Als (zugereister) Ruhrpottler hat man in punkto Berge, Klettern und Seilbahnen nicht gerade viele Möglichkeiten. Um so mehr ist der Neubau der EUB am Willinger Ettelsberg ein Grund das nahegelegene Sauerland für einen Wochenendtrip zu nutzen. Das Wetter verspricht richtig gut und damit passend für einen Ausflug zur alten DSB und zum Neubauprojekt zu werden.
Da es in dem Bericht nicht nur um den Neubau geht sondern auch um die bestehenden Anlagen wurde er bewusst ausserhalb des News-Topics geschrieben.
An dieser Stelle ein großes Dankeschön an an den Geschäftsführer der Ettelsberg Seilbahn, Herrn Jörg Wilke sowie den Betriebsleiter Stefan Tenbusch für die Informationen und die Möglichkeit zur Besichtigung der Baustellen.
Zwei große Projekte gibt es in Willingen zu sehen, den Neubau der 8-EUB und den Bau der Beschneiungsanlage für insgesamt 5 Pisten. Die Doppelmayr DSB von 1970 wird dem Neubau zum Opfer fallen, vom Schlepplift Hocheide (1978) ist seit zwei Wochen bereits nur noch das Liftwärterhäuschen an der ehemaligen Talstation übrig.
Die Kapazität der neuen Bahn wird mit 2400 Pers/h deutlich über der der DSB mit 800 Pers/h liegen. Ein Gewinn nicht nur im Winter, bedenkt man doch dass ein grosser Anteil der Einnahmen auch durch den Sommerbetrieb erzielt wird. Mit vorerst 47 (im Endausbau bis zu 55) roten Kabinen von CWA geht es voraussichtlich ab dem 1. Dezember mit 6 m/s (DSB bisher 2,2 m/s) auf den Ettelsberg. Die DSB kann am 4. November das letzte Mal genutzt werden. Die neue Trasse verläuft schräg zur bestehenden DSB, beide kreuzen sich etwa in der Mitte des Hanges. Das ist auch der Grund warum die Stütze Nr. 7 noch nicht montiert ist, sie wird genau in der Trasse der DSB stehen. Die DSB mit ihren 136 Sesseln ist, wie auch der abgebaute Schlepplift, bereits verkauft und wird so zumindest noch als Ersatzteillager dienen. Insgesamt 6,2 Mill. Euro investiert die Ettelsberg Seilbahn in den Neubau, noch einmal 10,5 Mill. wird die Beschneiungsanlage kosten. Während letztere durch Land, Kreis und GEmeinde gefördert wird, werden die mittel für den Seilbahnbau komplett selbst aufgebracht.
Die Beschneiung ist, zumindest was die momentane Bautätigkeit angeht, wesentlich beeindruckender. Neben dem Hochheideturm auf dem Ettelsberg entsteht ein Speicherteich mit 52.000 qqm Fassungsvermögen, was ausreicht für eine Grundbeschneiung von insgesamt 6 km Pisten mit einer Breite von 30 m und einer Schneehöhe von 30 cm innerhalb von nur 60 Stunden. Allein an der Hauptabfahrt am Ettelsberg kommen dabei 15 Schneekanonen zum Einsatz. Bedingt durch die exponierte Lage des Hanges und die Windanfälligkeit wird es keine Beschneiung mit Lanzen geben. Das Wasser wird aus der Hoppecke entnommen und in den Speicherteich gepumpt won woaus es mit bis zu 210 l/s auf den Weg zu den Beschneiungsanlagen geht.
Die folgenden Bilder wurden am 21. und 23. 09. aufgenommen.
Ettelsberg mit neuer (rechts) und alter (links) Talstation und Trasse
Die neue Talstation. Die UNI-G hat man geschickt in das Gebäude mit grossem Bogendach integriert. Im Gegensatz zur DSB wird die neue Bahn eine Linksauffahrt haben, im Vordergrund entsteht daher der Zugangsbereich.
In das Gebäude werden, neben der Garagierung der Kabinen, zusätzlich eine DSV Skischule, eine Flugschule sowie ein Skicenter ("Snow and Bike Factory") integriert. Während die Abspannung in der Talstation ist, befindet sich der Antrieb am Berg.
