Hier ist der direkte RealAudio-Link, hier ein MP3 nur mit den Wortbeiträgen - und danke Jakob für die Erwähnung von Claude, Pilatus und mir
Laut Jakob kommt nächstens noch ein Artikel im Magazin "Schweizer Familie".
Bereits erschienen, in der Ausgabe vom 25.1., wie ich jetzt bemerkt habe:wso hat geschrieben: Laut Jakob kommt nächstens noch ein Artikel im Magazin "Schweizer Familie".
Zur Person: jakob Schuler, Skiliftnostalgiker
Ein Glarner hängt am Bügel
Ob Bügel, Gondeln oder Klemmen - Jakob Schuler, 46, hat eine Schwäche für Skilifte. Der geb¨rtige Glarner ist bekennender Skiliftnostalgiker und im Besitz einer der grössten Sammlungen. Er baut sogar Sesselliftmodelle nach. Im Skiliftparadies Braunwald aufgewachsen, bastelte er bereits als Kind an Miniaturgondeln aus Papier und Lego. Schon damals zeigte sich seine technische Affinität. Dennoch lernte er zuerst Konditor-Confiseur. Erst später fand er eine Stelle bei den SBB und absolvierte eine Ausbildung zum Maschinenmechaniker: "Ich bin ein Tüftler und arbeite lieber draussen." In den folgenden Jahren gehörte seine Sammelleidenschaft den Eisenbahnen. Dann kam die Rezession. Und kurz darauf die Kündigung. An die Stelle von Zügen traten Skilifte und Seilbahnen. Sie stehen im Keller, im Garten, in der Wohnung. Die rote Zweiergondel von 1957 im Wohnzimmer gehört zu seinen Lieblingsstücken: "Das sind Erinnerungen und bedeuten Heimat." Mittlerweile hat Schuler, der mit Frau und zwei Kindern in Orpund BE lebt, eine neue Stelle bei den SBB gefunden. Die Faszination für Skilifte ist aber geblieben. Seiner Frau Anita wird der Fimmel des Mannes langsam zu bunt: Zum Stricken setzt sie sich zwar gern in die heimelige Wohnzimmergondel, "doch neue Sammelstücke kommen ins Untergeschoss".
Andrée Stössel
-> www.skilift-nostalgie.ch
Der Skiliftnostalgiker
Jakob Schuler sammelt alte Skiliftbestandteile und will ein Museum eröffnen
Er verfügt über die grösste Skiliftsammlung der Schweiz: Für den Seilbähnler-Sohn Jakob Schuler aus Orpund sind Skiliftbügel und Seilbahngondeln Kulturgüter, die es zu erhalten gilt.
Wer sein Wohnzimmer betritt, sieht rot – die rote Gondel aus Grossvaters Zeiten sticht sogleich ins Auge. Alte Seilbahnmützen und Billettpressen haben sich ihren Platz in der guten Stube ebenso erkämpft wie Sesselbahnlaufwerke, Skiliftfotos und vergilbte Skiliftbillette von anno dazumal. Jakob Schuler ist der stolze Besitzer all dieser Schätze –und noch vieler mehr. Doch woher kommt seine Faszination für Skilift-Accessoires, und warum bedeuten sie ihm so viel?
Tragödie führte ihn nach Biel
Der heute 46-jährige Familienvater ist im glarnerischen Kurort Braunwald aufgewachsen, einem ruhigen Dorf auf 1300 Metern Höhe. Sein Vater war Bergführer und begeisterter Seilbähnler, seine Mutter Skilehrerin. Er selber stürmte nach der Schule immer gleich die Pisten. Schon als Kind habe er Skiliftbügel aus Papier gebastelt oder Skilifte mit Lego nachgebaut. Postkarten, die Seilbahnen abbildeten, hat er schon damals gesammelt. «Ich bin immer schon ein Tüftler und Sammler gewesen, die heutige Wegwerfmentalität ist nichts für mich», sagt er.
