GPS-Schneeschuhtouren
Mit dem Navi durch den Tiefschnee
GPS-gesteuert macht Schneeschuhwandern richtig Spaß. Abenteuerliche Routen werden so überhaupt erst möglich. Vor allem Männer fühlen sich durch das technische Spielzeug angezogen.
Von FOCUS-Online-Autor Christian Haas
Noch einmal wird der jungfräuliche Schneehang von oben bis unten gemustert. Eine wahre Pracht, wie sich das Sonnenlicht im glitzernden Weiß bricht. Schade eigentlich, diese Unschuld zu zerstören. Doch es muss sein. Mit einem lauten „Yippie“ geht es den Hügel hinab. In Riesenschritten, links ein Haken, rechts ein Ausfallschritt. Die Stöcke zu Flügeln umfunktioniert und immer bedacht, nicht über die eigenen Riesenschuhe zu stolpern. Der Schnee staubt, die Sinne jubeln. Am Fuß des Hangs angekommen, sorgt der Blick zurück dann noch einmal für ein erhebendes Gefühl: Aaah, ein feines Muster. Und der Blick auf das GPS-Gerät meldet: Dauer 0,9 Minuten, Höhenunterschied 48 Meter, Distanz 139 Meter. Aaah, eine feine Zeit, und die sorgt auch für ein erhebendes Gefühl.
Nun bedeutet Schneeschuhwandern längst nicht nur, irgendwelche Hügel hinunter zu rennen. Im Gegenteil: Meistens ist man deutlich langsamer unterwegs, vor allem wenn es einen ungespurten Weg und obendrein bergauf geht. Mehr als 2 bis 3 Kilometer pro Stunde sind da kaum drin. Doch die Sehnsucht nach Natur und Stille sowie der Pionierdrang, als Erster Spuren in die verschneite Landschaft zu setzen, ist eine Kombination, die bei immer mehr Freizeitsportlern in Mode kommt. In Riesenschritten hat sich Schneeschuhwandern zur ernsthaften Wintersportalternative entwickelt. Nicht zuletzt deshalb, weil keinerlei Grundkenntnisse erforderlich sind. Jeder, der laufen kann, schafft das auch mit den XXL-Schuhen.
Fitnessprogramm für den ganzen Körper
Aber Achtung, mit einem gemächlichen Sonntagsspaziergang hat das Ganze in der Regel nichts zu tun. „Auch wenn es immer wieder behauptet wird: Schneeschuhtouren sind alles andere als eine Frauenangelegenheit“, meint Christian Wolpert, und der muss es ja wissen. Seit einigen Jahren organisiert er entsprechende Wanderungen – auch bei Vollmond – im Lenggrieser Isartal und der weiteren Umgebung. „Vor allem wenn eine Route noch ungespurt ist und mehrere Hundert Höhenmeter zu bewältigen sind, bekommt das Abenteuer eine hoch sportliche Komponente. Schließlich werden nicht nur die Oberschenkel, sondern durch die Stockbewegung auch Arme und Rückenmuskulatur ordentlich gefordert“, so Wolpert.
Männer, lest die Signale!
Dieser sportliche Kick und die Aussicht auf ehrlichen Schweiß mögen manchen Mann hellhörig machen. So richtig zieht jedoch die technische Komponente, in Gestalt von kleinen GPS-Geräten, die Wolpert – und dieses Angebot gibt es in Deutschland höchstens zwei bis drei Mal – seinen Schützlingen mit auf den Weg gibt.
Die meisten Männer – und natürlich auch einige Frauen – sind von den kleinen Wunderdingern im Handyformat fasziniert. Noch dazu, da sich dieses Spielzeug mit ein wenig Technikverstand in kurzer Zeit erlernen lässt. An den Rucksackriemen geschnallt, gibt das Navigationsgerät einem dann stets Aufschluss über die weitere Laufrichtung – dafür hat Wolpert gesorgt, indem er die entsprechenden Routen darin abgespeichert hat. Zum Beispiel die Tour vom Achenpass Richtung Gerstenrieder Kopf und zur verfallenen Hochalm. Dank der Mail, die Wolpert am Tag vor der geplanten Tour verschickt, weiß man über Streckenprofil und Tourlänge bestens Bescheid. Ein bemerkenswerter Service.
Quelle: Focus