Keine Diskussion um Seilbahn in Liechtenstein
Seilbahnen können auch im urbanen Personentransport eingesetzt werden. Auf die liechtensteinischen Verhältnisse sind die bestehenden Seilbahnlösungen im Nahverkehr jedoch kaum anwendbar.
«Es sollen Perspektiven aufgezeigt werden und es soll gezeigt werden, was für Liechtenstein möglich und was nicht möglich ist, um eine Diskussion entstehen zu lassen», sagte Alexander Batliner in seinen einleitenden Worten zum ersten Vortrag in der Reihe «Mobiles Liechtenstein 2015» gestern Abend in Vaduz. Eine Diskussion vermochte der Vortrag «Innovative Verkehrssysteme im Nahverkehr am Beispiel: ‹Seilbahnen für den urbanen Personentransport›» von Joachim Sellge, Geschäftsführer der Doppelmayr/Graventa Gruppe, nicht auszulösen. Die im Vortrag erläuterten Beispiele, wo derzeit Seilbahnen für den Nahverkehr eingesetzt werden, sind zu weit von den Verhältnissen in Liechtenstein entfernt. Eine Seilbahnen wird deshalb in Liechtenstein in naher Zukunft kaum realisiert werden.
Verkehrsminister Martin Meyer bemerkt jedoch im Faltblatt zur Vortragsreihe, dass «der Wunsch nach Mobilität immer über die aktuell gegebenen Möglichkeiten hinaus denkt, visionär ist».
Seilbahnen im urbanen Verkehr
Das «Cable Car» in San Francisco, das seit 1873 betrieben wird, ist ein herausragendes Beispiel dafür, dass auch im urbanen Bereich Seilbahnen eingesetzt werden können. Der Ausdruck «urbaner Bereich» bezieht sich auf verbaute Zonen beziehungsweise städtisches Gebiet, erläuterte Sellge. Neben diesem Beispiel stellte Sellge eine Reihe von Projekten vor, die von der Doppelmayer Cable Car (DCC) realisiert oder geplant wurden. Die DCC ist ein Unternehmen innerhalb der Doppelmayr/Graventa Gruppe, dessen Spezialbereich der urbane Verkehr ist.
Seilbahnen verfügen über keinen eigenen Antrieb. Das Seil ist Zugmittel. Geführt werden Seilbahnen im urbanen Betrieb über einen Stahlfahrweg. Dies hat im Unterschied zu den klassischen Seilbahnen wie Kabinenseilbahnen, die über ein Seil geführt werden, den Vorteil, dass auch Kurven gefahren werden können. «Das Seil ist im Fahrweg fixiert. Das heisst, es kann nichts entgleisen» hob Sellge einen weiteren Vorteil hervor. Da kein Eigenantrieb vorhanden ist, seien Seilbahnen auch in Sachen Brandschutz weniger problematisch.
Ausserdem kann die Maschine in einem Haus untergebracht werden. Dies ermögliche, die von der Witterung geschützte Anlage auch während des Betriebs zu inspizieren. Schliesslich seien Seilbahnen auch in Sachen Lärm und Erschütterungen unproblematisch.
Unpassende Grössenverhältnisse
Sellge verstand es – obwohl er betonte, nichts verkaufen zu wollen – Seilbahnen als attraktive Lösungen im Nahverkehr darzustellen. Doch die vorgestellten Projekte bezogen sich auf Gebiete, die auf kleinerem Raum einen viel grösseren Verkehrsstrom zu bewältigen haben, als dies in Liechtenstein der Fall ist. Seilbahnen legen meist kürzere Strecken zurück, wie beispielsweise auf Flughäfen vom Parkplatz zum Terminal.
Abgesehen von den Nachteilen einer Seilbahnlösung wie der geringen Flexibilität und der politischen Schwierigkeiten – wer möchte die Seilbahn vor dem eigenen Fenster haben? -, wäre die Wirtschaftlichkeit einer Seilbahnlösung für Liechtenstein mehr als fraglich.
Vortragsreihe
Doch die Anwendbarkeit auf liechtensteinische Verhältnisse sollte nicht im Mittelpunkt des Vortrags stehen. Mit der Veranstaltungsreihe «Mobiles Liechtenstein 2015» werden zwei Ziele verfolgt: «Mit dieser Vortragsreihe möchten wir Ideen sammeln, Visionen präsentieren und das Thema Mobilität und das Thema Verkehr aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Es sollen uns auch einmal andere Aspekte gezeigt werden als die alltäglichen Diskussionen ums Thema Mobilität in und um Liechtenstein», sagte Verkehrsminister Martin Meyer.
Im Rahmen des Forums «Mobiles Liechtenstein 2015» soll zweitens eine fachliche, liechtensteinspezifische inhaltliche Diskussion mit den interessierten Verbänden und der Öffentlichkeit geführt werden. Die Vorbeireitungen dazu laufen. Ein Grundsatzentscheid der Regierung über die Form dieser Diskussion soll im Frühling vorliegen. (rb)
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Das Liechtensteiner Vaterland berichtet: