Ramsau: Skigebiet Hochschwarzeck zehrt von Rücklagen

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Jay
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Ramsau: Skigebiet Hochschwarzeck zehrt von Rücklagen

Beitrag von Jay »

Chiemgau online berichtet:
Ramsau: Skigebiet Hochschwarzeck zehrt von Rücklagen



(17. Februar 2007) Rund 20 Prozent weniger Übernachtungen registrierte die Tourismusgemeinde Ramsau im Januar. Touristinfo-Leiter Fritz Rasp will das Minus nicht ausschließlich dem Schneemangel am Hochschwarzeck zuschreiben. Und doch weiß er, dass der Wintertourismus in seiner Heimatgemeinde mit dem Familienskigebiet steht und fällt. Nicht gering sind bei anhaltendem Schneemangel und damit verbundenem Liftstillstand deshalb die Sorgen in Ramsau und insbesondere bei der Hochschwarzeck Bergbahn GmbH & Co Beteiligungs KG (HSB). Mit einem Spagat zwischen Sparkurs und Betriebsbereitschaft will man nun das ohnehin nicht mehr vermeidbare Defizit begrenzen und sich andererseits die Option offenhalten, bei doch noch eintretendem Winter schnell reagieren zu können. Und man macht sich Gedanken über die Zukunft.
Knapp 300 Gesellschafter fanden sich vor gut drei Jahren zur Gründung der Hochschwarzeck Bergbahn GmbH & Co Beteiligungs KG zusammen. Nach drei guten bis sehr guten Geschäftsjahren erleben die Investoren, die ohnehin nie mit einer Gewinnausschüttung rechnen konnten, in diesem Winter erstmals eine echte Belastungsprobe. Der Schneemangel und die damit verbundenen eingeschränkten Wintersport-Möglichkeiten brachten der HSB im laufenden Winter gegenüber einer Durchschnitts-Saison ein rund 50-prozentiges Umsatzminus. »Da können wir froh sein, dass wir in den letzten Jahren Rücklagen gebildet haben, von denen wir jetzt zehren«, sagt Beiratsvorsitzender Herbert Gschoßmann. Auf einen unteren sechsstelligen Betrag beziffert er das einstmalige Polster, von dem mittlerweile rund ein Viertel aufgebraucht ist. Trotz der Rücklagenbildung hat man in den letzten Jahren auch noch kräftig investiert. So bekamen der Schmuckenlift und der Fronwieslift neue Seile, man installierte an allen Anlagen ein elektronisches Kartenabrechnungssystem, die Kasse an der Hirscheckbahn wurde durch ein angebautes Büro erweitert, alle drei Talstationen erhielten eine Generalsanierung und es wurde ein zweites gebrauchtes Pistenpflege-Fahrzeug angeschafft. »Solche Substanz-Erhaltungsmaßnahmen mussten wir einfach machen«, sagt HSB-Geschäftsführer Christian Riel. Doch mit viel Eigenarbeit konnte man die Kosten stark reduzieren. Die Fixkosten begrenzen Martin Willeitner, der die Gemeinde Ramsau als Geschäftsleiter im Beirat vertritt, betont, dass man finanziell noch nicht in Bedrängnis sei. »Ein solches Jahr kann man schon einmal durchstehen, aber so weitergehen darf es nicht«, so der Geschäftsleiter. Beiratsvorsitzender Herbert Gschoßmann meint sogar, dass ein zweites solches Jahr bereits Probleme bringen würde. »Ich bin zwar optimistisch, dass es im nächsten Jahr besser wird. Aber wir sind doch sensibel geworden und müssen den Betrieb der gegenwärtigen Situation anpassen«, erklärt Christian Riel. Um bei gegenwärtigem Stillstand des Skibetriebs die Fixkosten zu begrenzen, wurden zwei der drei Festmitarbeiter bereits vorübergehend ausgestellt. »Unsere Leute beweisen hier große Flexibilität, dafür sind wir sehr dankbar«, bekräftigt Herbert Gschoßmann. Sollte doch noch auf die Schnelle Schnee kommen, dann will man mithilfe von Aushilfskräften in Form von Studenten schnell betriebsbereit sein. Schlimm ist der ausbleibende Winter nicht nur für die HSB, sondern für die vom Tourismus abhängige Gemeinde Ramsau insgesamt. »Die Situation ist sehr unglücklich«, formuliert