Das kälteste Dorf der Welt

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snowflat
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Das kälteste Dorf der Welt

Beitrag von snowflat »

Und da sprechen alle immer von der Klimaerwärmung :wink:
Sibirien: Das kälteste Dorf der Welt

Während in unseren Breiten der Winter dieses Jahr ungewöhnlich lange auf sich warten lässt, liegt in Oimjakon im Nordosten Sibiriens die Durchschnittstemperatur im Januar bei 50 Grad minus. Acht Monate dauert der Winter im Eisfach Russlands - trotz Klimawandels.

Von Marius Born

Für die rund 800 Einwohner von Oimjakon beginnt der Frühling bei 20 Grad unter Null. Jetzt im Januar ist es minus 50 Grad - im Durchschnitt. Das Bauerndorf in Jakutien im Nordosten Sibiriens ist das kälteste Dorf der Welt.

Minus 45 Grad ist die Höchsttemperatur
Langsam verkriecht sich die Sonne hinter dem umliegenden Hügelkamm. Wer sich jetzt nach draußen begibt, muss verrückt sein. Minus 45 Grad Celsius war die wärmste Temperatur über Mittag. Jetzt sind es bereits wieder 53 Grad unter Null. Die Kälte scheint die Einwohner von Oimjakon nicht abzuschrecken. In Rentierstiefeln stapfen sie durch den Schnee Richtung Schulhaus. Das halbe Dorf ist auf den Beinen.
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Jakutische Lieder dringen aus der Turnhalle und stören die Stille des Frosts. Vor einer halben Stunde gaben sich Katia und Seniya dort das Ja-Wort. Katia ist gerade mal 19. Lächeln sah man sie an diesem Abend selten. Dafür sind alle anderen in aufgeräumter Stimmung und drängen den Gast aus dem fernen Europa eine Ansprache zu halten zu Ehren der Brautleute. Spirituelle Gesänge und allerlei Gaben sind dazu da, den Feuergott freundlich zu stimmen - eine wichtige Voraussetzung für eine glückliche Ehe. Die Mehrheit der Jakuten fühlt sich dem Schamanismus verbunden. Dieser Naturglaube hat hier eine mehr als 1000-jährige Geschichte. Aber erst seit dem Zerfall der Sowjetunion dürfen die Traditionen wieder öffentlich gepflegt werden.

Nur noch 800 Menschen leben im Dorf
Wer nicht mittanzt, ist selbst schuld. In der Halle wird geheizt, trotzdem zeigt das Thermometer gerade mal null Grad. Die rituellen Tänze haben aber noch eine andere Funktion: Hier, wo der Mensch nur in Einklang mit der Natur überleben kann, hat die Gemeinschaft einen besonders hohen Stellenwert. Die Tänze stärken das Wir-Gefühl. Während die Alten drinnen singen, treffen sich einige Junge draußen beim Rauchen. Außer an Hochzeiten sei hier wirklich nichts los. Viele ziehen weg. 800 Seelen leben noch im Dorf. Früher, als es die Sowjetunion noch gab, waren es mehr als 1000. Der Staat zahlte hohe Zulagen an alle, die in den entlegenen Flecken Sibiriens arbeiteten. Doch damit ist längst Schluss.

Die Bürgermeisterin empfängt den Gast aus der Schweiz zu einer Audienz bei Kaffee und Kuchen. Feierlich überreicht sie eine Urkunde, wie jedem Reisenden, die den Besuch im kältesten Dorf der Welt amtlich verbrieft. Nicht ohne die Bitte, daheim für Oimjakon die Werbetrommel zu rühren. Ihr Cousin führt ein Reisebüro in der Republikhauptstadt Jakutsk. Der Kältetourismus soll Geld in die Region bringen. Die Unterstützung durch den staatlichen Tourismusminister ist gesichert. Oimjakon ist dessen Heimat. Bald soll es eine direkte Verbindung von der 800 Kilometer entfernten Hauptstadt Jakutsk geben. Bisher fahren Busse nur bis zur nächst größeren Stadt, Chandiga. Von dort sind es nochmals 24 Stunden Fahrt über vereiste Pisten. Wir hatten Glück: Ein Laster, der Kohle in die abgelegene Region bringt, nahm uns mit.