Doch auf einen Schlag verlor Jakob Schuler die Freude an seinem Hobby: Als er 12 Jahre alt war, geriet sein Vater in ein Schneebrett und verunglückte tödlich. Die Mutter zog mit den vier Kindern nach Biel. Das Leben in den Bergen war Vergangenheit, die heile Welt auch – und die Skiliftbügel waren es erst recht. Obwohl Jakob Schuler, wie er erzählt, lieber Lokomotivführer geworden wäre, absolvierte er eine Lehre als Konditor. In diesem Beruf hielt es ihn jedoch nicht lange, und so wurde er Maschinenmechaniker bei den SBB. Er blieb es 24 Jahre lang. Während dieser Zeit meldete sich seine Sammlernatur zurück und verwirklichte sich in einer Eisenbahnsammlung: Noch heute ziehen sich 130 Meter Gleise durch Jakob Schulers Garten in Orpund bei Biel.
Als die Stimmung in der SBB-Werkstatt immer schlechter wurde, wie Schuler sagt, verebbte seine Freude an Mini-Lokomotiven. Das war 1998. Etwas Neues musste her. Das Neue war das Alte: Jakob Schuler beschloss, alte Skiliftelemente für die Nachwelt zu erhalten.
Das erste Stück, das er ergatterte, ist auch gleich sein Lieblingsstück – ein hölzerner Skiliftbügel aus dem Jahr 1962 vom Braunwalder Skilift seiner Kindheit. «Wenn ich vernehme, das irgendwo ein Ski- oder Sessellift saniert oder geschlossen wird, frage ich an, ob ich ausrangierte Teile in meine Sammlung aufnehmen darf», erklärt Schuler seine Vorgehensweise. In den vergangenen neun Jahren wuchs seine Sammlung auf rund 150 Objekte an.
Interessierte willkommen
Die Anhäufung im Wohnzimmer ist nur ein Vorgeschmack darauf, was der Keller zu bieten hat: Rund 60 Skiliftbügel, teils samt Einzugsapparat und Gehänge, zieren die kahlen Wände. Darunter die Antiquität in Schulers Sammlung: ein Skiliftbügel aus dem Jahr 1941. Ein Veteran seiner Art sozusagen, wurde doch der weltweit erste Bügelskilift 1934 in Davos in Betrieb genommen.
Die Begeisterung ist Schuler anzumerken, als er die Bügel unbeirrbar verschiedensten Herstellern zuordnet: «Brändle, Oehler, Habegger, um nur einige zu nennen. Diese Vielfalt gibt es heute nicht mehr», bedauert er. Auch im Garten finden sich Sammlerobjekte: Eine Vierergondel aus dem Jahr 1954 steht auf dem Rasen, ebenso ein Sessellift-Einplätzer aus den 1950er-Jahren. Alle Objekte sind mit Klebern versehen, denn Schuler führt eine Inventarliste. «Wenn mir etwas passieren sollte, muss doch erhalten bleiben, woher, wie alt und von welchem Hersteller die Stücke sind», findet er. Schulers Frau Anita sieht die Sache nicht ganz so ernst. Sie findet Gefallen am «ausgefallenen Hobby» ihres Mannes, jedenfalls «solange er nicht die Schilthorngondel nach Hause bringt», scherzt sie. Gegen das 58 Zentimeter hohe originalgetreue Modell eines Sessellift-Zweisitzers der Marke Von Roll im Wohnzimmer, in dem eine Barbie-Puppe die Passagierin spielt, hat sie nichts einzuwenden. 70 Stunden habe er daran gearbeitet, erzählt Schuler.
Mit den wenigen Menschen, die seine Leidenschaft teilen, steht der Skiliftnostalgiker in regem E-Mail-Kontakt. In Braunwald will er ein Skiliftmuseum gründen. Die Chancen stünden gut, sagt er, da ihn dort jeder kenne. Bis dahin zeigt er Interessierten seine Sammlung gerne zu Hause.
[@] www.skilift-nostalgie.ch