Den Winter 2006/07 haben viele Skiläufer in schlechter Erinnerung: Vor Weihnachten blieb der Schnee in den Alpen weitgehend aus, und auch danach war die Landschaft neben vielen Hängen oft mehr grün als weiß. "Nächstes Mal fahren wir sicher erst später im Jahr", dürften sich da viele gedacht haben. Die Skisaison könnte also diesmal später als sonst auf Touren kommen - und eher zu Ende ist sie sowieso.
Denn der Ostersonntag fällt 2008 schon auf den 23. März, der Termin liegt so früh wie seit 1913 nicht mehr - und nach den Osterferien ist in vielen Skigebieten die Luft raus. Viele Orte stellen sich daher auf eine "kompakte Saison" ein, sagt Birgit Koller-Hartl, Leiterin der Österreich-Werbung. Matthias Pronegg, Marketingleiter von Stubai Touristik, ergänzt: "Der April wird diesmal tatsächlich unser Bauchwehmonat."
Das Wetter und der Kalender - beide Faktoren haben schon immer Einfluss auf die Dauer einer Skisaison gehabt. Die Wintersportorte sind stets froh, wenn Ostern erst spät in den April fällt, weil das ihre Saison verlängert und der Gästeandrang sich besser verteilt. Denn rund um Weihnachten und Neujahr sind die Skiorte traditionell völlig ausgebucht - egal, wie viel Schnee liegt. "Anschließend gibt es normalerweise dann einen kleinen Einbruch bei den Logiernächten", sagt Markus Gilgen von Schweiz Tourismus.
In dieser Zeit im Januar sind die Pisten leerer, was viele Gäste sehr schätzen. Nur wird es diesmal kaum dazu kommen - auch die Schweiz erwartet eine "komprimierte Saison und kontinuierliche Auslastung bis nach Ostern". Wann also ist der beste Zeitpunkt für einen Skiurlaub? Wann sind die Pisten am leersten und die Preise am günstigsten - und das alles bei trotzdem reichlich Schnee? Die Lücke zu finden, ist diesmal besonders schwierig. "Unsere österreichischen Winterferien und die deutschen Osterferien gehen fast direkt ineinander über", sagt Koller-Hartl.
Auch in der Schweiz sind im Februar Schulferien, "da muss man sich jetzt schon bemühen, um noch Quartiere zu finden", sagt Christina Marzluff, die Leiterin von Schweiz Tourismus. Am ehesten werde es ein "Durchatmen" in den Wintersportorten noch in der zweiten Januarhälfte 2008 geben, schätzen beide Expertinnen. Wie viel Schnee dann abseits der beschneiten Pisten liegt, weiß heute noch niemand.
Das Wetter-Roulette bleibt Skiurlaubern in Zeiten des Klimawandels nicht erspart. "Normalerweise liegt Schnee in den niederen Alpenlagen von Mitte Dezember bis Anfang März", sagt Gerhard Müller-Westermeier vom Deutschen Wetterdienst. "Die größte Schneehöhe ist in den niederen Lagen in der Regel im Februar vorzufinden."
Aber was heißt noch "normalerweise"? Im vergangenen Winter hatte zum Beispiel Garmisch-Partenkirchen im Ort nur 20 Zentimeter Schnee im Januar, dann eine Pause und im März schließlich noch mal 21 Zentimeter für fünf Tage. Im Winter 2005/06 sei die Schneedecke dagegen von Dezember bis März konstant vorhanden und mit 35 bis 70 Zentimeter auch dicker gewesen, so der Meteorologe.
"Weihnachten ist immer kritisch, was den Schnee angeht. Das kann immer schief gehen", ist Müller-Westermeiers Erfahrung. Das gilt auch für die höheren Lagen, denn je näher ein Ort am Alpenhauptkamm liegt, desto trockener ist es dort tendenziell. "Wenn dort Schnee fällt, summiert sich der aber, weil in den Hochlagen wenig wieder wegtaut", erklärt der Experte. Folglich sind hier die größten Schneemengen in der Regel nicht im Februar, sondern erst im April vorzufinden.