Die minus 71,2 Grad von 1926 sind nicht offiziell
Was die Bürgermeisterin verschwieg: Die Auszeichnung Oimjakons als kältestes Dorf der Welt ist umstritten. Andere Dörfer, die Oimjakon den Titel streitig machen, wittern einen Komplott. Die Temperatur werde mit staatlicher Unterstützung großzügig nach unten gemessen. Als gelte es, den Vorwurf zu entkräften, ragt am Ortseingang fünf Meter hoch ein Denkmal in den violetten Nachthimmel. "Oimjakon, Polus Choloda", Pol der Kälte, steht in kyrillischen Lettern zuoberst auf dem Denkmal. Und weiter unten findet sich die Inschrift "minus 71,2 Grad", die Weltrekordmarke aus dem Jahr 1926. Allerdings gab es damals in diesem abgelegenen Flecken noch keine Wetterstation. Darum sind die 71,2 Grad ein errechneter Wert eines russischen Klimaforschers, der in Oimjakon wie ein Held verehrt wird.

Morgens um sechs ertönt noch immer Musik, obwohl das Hochzeitsfest längst zu Ende ist. Aus einem Lautsprecher neben dem Elektrizitätswerk schallt Tag und Nacht das Radioprogramm über das Denkmal, die Schule, den Dorfladen und die weit verstreuten Bauernhöfe von Oimjakon. Während die meisten ihren Rausch ausschlafen, dreht der Meteorologe Valera Vinokurov draußen seine Runden, drei Kilometer, jeden Morgen. Sein zischendes "Charascho" hatte mich geweckt. Eine Schneedusche bei 57 Grad unter Null hatte ihm den Schrei entlockt. Dann zieht Valera seine Filzschuhe aus und watet barfuß durch den Schnee zurück ins Haus. Der Meteorologe hat uns bei sich aufgenommen. In Jakutien lässt man niemanden in der Kälte zurück. Das einfache Leben hat die Menschen nicht ihrer Herzlichkeit beraubt. Im Gegenteil: Hier, wo der Winter eisig ist, überleben die Menschen nur durch die Wärme, die sie sich gegenseitig entgegenbringen.

Eine Dusche gibt es im Haus keine. Stattdessen befindet sich auf dem WC, ein Loch im Permafrostboden, ein Plastikbehälter, aus dem beim Hochdrücken eines Stifts Wasser tropft. Wasser ist kostbar, denn es stammt in Form riesiger Eisblöcke aus dem Fluss und muss zuerst auf dem Ofen geschmolzen werden. Jeder Tag ein gewaltiger Aufwand. Beim Frühstück frage ich Valera, warum er hier lebt. Aber er scheint den Sinn meiner Frage nicht zu verstehen.
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"Ich wurde hier geboren", die lapidare Antwort. Dabei ist Valera einer, der in der Welt herumgekommen ist. Er hat in Kasachstan Militärdienst geleistet und in Jakutsk studiert. Aber in der Stadt blieb er einer vom Land. "Wer in Oimjakon geboren wurde", sagt Valera, "wird das Dorf nie los. Er trägt es in sich."

Das Fleisch lagert drei Meter tief im Permafrostboden
Der Temperaturstreit der jakutischen Dörfer lässt Valera kalt. Emotionslos misst er zweimal täglich die Temperatur und meldet die Daten nach Jakutsk. 55 Grad unter Null sind es heute Morgen um acht Uhr. Daneben kümmert sich Valera um seinen geistig behinderten Sohn und macht den Haushalt, während seine Frau an der Schule Geschichte unterrichtet. Für den weit gereisten Gast gibt es heute eine jakutische Spezialität: Rohes Pferdefleisch. Vegetarier überleben in Jakutien nicht lange. Für die meisten Gemüse ist die Vegetationszeit von zwei Monaten zu kurz. Valeras Fleisch lagert drei Meter tief im Permafrostboden. Dort unten lassen sich sogar im Sommer, wenn es draußen bis 30 Grad warm wird, Lebensmittel einfrieren. Der Boden speichert die Kälte des Winters. Nur der oberste Teil taut im Sommer auf und wird zu Morast. Dann fallen die Mücken in Schwärmen über Oimjakon her. Darum bevorzugt Valera den Winter, wenn es angenehm frisch sei.

Durch die eisige Kälte werden selbst die alltäglichsten Dinge für den Fremden zum Erlebnis. Auf dem Weg zum Dorfladen kommen wir an Wäsche vorbei, die Einheimische draußen an der Leine aufgehängt haben. An der frischen Luft frieren die Dinge in fünf Minuten steif wie ein Brett. Die Wäsche wird dadurch desinfiziert. Sie riecht danach ganz sauber und frisch. Die Kälte in Oimjakon überlebt kein Keim. Auch im Dorfladen ist vieles anders. Milch kauft man dort nicht in Litern, sondern in Zentimetern. Die korpulente Dame hinter dem Tresen fräst kleinere oder größere Scheiben aus dem Milchblock. Mürrisch klaubt Valera einige Münzen aus seinem Portemonnaie. Die Einwohner von Oimjakon beklagen die überteuerten Preise. Alternativen gibt es keine - das nächste Lebensmittel-Geschäft liegt fast 50 Kilometer entfernt.

