Quelle: http://www.zeit.de/2008/02/Interview-Al ... i?page=allAlkoholtest an der Piste
Mit freiwilligen Tempo- und Alkoholtests an der Piste soll Skiunfällen vorgebeugt werden. Ein Gespräch mit dem Alpinbeauftragten
Peter Wiesent, Alpinbeauftragter der bayerischen Polizei
Was ist überhaupt die Alpinpolizei?
Wir sind rund sechzig Polizistinnen und Polizisten mit der Zusatzausbildung zum staatlich geprüften Polizei-Berg- und Skiführer und arbeiten in Revieren von Oberstaufen bis Berchtesgaden. Wir decken das ganze Spektrum der Polizeiarbeit im Gebirge ab: ermitteln im Todesfall, kontrollieren schon mal, ob einer den Rucksack voller Edelweiß hat, und kommen zu Unfällen – zum Beispiel auf der Piste. Dort passiert viel: Allein in den bayerischen Alpen hat die Bergwacht in einem Winter rund 4500 Rettungseinsätze. Auch weil viele Skifahrer viel zu schnell unterwegs sind.
Sie stehen manchmal mit der Laserpistole an der Piste. Können Raser auf Ski denn ein Knöllchen kriegen?
Nein. Aber wir sagen den Skifahrern, wie schnell sie wirklich sind. Kinder und Anfänger haben schon bis zu 40 Stundenkilometer drauf, auf Schussstrecken rauscht auch der nur durchschnittliche Skifahrer mit 80, 90 Sachen runter. Das hat sogar uns überrascht, denn selbst auf der Kitzbüheler Streif kommen die Toprennfahrer nicht über 120, 130 Stundenkilometer.
Winken Sie die Skifahrer dann raus?
Wir stehen ja nicht ständig auf der Piste. Wenn wir mal Tests machen und jemanden anhalten, dann nutzen wir die Gelegenheit und reden mit den Skifahrern und Snowboardern. Viele glauben gar nicht, dass sie so schnell sind. Die schätzen ihr Tempo höchstens halb so hoch ein. Deshalb wollen wir noch offensiver in die Prävention. Im Spitzingsee-Gebiet, wo wir auch Fortbildungshäuser betreiben, beraten wir schon mal die Skischulen, damit die mehr das Risikomanagement auf Pisten lehren, und wir sprechen mit den Liftbetreibern über gefährliche Strecken. Wir arbeiten auch mit einer Videokamera, mit der man aufzeigen kann, wie gering das Blickfeld zur Seite noch ist – und wie groß also die Gefahr, mit einem anderen Fahrer zu kollidieren.
Ihre Videokamera haben Sie auch schon in Hütten benutzt.
Ich kann damit belegen, welche große Rolle der Alkohol spielt. Die Aufnahmen sind erschütternd. Da sehen Sie um neun Uhr morgens Hunderte von vorbereiteten Schnäpsen auf dem Tresen, und um zehn Uhr sind die schon zweimal nachgeschenkt. So gibt es schon einige, die ganz schön prall unterwegs sind. Natürlich gehe ich davon aus, dass die meisten ohne Alkohol Ski fahren. Trotzdem gibt es in den großen Skigebieten diese »Tankstellen«.
Lassen Sie ins Röhrchen blasen?
Nur freiwillig. Polizeikontrollen sind hier noch nicht vorgesehen. Wir halten jedoch den Leuten wenigstens den Spiegel vor, versuchen, sie zum Nachdenken zu bringen. Die Superschnellen genauso.
Nützt das etwas?
Manche sagen nur: Na und? Andere können wir für die Folgen sensibilisieren. Denn jede Kollision ist ja auch eine Körperverletzung, und da muss die Polizei ermitteln. Manchmal sterben Menschen bei Skiunfällen. Einmal haben Freerider ein Schneebrett ausgelöst und einen anderen Skifahrer verschüttet, ein anderes Mal hat eine Snowboarderin einen Familienvater tödlich verletzt. Das geht dann vor die Gerichte. Wir versuchen, die Situation, wie das bei uns heißt, »einzufrieren«, indem wir Zeugen befragen oder Skispuren dokumentieren. Dies wird dann der zuständigen Staatsanwaltschaft vorgelegt, die über Einstellung oder Anklage entscheiden muss.
Was sicher nicht ganz so einfach ist.
Skispuren taugen nichts, wenn schon eine Menge Leute drübergerutscht sind. Wir haben deshalb eine Absprache mit der Skiwacht, die in der Regel zuerst da ist, dass sie, wenn es der Rettungseinsatz zulässt, möglichst schnell ein Foto macht. Und was Zeugen angeht: Heute will keiner was gesehen haben. Außerdem werden wir viel zu selten gerufen, etwa 70-mal im Jahr – und hinterher fehlen zum Beispiel für Klagen die Beweise.
Ihr Rat?
Uns wie beim Verkehrsunfall auch auf der Piste anfordern, wenn etwas Ernsteres passiert ist.
Interview: Wolfgang Albers
Peter Wiesent, 48, Alpinbeauftragter der bayerischen Polizei, warnt vor Risiken beim Skisport
Alkohol- und Geschwindigkeitskontrollen auf der Piste
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Alkohol- und Geschwindigkeitskontrollen auf der Piste
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