Ausfahrt Talstation
An diesem Tag gibt es die vorletzte Kabinenlieferung ...
... die man flink in die grosszügig dimensionierte Halle bringt.
Hübsch aufgereiht hängen bzw. stehen sie da und warten auf die Montage.
Die Garagierung erfolgt natürlich automatisch, Sensoren melden den Füllstand einer Schiene und stellen danach die Weichen.
Klemme mit einer Klemmkraft von max. 15 t
Kettenförderer an der Durchfahrt von der Station zur Garage
Auf zur Bergstation, natürlich mit der DSB die mal wieder zahlreiche Zwischenstops einlegt
Niederhalter an der Ausfahrt Talstation
Trasse der beiden Anlagen, deutlich zu erkennen die noch liegende Stütze 7, alle anderen Stützen sind bereits montiert.
Die relativ große Höhe (Stütze 4 = 23 m) nach der Talstation der neuen Anlage ist notwendig um den Wasser-Hochbehälter (Bildmitte) zu überwinden.
Während der Auffahrt hat man den besten Überblick über das Baugeschehen, Stütze 3
Gemütlich nähert sich die DSB der Talstation des ehemaligen Schleppliftes "Hochheide"
Die Trasse verlief nur wenige Meter parallel neben der DSB.
"Überfahrt" Stütze 7
Im oberen Teil der Strecke werden die Bauarbeiten an der Beschneiungsanlage sichtbar. Insgesamt 23 Rohre und Kabel für Beschneiung und Seilbahnsteuerung werden in die Hauptgräben verlegt. Der Aushub wird auf Planen gelagert, an einigen Stellen muss die Trasse sogar extra einen Bogen um naturgeschützte Flächen machen.
Bis der Hochheideturm zusammen mit der neuen Bergstation in Sicht kommt.
Doch zurück zur alten Technik die eher unspektakulär an der Open-Air Bergstation endet
Der Hügel wird samt Station abgetragen um einen freien Übergang zu Siggi's Hütte zu schaffen.
Ein Blick auf die Bergstation die den 384 kW DSD-Antrieb beherbergen wird.
Unbedingt zu empfehlen ist der Aufstieg auf den Hochheideturm da man von dort aus eine prima Baustellenübersicht, insbesondere auf den direkt anschliessenden Speicherteich geniessen kann.
8,5 m tief und später auf einem kleinen Wanderweg zu umrunden
Die Gruppe der wir die Teilnahme an einer ausserplanmässigen Baustellenführung zu verdanken haben, die "Liedertafel Schweinsbühl" - Herzlichen Dank!
Wird später bestimmt ein netter Anblick - Turm mit See
Der Wald für den Teich und die Bergstation (ca. 3 ha) wurde noch vor Kyrill gerodet, der Orkan hat die Fläche allerdings noch um einiges erweitert
Daher sollte man einige Meter Richtung Große Grube gehen und den "Kyrill-Pfad" besuchen. Auf 1 ha Fläche wurde das Bruchholz liegen gelassen und ein Pfad mit allerlei Leitern und Treppen quer hindurch angelegt - interessant.
Es geht wieder nach unten - mit Blick auf Willingen
Alt und Neu (noch) friedlich nebeneinander
So einen Himmel muss man ausnutzen ...
Einfahrt Talstation
Auf Wiedersehen DSB
Ein Blick auf die Talstation des Unteren Wilddiebliftes. Was das Bild nicht nicht zeigt: Am Wochenende ist auch dieser Lift in Betrieb und zwar zu Werbezwecken damit sich das Schild auf der Seilscheibe hübsch dreht.
Fazit: Die Baustellen stören das Landschaftsbild zwar momentan erheblich, die Vorfreude auf die Neuerungen gleichen diesen Verlust jedoch mehr als aus. Vielleicht findet sich ja auch jemand der am 4. November am letzten Betriebstag der DSB in Willingen ist, wir können leider erst am 1. Dezember zur Neueröffnung wiederkommen.
Wer noch mehr Bilder (auch in Original-Auflösung) sehen möchte kann sich gern per PN melden.