Serfaus: Mittelalterliche Gräber am Plateau
Was den Einsturz der Serfauser Tiefgarage verursachte, steht- noch nicht fest.
Die Risse in der Muirenkapelle haben sich laut Mangott durch den Tiefgarageneinsturz etwas verstärkt.
Bild: TT/Schnegg
Nachdem das fast fertige Bauwerk am 4. Dezember 2007 plötzlich einbrach, wurden auch die Stimmen nicht mehr ruhig, die von entweihter Erde und gestörter Ruhe mystischer Wesen sprachen, die sich auf diese Weise rächen wollen.
Dass der Muirenbichl kein "normaler" Ort ist, hat auch das Bundesdenkmalamt von Anfang an vermutet und den Bereich als so genannte Verdachtsfläche ausgewiesen. Bereits vor den Bauarbeiten wurden deshalb Ausgrabungen durchgeführt, deren Finanzierung die Gemeinde Serfaus trägt.
"Wir haben mehrere Körpergräber gefunden", bestätigt Johannes Pöll vom Bundesdenkmalamt, "sie wurden alle geborgen und in München untersucht." Die Ergebnisse liegen seit Kurzem vor und sind archäologisch äußerst interessant: Demnach stammen die Gräber aus dem frühen Mittelalter, aus der Zeit zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert.
Gebäuderest aufgetaucht
"Das war da oben nicht zu erwarten", klärt Pöll auf, "so etwas kennt man im Oberen Gericht eigentlich gar nicht." Es sei eher zu vermuten gewesen, "dass die Gräber aus römischer Zeit stammen.
Einige wenige römische Fundstücke sind auch tatsächlich aufgetaucht." Bei den Gräbern wurde auch ein Gebäuderest gefunden. Der fiel allerdings der Baugrube zum Opfer. Endgültigen Aufschluss über das Alter der Funde wird allerdings erst eine Datierung der Knochen nach der C-14-Methode bringen.
Damit die Fundstelle nicht in Vergessenheit gerät, soll laut Pöll nach Abschluss der Bauarbeiten und Wiederherstellung des Muirenbichls eine Erinnerungstafel vor Ort darauf hinweisen.
Nichts Neues gibt es hingegen bei der Suche nach der Ursache des Tiefgarageneinsturzes. "Das Salzburger Büro, das damit beauftragt ist, wird wohl noch ein bis zwei Wochen brauchen", erklärt Bürgermeister Georg Mangott.
Gefährlicher Klettersteig
Und er lässt den Vorwurf einiger Gegner des Bauwerks nicht auf sich sitzen, dass er am Sebastianitag (20. Jänner) die Serfauser Gläubigen mit Absicht nicht in der Muirenkapelle beten lassen habe. Obwohl das Ansuchen bereits zwei Wochen vorher bei der Gemeinde einlangte.
"Das ganze Gebiet ist abgezäunt, weil es gefährlich ist. Die alten Leute müssten über einen verschneiten Weg klettern. Wer ist da wohl der Teschek, wenn jemand in die Tiefgaragengrube fällt?
Der Bürgermeister." Er habe den Obmann des Pfarrgemeinderates in Kenntnis gesetzt und aufgetragen, seine Leute zu informieren. "Außerdem hätten wir ja noch die Lourdeskapelle", sagt Mangott.