Habe ich zur Zeit etwas anders zu tun ausser meine Regicard auszureizen? Einige meiner Uniprofessoren meinen: ja natürlich, beschäftige dich gefälligst mit dem Lernstoff. Ich meine: nach den letzten Prüfungen habe ich mir eine kleine Auszeit verdient.
Anderseits, ausschlafen will ich auch einmal, also mindestens bis 9 schlafen. Ob sich das mit Skifahren vereinen lässt? Jetzt weis ich es, ja, es geht, aber das betreffende Skigebiet darf nicht zu weit von Innsbruck weg sein. Was gibt es da im Angebot? Schlick Glungezer, Lizum, Venet, Hochoetz, ...... warum nicht Hochoetz? Wenn ich da um 10:46 von Innsbruck wegfahren würde, wäre ich nur 42 Minuten später an der Achterkogelbahn. Wäre als eine nette Sache. Gesagt, getan, der Skirucksack ist gepackt, um viertel vor Zehn mache ich mich, meine Ski geschultert, auf, Richtung Haltestele Klinik der IVB. Der Bus kommt gleich, 7 Minuten später stehe ich am Hauptbahnhof und habe noch verdammt viel Zeit. Frühstückspause, das Frühstück wurde eher zum Gabelfrühstück ausgedehnt, und ja die zwei heißen Fleischkässemmeln (für die Ostösterreicher und Bayern unter euch: Leberkässemmen) waren gut, und um 10:40 stehe ich am Bahnsteig. Der Zug, der mich Richtung Ötztal bringen wird, hat eine interessante Geschichte: erstens, er heißt St. Anton am Arlberg, dementsprechend ist der Zuglaufplan vollgepackt mit Arlbergwerbung, und zweitens, es ist ein Triebwagen der Baureihe 4011. Und jetzt werden einige Eisenbahnspezialisten unter euch sagen: was bitte ist ein 4011? Die ÖBB haben, da sie ein neues Servicekonzept umsetzen wollen, 3 ICEs der DB angemietet, welche jetzt bei der ÖBB unter der Baureihenbezeichnung 4011 laufen. Wenn ich mir aber ehrlich bin, ein wahrhaft matter Nachfolger gegenüber meinen hieß geliebten 4010. Interessanter weise haben die ICEs in Österreich auch schon einen Spitznamen erhalten: Bayrische Weiswurscht. Reisen tut man aber komfortabel.
Nach einer halben Stunde ist es aus mit dem Komfort, ich schultere abermals meine Ski und husche schnell durch die Bahnsteigunterführung auf den Bahnhofsvorplatz vom Bahnhof „Ötztal“. Der Bus ist noch nicht da, ich warte genau 3 Minuten, bis ein Postbus um die Ecke biegt. Ich lade meine Ski in die Bauchluke vom Bus und schon kann die Reise, die gerade mal eine viertel Stunde dauert, beginnen.
In gemächlichem Tempo schlängelt sich der Bus Richtung Oetz im Ötztal. Direkt vor der Acherkogelbahn bleibt der Bus stehen. Ich lade meine Ski aus und lasse den Bus fahren, währenddessen ich mich auf den kurzen Fußweg hinauf zur Bahn mache. Die Anlage wirkt pompös, modern, stylisch, das gefällt mit, ob es im Gebiet noch mehr stylische Flecken gibt? Wir werden sehen.
Die Acherkogelbahn ist übrigens sehr lang, über 2 Kilometer, früher standen hier übrigens eine DSB Kette. Muss sicher brutal gewesen sein. Die untere Sektion gibt es nicht mehr, die zweite Sektion steht noch, ist aber leider, wie ich bei der Auffahrt mit der Acherkogelbahn feststellen muss, in Ermangelung von Schnee, nicht in Betrieb. Schade, wäre eine schöne, lange DSB gewesen. Obwohl die DSB und die 8er EUB praktisch parallel verlaufen, sieht man die DSB kaum. Sie verläuft gut versteckt, durch den nicht winterlichen Nadelwald.
