»Wir brauchen mehr Zuschauer am Berg«
Neuer OK-Chef will neues Weltcup-Feuer entfachen - Positiver Finanzabschluss für 2007
Von Claudia Winter.
Zwiesel. Eine große Zuschauerkulisse ist nicht nur ein schönes Erlebnis für die Sportler, auch für den Finanzplan sind die Zuschauerzahlen enorm wichtig. Deshalb ist es ein besonderes Anliegen von OK-Leiter Harald Haase, zum Weltcup am 1. und 2. März möglichst viele Leute auf den Arber zu bringen. »Wir müssen die Euphorie und das Feuer bei der Bevölkerung neu entfachen«, sagte Haase am Dienstagabend bei der OK-Präsidiumssitzung im Rathaus. Den lange erwarteten Finanzabschluss für die Weltcup-Rennen 2007 trug Schatzmeister Markus Dahlke vor. Er berichtete von einem positiven Ergebnis.
OK-Präsident Bürgermeister Robert Zettner freute sich, dass der Weltcup 2007 mit großem Erfolg abgewickelt werden konnte. »Auf uns kann man sich verlassen«, sagte der Bürgermeister, das habe zu der Offerte geführt, dieses Jahr schon wieder einen Weltcup durchzuführen. »Das ist eine große Ehre für uns, aber auch eine große Herausforderung«, so Robert Zettner.
Der langjährige OK-Leiter Ernst Schneider hat im letzten Jahr nach zehn Weltcup-Rennen aus Altersgründen diese Funktion aufgegeben. Mit Harald Haase hat man einen neuen OK-Leiter gefunden, der für seine Aufgaben in bestimmtem Umfang von seinem Arbeitgeber, der Stadt Zwiesel, freigestellt wird. Bürgermeister Zettner würdigte das Wirken von Ernst Schneider, der dem Organisationskomitee weiterhin mit Rat und Tat zur Seite steht. »Mit Beharrlichkeit hat es Ernst Schneider in den 70er Jahren geschafft, den Weltcup auf den Arber zu holen. Dazu gehört wahnsinniges Geschick und tollkühner Mut«, lobte der Präsident.
Schneider gab in der Präsidiums-Sitzung einen Rechenschaftsbericht über die Weltcuprennen 2007. Nach dem Rücktritt wichtiger Mitarbeiter sei innerhalb des Organisationskomitees eine neue Struktur geschaffen worden. Er lobte die Arbeit aller Bereichsleiter und der unzähligen freiwilligen Helfer. Wie sehr die Arbeit und der Aufwand seit dem ersten Rennen im Jahr 1976 angewachsen sind, verdeutlichte Schneider mit den Budgetzahlen: 170 000 Mark im Jahr 1976 - 860 000 Euro im Jahr 2007.
Ernst Schneider versicherte, er werde dem neuen OK-Leiter Harald Haase weiterhin bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite stehen. Denn: »Der Weltcup ist mein Kind und ich bin nicht bereit, mein Kind sterben zu lassen. « Schneider hat 15 Europacup- und zehn Weltcuprennen organisiert und als Technischer Delegierter der FIS und Jury-Mitglied sogar bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen mitgewirkt.
Als einzigen Kritikpunkt bei den Rennen 2007 nannte Schneider die unverständliche Verzögerung der Abrechnung. Nachdem der Finanzplan zunächst eine neue Form bekommen sollte, habe es schließlich Uneinigkeit über den Zeitraum der Abrechnung gegeben, was dann auch zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt habe. So sei man zunächst von einer Unterdeckung von 18 000 Euro ausgegangen.
Zur Überraschung vieler legte Finanz-Chef Markus Dahlke nun einen positiven Finanzabschluss vor. Erstmals in der über 30-jährigen Weltcup-Geschichte am Arber war ein detaillierter Finanzplan aufgestellt worden. Dahlke hat mit der Abrechnung für den Weltcup 2007 am 1. Mai 2005 begonnen, »weil ab da die Belege für den Weltcup 2007 datiert sind. « Der Abschluss für den Weltcup 2004 war im Juli 2004 erfolgt. Die Ausgaben dazwischen wurden nicht berücksichtigt.
