Quelle: Hamburger AbendblattInnsbruck: Neun Skigebiete rahmen die österreichische Stadt ein
Wo die Abfahrten fast vor der Haustür beginnen
Aufgrund der guten Lage befinden sich 285 Pistenkilometer in unmittelbarer Nähe. Zum Après-Ski geht es in die Bars der Innenstadt.
Von Dagmar Gehm
Für Besucher aus der norddeutschen Tiefebene ist es schon ein seltsamer Anblick. Durch das Zentrum der belebten Landeshauptstadt von Tirol laufen reihenweise Leute mit geschulterten Skiern oder Snowboards. Und niemand dreht sich nach ihnen um. In 20 Minuten schon sind sie dann ganz oben - mitten aus der Stadt heraus geht es hinein ins Skigebiet Nordpark-Seegrube in 1905 bis 2300 Meter Höhe. Ein paar Schwünge in der Mittagspause, ein bisschen Höhensonne getankt, und dann ab ins Büro oder an die Uni. Lebensgefühl nach Innsbrucker Art! Wo die Berge zum Greifen nah sind, den Ablauf der Jahreszeiten bestimmen und den Rhythmus des Tages vorgeben.
Schon beim Anflug mit der Boeing 737 der Lufthansa, die Innsbruck als Schneeflieger bereits im zweiten Winter jeden Donnerstag und Sonntag ab Hamburg ansteuert, halten Passagiere den Atem an, so dicht über den Gipfeln scheint die Maschine auf den Flugplatz Kranebitten einzuschweben. Zweimal hat die Stadt in den Alpen wegen ihrer besonderen Lage die Olympischen Winterspiele ausgerichtet - einmal 1964 und einaml 1976. Neun Skigebiete mit insgesamt 285 Pistenkilometern rahmen unter dem Begriff "Olympia Skiworld Innsbruck" die Stadt am Inn ein. Während das Skigebiet Nordpark-Seegrube hoch über der Stadt liegt, ist der Patscherkofel sieben Kilometer entfernt, die Muttereralm acht Kilometer, Rangger Köpfl 14 Kilometer, Axamer Lizum 16 Kilometer, Schlick 2000 25 Kilometer, Kühtai 35 Kilometer und der Stubaier Gletscher 45 Kilometer. Ein Gratis-Skibus verbindet Innsbruck mit den Skigebieten, die sich außerhalb der Stadt befinden. Voraussetzung allerdings ist mindestens eine Übernachtung in Innsbruck.
Jedes Gebiet stellt andere Ansprüche, jedes der 25 Skidörfer hat seinen eigenen Charakter. Wie zum Beispiel Kühtai, das auf 2020 Meter als höchstgelegener Wintersportort Österreichs gilt. Die baumlosen Pisten auf der Passhöhe zwischen Gries und Oetz sind fast durchweg blau und rot gekennzeichnet, also für jedes Fahrkönnen geeignet. Das Hoteldorf liegt mitten im Skigebiet, die Abfahrten beginnen praktisch vor der Haustür. Wegen seiner Höhenlage gilt Kühtai bis in den Mai hinein als schneesicher. Dreimal wöchentlich pilgern Urlauber wie Einheimische abends zur Hüttengaudi in den urigen "Dorfstadl".
Den kleinen Pistenhunger zwischendurch stillen die Innsbrucker entweder auf dem Patscherkofel, wo sich Könner auf die Olympia-Abfahrt trauen, oder eben in der Nordpark-Seegrube. Hoch über der Stadt, wo Boarder und Freeskier im Snowfunpark ihre Sprünge zeigen, fällt für den durchschnittlichen Skifahrer der Hang beängstigend steil ab. Trotzdem lohnt sich die Fahrt mit der brandneuen Sektion "Hungerburg" der Nordkettenbahn, die das Stadtzentrum neuerdings - ein Aufwand von rund 50 Millionen Euro - mit dem Stadtteil Hungerburg verbindet. Von dort katapultiert eine Seilbahn Fahrgäste direkt bis zur Seegrube, wo Wintersport nicht unbedingt zwingend ist. Völlig angstfrei genießen Besucher des Restaurants "Seegrube & Hafelekar" auf 1905 Metern das Breitbandpanorama der tief unten liegenden Stadt. Inhaber Oliver Schulz erhöht den Wohlfühlfaktor, indem er seine Gäste im À-la-carte-Bereich in bequeme Hauspantoffeln schlüpfen lässt.