Plötzlich schwebt man mit der Bahn über eine Kuppe, die Station der Brunnenkopfbahn erscheint sehr plötzlich, genau so wie der Weselelift, und schon ist man an der Bergstation, welche ganz in UNI gehalten ist. Abfahrt zu dieser EUB gibt es leider keine, daher muss ich sie nachher auch wieder zur Talfaht nehmen. Meines Erachtens ein Manko. Neben der EUB enden auch noch die Acherkofel DSB und die alte Ochsengartenbahn, eine gebrauchte 4er EUB aus Sölden, die hier eine neue Heimat gefunden hat. Die Bahn wirkt mit ihren kleinen, roten Gondeln und dem schönen Stationsgebäude sehr einladend. Doch mit der Bahn werde ich mich später eingehend befassen.
Als erstes geht es hinunter zur Brunnenkopfbahn, eine 4er KSB von DM in Standardausführung. Nur der Bahnhof fehlt der knapp 600 Meter lange KSB. Dafür fährt die Bahn sehr schnell, die Bahn ist mit 5 Metersekunden unterwegs. Die Pisten am Brunnenkopf sind recht ansprechend, wenn auch etwas kurz und sind demnach auch schnell ausgereizt. Nach 3 Fahrten begebe ich mich hinüber zur Dreiersesselbahn Kühtaile. Hier würde ich mir schon eher eine KSB wünschen, die Bahn erschließt schöne Carvinghänge. Und eine kleine Besonderheit hat die Bahn auch noch: sie unterfährt die Ochsengarten EUB im der oberen Streckenhälfte. Andrang herrscht bis jetzt an keiner Anlage, überall bekomme ich das nächste Fahrbetriebsmittel.
Nachdem mir schon die Ochsengartenbahn mit ihren netten, roten Gondeln so ins Auge gestochen ist, ist es allerhöchste Zeit, ihr einen Besuch abzustatten. Die Piste hinunter ist eher nichts für Wiederholer, weil sie ein Ziehweg über weite Strecken ist, dennoch macht es mir Spaß, meinen Ski Auslauf zu gönnen. Unten im Tal gibt es noch einen kleinen Schlepper, Balbachlift genannt, den ich als Doppelmayer Kuzbügelschlepper klassifiziere, leider ist der Lift (noch) nicht in Betrieb.
Die Talstation der EUB bietet alles, was ich mir erhofft habe: offene Stationstechnik, alle Klemmtechnik, Kettenförderer, herrlich zum Anschauen. Der Bedienstete hingegen schaut mich etwas schief an, als ich meine Kamera ausgepackt habe. Nach einer Fotosehion von gut 10 Minuten packe ich meine Ski und besteige einer der kleinen, liebenswerten roten Gondeln und verlasse die Talstation Richtung Bergstation. Das Alter ist der Bahn nicht anzumerken, lediglich die Stützenfahrten und die Statiosnsein- und Ausfahrten sind ruppiger als bei ganz modernen Bahnen. Dafür hat die Bahn mehr Feeling. Seilbahnherz, was willst du mehr? In der bergstation ist der Antrieb untergebracht, alles wirkt modern, alles frisch gestrichen, keine Ölflecke irgendwo, einfach schön zum anschauen. Auch hier sind noch einige Fotos drinnen.
Langsam beginnt mich, mein Magen zu quälen, Zeit, um Nachschub für ihn zu organisieren. Auf dem Pistenplan ist eine Hütte im Balbachtal eingezeichnet, da drüben dürfte es, aufgrund der Abgelegenheit, nicht so voll sein, wie in Hochoetz.
Das Skigebiet Balbach besteht selbst aus einem Tellerlift als Zubringer und 2 relativ neuen Doppelmayr DSBs. Leider stellte sich heraus, dass drüben der Pistenzustand bei weitem nicht so schön war, wie auf der Hochötzer Seite. Es gab Eisplatten, Steine und Wiese. Schade, dabei gefallen mir solche Hänge, wie es sie dort gibt recht gut.
Die Balbachalmhütte ist recht nett, macht einen sauberen und freundlichen Eindruck, also rein mit mir. Trotz der Mittagseit ist es leer. Die schlechte Schneelage macht sich auch hier bemerkbar. Schade für das sehr freundliche Personal, das mich umgehend bedient. Ich kann es mir sogar am Kachelofen bequem machen.