Auf der fast 3000 Meter hohen Zugspitze zum Beispiel beträgt die höchste je gemessene Schneedecke 7,80 Meter, registriert am 26. April 1980. So spät in der Saison werden diesmal aber viele Lifte gar nicht mehr in Betrieb sein. "Die meisten Skiorte sind bis zwei Wochen nach Ostern geöffnet", sagt Markus Gilgen von Schweiz Tourismus - 2008 also nur bis Mitte April. Im Wallis etwa sei dann oftmals Feierabend. Auch in Graubünden planen viele Skiorte den Liftbetrieb zunächst nur bis zum 13. April. Ähnliches gilt auch für die mittelhoch gelegenen Skigebiete in Österreich.
Für viele Skiläufer, die nicht auf die Schulferien angewiesen sind, könnten die ersten April-Wochen aber diesmal die optimale Urlaubszeit sein. "Im April ist Nachsaison, aber das Wetter ist dann wärmer, und die Pisten sind gut präpariert. Da wird es viele tolle Angebote geben", ist sich Koller-Hartl sicher. Nach den ersten Schneefällen in den Alpen schon Ende September ist die Tourismusmanagerin zudem optimistisch, dass dieses Mal bereits am Anfang der Saison viele Pisten rasch weiß werden und es dann auch bleiben. Und doch sind viele Verbraucher skeptisch. "Jetzt ist es wichtig, den Menschen besonders schnell Bilder vom Schnee zu zeigen, damit die Verunsicherung ein Ende hat", meint Tourismuswerber Pronegg.
Franz Holzknecht, Tourismusdirektor von Samnaun, lässt die Diskussion hingegen kalt: Die vielen Berichte über den Schneemangel in der vorigen Saison hält er für Hysterie. Dennoch versuchen sich immer mehr Skiorte mit noch mehr Schneekanonen abzusichern. Saalbach Hinterglemm genauso wie die Skigebiete Kaprun, Gasteinertal, der Tourismusverband Paznaun/Ischgl und Hochfügen im Zillertal. Kitzbühel hat ebenfalls nachgelegt: Schon 2005 wurde im Skigebiet Resterhöhe einer der größten Speicherteiche Österreichs angelegt, als Reservoir für den Nachschub an künstlichem Schnee.
Fazit: Zuverlässige Prognosen bleiben schwierig, das Ergebnis des diesjährigen Wetter-Roulettes völlig offen. Aus der Erinnerung an wenig Schnee im vergangenen Jahr irgendetwas ableiten zu wollen, etwa dass der nächste Winter genauso schlecht wird oder aber das genaue Gegenteil eintritt, sollten Skiurlauber gar nicht erst versuchen. "Zyklen, nach denen Schnee fällt", sagt Meteorologe Gerhard Müller-Westermeier, "die gibt es einfach nicht".
Christian Röwekamp, Pascal Brückmann
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Und was sagt uns das? Nach Ostern gibt es Schnee und leere Pisten!
Mal wieder einen absolut schwachsinnigen Zusammenhang zusammenkonstruieren. Am besten noch mit "Schnee im September! Jetzt spielt das Klima verrückt!"-Überschrift. 
Im übrigen ist der Winter schon da...
Der Satz ist ja wohl typisch Flachlandmedien! Als ob es was besonderes wäre, wenn es in den Bergen auch im Sommer (!) schneit.Nach den ersten Schneefällen in den Alpen schon Ende September ist die Tourismusmanagerin zudem optimistisch, dass dieses Mal bereits am Anfang der Saison viele Pisten rasch weiß werden
Im übrigen ist der Winter schon da...
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Wombat
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Sag nichts. Wenn hier im April schon alles Grün ist, und mich jemand vom Haus mit dem Board sieht. Schauen sie dich wie einen Ausserirdischen an. Ein paar haben inzwischen begriffen, das der Frühling in den Bergen später einsetzt.thun hat geschrieben:Der Satz ist ja wohl typisch Flachlandmedien! Als ob es was besonderes wäre, wenn es in den Bergen auch im Sommer (!) schneit.