In welche Richtung geht Frankreichs Wintertourismus?

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snowflat
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In welche Richtung geht Frankreichs Wintertourismus?

Beitrag von snowflat »

In welche Richtung geht Frankreichs Wintertourismus?

Die Lage in Frankreich

Herr Jean-Charles Simiand, Generalvertreter des SNTF (Französischer Seilbahnverband) und Ehrenmitglied der OITAF, war so entgegenkommend, unsere nachstehenden Fragen ausführlich zu beantworten. Seit 31 Jahren vertritt Herr Simiand dynamisch und erfolgreich die Interessen des SNTF und ist mit der Entwicklung des Seilbahnwesens in Frankreich bestens vertraut.

Wie beurteilen sie die Zukunftsaussichten des Bergtourismus für den Winter und den Sommer?


97 % der Seilförderanlagen sind in Frankreich im Winter und nur 3 % davon im Sommer in Betrieb (nur 200 Anlagen).
Die Anzahl der Skitage in Frankreich und in Europa ist während der letzten Wintersaison regelmäßig gestiegen, außer im letzten Winter, wo die Temperaturen außergewöhnlich hoch waren.
Das allgemeine Ansteigen des Temperaturdurchschnitts muss ernsthaft – doch ohne Panikmache – in Rechnung gestellt werden:
• durch die neuerliche Bestätigung der Bedeutung der mechanischen Beschneiung (ohne diese wäre der letzte Winter eine Katastrophe gewesen ...),
• durch eine Unterstützung des Angebots an verschiedenen Aktivitäten, vor allem in mittleren Gebirgslagen, wobei aber dem Ski weiterhin eine zentrale Stellung zukommt, denn diese anderen Aktivitäten werden den Skilauf nicht ersetzen. Andrerseits könnte ein derartiges Angebot an neuen Aktivitäten etwas die Sommerauslastung in den französischen Bergen verbessern, die an einem Imagedefizit und an einer bedeutenden Konkurrenz leidet (Meer, Landaufenthalt, Stadt ...).

Welche Aufgaben erfüllt der SNTF heute, um die Arbeit seiner Mitglieder zu unterstützen?

• Hilfestellung beim Betrieb bezüglich des Umweltschutzes und bei der Erlangung des Zertifikats ISO 14001 oder QSE (eine Charta wird bei der Generalversammlung im Disneyland Paris vorgelegt werden);
• Dazu beitragen, dass die wesentliche und unbedenklich Rolle der mechanischen Schneeerzeugung anerkannt wird;
• Den Bergtourismus sowohl im Sommer als auch im Winter zu fördern;
• Ein Maximum an Ausbildung der Mitarbeiter sicher zu stellen;
• Technische methodologische Anleitungen zu verfassen: Hauptrevision der Seilschwebebahnen, Überprüfung der Schlepplifte nach 30 Jahren, Sicherheit der Arbeitnehmer im Rahmen des Betriebes und Wartung der mechanischen Aufstiegshilfen.
• Bemühungen um eine größere europäische Übereinstimmung bezüglich der rechtlichen Betriebsbedingungen.

Wie beurteilen Sie die EU-Seilbahnrichtlinie und welche Auswirkungen wird sie Ihrer Meinung nach auf die Branche haben?

Frankreich fühlte sich gezwungen der gute Schüler Europas zu sein und hat sich seit 2004 vorgenommen, die Bestimmungen der EU-Richtlinien sowohl für die Seilschwebebahnen als auch für die Schlepplifte so gut es geht einzuhalten.
Für die Seilschwebebahnen haben sich die Dinge ganz gut entwickelt, doch für die Schlepplifte war es viel komplizierter, es gab Verzögerungen auf der Ebene der Genehmigungsverfahren, und der SNTF musste sich einschalten, damit die Anlagen die Betriebsgenehmigung für die Wintersaison 2004/2005 trotz der noch unvollständigen Konformitätsbescheinigungen erhielten.
Obwohl noch ein ausreichend großer zeitlicher Abstand fehlt, um die Wirkung der Richtlinie zu beurteilen, kann doch schon gesagt werden, dass sie global gesehen das Anforderungsniveau an die Anlagen - und da vor allem an die Schlepplifte - gehoben und damit eine Kostensteigerung verursacht hat.
Eine gleichermaßen unmittelbare Wirkung hat die relative Standardisierung der Anlagen; es gab sehr wenige innovative Bahnen in den vergangenen drei Jahren. Dieser Trend dürfte sich im Laufe der Jahre abschwächen, vor allem in Frankreich mit einer Aufsichtsbehörde für Seilbahnen, die gegenüber Innovationen positiv eingestellt und bereit ist, neue Konstruktionen nicht nur nach den Normen, sondern mittels Sicherheitsanalyse zu bewerten.
Allerdings ist manchmal für die Behandlung gewisser komplizierter Risken oder aus Gründen der Einfachheit eine Tendenz festzustellen, die Verantwortung durch Wartungs- und Betriebsvorschriften auf den Betreiber abzuwälzen. Bei der Erstellung der Sicherheitsanalyse durch den Konstrukteur ist besonders wichtig, dass der Bauträger und der Betreiber von vornherein beim Projekt mit einbezogen werden, um gegen gewisse Maßnahmen, wenn notwendig, Einspruch zu erheben und die Wahlmöglichkeiten des Konstrukteurs in eine andere Richtung zu lenken.

Welche Seilbahnsysteme kommen derzeit in Frankreich bevorzugt zur Anwendung und aus welchen Überlegungen?

Schon seit mehreren Jahren kommt das System der kuppelbaren 6er-Sesselbahn sehr stark zum Einsatz, ja man kann sogar von einem Standardsystem sprechen.
Es bietet:
• ein gutes Preis-Leistungsverhältnis mit niedrigeren Wartungskosten als diejenigen, die für die kuppelbare 4er-Sesselbahn aufzuwenden sind (weniger Fahrzeuge),
• ein hohes Leistungsniveau im Hinblick auf Komfort, Geschwindigkeit und Förderleistung,
• eine gute Sesselauslastung (die Fahrgäste nehmen ohne lange zu zögern auf dem Sessel Platz).
Zweifelsohne handelt es sich auch ein bisschen um eine Modeerscheinung.
Die fixe 4er-Sesselbahn steht an zweiter Stelle, da sie große Vorteile für kurze Strecken bietet:
• ein sehr interessanter Kaufpreis im Verhältnis zur kuppelbaren Anlage (fast zwei Mal geringer für die gleiche Strecke),
• bedeutend niedrigere Wartungskosten,
• eine gute Förderleistung
• mehrere leistungsstarke Angebote auf dem Markt und daher eine größere Konkurrenz als auf dem Markt der kuppelbaren Anlagen.

Wie hoch ist der Anteil der mechanische Beschneiung in Frankreich, welche Tendenzen sehen Sie hier?


Derzeit beträgt der Anteil der mechanisch beschneiten Pisten 19 %, der im Vergleich zu zahlreichen Kollegen in der Welt keineswegs übertrieben hoch ist. 56 Mio. Euro wurden 2006 in die mechanische Beschneiung investiert.
Der erzeugte Schnee ist vollkommen rein (Wasser + Luft), denn Snomax sowie auch irgend eine andere unterstützende Substanz ist in Frankreich nicht im Handel.
Auf Grund der Klimaerwärmung kann eine steigende Bedeutung der mechanischen Beschneiung angenommen werden, aber ohne Übertreibungen und unter Beachtung unserer wunderbaren Bergwelt.

Wir danken für das Gespräch!
Quelle: ISR
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!

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