Freeriden in Alaska: "Hier geht man an sein Limit"

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snowflat
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Freeriden in Alaska: "Hier geht man an sein Limit"

Beitrag von snowflat »

Freeriden in Alaska: "Hier geht man an sein Limit"

Selbst für gestandene Freerider sind die Berge Alaskas eine Herausforderung. Ein letztes Mal tief durchatmen, dann dreht der ehemalige Profi Peter Bauer sein Snowboard in die Falllinie.

Von Stephan Bernhard

Peter Bauers Herzschlag beschleunigt sich und das Adrenalin beginnt durch seinen Körper zu strömen. Er steht auf einem schneeverkrusteten Gipfel und blickt die steile Bergflanke - eine weiße Wand, die an etlichen Stellen von Felsen durchbrochen wird - hinab.

Peter ist nervös, obwohl der 39-Jährige seit 20 Jahren auf dem Snowboard unterwegs ist und noch heute mehr Tage im Schnee als im Büro verbringt. Denn nach der aktiven Karriere hat der ehemalige Weltmeister seine eigene Freeride-Firma gegründet.

Aber nun steht er nicht auf irgendeinem Gipfel, sondern auf einer Bergspitze der Chugach Range in Alaska - der größten Herausforderung, der sich ein Freerider stellen kann. Ein letztes Mal atmet er tief ein, dann dreht er sein Board in die Falllinie.

Einen Tag zuvor in dem kleinen Küstenort Valdez schien diese Abfahrt noch unerreichbar. Vor drei Wochen war Peter angekommen und seit drei Wochen schüttete es ohne Unterlass. "Das Wetter macht Trips nach Alaska immer zu einem Glücksspiel,“ erzählt der Snowboardprofi aus Bayern. "Oft gibt es nur einen schönen Tag pro Woche. Aber drei Wochen Regen - da dreht man durch."

Normalerweise trifft man in Valdez nur Pipelinearbeiter, außer in der Skisaison von März bis Mai, wenn sich Tiefschneefreaks aus aller Welt von den Helikopterunternehmen auf die zahllosen Gipfel fliegen lassen. Aber das geht nur bei blauem Himmel, ansonsten bietet Valdez keine Alternativen - außer Zeit an der Bar totzuschlagen.

Warum tut sich Peter das an, gibt es keine andere Ziele, die nicht so leicht zur Geduldsprobe ausarten können? "In Alaska kann man sich beweisen. Hier kann man sich an extremeren Abfahrten versuchen, als irgendwo sonst."

Der Schnee haftet auch an den steilsten Wänden
Der Grund für dieses Phänomen ist der besondere Schnee. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit in der Küstenlage ist der Schnee in Alaska immer recht feucht und bleibt an den steilsten Wänden regelrecht kleben. Die Schneedecke ist so stabil, dass man ohne großes Risiko Abfahrten unternehmen kann, die in den Alpen fast hundertprozentig eine Lawine auslösen würden.

Endlich, am letzten Tag des Trips hat die Natur Erbarmen - die Sonne scheint und Peter ist unterwegs zum Helistartplatz. Bevor er abhebt, steht noch ein Notfalltraining auf dem Programm. Innerhalb von zwei Minuten muss er einen im Schnee vergrabenen Lawinenpiepser finden. Nur dann darf er mitfliegen, denn einen Freibrief gibt es auch in Alaska nicht, ein Restrisiko bleibt immer.

"Das war früher anders," erzählt Peter. "Damals - vor zehn Jahren - hat man Jetons für Heliflüge gekauft, wie an der Kasse für einen Autoscooter. Da wurden Leute hochgeflogen, die vorher noch nie abseits einer plattgewalzten Piste unterwegs waren. Heute ist das nicht mehr so locker."

Das ist nicht die einzige Veränderung: Bei Peter Bauers erstem Alaskabesuch gab es ein oder zwei Hubschrauber in Valdez, heute 30. "Außerdem haben sich die Preise verzehnfacht. Für 18 Dollar, wie damals, wird man heute nicht mehr auf einen Gipfel geflogen."

