Kolm-Saigurn, 4.-7.01.2007–Ein Winter wie damals …+ Update

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Gletscherfloh
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Kolm-Saigurn, 4.-7.01.2007–Ein Winter wie damals …+ Update

Beitrag von Gletscherfloh »

Kolm-Saigurn, 4.-7.01.2007 – Ein Winter wie damals …

Jänner 2007 – Europa stöhnt unter dem milden „Winter“. Grün-braune Wiesen und Kunstschneebänder prägen das Bild. Von Winteridylle keine Spur. Erinnerungen an die Kindheit mit langen Eiszapfen an tief verschneiten Hütten, märchenhaft verzauberten Wäldern und jungfräulichen Spuren im frischen Pulverschnee werden sehnsüchtig hervorgekramt. Melancholisch fragt man sich: War’s das? Nie mehr wieder richtiger Winter?

Moment! Irgendwo, vielleicht in versteckten Tälern, im hintersten Winkel einer vom Zeitgeist vergessenen Gegend mag General Winter Unterschlupf gefunden haben. Also machten wir uns vorige Woche auf die Suche danach auf. Wie wär’s mit Kolm-Saigurn im hintersten Rauriser Tal? Hier im Schatten des mächtigen Sonnblicks mag vielleicht noch ein Rest von Winterromantik die Zeitläufte überdauert haben? Kein Kunstschnee? Keine EUBs, Riesenräder, KSBs, Förderbänder, Sitzheizungen, Aprés Ski-Abfüllstationen, Musikbeschallungsanlagen etc.? Und trotzdem Winter? Gibt’s doch gar nicht, mag sich der geneigte Leser denken … und schon gar nicht in Österreich, in einem touristisch so intensiv erschlossenen Bundesland wie Salzburg!

Nun ja, urteilt selbst …

Das Naturfreundehaus Kolm-Saigurn (1598m) im hintersten Rauriser Tal - unser Quartier
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Gleich hinter dem Naturfreundehaus: Der Kolm-Sai-Fall, eines unserer Eiskletter-Ziele
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Karl M., Top Eis- und Mixedkletterer Österreichs im Kolm-Sai-Fall. Gemeinsam mit seiner Freundin Sonja und unter Aufsicht von Bergführer Jörg sorgten sie dafür, dass wir ein erlebnisreiches und sicheres Eiskletter-Wochenende verbringen konnten
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Der Ammererhof, links daneben die Talstation der Materialseilbahn zum Sonnblick-Observatorium
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Majestätisch thront der Sonnblick (3105m) über den Talschluß – Also hier versteckt sich General Winter
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An etwas Seilbahntechnik soll es nicht fehlen: Stütze der Materialseilbahn zum Observatorium auf dem Gipfel des Sonnblick
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Blick zum Ritterkopf (3005m)
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Spurarbeit im tiefen Neuschnee
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Wir nähern uns dem Ziel für heute – Barbarafall
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Rauchende Bergwälder ?
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Karl sichert Sonja bei der Durchsteigung des Barbarafalls
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Schöne Skihänge nordwestlich des Niedersachsenhauses
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Vorstieg im Eis – Selbst im leichten Gelände ein Adrenalintrip
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Mixed-Klettern – dank Top-Rope-Sicherung auch was für schwächere Nerven
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Blick ins Rauriser Tal
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Abschied von Kolm-Saigurn – Mit Ski gings zurück ins Tal zum Parkplatz
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Zuletzt geändert von Gletscherfloh am 27.01.2007 - 12:06, insgesamt 1-mal geändert.