Nach dem Esse beschließe ich trotz der Pistenbverhältnisse das Teilgebiet Balbach näher zu begutachten. Dazu benütze ich zuerst die DSB Balbach, an der leider nur eine Piste offen ist. Die ist dafür, ausser die letzen 300 Meter recht angenehm zu fahren. Nahe der Talstation versucht eine einsame Schneekanone das Unaufhaltsame aufzuhalten. Ein Kampf gegen Windmühle, wie ich meine, ganz besonders heuer. Nachdem ich 3 mal mit der DSB Balbach gefahren bin, verschlug es mich an den Gegenhang, jetzt wurden die DSB Mohrenkopf ausgiebig getestet. Die schwarze Piste war mit Abstand die beste Piste, schön griffig, keine Steine, so gehört es sich. Nachdem ich auch hier die Piste wieder ausgereizt hatte, machte ich einen abermaligen Abstecher zur Ochsengartenbahn. Die Bahn gefällt mir einfach. Über die Piste 10 ging es nochmals hinunter, und siehe da, der Balbachschlepper läuft. Mal wieder Kurzbügelfahren? Sicher doch! Zu meiner Überraschung hat der Lift noch Dieselantrieb, das Firmanschild ist noch aus Email, und die Beschilderung ist handgemalt Dieser Lift hat auch was stylisches. Hier war die Piste relativ voll. Viele Anfänger quälten sich die Pisten hinunter, darum wechselte ich nach 2 Fahrten wieder zur Ochsengartenbahn.
Zum ersten Mal musste ich warten, ja gibt es denn sowas? Ja, aber es macht mir nichts. Denn ich habe ja den tag schon genossen. Und immer noch eine Stunde bis Betriebsschluss Zeit. Genug Zet, um nochmals die Pisten um den Brunnenkogel und das Kühtaile unsicher zu machen. Diese präsentierten sich mir menschenleer, dafür nahm die Schlage vor der Acherkogelbahn langsam größere Ausmaße an. Trotzdem wollte ich noch 3 Wiederholungen am Brunnenkogel machen, bevor ich mich in das Getümmel der Talfahrt mit der Bahn stürzte. Trotz der Menschenmassen war ich schnell in der Gondel und wurde mit dieser Bahn wieder eines Skitages entrissen.
Unten angekommen, es war 10 nach 4, hatte ich noch 18 Minuten Zeit, um mich mit Panokarten und Infomaterial einzudecken, um schließlich wieder den Postbus Richtung Ötztal Bahnhof zu bestiegen.
Nachdem ich meine Ski wieder in die Bauchluke des Busses verfrachtet hatte, warf ich nochmal einen Blick hinauf und bestieg sodann den Bus. In Ötztal Bahnhof hatte ich wieder eine halbe Stunde Aufenthalt, der Schnellzug hatte überdies noch 5 Minuten Verspätung. Im Zug, dieses Mal gezogen von einer 1116, war ich wieder der einzieg Skifahrer, nur ein Snowbordfahrer gesellte sich zu mir. Sonst das gewohnte Bild: die arbeitende Bevölkerung war in der Überzahl. Und wieder schwelgte ich in meinen Erinnerungen, die mr niemand mehr nehmen kann.
So, und nun zu den Facts des Tages:
Anfahrt
Innsbruck –Ötztal Bahnhof mit ÖBB ICE , Ötztal Bahnhof – Oetz mit Postbus
Wetter
wolkenlos, bis leicht bewölkt
Temperatur
um die 0 °, teilweise etwas wärmer
Schneehöhe
Auf der Piste einen geschätzten halben Meter, daneben teilweise nichts
Schneezustand
Von Pulver bis pappig und leicht aufgefirnt bis eisig alles dabei, leider auch Steine
Geöffnete Anlagen
Alle bis ausser DSB Acherkogel II
Geöffnete Pisten:
An jeder offenen Anlage mindestens eine Piste offen, Piste zur DSB Acherkogel II geschlossen
Bewertung: 5 von 6 für diesen Skitag