Clinch über neue Skischaukeln

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Jay
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Clinch über neue Skischaukeln

Beitrag von Jay »

Die Presse berichtet:
Wirtschaft und Umweltschutz im Clinch

VON SYLVIA RIEDMANN (Die Presse) 31.01.2007

Von Touristikern unterstützte Pläne der Liftbetreiber, Skigebiete zusammenzuschließen, lassen die Wogen hochgehen. Umweltschützer fürchten um unberührte Gebirgslandschaften.


INNSBRUCK. Immer schärfere Umweltauflagen erschweren die Erweiterung von Skigebieten zunehmend. Die Tiroler Liftbetreiber setzen deshalb nun auf den Zusammenschluss mit benachbarten Skiregionen. Doch auch diese Vorhaben bergen politischen Sprengstoff, denn sie führen häufig durch bislang unberührte Gebirgslandschaften. Der Konflikt mit Umweltschützern scheint vorprogrammiert.



Das Wachstum von Skipisten wurde in den vergangenen Jahren stark begrenzt: Das Tiroler "Raumordnungsprogramm betreffend Seilbahnen und skitechnische Erschließungen" von 2005 (siehe unten stehenden Kasten), aber auch Alpenkonvention und UVP-Verfahren, in denen Naturschützer Parteistellung haben, sollen dem Expansionsdrang der Seilbahnwirtschaft Schranken setzen.


"Wir üben unser Geschäft derzeit nur auf 0,6 Prozent der Landesfläche aus", sagt Ingo Karl, Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen Österreichs und selbst Seilbahn-Chef in St. Johann in Tirol, zur "Presse".



"Es stellt sich die Frage, ob man wirklich kreuz und quer durch jede Gebirgsgruppe alles erschließen muss."



Peter Hasslacher vom Österreichischen Alpenverein

"Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen", meint er. Ganz anders sehen das die Umweltschutzorganisationen: "Es stellt sich die Frage, ob man wirklich kreuz und quer durch jede Gebirgsgruppe alles erschließen muss", erklärt Peter Hasslacher vom Österreichischen Alpenverein.


Er befürchtet, dass die Seilbahnbetreiber Schneemangel und Klimawandel nun als strategisches Argument für die Durchsetzung immer neuer und höher gelegener Skigebietserweiterungen benutzen könnten: "Jetzt wird natürlich politischer Druck gemacht", sagt er. Druck, um den Zusammenschluss von Skigebieten etwa auch durch sensible Gebiete möglich zu machen.


Die Probe aufs Exempel erfolgt noch heuer: Einige - durchaus heikle - Projekte sollen nämlich bereits in diesem Jahr zur Genehmigung bei den Behörden eingereicht werden, andere befinden sich noch im Planungsstadium. Die Arlberger Bergbahnen wollen noch im Sommer ein einreichfertiges Projekt vorlegen. Sie streben den Zusammenschluss der Rendl-Bahn in St. Anton am Arlberg mit dem Skigebiet von Kappl im Paznauntal an. Dafür sollen drei Lifte gebaut werden. Keine Verbindungslifte im klassischen Sinn allerdings, denn die neuen Lifte sollen "alle in sich ein eigenes Skierlebnis bieten", erläutert Bergbahnen-Chef Mario Stedile-Foradori. Allein wegen der Größe des betroffenen Areals - 20 Hektar - wird für dieses Projekt ein UVP-Verfahren notwendig.


Auch in der Axamer Lizum, einem der Innsbrucker Hausskigebiete, will man noch diesen Sommer ein Konzept fertigstellen.

Betreiber streben einen Zusammenschluss mit dem benachbarten Skigebiet in der Schlick im Stubaital an. Gemeinsam würde man über 60 Pistenkilometer verfügen. Problematisch ist allerdings, dass die geplante Erschließung mitten durch das Schutz- und Ruhegebiet "Kalkkögel" führt.


Die geplante, 35 Millionen Euro teure Skischaukel der beiden Osttiroler Gemeinden Kals und Matrei fördert sogar das Land Tirol mit 10 Millionen Euro. Ein Projekt übrigens, dem auch der Alpenverein nichts in den Weg legen will, wenn "es eine sinnvolle Variante ist, die die UVP-Hürde überspringt", erklärt Hasslacher.


In St. Johann in Tirol ist der Zusammenschluss mit dem benachbarten Kitzbüheler Skigebiet via Kitzbüheler Horn noch Zukunftsmusik. Zum Projekt sagen möchte man hier noch nichts. Es handle sich um ein strategisches Ziel, gibt sich Seilbahnchef Ingo Karl zugeknöpft. Er hält aber einen Zusammenschluss für sehr wichtig. Auch, weil man damit in höhere Lagen ausweichen könne.


Dauerbrenner im Streit von Umweltschützern und Touristikern ist die grenzüberschreitende Skierschließung zwischen Sillian (Osttirol) und dem Südtiroler Sexten über den Karnischen Kamm. Obwohl Südtirols Regierung das Projekt 2005 abgelehnt hat, hofft das strukturschwache Osttirol auf eine Durchsetzung.

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