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Baldwin
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Beitrag von Baldwin »

Unglaublich, das so etwas derzeit möglich ist, sollte man eigentlich nicht glauben *g*
molotov
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Beitrag von molotov »

erinnert mich fast ein bisschen an den tag im engadin letzte woche, alles stöhnt und dort war wunderbarer winter!
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Gletscherfloh
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Beitrag von Gletscherfloh »

Kolm-Saigurn, 19.1-21.1 2007 – Im Schatten von Kyrill

Nennt mich verrückt … Während viele wegen des Schneemangels vor Frust herumflennen, einige eifrig die Flugpläne nach Kanada studieren (dort hat es derzeit einen Top-Winter) und manch Abtrünnige gar den „Winter“ adé sagen und nach den Malediven flüchteten, begab ich mich abermals nach Kolm-Saigurn zum Eisklettern. Einige Leute vom Kletterforum climbing.de organisierten dort ein informelles Treffen und durch meine Teilnahme wollte ich dem Ganzen etwas multikulturellen Touch geben.

Das warme Wetter der vergangenen zwei Wochen sowie der aufziehende Orkan Kyrill ließen das Treffen dann zunächst einmal spannend anlaufen. In der Nacht vor meiner Abreise erreichte Kyrill Wien und während einer etwas lauten Nacht konnte ich im Internet die Sperre des Bahnverkehrs in Deutschland nachlesen. Dementsprechend unklar war dann auch, ob ich überhaupt bis Salzburg (ab da hatte ich dann eine Mitfahrgelegenheit) komme. Glücklicherweise konnte in Österreich der Bahndienst – zwar mit etwas Verspätungen – aufrecht gehalten werden.

Noch am frühen Nachmittag erreichten wir dann Kolm-Saigurn, wo der Orkan zwar bloß als etwas starker Wind zu spüren war, in Verein mit den hohen Temperaturen und den starken Regen jedoch ordentlich am Eis der diversen Fälle geknabbert hatte. Ein erster Testlauf am – stark angegriffenen – Kolm-Sai-Hauptfall ließ uns jedoch hoffen, dass trotz der Wärme (es hatte dann auch Freitag nachts Plusgrade) noch genug kletterbares Eis übrig bleiben könnte.

Nachdem spätabends die letzten Nachzüger angekommen waren (zwei besonders Hartgesottene zogen es vor auf das Hüttentaxi zu verzichten und stiegen die 5km auf der völlig vereisten Zufahrtsstrasse zur Hütte mit Steigeisen (!) auf) zählten wir dann acht unverdrossene Eisbegeisterte, die sich auch von diesem verrückten Winter nicht ins Bockshorn jagen lassen wollten.

Samstags Vormittag kam dann doch ein wenig Ernüchterung auf: Die Fälle waren doch deutlich unter Mitleidenschaft gezogen. Trotzdem begannen wir am dünnen Eis des Vegetari zu testen – die Verhältnisse waren hier sicherheitstechnisch noch zu vertreten.

Dünne Eisauflage im Vegetari
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Nach dem Vormittag an diesem Schatten eines Eisfalls wechselten wir dann über Stock (Latschen) und Stein (kleine Felswand mit Fixseil) zu einem anderen Eisfall, der landschaftlich traumhaft am hinteren Ende eines schmalen und tiefen Canyons liegt. Dort hat sich aufgrund des Mikroklimas das Eis deutlich besser halten können.

Blick in den Canyon (Sektor C, Graben 1) mit den Fällen Golliwog’s Cakewalk und Just Yak It. Letzterer war aus Sicherheitsgründen nicht mehr kletterbar (Eisschlag und Einsturzgefahr aufgrund von großflächiger Hinterspülung
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Den Graben erreichten wir mittels Abseilfahrt von oben. Links eine Route, die wir „Die Dusche“ nannten. Zwischen der Abseilpiste und der linken Route ein Bereich, der gefährlich hinterspült ist – absolute No-Go-Area. Das Ganze war gerade noch an der Grenze zum Vertretbaren
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Mike nach dem Vorstieg und dem Einrichten der linken Route „Die Dusche“. Das war seine letzte Kletterei an dem Tag. Nach der kalten Dusche ging’s für ihn gleich zurück zur heißen Dusche in der Hütte
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Im rechten Bereich von Golliwog’s Cakewalk (WI 4-) fanden sich schöne Klettermöglichkeiten mit gutem Soft Ice.
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Christian im unteren Bereich von Golliwog’ Cakewalk. Dahinter Yust Yak It in seinem furchterregenden Zustand (tatsächlich krachte einmal ein Teil des Falls mit lauten Donner hinunter).
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Am Sonntag ging es dann als krönenden Abschluss zum Barbarafall. Dieser hatte sich erstaunlich gut gehalten und ermöglichte drei parallele Routen.

