Quelle: Hamburger AbendblattÖsterreich: Das Katschberggebiet zählt zu den sonnigsten im Alpenraum
Skifahren im Takt des Almrauschwalzers
Elegant durch die Pulverpracht wedeln und dabei die weiße Winterwelt genießen. Mit dem Pferdelift geht es dann zurück auf die Pisten.
Von Daniela David
Versprochen war ein "einmaliges Panorama" mit Blick auf die Südseite der Alpen. Normalerweise haben Skiläufer vom Aineck aus, in 2200 Meter Höhe, eine fantastische Aussicht. Doch heute herrscht dichtes Schneetreiben am Katschberg.
Also schnell wieder ins Tal. Die "Direttissima" wartet, eine extreme Abfahrt. Schon mancher Pistenfan ist hier tragisch gescheitert. Doch für Erwin Resch ist sie genau der richtige Weg nach unten: "Ich liebe diese schwarze Piste, sie ist oben extrem steil, dann listig, stets eine Herausforderung", schwärmt der ehemalige Weltcup-Skirennläufer. Weniger Waghalsige nehmen lieber die Alternative: eine rote Abfahrt, auf der die Wintersportler kilometerlang ins Tal gleiten.
Dort auf der Katschberghöhe in 1641 Metern über Meereshöhe tummeln sie sich: Kinder, die in der Pferdekutsche zu "Katschis Ski-Kinderwelt" gebracht werden, Gruppen, die mit ihrem Skilehrer aufbrechen, Ski-Flaneure, die bereits den ersten Jagatee in einem der Open-Air-Lokale trinken. Kaum ein Skifahrer hat eine weite Anfahrt, denn fast alle Pisten sind zu Fuß von den Quartieren aus erreichbar.
Der Ort zählt nur 47 Einwohner - die Katschberghöhe ist nicht historisch gewachsen, sondern vor 50 Jahren mit der ersten Bergbahn gegründet worden. Es gibt keine Kirche und erst seit kurzem einen Geldautomaten. Dennoch ist alles da, was der Skifahrer braucht. Die breiten Pisten können alle künstlich beschneit werden. Das mittelgroße Skigebiet mit 66 Pistenkilometern und 16 Liften hat viele rote Abfahrten und einige wenige schwarze. "Wir zählen zu den sonnigsten Skigebieten im Alpenraum", wirbt Tourismusdirektor Josef Klinar. Nur eben heute lässt sich die Sonne nicht blicken.
Bei dem trüben Wetter heißt es erst einmal einkehren: In der "Gamskogelhütte" bestellt Erwin Resch eine Brotsuppe, die überraschenderweise in einem Laib Brot serviert wird. Die anderen essen Kaiserschmarrn, typische Kärntner Kasnudeln oder Brotzeitteller mit Speck und Wurst aus der hauseigenen Räucherei. Kurioserweise geht die Landesgrenze direkt durch die Hütte: Auf der einen Seite sitzen die Gäste in Kärnten, auf der anderen im Salzburger Land. "Gottes Segen haben wir hier auch", sagt der Hüttensenior Andreas Strafner und zeigt auf eine winzige Kirche am nahen Bergrand. Die Kärntnerin Olga Hoffmann hat die Marienkapelle auf ein Gelübde hin bauen lassen. Ein "Kraftort" sei dies, an dem auch Skifahrer kurz innehalten können. "Ich habe einen guten Draht nach oben", sagt Hoffmann, die mit der "Gabe der Vorhersehung" gesegnet ist, wie es am Katschberg heißt. Ihre Dienste als Wahrsagerin sind hier gefragt.
Es ist Zeit zum Aufbruch - und siehe da: Nun scheint die Sonne. Eine Familie packt die Schlitten. Auf der Rodelbahn geht es für sie direkt von der Hütte ins Tal, eineinhalb Kilometer durch den Wald. Die Skifahrer befördert ein Sessellift rasch auf den 2030 Meter hohen Tschaneck. Hier endet das normale Skigebiet. Auf der Rückseite des Berges ist die Winterwelt unberührt: keine Lifte, keine Menschen, vollkommene Ruhe. Die Schneekristalle glitzern in der Sonne.
Doch es bleibt keine Zeit für mulmige Gedanken über das eigene Skifahrer-Können. Lawinensicher sei der Hang, sagen die Begleiter. Also: Ab in den Tiefschnee. Die einen wedeln elegant durch die Pulverpracht, die anderen versuchen immerhin es ihnen gleichzutun. Glücklicherweise landet man im Tiefschnee weich. Abgekämpft, aber glücklich kommen die Skifahrer unten an.
In dem einsamen Tal steht nur eine einzelne Hütte. Skilifte sind in dem Naturschutzgebiet nicht erlaubt. Wie kommt man nun hier wieder heraus? Plötzlich ein Schnauben - und der Klang von Glöckchen durchbricht die Stille. Ein zweispänniger Pferdeschlitten fährt heran, zur Abholung der Skifahrer: der "Biolift", wie er hier genannt wird. Hinter dem Schlitten wird ein langes Seil befestigt. Die Skiläufer stellen sich mit etwas Abstand hintereinander auf, die Skistöcke kommen in den Schlitten. So hat man die Hände frei, um sich am Seil festzuhalten.
Ein kurzer Ruck, die Pferde ziehen an, und der Tross gleitet durch die Winterlandschaft. "Am besten etwas in die Knie gehen und locker bleiben", rät Andreas Neuschitzer den Skifahrern vom Kutschbock aus. Der Kärntner hatte vor einigen Jahren die "Biolift"-Idee: Pferdeäpfel statt CO2-Ausstoß. Den Romantikern unter den Skiläufern aber ist das nicht genug. Für einen typischen Kärntner Hüttenabend lassen sie sich auch abends vom Hotel mit dem Pferdeschlitten abholen. Zwei Noriker, österreichische Kaltblutpferde, ziehen die Gäste durch die Nacht. Bei Mondschein wirkt der einsame Winterwald fast etwas gespenstisch.
Vor der Pritzhütte erklingen Alphörner zur Begrüßung, zum Aufwärmen wird Zirbenschnaps eingeschenkt, hergestellt aus heimischen Kiefern. Während Wirtin Sabine Brugger Hausmannskost auftischt, spielen die Musiker den "Almrauschwalzer", passend zur ausgelassenen Stimmung. Auch Fuhrmann Andreas Neuschitzer greift zur Gitarre, singt Herz-Schmerz-Lieder. Und sagt: "Wir Kärntner sind vielleicht nicht die schnellsten. Aber dafür die gemütlichsten." (tmn)
erschienen am 1. Dezember 2007
Katschberggebiet: Skifahren im Takt des Almrauschwalzers
- snowflat
- Moderator
- Beiträge: 16035
- Registriert: 12.10.2005 - 22:27
- Skitage 25/26: 3
- Ski: ja
- Snowboard: nein
- Hat sich bedankt: 249 Mal
- Danksagung erhalten: 3473 Mal
- Kontaktdaten:
Katschberggebiet: Skifahren im Takt des Almrauschwalzers
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!