Zwei Berggänger konnte die Rega kurz nach 22.00 Uhr mit einem Helikopter ins Tal fliegen, wie Rega-Sprecher Gery Baumann am Sonntagabend auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Unter den Geretteten befindet sich eine 50-jährige Französin, die am Samstag in eine Gletscherspalte gestürzt war, von ihren Begleitern aber befreit werden konnte.
Blick vom 24.03.2008-08.57
Blick vom 24.03.2008-11.48Skifahrern droht zweite Nacht auf Gletscher
08:57 | 24.03.2008
SAMEDAN GR – Auch mehr als 24 Stunden nach Beginn einer aufwendigen Rettungsaktion an der Bernina sind zwei von vier Skitourenfahrer nicht in Sicherheit.
Eine vollständige Evakuierung war wegen des schlechten Wetters bislang jedoch nicht möglich. Neben den beiden verbliebenen Skitourenfahrern warten sechs Bergführer auf dem Gletscher, die am Sonntagnachmittag von der Diavolezza aus zu der Gruppe hochgestiegen waren. Eine weitere Rettungsgruppe befindet sich laut Baumann auf dem Aufstieg.
Die Situation sei sehr schwierig und auch für die Rettungsleute heikel, sagte Baumann. Ob die Alpinisten an Erfrierungen oder anderen Verletzungen litten, konnte er nicht sagen.
Die Gruppe hatte am Samstag per Mobiltelefon einen Notruf abgesetzt. Dieser wurde von den italienischen Carabinieri in Sondrio entgegengenommen und an die Polizei in Chur weitergeleitet. Mehrere Versuche, die Touristen per Helikopter zu bergen, schlugen bis Sonntagabend fehl. (SDA)
Blick vom 25.03.2008-00.08Drama am Berg mit Happy-End
11:48 | 24.03.2008
SAMEDAN GR – Über 24 Stunden dauerte die dramatische Rettungsaktion für fünf Tourenskifahrer an der Bernina. Jetzt befinden sie sich in Sicherheit.
Die Wintersportler aus Frankreich sind in der Nacht auf heute nach einem Unglück an der Bernina im Kanton Graubünden sicher zurück ins Tal gekehrt. Die aufwendige Rettungsaktion hatte mehr als 24 Stunden gedauert.
Zwei Alpinisten konnte die Rega kurz nach 22.00 Uhr ins Tal fliegen, wie ein Rega-Sprecher sagte. Unter den Geretteten befand sich eine 50-jährige Französin, die am Samstag in eine Gletscherspalte gestürzt war, von ihren Begleitern aber befreit werden konnte.
Wegen des schlechten Wetters konnten aber nicht alle fünf Skitourenfahrer, drei Frauen und zwei Männer, per Helikopter evakuiert werden. Zusammen mit einer sechsköpfigen Rettungskolonne des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) wagten die drei verbliebenen Alpinisten schliesslich in der Dunkelheit den langen Abstieg aus 3400 Metern über Meer bis nach Morteratsch.
Von dort aus wurden die Franzosen mit der Ambulanz wegen Verdachts auf leichte Erfrierungen zur Kontrolle ins Spital gebracht. Die Rettungsaktion war um 2.00 Uhr morgens abgeschlossen. (SDA)
Das Drama an der Bernina
Von Martin Meier | 00:08 | 25.03.2008
Eine Tourenskifahrerin stürzt in eine Gletscherspalte. Ihre fünfköpfige Gruppe gerät dadurch in Bergnot. Für die Retter beginnt eine ihrer dramatischsten Bergungsaktionen.
Der Alarm erreicht die italienische Polizei am Samstag um 19.22 Uhr. Auf Französisch fleht eine Frau am Handy um Hilfe. «Meine Kollegin ist in eine Spalte gestürzt.»
Der Absturzort liegt auf Schweizer Seite des Bernina-Massivs, oberhalb des Fortezza-Grats.
Die italienischen Polizisten wissen: Oben, in 3400 Metern Höhe ist es mit minus 18 Grad bitter kalt.
Sie alarmieren die Schweizer Kollegen. Um 19.39 Uhr wird Rettungschef Marco Salis (59) aufgeboten. Die Rettungsaktion wird gestartet. Doch dann: «Der Heli musste witterungsbedingt umkehren.»
Die Tourenskifahrer sind um 10 Uhr von der Diavolezza zu ihrer Hochtour gestartet. Am Abend wollen sie im Refugio Marco e Rosa sein. Aber die Gruppe kommt zu langsam vorwärts. Sie ist viel zu spät unterwegs.
Unterhalb der Bellavista passiert es: Eine Schneebrücke stürzt ein. Eine 50-jährige Frau stürzt 15 Meter in die Tiefe. Unangeseilt.
Sie bleibt unverletzt. Ihre Kollegen können sie befreien. Aber die Tourenskifahrer haben Angst. Sie wollen nicht mehr weiter. «Die Leute waren verzweifelt. Sie verstanden nicht, dass der Heli sie nicht holen konnte.» Rettungschef Salis macht den Alpinisten Mut: «Ich erklärte ihnen, dass sie die Nacht in einem 1,5 Meter tiefen Schneeloch überleben können.»
Am Sonntag um 6 Uhr nimmt Salis mit der Gruppe wieder Kontakt auf. «Sie sagten, sie hätten die ganze Nacht kein Auge zugetan.» Salis beruhigt sie: «Am Nachmittag können wir vielleicht fliegen.»
Doch das Wetter verschlechtert sich. «Eine zweite Nacht am Berg hätten die Franzosen nicht überlebt. Wir forderten sie deshalb auf, langsam Richtung Morteratschgletscher abzusteigen. Wir wollten, dass sich die Gruppe bewegt und warm bekommt.»
Fast gleichzeitig starten zwei vierköpfige Rettungskolonnen. Auch sechs Retter aus Italien versuchen, mit dem Heli zu den Franzosen vorzustossen.
Gegen 18 Uhr ist es soweit. Die Schweizer Retter haben die Franzosen gefunden. «Sie waren zu erschöpft, um Gefühle zu zeigen», sagt Salis. «Sie sagten nur merci.» Der Rettungschef: «Es schneite, der Wind blies, es war extrem kalt.»
Dann, gegen 22 Uhr, öffnet sich die Wolkendecke. Im Mondlicht startet der Rega-Heli. Schwebend nimmt er zwei Franzosen auf und fliegt sie auf die Diavolezza.
Doch dann schliesst sich der Himmel wieder. Die drei übrigen Franzosen müssen mit ihren Rettern weiter absteigen.
In der Nacht auf gestern erreichen sie gegen 2 Uhr erschöpft das Tal. Eine Ambulanz bringt sie zur Kontrolle ins Spital.
«Selbst für die Retter war der Abstieg ein sehr spezieller Einsatz», sagt Rega-Sprecher Gery Baumann. «Die Retter und Alpinisten mussten sich in der Dunkelheit mit Steigeisen über Felsen abseilen und Passagen mit den Skis bewältigen.» Der Einsatz sei heikel gewesen, da man ständig die Risiken abschätzen musste, erklärt Rega-Sprecher Baumann.
Hatten die Retter Angst? «Nein», sagt Rettungschef Marco Salis. «Nur Respekt vor dem Berg.»