Eisklettern ist ein materialintensiver Sport. Das zusätzliche Gewicht im Vorstieg beträgt inklusive Bekleidung ca. 10-12 kg. Am Einstieg vom Barbarafall mit noch voller Montur
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Nachdem wir anderen im letzten Drittel den Vorstieg verweigerten, wollte es Mike dann endgültig wissen und kletterte den Fall bis zum Ende des Eises (nach eigener Aussage mit vollen Hosen bis über den Bauchnabel) ganz durch – inklusive atemberaubenden Bau einer Umlenkung im Felsgelände rechts neben dem Fall.

Am Nachmittag kam dann endlich der angekündigte (und ersehnte) Wintereinbruch. In dichtem Schneefall stiegen wir dann ab zur Hütte und traten die Heimreise an.
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Af
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Beitrag von Af »

Wow...tolle Bilder....

Ich bin heilfroh, dass auch Leute wie du im Alpinforum sind, und nicht nur Technik und KSB begeisterte(zu denen ich mich auch zähl).

Du hast immer tolle Berichte aus den ruhigeren Bereichen der Bergwelt, und zeigst, dass es nicht immer Skifahren, und EUB/KSB sein müssen.
Weiter so. :zustimm:

Was kostet denn so eine geführte Eisklettertour? Hat mich auch schon interessiert.
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Gletscherfloh
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Beitrag von Gletscherfloh »

Af hat geschrieben:Wow...tolle Bilder....

Ich bin heilfroh, dass auch Leute wie du im Alpinforum sind, und nicht nur Technik und KSB begeisterte(zu denen ich mich auch zähl).

Du hast immer tolle Berichte aus den ruhigeren Bereichen der Bergwelt, und zeigst, dass es nicht immer Skifahren, und EUB/KSB sein müssen.
Weiter so. :zustimm:

Was kostet denn so eine geführte Eisklettertour? Hat mich auch schon interessiert.
Freut mich, dass auch diese Randsportarten bei Einigen auf Interesse stossen.

Bezüglich Einstieg/Schnuppern ins Eisklettern:

In manchen Orten gibt es Schnuppertouren/klettereien (tw. an künstlichen Eistürmen), das kann man dann tw. sogar abends nach dem Skifahren machen. Die Kosten sind hierfür wohl sehr unterschiedlich. In Ostösterreich kann man das ab ca. 30 EUR/Person haben.

Unser dreitägiger Eiskurs (selbst organisiert, Bekannte kannten den Bergführer von einer früheren Ausbildungswoche und hatten schon voriges Jahr mit ihm einen Eiskurs gehabt) hat von den Bergführerkosten (1 Bergführer + 1 Kletterlehrer) 190 EUR/Person gekostet. Schlafen, Essen und Trinken kam auf der Hütte auf ca. 100-130 EUR.

Vier Tage Eiskletterkurs "all inclusive" :) (also mit Führungsbeitrag und Halbpension) kostet bei Alpinschulen ca. 450-500 EUR.

Eine Klettertour mit zwei Personen in einem mittelschweren Eisklassiker (z.B. im Gasteinertal) kostet Führungsbeitrag 170 EUR/Person (kann aber auch teurer sein, kommt auf den Bergführer/Alpinschule an).

Teuer ist die spezielle Ausrüstung (bei Kursen sind die Leihgebühren normalerweise inkludiert). Ich hab so ca. 1000 EUR für Schuhe, Eisgeräte, Jacke, Spezialsteigeisen und Eisschrauben ausgegeben (die normale "Hardware" hab ich ja vom Felsklettern). Dabei hab ich aber einige Schnäppchen gefunden und nicht das teuerste Material gekauft.
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