Quelle: Hamburger AbendblattPortes du Soleil
Das französisch-schweizerische Wintersportgebiet bietet viel Abwechslung
Binationaler Skizirkus mit tollen Abfahrten
Rund um die 14 Orte in Hochsavoyen und Wallis muss keine der unzähligen Pisten zweimal gefahren werden.
Von Dagmar Gehm
Die Pforten der Sonne, wie"Portes du Soleil" auf Deutsch heißt, scheinen heute geschlossen. Dicke Flocken fallen auf den dichten Tannenwald, verwischen die Spuren auf Piste und Loipe, schlucken jeden Laut. Leise ratternd schaukelt nur eine Art Gartenbank ein paar unverzagte Skiläufer zum Gipfel. Eine Szene wie vor Jahrzehnten - dieser altertümliche Sessellift, der tief verschneite Wald, die unberührte Weite. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Reise in eines der weltweit größten Skigebiete, mit über 650 Kilometer Abfahrten und 209 Bergbahnen, gleichzeitig ins liebenswerte Gestern des Wintersports führt?
"Die meisten Deutschen denken im Zusammenhang mit französischen Skiorten immer an Betonburgen", weiß auch Chrystelle Felisaz, ehemaliges Mitglied der französischen Alpin-Nationalmannschaft, heute verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit von Les Gets. Doch das typisch savoyardische Bergdorf auf 1170 Meter Höhe mit Blick auf das Montblanc-Massiv grenzt sich mit kleinen Chalets aus Holz und Stein deutlich von den großen Retortenstationen ab. Les Gets ist einer von 14 Orten in Hochsavoyen und Wallis, die sich zum Mega-Wintersportgebiet Portes du Soleil zusammengeschlossen haben - zugänglich mit einem einzigen Skipass. Zu den Schweizer Ferienorten zählen Champéry, Val d'Illie, Les Crosets, Champoussin, Morgins und Torgon. In Frankreich sind es Abondance, Avoriaz, Châtel, La Chapelle d'Abondance, Les Gets, Morzine, Montriond und St. Jean d'Aulps. Keine Piste muss man zweimal fahren, selbst in zwei Wochen nicht. Einige anspruchsvolle Weltcup-Abfahrten sind darunter, wie die berüchtigte Buckelpiste "Schweizer Mauer" in Champéry, die fast einen Kilometer lang ist, teilweise ein Gefälle von fast 50 Grad aufweist und zum Glück eine Seilbahn hat, die nicht schwindelfreie Wintersportler sicher zu Tal bringt. Ansonsten lassen sich mittelschwere Waldabfahrten und Hunderte von Freeride-Kilometern auch von durchschnittlichen Skifahrern und Snowboardern gut bewältigen.
Alte Bauernhäuser mit ausladenden Giebeldächern in Les Gets erzählen eine lange Geschichte, die bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Man ist sich seiner Werte bewusst und sichert sie durch eine autofreie Zone im Ortskern, die nur per Gratis-Bähnchen zu erreichen ist. Eine musikalische Reise durch drei Jahrhunderte treten Besucher des Museums der mechanischen Musik an. Mit alten Phonogrammen, mechanischen Klavieren und einer Orgel, die 1910 in New York konstruiert wurde und mehr als 700 Kompositionen gespeichert hat. Fast jedes Hotel, jede Wirtschaft und viele Häuser sind mit selbst gemalten Motiven verziert - vorzugsweise Kühen -, die sogar auf WC-Türen prangen.
Beim Skifahren können rund um den Ort immer größere Kreise gezogen werden: Im Gebiet Les Gets/Morzine ist bei Abfahrten über Almen und durch Tannenwald Genussfahren angesagt. Besonders romantisch wird das Skilaufen auf zwei beleuchteten Nachtpisten, Snowboarder finden im Snowpark Halfpipes und Jumps. Die sinnliche Seite des Winterurlaubs lässt sich im Spa "Séréni-Cimes" im Hotel "Marmotte" bei Hot-Stone-Therapien erleben.
Wie eine Reihe von Felsnadeln zeichnet sich schon von Weitem die skurrile Silhouette von Avoriaz ab. Genau diese Vorstellung soll Jacques Labro gehabt haben, als er vor 41 Jahren die autofreie und avantgardistische Skistation auf einer Klippe in 1800 Meter Höhe konzipierte, weil es im tiefer gelegenen Morzine nicht genug Schnee gab, um den ganzen Winter über Ski zu laufen. An die Architektur der holzgetäfelten Turmhäuser muss man sich gewöhnen, von großem Vorteil ist es jedoch, dass man vor der Haustür die Bretter anschnallen und losfahren kann. Avoriaz gilt auch als Zentrum des Nachtlebens mit Bowling Center, Jazz Cabaret sowie zahlreichen Restaurants, Bars und Discos. Promille-Probleme mit der Polizei gibt es nicht, denn nach Hause geht es nur mit maximal zwei Pferdestärken - vor einen Schlitten gespannt.
Schon Ende des 19. Jahrhunderts hat man Châtel als Thermalbad entdeckt, der erste Lift wurde 1947 in Betrieb genommen. Der Charme des stufenförmig angelegten Ortes besteht auch darin, dass hier noch 40 Familien mit mehr als 800 Rindern Landwirtschaft betreiben. Hauptsächlich wird hier der berühmte Bauernkäse von Abondance hergestellt. Eine hiesige Spezialität ist das traditionelle Gericht "Le Berthoud" - jene köstliche Kalorienbombe aus geschmolzenem Bergkäse, Knoblauch, Weißwein und Madeira, angereichert mit Salzkartoffeln und Wurst. Die großen Holzchalets mit ihren geschnitzten Balkonen sind authentisch und keine folkloristischen Zugeständnisse an Touristen.
Abseits der Pisten von Châtel lässt sich der Winter ge-nauso intensiv erleben. Zum Beispiel beim Schneeschuhwandern durch den Winterwald. Eine besonders schöne Route führt zum "Chalet du Théo", das ist eine urige bewirtschaftete Berghütte. Ski-Joering heißt die Fortbewegungsart, bei der ein Pferd den Skifahrer durch den Tiefschnee zieht. Und Kinder finden auf der "Piste Mauve Milka" - so etwas gibt es auch in anderen Orten - Zugang zur Tier- und Pflanzenwelt im Gebirge. Natur und Naschereien heißt hier der Köder für die Kids. Streicheln lassen sich auf "Gaby's Farm" in Champoussin über 50 Ziegen, die außerdem auch einen pikanten Käse produzieren - Teil der Speisekarte im hauseigenen Restaurant. Angelgerät und heiße Getränke gibt es inklusive beim Eisfischen auf dem Lac de Vonnes. Am besten wärmt man sich danach im Nouveauté-Wellness-Center im nahe gelegenen Schweizer Val d'Illie wieder auf.
"Als mein Vater René Coquoz mit vier Freunden, darunter der Olympiasieger Jean Vuarnet, 1964 die Zwei-Länder-Region 'Familien-Hochstrecke' (das spätere 'Portes du Soleil') gründete, hat er nie daran gedacht, als Skilehrer damit Geld zu verdienen", erzählt Agnès Gex-Collet-Coquez. "Die Freunde wollten einfach, dass der Skiläufer durch nichts aufgehalten wird, weder vom Zoll noch von Grenzbarrieren. Die Familien im Wallis und in Hochsavoyen wussten sie sowieso ihrem Plan - die heirateten seit jeher über die Landesgrenze hinweg und betrieben einen regen Schmuggel." Und waren dabei so unbeschwert wie heute Tausende von Winterurlaubern.
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Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
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