Wer beim offiziellen Schuhtechniker des deutschen Skiverbands (DSV) einen neuen und geschäumten Innenschuh will, zahlt etwa 320 Euro. Vorausgesetzt man ist bereits im Besitz eines Stiefels. Die Komplettlösung, also neuer Schuh mit dem kompletten Programm vom geschäumten Innenschuh bis zu den kleinen feinen Optimierungen, die kostet zum Beispiel bei Herbert Auer in Steinach bis zu 1000 Euro. Was natürlich auch vom gewählten Modell abhängt.
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Ob das nun viel Geld ist oder reicht, das bleibt eine frage der individuellen Betrachtung. Für den Gelegenheitsfahrer, der seit seinem ersten Skikurs mit seinem ausgelatschten Heckeinsteiger glücklich ist, mag das schon zu aufwendig sein. Vielfahrer und Problemfüßler sehen das ganz anders. Und ein Tag mit einem schlecht sitzenden Stiefel ist oft schlimmer als gar nicht Ski fahren.
Wie die Profis: Skistiefel nach Maß
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Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
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hat hier jemand geschäumte stiefel?
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Also ich hab keine geschäumten Schuhe, ich hab aber den kleinsten Schuh seit 5 Jahren (ein Fischer Somatec X-Fire), hab mir die Schale auch an 2 Stellen ausdrücken lassen und bin wirklich sehr zufrieden damit. Hat nur 5 Euro gekostet und reicht auch aus. Für den absoluten Hochleistungsrennlauf braucht´s freilich sicherlich so einen speziellen Schuh von so einem Guru.
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Balou
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Ich habe einen "ungeschäumten" Salomon perfoma cf-Skischuh.
In diesem Winter habe ich mir nach langen Überlegungen eine Sohle anpassen lassen und die Schuhe wurden etwas ausgebeult.
Nun sind sie wesentlich bequemer und nach einem langen Skitag sind die Füße auch noch zu einem kurzen Spaziergang bereit, ohne dass ich die ersten 100m rumeier wie ein Seemann auf dem Trockenen.
Das ganze wurde vom Sport Gfäll (Sport 2000) in Obertauern auf der Passhöhe durchgeführt. Dieses Sportgeschäft wurde mir als kompetent empfohlen und ich habe mich gut beraten gefühlt.
In diesem Winter habe ich mir nach langen Überlegungen eine Sohle anpassen lassen und die Schuhe wurden etwas ausgebeult.
Nun sind sie wesentlich bequemer und nach einem langen Skitag sind die Füße auch noch zu einem kurzen Spaziergang bereit, ohne dass ich die ersten 100m rumeier wie ein Seemann auf dem Trockenen.
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@lanschi, wie du hast den X-Fire seit 5 Jahren??? den gibts doch erst seit dieser Saison (Ein super Schuh IMO), und Somatec Schuhe erst seit 4 Jahren (Außer die Rexxam vom Leitner aus Japan]
Wichtig ist wie gesagt viel mehr die Größe des Schuhs, 90% aller Skifahrer fahren in zu großen Schuhe Pi mal Daumen. Oder ein altes Snowboarderzitat "Wenn man die Zehennägel nicht alle 5 Tage schneiden, oder besser reißen muss, dann ist der Schuh zu groß"
Wichtig ist wie gesagt viel mehr die Größe des Schuhs, 90% aller Skifahrer fahren in zu großen Schuhe Pi mal Daumen. Oder ein altes Snowboarderzitat "Wenn man die Zehennägel nicht alle 5 Tage schneiden, oder besser reißen muss, dann ist der Schuh zu groß"