Es gibt ja einige Seilbahnen, bei denen der Hilfs-/Notantrieb nicht hydraulisch ist. Die Anlagen haben einfach Dieselaggregate, die dann das Netz ersetzen und somit kann alles "ganz normal" betrieben werden. Ich denke da an so Anlagen wie den Pitzexpress oder die Eisgratbahn (Stubaital).
In Normalbetrieb wird die Bremsleistung der Motoren ja wieder ins Netz eingespeist. Wie aber funktioniert das im Netzersatzbetrieb. In das Ersatznetz kann ja nicht (oder nur sehr bedingt) eingespeist werden.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Elektro-Motoren in diesem Fall entgegengesetzt angesteuert werden und somit bremsen. Dann würden aber auch am Abend (wenn alle Leute nach unten fahren) die Aggregate mit Vollgas laufen, um die Bahn zu bremsen.
Ist das so? Oder weiß jemand, wie das funktioniert?
Wenn man sich eine Anlage wie den Pitzexpress anschaut, sollte es ja möglich sein, auch über einen längeren Zeitraum mit Diesel zu fahren. Da 2 Aggregate vorhanden sind, ist das ja redundant ausgeführt und sollte somit zulässig sein, oder?
Genau das ist ja die elektirsche Bermusung. Der Elektromotor wird umgepolt, dabei entsteht dann elektrische Energie. Was damit passiert kann ich nur vermuten. Bei Zahnradbahnen gibt es zu diesem Zweck Bremswiederstände über die die überschüssige Energie in Wärme umgewandelt wird. Vermutlich haben die Seilbahnen das auch.
Die bei elektrischer Leistung zurückgewonnene Energie muss entweder in das Normalnetz zurückgespiesen werden oder ggf. mittels Bremswiderständen in Wärme umgesetzt werden.
Notnetze von Dieselersatzaggregaten können nur Energie an etwaige Verbraucher in Echtzeit weitergeben, Notstromaggregate können keine Energie abbauen, da die Dieslemotoren nicht als Motorbremsen eingesetzt werden dürfen. Der Rückleistungsschutz wird steuerungsseitig durch Schutzvorrichten sichergestellt, dabei wird die Flussrichtung der Leistung gemessen. Sobald die Rückleistung einen Maximalwert länger als eine bestimmte Latenzzeit überschreitet wird der Generator vom Notnetz abgekoppelt (Schütz oder Schalter mit Motorantrieb zur Aufladung des Federspeichers des Schalterantriebes) und es erfolgt eine Alarmmeldung.
Rückspeisefähige Frequenzumformer (FU) können eine Gewisse Leistung ins Netz zurückspeisen. Ist das Netz nicht vorhanden muss die Energie im Zwischenkreis (ZK) mittels Bremswiderständen (mit Regelung durch den Bremschopper) abgebaut werden. Sind keine Bremswiderstände vorhanden ist sozusagen keine elektrische Bremsung möglich und der FU stellt ab falls die Zwischenkreisspanung die maximalgrenze überschreitet. Bei Normalbetrieb wird die ZK-Spannung durch Rückspeisung der überflüssigen Leistung ins Netz geregelt.
Gleichstromantriebe sind stets auf das Netz angewiesen, zudem können bei Netzausfall bei generatorischem Betrieb in gewissen Fällen die Halbleitersicherungen ansprechen oder gar Thyristoren beschädigt werden.
Edit:
Falls eine gemeisames Notstromnetz mehrere Antriebe speist (z.B Mittelstation PB [Name folgt] in Verbier mit 3 Dieslaggregate od. Aiguille du Midi mit 2) kann je nach Betriebsbedingungen elektrisch gebremst werden sofern die zu Treibende Last genügend Leistung von der gebremsten Last "übernehmen" kann.
Ram-Brand hat geschrieben:Äh! Der Hydraulikantrieb braucht auch Strom. Und dieser wird dann meist durch das Dieselaggregat erzeugt.
der braucht auch Strom? Aber nur Steuerspannung, weil da ja dann der Dieselmotor direkt die Hydraulikpumpe antreibt. Die Hydraulik-Antriebe sind ja relativ langsam (wie du schon schreibst) und eigentlich nicht für den Dauerbetrieb ausgelegt.
Ich meine aber Anlagen, die mit den Dieselaggregaten noch so richtig gefahren werden können. Die Eisgratbahn läuft ja anscheinend noch 3,5m/s mit Netzersatz.
Ich war eigentlich auch lange Zeit der Meinung, dass die beim Bremsen entstandene Energie einfach über Widerstände verbraten wird.
Die beiden oben genannten Anlagen habe ich mir schon mal angeschaut und nirgends was von Bremswiderständen gesehen. Ich denke, die müssten auffallen, da dazu ja doch auch eine gewisse Lüftungstechnik notwendig ist, um 1000 bis 1500 kW zu verheizen. Die Lüfter von Dieselaggregaten fallen ja auch gleich auf.
Auch der, der mir die Anlagen gezeigt hat, wusste nichts vom Bremswiderständen. Er hat mir aber auch nicht erklären können, wie das sonst genau funktioniert.
Oder weiß zufällig jemand, wo die Bremswiderstände bei den oben genannten Anlagen wären (falls solche vorhanden sind)? Hat da jemand Bilder?
Ich vermute eben daher, dass die Gleichstrommotoren einfach in entgegengesetzter Richtung angesteuert werden. Beim GS-Motor ist der Strom direkt proportional zum Drehmoment und daher müsste sich ja auch ein Bremsmoment erzeugen lassen.
Kann das sein?
Das Dieselaggregat pumpt das Öl durch den Hydraulikantrieb.
Aber die Ventile und Steuerung benötigen halt Strom.
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So nachgefragt:
Der Diesel erzeugt Strom und der Strom treibt die Bahn an.
Wenn die Bahn bremst muss die Energie über Widerstände vernichtet werden.
Dieselhydraulikaggregate können ebenfalls einen kleinen Generator antrieben. Zudem verfügt die Steuerung zudem noch über eine Batteriegestützte USV.
Bildbericht über die PB125 Tortin - Col de Gentianes in Verbier (CH), drei Dieselersatztromaggregate in der Mittelstation, auf dem Blindschema des Notstrom-Steuerpults ist das Prinzip der gemeinsamen Nostromschiene ersichtlich, im Vordergrund das Kraftstoffzuführungschema in brauner Farbe: http://www.remontees-mecaniques.net/for ... wtopic=597