Sehr ausführlich und transparent besprach Markus Dahlke die einzelnen Haushaltsposten, stellte die geplanten und die tatsächlichen Einnahmen gegenüber und analysierte die Ausgaben. Besonders stellte er die Sach- und Dienstleistungen als finanzielle Retter des Weltcups heraus: 179 000 Euro Arber-Bergbahn, 68 000 Euro Stadt Zwiesel, 33 000 Euro Donau-TV und 19 000 Euro Joska-Kristall, 3000 Euro Gemeinde Lindberg. An Zuschüssen habe man 450 000 Euro verbuchen können vom Deutschen Skiverband, vom Tourismusverband Ostbayern, von den Bezirken, den Landkreisen und den Gemeinden. Die gesamten Einnahmen bezifferte Markus Dahlke auf 860 381,39 Euro.
Dem gegenüber stehen 854 745,74 Euro Ausgaben. Rechnet man den Anfangskontostand von fast 2800 Euro hinzu, sind jetzt 9000 Euro in der Weltcup-Kasse. »Der Weltcup 2007 hat uns ein Plus von rund 7000 Euro gebracht. Das lässt auf eine straffe Finanzführung schließen. Und auch für 2008 schaut es gut aus«, resümierte der Schatzmeister. Sein besonderer Dank ging an Willi Killinger, der sich auf der politischen Ebene um die Zuschüsse von Landkreis, Bezirk und Tourismusverband gekümmert und im OK die Controlling-Funktion übernommen hat. Geprüft wurde der Finanzabschluss vom Landratsamt.
Der neue OK-Leiter Harald Haase informierte über die Rennen Anfang März. Haase blendete dabei zurück auf die verfahrene Vertragssituation des DSV mit den Fernsehanstalten. Derzeitiger Stand für die Planungen der Live-Übertragung: 185 Minuten in der ARD und 275 Minuten im ORF.
Folgende personelle Veränderungen im OK-Präsidium gab Haase bekannt: Ernst Schneider ist Ehrenpräsident, Klaus Köppe schied aus persönlichen Gründen aus, Vertreter des Skigaus ist Hans Plötz, Vertreterin des BSV ist Präsidentin Miriam Vogt. Das Amt des Bereichsleiters Logistik hat Stefan Schmidt vom ausgeschiedenen Hans Schröder übernommen. Für Marketing/Öffentlichkeitsarbeit ist Alexander Anetsberger vom Tourismusverband Ostbayern zuständig. Anetsberger erklärte, der Tourismusverband wolle sich verstärkt im Weltcup engagieren, um den Begriff Bayerischer Wald voranzubringen.
Der Kartenvorverkauf, so Haase, sei bereits angelaufen. Überraschend gut laufe der Verkauf der VIP-Karten. Aus Kostengründen gebe es auf der Tribüne heuer keine Sitzplätze, dafür rund 650 Stehplätze. Weiter berichtete Haase von Sicherheitsdienst, Absperrmaterial, Aufbau der Fernsehtürme, Beschallung am Berg, Brauerei-Verhandlungen, Werbetafeln, behördlichen Genehmigungen und so weiter. Das Hüttendorf an der Talstation zur Verpflegung der Gäste wird von Vereinen aus Lohberg, Lindberg, Zwiesel, Frauenau und Lam betreut. Für den Fahrdienst werden wieder zehn Audi A8 und vier VW-Kleinbusse zur Verfügung gestellt.
Zur Verbesserung der Werbemaßnahmen habe das OK die Passauer Neue Presse als Partner gewinnen können. 125 000 Haushalte wolle man so mit einer Weltcup-Beilage erreichen. Ab Februar erfolge bei den Abonnenten zwei- bis dreimal eine Kartenverlosung. Einladungen will Harald Haase verschicken an Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport sowie an Vereine aus Oberösterreich, Salzburg und aus dem Skigau Bayerwald. »Mein Hauptanliegen ist es, wieder mehr Leute auf den Berg zu bringen«, betonte der OK-Leiter.
Corina Müller von Donau-TV stellte das Rahmenprogramm vor. Sie hofft, dass sich das Feuer der Begeisterung, das Harald Haase für die Rennen am Arber entfachen will, auch auf die »side-events« ausweiten wird. Am Samstagabend (1. März) findet in den Kristallglas-Arkaden eine Mega-Weltcup-Party mit Größen der »Neue Deutsche Welle« statt. »Geiersturzflug« und »Markus« sind als Stimmungsmacher engagiert worden.
Quelle: pnp.de, 22.1.08