es Touristinfo-Leiter Fritz Rasp. Er muss den Touristen bei entsprechenden Anfragen schonend beibringen, dass Wintersport in Ramsau derzeit nicht möglich ist. Da verweist man dann wenigstens auf die Skigebiete in der Umgebung, wo es noch Skibetrieb gibt. Teilweise ist die Skischule Schwarzeck auch zum Götschen ausgewichen. Und bei den Touristen, die bereits vor Ort sind, stellt Fritz Rasp aufgrund des Schneemangels zunehmend Ratlosigkeit fest. Künftig Sparprogramm in der Nebensaison Dabei hat man sich in den vergangenen Wochen große Mühe gegeben, am Hochschwarzeck wenigstens ein Mindestangebot für die Wintersportler bereitzustellen. Per Handarbeit verbesserte man den Zustand der Rodelbahn vom Hirscheck, indem man Schnee aus dem angrenzenden Wald auf die Forststraße warf. Tatsächlich war die Schlittenbahn auch für einige Zeit relativ gut befahrbar, auch an den Liften gab es zwischenzeitlichen Skibetrieb. Doch insgesamt blieben die Bedingungen und damit die Besucherfrequenz mager. Die katastrophale Entwicklung in diesem Winter lässt den HSB-Beirat nun Zukunftspläne schmieden. »Im Gegensatz zur Jennerbahn sind wir sehr winterlastig, wir sollten deshalb aus dem Sommergeschäft mehr machen«, sagt Martin Willeitner. So plädiert er dafür, neue Angebote für den Sommertourismus am Hochschwarzeck zu schaffen. Möglichkeiten gäbe es seiner Ansicht nach in Form eines Rundwanderwegs vom Hirscheck zum Toten Mann, eventuell auch ein behindertengerechter Panoramaweg sei möglich. Doch zunächst hat der Beirat auf seiner jüngsten Sitzung am Mittwoch die Weichen erst einmal in Richtung Sparen gestellt. So will man die Bahn zum Ende der Skisaison erst einmal bis Ende April ganz stilllegen. Und in der ruhigen Zeit bis Mitte Juni soll auch nur donnerstags bis sonntags und an den Feiertagen gefahren werden. »Wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht«, betont Herbert Gschoßmann. Man könne nicht mehr auf Biegen und Brechen den Betrieb aufrecht erhalten. Wegen zu geringer Rentabilität und dazu noch fehlendem Wasser will man im Winter auch nicht den Weg in Richtung Beschneiung gehen. Ein zweijähriger Testlauf mit Schneekanonen hatte den Beirat zu diesem Ergebnis kommen lassen. Vorsichtiger Optimismus Im Beirat nimmt man die Solidarität der Ramsauerinnen und Ramsauer mit ihrem Skigebiet mit Freude zur Kenntnis. Und doch wünscht man sich noch ein wenig mehr Unterstützung von Seiten der Vermieterinnen und Vermieter, denen man beispielsweise Vermieterkarten anbietet, die auchvon den Gästen genutzt werden können. Obwohl Herbert Gschoßmann und Christian Riel den Prognosen zum Klimawandel durchaus Glauben schenken, sind sie der Über-zeugung, dass sich das Skigeschäft am Hochschwarzeck in halbwegs normalen Wintern noch rentabel gestalten lässt. Gleich-zeitig wissen sie, dass es auch anders kom-men kann. Gschoßmann: »Wenn über Jahre hinaus eine vernünftige Bewirtschaftung nicht möglich ist, dann muss die Gesellschafterversammlung über eine Betriebseinstellung oder einen Verkauf entscheiden.« Ulli Kastner

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Beitrag von bkk »

landschaftlich gesehen ist das Hochschwarzeck ein wirklich tolles Skigebiet; gerade von schwächeren Skifahrern wird es auch sehr gut angenommen; die Österreicher hätten hier schon längst eine Beschneiungsanlage und modernere Lifte hingestellt; in diesem Gebiet steckt durchaus Potenzial.
Ich kann die Schlafmützigkeit und die Macht des BN & Co. einfach nicht verstehen :twisted:
dass sie das Sommerangebot attraktiver machen wollen ist ja begrüßenswert - deshalb kommen im Winter aber auch nicht mehr Gäste :roll:
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