Für Fans extremer Abfahrten geht immer noch ein bisschen was, und zwar von der Seegrube aus mit einer weiteren Seilbahn hinauf aufs Hafelekar in 2300 Meter Höhe, wo die berüchtigte Kar-Rinne mit 70 Prozent Gefälle furchtlose Freaks schon mal zum "Probeliegen" zwingt. Mancher findet gar, das Gefühl sei mit jenem vergleichbar, das Skispringer auf der Bergisel-Schanze haben. Und die sind immerhin nicht nur mit großer Höhe, sondern auch mit einem direkten Blick auf den Friedhof konfrontiert. Seit 2003 prägt allerdings eher die moderne, 120 Meter hohe Schanze hier oben das Bild. Nervenkitzel dürften nicht zuletzt auch Nichtprofis auf der Bobbahn in Igls - der "Sonnenterrasse Innsbrucks" - verspüren, wenn sie, von Profis gelenkt, in Bobs durch den Olympia-Eiskanal rasen.
Die Berge sind selbst nachts eine Attraktion. Durch die Panoramafenster im angesagten Restaurant "Lichtblick" etwa scheint die beleuchtete Schanze zum Greifen nah. Und jeden Freitag sind die beiden Bahnen für Abendfahrten mit Dinner im Restaurant "Seegrube & Hafelekar" bis halb zwölf geöffnet - auch als Paket inklusive Fahrt und Blick auf den Innsbrucker Lichterglanz (für 50 Euro) zu buchen. Eine besonders winterliche Note verleihen die schneebedeckten Gipfel des Hochgebirges rund um die Stadt dem traditionellen Weihnachtsmarkt in der Altstadt mit ihren romantischen Laubengängen. Unter dem Wahrzeichen Innsbrucks, dem "Goldenen Dachl", wird gleich neben dem prächtigsten Bürgerhaus im deutschen Sprachraum "echt Alpines" angeboten: heimisches Holz- und Glashandwerk, kunstvoll verzierte Kerzen oder Tiroler Loden. In offenen Feuern knistern Maronen, und vom Erker des Goldenen Dachls spielen täglich ab 17.30 Uhr Turmbläser stimmungsvolle Weihnachtsstücke. Innsbruck - eine Großstadt in ewiger Freizeitstimmung. Selbst den Festtagsstress nimmt man hier gelassener. Geschenkekäufe werden gern in proppevollen Cafés, wo es laut, eng und fröhlich zugeht, unterbrochen - der Einfluss des nahen Italien lässt grüßen.
Zwischen Trend und Tradition bewegt sich auch das Après-Skileben. Hotspots sind die Brauerei "Theresienbräu", die sich ab 21 Uhr in einen Club verwandelt. Oder das multifunktionale "Stadtcafé" als Cocktailbar, Club und Disco. Erstaunlich viele Studenten zieht es in die eher biedere "Buzihütte", die schon weit über hundert Jahre auf dem Buckel hat. Sie essen sich satt an einem gefüllten Schnitzel, das den den hässlichen Namen "Eiterbeule" nicht verdient. Für den Rest des Abends bieten lauschige Nischen ein diskretes Forum zwischenmenschlichen Studiums.
Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen somit jene Besucher von Innsbruck, die jeden Tag eine andere Piste testen und am Abend in das Flair einer lebendigen Großstadt eintauchen.
erschienen am 24. November 2007
Innsbruck: Wo die Abfahrten fast vor der Haustür beginnen
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Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
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