Zuerst will der Pilot den Berg nicht anfliegen - zu gefährlich
Ziel des Flugs ist ein ganz bestimmter Berg, extrem steil und schwierig. Zuerst wollte der Pilot dort nicht hinfliegen - zu gefährlich. Aber dann lässt er sich überreden, Peter Bauer ist Profi und kein normaler Tourist. Der Heli hebt ab, kaum spürt Peter die Vibrationen, ist die Anspannung da. Gleich wird er sich beweisen müssen. "Alaska ist immer mit Stress verbunden, hier geht es nicht um gemütliche Abfahrten und Spaß. Hier geht man an sein Limit."

Bevor der Heli auf dem Gipfel landet, ist noch ein Zwischenstopp nötig. Peter muss sich seine Abfahrt vom gegenüberliegenden Hang aus einprägen. Er studiert die Felsen, merkt sich, wo er die einzelnen Turns setzen muss und welche Rinne er fahren darf und welche nicht. Wenn er sich verfährt, droht der Absturz über eine Felswand.

Zum Abschluss macht er noch ein Polaroidfoto und steckt es in die Tasche. "So kann ich mir die Abfahrt noch mal ins Gedächtnis rufen, wenn ich auf dem Gipfel stehe." Dann geht der Flug weiter.

Die Landung dauert nur wenige Sekunden, jeder Handgriff sitzt. Korb unter dem Helikopter öffnen, Snowboard auf den Boden drücken, Tür schließen und schon herrscht wieder Stille. Peter steigt in die Bindung und blickt nach unten. Noch ein Blick auf das Foto. Dann geht es los.

Der Hang ist so steil, dass Peter bei jedem Turn mit einer Körperseite über den Schnee streift, obwohl er aufrecht auf dem Snowboard steht. Er wird immer schneller, seine Jacke fängt an zu flattern und bei jedem Schwung schießt eine meterhohe Schneefontäne unter seinem Board weg.

Eine tiefe Spalte zwischen Gletscher und Fels
Felsen rasen auf ihn zu und jedes Mal weiß er genau, ob er links oder rechts vorbeifahren muss, um nicht in einer Sackgasse zu landen. Etliche Meter unter ihm, wird der Hang plötzlich flacher. In diesem Knick endet unter der meterdicken Schneeschicht die Felswand und beginnt der Gletscher und genau an dieser Grenze zwischen Stein und Eis lauert eine tiefe Spalte. Die Falle ist an der Oberfläche kaum zu erkennen, am Besten rast man im Schuss geradeaus darüber.

Der Rausch der Abfahrt dauert nur Sekunden, dann ist alles vorbei. Aber das Glücksgefühl danach hält länger an. "Als ich wochenlang in Valdez die Zeit totschlagen musste, habe ich mir geschworen, nie wieder nach Alaska zu fliegen", sagt Peter. "Nach so einer Abfahrt ist der Frust aber wie weggeblasen."

Informationen:
Saison: Die Hauptsaison in Alaska läuft von März bis Mai, ansonsten sind die Tage zu kurz und die Temperaturen zu rau. Obwohl die Berge selten höher als 2000 Meter sind, können Abfahrten von den Gipfeln locker über 800-1200 Höhenmeter nach unten führen. Etwa sechs Runs kann man pro Tag Heliskiing schaffen. Gefahren wird immer mit einem Guide in kleinen vier- bis fünfköpfigen Gruppen, wobei jeder Teilnehmer eine gewisse Tiefschneeerfahrung mitbringen sollte.

Preise: Billig ist Heliskiing allerdings nicht, die Preise pro Tag und Person starten ab 450 Euro. Am einfachsten ist es, komplette Wochenangebote samt Unterkunft zu buchen.

Helikopterunternehmen: Rund um Valdez haben sich etliche Helikopterunternehmen angesiedelt (zum Beispiel www.valdezheliskiguides.com).

Eine Alternative ist das Skigebiet Alyeska, das etwa 45 Minuten vom Flughafen Anchorage entfernt liegt. Neben den normalen Liften gibt es hier auch mehrere Flugunternehmen, die die Berge der Umgebung anfliegen (zum Beispiel:
www.chugachpowderguides.com). Der Vorteil ist, dass man hier auch bei schlechtem Wetter Skifahren kann, die Sessellifte brauchen kein Flugwetter.
Quelle: sueddeutsche.de

Bilderstrecke
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!

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