Quelle: Hamburger AbendblattTürkei Zwei Autostunden von der Mittelmeerküste entfernt den Wintersport geniessen
Wenn Golfer zwischendurch zum Skistock greifen
Im Taurusgebirge bei Davras gibt es bis in den Mai hinein gute Schneeverhältnisse und Pisten, die viel Freiraum lassen.
Von Berndt Masuhr
Über Nacht hat der Wind vom Wasser her stark aufgefrischt. Am Morgen brechen sich die Wellen in beträchtlicher Höhe und setzen dem Strand zu. Tief hängende Regenwolken entladen sich in regelmäßigen Schauern. Ein typisches Wetter für die winterliche Nordsee, die wieder einmal an den Küsten knabbert? Weit gefehlt! Der Blick geht über das östliche Mittelmeer. Die türkische Riviera wird von einem Tiefdruckgebiet traktiert. Im Frühstücksraum des Kempinski-Hotels "The Dome" in Belek lassen die Golfspieler beim Blick nach draußen betrübt die Mundwinkel hängen.
Gestern nachmittag noch haben sie bei Frühlingstemperaturen in Shorts und Polohemd zum Driver gegriffen. Heute allerdings braucht es wetterfeste Kleidung und persönliche Überwindung auf den beiden anspruchsvollen 18-Loch-Plätzen "Sultan" und "Pasha", deren Abschlagszeiten auch im Januar und Februar gut gebucht sind. Oder aber einen Ausflug der besonderen Art in die nähere Umgebung.
Hülya Teberdar, Assistentin des Hotelmanagers, hatte uns schon bei der Ankunft auf eine Sportart aufmerksam gemacht, die bisher eher selten mit dem Reiseland Türkei in Verbindung gebracht wird. Warum nicht einmal zwischendurch die Golfschuhe mit Skistiefeln tauschen? Keine so abwegige Idee, schließlich ist das Taurusgebirge mit seinen schneebedeckten Gipfeln in Sichtweite der Küste. Und mitten hinein in die weitgehend baumfreie Bergwelt hat der türkische Unternehmer Ali Akkanat ein Ski- und Wellnesshotel gebaut.
Vom regennassen Strand in Belek bis ins verschneite Davras sind es 120 Kilometer oder gute zwei Stunden Fahrtzeit mit dem Hotelbus über bestens ausgebaute Straßen. Erst kurz vor dem Ziel wird es zunehmend kurviger, wächst die Schneedecke links und rechts kontinuierlich an. Wer die Skiorte in den Alpen kennt, kommt schon bei der Anfahrt ins Grübeln. Keine Autos weit und breit, die ansonsten wegen Parkplatz-Knappheit die Straßenränder zuparken. Wir scheinen allein unterwegs zu sein Richtung Pisten.
Und plötzlich eine Trutzburg in rundum einsamer Landschaft - das Hotel "Sirene Davras", das inmitten der weißen Umgebung auch als Kulisse für einen James-Bond-Film dienen könnte. Direkt hinter der 130-Zimmer-Komfort-herberge beginnt das Skigebiet. Vor fünf Jahren bereits waren hier erste Lifte entstanden. Aber erst seit der Hoteleröffnung Ende 2005 kann man das Wintersportangebot für mehr als nur einen Tagestrip nutzen - von Antalya aus beispielsweise oder dem 30 Kilometer entfernten Isparta.
Mit Skiausrüstung in den Türkei-Urlaub? Das muss sich niemand wirklich antun. Der Skiverleih des Hauses versorgt auch kurzentschlossene Wintersportler mit dem passenden Gerät. Und nur ein paar Schritte weiter sind es dann bis zum Anfänger-Lift, der uns bequem den kleinen Hügel hinauf bis zum Einstieg der Sesselbahn aus italienischer Produktion bringt. Die Zweiersessel transportieren Skiläufer und Snowboarder von 1650 auf 1950 Meter Höhe. Auf wahlweise blauer, roter oder teilweise sogar schwarzer Piste geht es dann - je nach bevorzugtem Schwierigkeitsgrad - auf breiten Hängen wieder hinunter. Oder aber noch weiter nach oben: Ein zweiter Sessellift hievt die Brettl-Freunde bis auf 2250 Meter - und dort eröffnet ein Schlepplift weitere Möglichkeiten.
Ungefähr acht Kilometer Pisten stehen insgesamt zur Wahl. Eine Größenordnung, die mit etablierten Skiorten natürlich nicht zu vergleichen ist. Dafür gibt es hier keine Wartezeiten am Lift und erst recht kein Gedränge auf den Abfahrten. Wer genügend Kondition mitbringt, kann zusammen mit Skilehrer Mücahit Kalkan ausgedehnte Touren abseits der Pisten unternehmen und sein Können auf Tiefschneehängen unter Beweis stellen. Und während vierlerorts in den Alpenländern ohne Schneekanonen nur noch wenig geht, brauchen sich die Türken nicht über Schneemangel zu beklagen: Bis Ende April, teilweise auch bis in den Mai hinein surren hier - mit dezenter musikalischer Begleitung - die Lifte. Den Drei-Tages-Skipass gibt es wochentags für umgerechnet 38 Euro. Am Wochenende ist er etwas teurer, dann wird das Terrain bei Davras inzwischen auch von immer mehr Einheimischen als sportliche Abwechslung entdeckt.
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Skitage in Anatolien können lang werden - verrät der Blick auf die Uhr: Auch nach 17 Uhr surren die Lifte noch, erst eine halbe Stunde später wird der Betrieb für diesen Tag eingestellt. Wer immer noch nicht genug Bewegung hatte, kann nun auf der hoteleigenen Bowlingbahn noch dieKugel schieben. Oder man lässt sich im großzügig gestalteten Spa-Bereich seine tagsüber so malträtierten Muskeln bei einer Entspannungsmassage wieder lockern.
Genug vom Wintersport im Taurusgebirge und stattdessen Lust auf ein Tennismatch, einen Strandspaziergang oder eine Runde Golf? Das Gepäck ist schnell wieder verladen, der Hotelbus bringt uns in zwei Stunden wieder zurück auf Meereshöhe nach Belek, wo sich das schlechte Wetter zwischenzeitlich verzogen hat. Die Regenwolken sind der Sonne gewichen. Bei Windstille und frühlingshaften Temperaturen genießen vereinzelte Urlauber am Strand bereits ihr erstes Sonnenbad der noch frühen Saison 2007. Aufs Schwimmen im Mittelmeer verzichten die meisten allerdings noch, bei 16 Grad Wassertemperatur trauen sich nur abgehärtete Naturen in die Wellen. Dann schon lieber im wohltemperierten Hallenbad des Hotels untertauchen.
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Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
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