Ein Besuch bei den Pferden gehört zum Pflichtprogramm jedes Oimjakon-Reisenden. Sie sind der Stolz des jakutischen Mannes. Die Pferde sind aber nicht nur Statussymbol, auch ihr Fleisch ist begehrt. Kühe würden im Freien nachts einfach erfrieren. Die halbwild in Herden von zehn bis 15 Tieren lebenden Pferde hingegen brauchen keinen Stall und scharren sich ihr Futter unter dem Schnee hervor. Die Mongolen brachten sie mit, als sie vor 500 Jahren aus Mittelasien hierher in die Kälte zogen.

Seitdem sind nur noch wenige freiwillig gekommen. Die Zwangsarbeiter, die sich in den Diamant- und Goldminen zu Tode schufteten, waren vom Zar und später von Stalin hierher verbannt worden. Gulag-Häftlinge hauten die einzige Verbindungsstraße zwischen der Hauptstadt Jakutsk und der Hafenstadt Magadan in die 3000 Meter hohe Gebirgskette. Zehntausende sind beim Bau gestorben - die traurige Lebensader riesiger Landstriche. Ein schlichtes Denkmal erinnert an die Opfer. Die abgelegenen Regionen profitierten von der Zwangswirtschaft, und einige verdienten Geld, indem auch sie sich ihre Hände blutig machten. Für den Skalp eines Geflohenen zahlte die Lagerverwaltung eine hübsche Summe.

Noch heute kommt hier so schnell keiner weg. Einige Junge fühlen sich wie moderne Verbannte. Sie träumen von einem Leben in London oder Paris. Bis sie dort sind. "Wer weggeht", sagt Valera, "kehrt früher oder später wieder hierher zurück." Fern von daheim fehlt ihnen dieses Leben in völliger Abgeschiedenheit. Das nächste größere Krankenhaus ist 800 Kilometer entfernt. Trotzdem werden die Leute hier älter als anderswo in Russland. Wer diese Kälte aushält, den haut so schnell nichts um.

Angebot: Sibiriak Reisen (Telefon 0041/31-332 71 40, sibiriak.ch) bietet jährlich Reisen nach Oimjakon an. Die diesjährige Tour ist ausverkauft, doch Buchungen für Februar 2008 sind bereits möglich. Ab 6350 Schweizer Franken pro Person (zirka 3938 Euro).
Quelle: Die Welt
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
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Beitrag von Blue Boarder »

:zitter: :arschabfrier:

Da braucht es noch lange keine Schneekanonen. :D
Was hier in Textform geschrieben ist, kam vor einigen Wochen im TV, war sehr eindrücklich.
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Beitrag von rabiator »

Was war denn da die höchsttemperatur :D :D :D :D :lol: :lol: :frost:
Ich glaub da können die schneekanonen sogar im sommer laufen :D :lol:
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snowflat
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Beitrag von snowflat »

Blue Boarder hat geschrieben:Da braucht es noch lange keine Schneekanonen.
Dort wohl nicht, aber auch in Sibirien investiert man in Beschneiung. So wurde im Sommer in Sheregesh (Südsibirien) durch Interfab eine neue Beschneiungsanlage errichtet. Und; nur weils kalt ist, heißt das ja noch lange nicht, dass es ausreichend Schnee hat :wink:
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Beitrag von TPD »

Und; nur weils kalt ist, heißt das ja noch lange nicht, dass es ausreichend Schnee hat ;Wink
Aber dafür hat man Temperaturen bei der eine Schneekanone funktioniert.
Oder sind solche Temperaturen auch für eine Schneekanone zu kalt ?
https://www.skichablais.net, seit 20 Jahren über Bergbahnen der Region Chablais und Umgebung.
Michael Meier
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Beitrag von Michael Meier »

Wenn es zu kalt ist schneit es genau so nicht wie wenn es zu warm ist. Ideal sind temperaturen so zwischen0° und -5°. Gilt aber nur für natürlichen Schneefall.
Emilius3557
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Beitrag von Emilius3557 »

Nordostsibirien ist IMHO teilweise extrem trocken. Mit 100 mm Jahresniederschlag kann man nicht wirklich gut Skifahren...
Besinnung auf die Kernkompetenzen - altbewährte Dummschwätzerei...
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