Kaltenbach will Hütten-Schickeria verstärkt in ihre Grenzen weisen
Die grenzenlose Freiheit am Berg nehmen einige Neuhüttensiedlungsbewohner zu wörtlich. Der Gemeinde reichts.
Das Skidoofahren ist für die Bewohner der Freizeitwohnsitze verboten.
Bild: Reuters
Wer meint, dass in Berghütten luxusverabscheuende Naturliebhaber urlauben, wird in Kaltenbach eines Besseren belehrt. In der Neuhüttensiedlung, die sich auf 2000 Metern Seehöhe mitten im Skigebiet Hochzillertal befindet, haben sich etliche betuchte Münchner einen Freizeitwohnsitz geschaffen. Trotz der alpinen Lage will hier so mancher der bis zu 200 Bewohner nicht auf jenen Komfort verzichten, der in Tallagen selbstverständlich ist - sei es bei der Wasserversorgung, der Mobilität oder in Sicherheitsfragen.
Bis zum Höchstgericht gehen
Ein Rechtsstreit ist deshalb um das Skidoofahren entbrannt. Laut einer Gemeindeverordnung aus dem Jahr 2006 dürfen nur Jäger, Bergbahnen und jene, die im Skigebiet ihren Lebensunterhalt verdienen, Skidoos benutzen. Die Bewohner der Neuhüttensiedlung damit nicht. Dagegen hat ein Münchner Beschwerde beim unabhängigen Verwaltungssenat eingereicht. Sie wurde abgewiesen. Laut UVS braucht es für das Skidoofahren zwar keine naturschutzrechtliche Bewilligung. "Doch wenn wie in diesem Fall die Grundbesitzer der Wege gegen die Skidoobefahrung sind, hält das Verbot", entnimmt Kaltenbachs Bürgermeister LA Klaus Gasteiger dem Bescheid. Der Deutsche kündigte an, bis zum Höchstgericht weiterzukämpfen.
Höhenstraße als Zankapfel
Gasteiger ist auf die Schickeria oben am Berg nicht besonders gut zu sprechen. "Die wollen ihre Grenzen ausloten und scheren sich nicht um Gesetze", glaubt er. So will der eine trotz Wasserproblemen einen Whirlpool bauen, der andere verlangt im Winter die Schneeräumung und Öffnung der Zillertaler Höhenstraße. "Das Rettungsproblem wird hier als Argument genannt. Dabei herrscht auf der Höhenstraße Lawinengefahr. Eigentlich geht's denen darum, tun und lassen zu können, was sie wollen und nicht mehr auf die Bergbahn als Transportmittel angewiesen zu sein", meint Gasteiger.
Baupolizeiliche Überprüfung
Es gebe einen Notfallplan. Und wie jeder andere auch, können die Neuhütten-Bewohner telefonisch um Hilfe rufen, meint der Dorfchef. Die Bergbahn werde im Notfall nachts in Betrieb genommen. Zudem lässt sich die Gemeinde derzeit einen Gefahrenmanagementplan für ganz Kaltenbach anfertigen. Um sich ein genaues Bild vor Ort zu machen, hat der Gemeinderat jetzt beschlossen, in der Neuhüttensiedlung eine Feuerbeschau durchführen zu lassen.
Gleichzeitig ist eine baupolizeiliche Überprüfung geplant. Dabei will die Gemeindeführung auch möglichen Bauten, die von den ausgestellten Baubescheiden abweichen, auf die Schliche kommen.
Von Angela Dähling
03.03.2008
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Die Tiroler Tageszeitung berichtet: