Zahnradbahnen in den Alpen - Teil 2 -> Chamonix - Montenvers

Fachforum für Seilbahntechnik: Technische Diskussionen zu Kuppelsystemen, Steuerungen, Seilrechnung und Innovationen im Seilbahnbau.
Forumsregeln
Bitte beachte unsere Forum Netiquette
Antworten
Benutzeravatar
Space1978
Großer Müggelberg (115m)
Beiträge: 477
Registriert: 10.04.2006 - 14:06
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: ja
Ort: 5084 Großgmain bei Salzburg
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 2 Mal

Zahnradbahnen in den Alpen - Teil 2 -> Chamonix - Montenvers

Beitrag von Space1978 »

Die zweite Zahnradbahn im Department Haute-Savoie geginnt im Touristenzentrum Chamonix. Oberhalb des SNCF-Bahnhofs liegt in 1040 m Höe die Talstation der Montenvers ( CM ) zum Mer de Glace. Die meterspurige Zahnradbahn nach dem System Strub ist mit der gleichfalls meterspurigen Staatsbahnstrecke durch ein Gleis verbunden. Obwohl der Ingenieur Julien Chapuis bereits 1892 die Genehmigung zum Bau der Bahn beantragte, konnte erst 14 Jahre später, 1906 mit den Arbeiten begonnen werden. Der Bau verlief ohne große Schwierigkeiten, und der Betrieb zur 1913 m hoch gelegenen Bergstation La Mer de Glace konnte 1909 aufgenommen werden. Die Fahrzeuge der Montenvers-Bahn wurden von Anfang an bis heute überwiegend aus der Schweiz bezogen. Auch das Bezeichnungsschema der Fahrzeuge wurde vom eidgenössischen Vorbild übernommen. Als Erstaustattung baute SLM 1907 fünf Naßdampflokomotiven HG 2/3, und SIG lieferte fünf offene und neun geschlossene Drehgestellwagen. Von 1922-1926 folgten noch drei ebenfalls von SLM gebaute Heißdampflolomotiven. Die 1922 gelieferte Betriebslok Nr. 6 steht heute als Denkmal an der Talstation in Chamonix. Anfang der 50er Jahre stieg das Fahrgastaufkommen erheblich an. Um die Transportkapazität zu erhöhen, erfolgte die Elektrifizierung der Strecke ( 10,5 kV/50 Hz ). Der elektrische Regelbetrieb konnte 1954 mit vier von SLM/MFO gelieferten Triebwagen Beh 4/4 1-4 aufgenommen werden. Zwei weitere Triebwagen gleicher Bauart wurden 1960 bzw. 1980 in Betrieb genommen. Drei Dieselhydraulische Zahnradlokomotiven HGm2/3 bilden die fahrdrahtunabhängige Betriebsreserve. Auch diese Fahrzeuge leiferte SLM in den Jahren 1967/71/72.
Bis zum Jahre 1970 wurde die CM als kombinierte Zahnrad- und Adhäsionsbahn betrieben. Die Bahnhöfe Chamonix und Montenvers waren einst ohne Zahnstangenangelegt worden. Im Zusammenhang mit dem Bau einer Umgehungsstraße in Chamonix mußte der unmittelbar nach der Bahnhofsausfahrt folgende Bahnübergang verbreitert werden und die hinter dem Übergang liegende Zahnstangeneinfahrt versetzt werden. Da eine Verlegung in die beginnende Steigung nicht möglich war, entschloß man sich, den gesamten Bahnhofsbereich mit einer leichten Lamellenzahnstange auszurüsten. Um an der Bergstation auf das zeitraubende Einfahren in die Zahnstange verzichten zu können, wurden auch dort Zahnstangen verlegt. Seither wird der auf eine Achse wirkende Adhäsionshilfsantrieb der Triebfahrzeuge nur noch für die kurze Fahrt zum Depot benötigt. Eine besonders einfallsreiche technische Lösung wurde im Bereich der Straßenkreuzung an der Ausfahrt Chamonix verwirklicht. Bei geöffneter Schranke ist die Zahnstange auf das Niveau der Straße abgesenkt, und Fußgänger und Straßenfahrzeuge können ophne Gefahr die Schienen überqueren. Erst bei geschlossener Schranke hebt sich die Zahnstange hydraulisch, und die Züge können passieren. Inzwischen ist das System stillgelegt, das Niveau der Straße wurde höher gelegt.
Früher schoben die Dampflokomotiven die Züge in etwa 50 Minuten zur Bergstation, heute erreichen die Fahrgäste fast 30 Minuten schneller den in schönster Aussichtslage über dem Gletscher thronenden Bahnhof.
Snowboarden im Hochsommer ist genial!!

Antworten

Zurück zu „Seilbahnen“