Hochpustertal: : Lange Winterträume im Kälteloch

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Hochpustertal: : Lange Winterträume im Kälteloch

Beitrag von snowflat »

HOCHPUSTERTAL: Lange Winterträume im Kälteloch

Von Martin Cyris

Länger frieren, länger skifahren: Das Hochpustertal ist das Kälteloch Südtirols. Hier ist Wintersport-Vergnügen auch dann noch möglich, wenn anderswo die Skilifte stillstehen. Erst im Frühling bekommen die riesigen Schneemänner an der Rotwand weiche Knie.

Mitte November hat sich Robert Egarter in einen Pistenbully gesetzt und viele Kubikmeter Schnee zu einem großen Haufen zusammengeschoben. Als der Klumpen groß genug war, schnappte sich Egarter eine Schaufel und drei Mitarbeiter. Aus der weißen Masse formten sie eine fünfköpfige Schneemannfamilie. "Wir haben geschuftet wie die Urviecher", erinnert sich Robert Egarter, den alle nur "Rudl" nennen. Bis zu sieben Meter ragen die Schneemänner in die Höhe. Sieben Meter – mit Hut.

Seit 2001 errichtet der Leiter des Liftbetriebs in dem Familienskigebiet Schneemannskulpturen – und damit vermutlich das meist fotografierte Wintermotiv im Hochpustertal. Knapp gefolgt von den berühmten Dolomitengipfeln der Drei Zinnen, die vom Gipfel der Rotwand aus zu sehen sind. Schnee gab’s seitdem mehr als genug.

Das Hochpustertal ist ein Kälteloch. Das Gebiet zwischen Niederdorf und Innichen nahe der österreichischen Grenze ist die kälteste Talregion in Südtirol, Toblach gilt gar als kältester Ort dieser italienischen Provinz. Die Jahresdurchschnittstemperatur schwankt zwischen 5,8 und 6,8 Grad. Der Grund für das raue Klima sind mehrere Luftschneisen, die im Hochpustertal zusammentreffen.

Für den Wintersport ist die eisige Zugluft ein Glücksfall. Erst recht, seit die Winter in den Alpen in den vergangenen Jahren immer wärmer und kürzer wurden. Trotz Klimawandel dürfte die Tourismusbranche hier nicht so schnell kalte Füße bekommen.

"Im Hochpustertal erfrieren die Raben"
Alfred Prenn ist verantwortlich für den Fremdenverkehr im Hochpustertal. Früher musste er oft Spottgerede von den Bewohnern anderer Täler ertragen. "Im Hochpustertal erfrieren die Raben" lautet etwa ein Spruch im Südtiroler Volksmund. Mittlerweile findet Prenn die Temperaturen ganz angenehm – fürs Geschäft. Und die weiße Pracht ist für ihn ein Geschenk des Himmels. So denken auch alle anderen, die am Tourismus verdienen. "Heute lacht keiner mehr über das Hochpustertal", sagt Prenn. Die vielen Frosttage seien nicht nur eine Belastung, sondern auch eine Chance. Sorgen sie doch für relative Schneesicherheit.

Und damit auch für ein lang anhaltendes winterliches Ambiente – ein Pluspunkt für Winterurlauber, die es gern verschneit und winterlich-romantisch mögen. Es ist keine Seltenheit, dass die Landschaft im westlichen Pustertal graubraun daliegt, während sie im Hochpustertal noch schneeweiß ist.

Die beiden wichtigsten Skigebiete – Rotwand und Helm – sollen mittelfristig zusammengelegt werden. Künftig könnten dann beim Carven und Wedeln sogar Grenzen überwunden werden: Es gibt Pläne, den österreichischen Teil des Pustertals ans Skigebiet anzuschließen.

So lange es soweit ist, geht es auf den Pisten von Helm und Rotwand eher gemütlich zu. Mit Ausnahme der "Holzriese"-Abfahrt – eine der steilsten Skipisten in ganz Europa. Auf knapp 800 Metern Länge werden 690 Höhenmeter bewältigt. Ein Nervenkitzel selbst für Brettlspezialisten.

Kunstschnee für Langlauf-Loipen
Auf solche Kicks verzichtet eine andere Klientel im Hochpustertal dankend: Zufrieden mit sich und den Loipen gleiten zahlreiche Langläufer lautlos über verschneite Felder und durch weiße Wälder. "Mit unseren Loipen können andere Orte nicht mithalten", sagt Matthias Santer, Sprecher des Tourismusverbands Hochpustertal.

Zwar müssten die Bahnen selbst hier hin und wieder mit Kunstschnee berieselt werden. Doch der klare Vorteil sei, dass man überhaupt künstlich beschneien könne. Mindestens 72 Stunden lang muss der Boden auf mindestens minus drei Grad abgekühlt sein – sonst wäre eine Beschneiung sinnlos. "Der Langlauf ist viel stärker vom Klimawandel betroffen", erklärt Santer, "weil die meisten Loipen in Tälern liegen, wo es nicht so häufig gefriert". Da würde der Schnee schnell "patschert" werden. Auf Hochdeutsch: pappig.

Im Hochpustertal ist das Loipennetz dagegen auch noch im März lang und griffig. Bis nach Cortina d’Ampezzo können die Langläufer stöckeln. Immerhin knapp über 40 Kilometer entfernt. Bei einfacher Strecke. Nicht ganz so weit ist es von Sexten ins Fischleintal. Dort, vor idyllischer Bergkulisse und auf rund 1400 Meter Höhe über dem Meeresspiegel, verbrachte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren vorletzten Sommerurlaub.

Italiener suchen Abkühlung
Der Sommertourismus ist für das Hochpustertal ohnehin eine sichere Bank. Auch dabei spielen wieder die frischen Temperaturen eine entscheidende Rolle. "Wenn die Hitze in den Städten steht, kommen viele Italiener und suchen bei uns Abkühlung", sagt Alfred Prenn.

Bis es soweit ist, dürfte der Winter noch eine ganze Weile lang seine Reize ausspielen. Und oben auf der Rotwand spielt Fritz-Rudi Egarter auf der Zither. Fritz-Rudi, genannt Rudi, ist der Bruder von Rudl, dem Schneemannbauer.

Fritz-Rudi betreibt die Rudi-Hütte und die Gaudi-Alm auf der Rotwand. Beide Gebäude liegen oft unter einer hohen Schneedecke. Fritz-Rudi ist kein Mann großer Worte. Statt dessen lässt er nach Feierabend sein Instrument sprechen. Kostenlos und meist spontan – zur Freude seiner Gäste. Donnerstags dürfen die Besucher länger bleiben. Dann ist das beliebte Nachtrodeln angesagt und die Gondel vor der Rudi-Hütte verkehrt bis in den späten Abend.

Von seiner Küche aus kann Rudi Egarter die Schneemannfamilie sehen. Noch bis Mitte oder Ende März – je nach Wetterlage – dürfen die Kawenzmänner stehen bleiben. Dann werden sie aus Sicherheitsgründen umgestoßen. Bei steigenden Temperaturen bekommen die Schneefiguren weiche Knie, sie könnten unvermittelt umfallen.

Der Familie droht dann ein langsamer Tod: "Die werden erst Ende Mai völlig weggetaut sein", sagt Rudl Egarter. Aber dann ist endgültig Schluss mit dem Schnee – Kälteloch hin oder her
Quelle: Spiegel Online
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!

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