Zahnradbahnen in den Alpen - Teil 5 -> Dampfbahn Furka

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Space1978
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Zahnradbahnen in den Alpen - Teil 5 -> Dampfbahn Furka

Beitrag von Space1978 »

Die Dampfbahn Furka-Bergstrecke (DFB) nimmt eine Sonderstellung unter den hier vorgestellten Zahnradbahnen ein. Sie erstürmz keinen Gipfel, sonder führt von der ehemaligen Strecke der Furka-Oberalp-Bahn (FO) von Realp im Kanton Uri über die Furka ins Wallis nach Gletsch und Oberwald. Als 1982 die FO den 15,4km langen Furka-Basistunnel in Betrieb nahm, schien das Schicksal der nur im Sommer befahrbaren Bergstrecke über die Furka besiegelt. Kein Zug sollte mehr die in den letzten Jahren nur noch notdürftig unterhaltenen Bergstrecke befahren. Die Anlagen sollten so schnell wie möglich abgebrochen werden. Als erstes wurden die Gleisanschlüsse in Oberwald und Realp und die Straßenübergänge aufgehoben. Doch im selben Jahr engagierten sich Einenbahnfreunde in einem Komitee mit dem Ziel, den Abbruch der Bergstrecke zu verhindern, um später den Betrieb mit Dampflokomotiven wieder aufzunehmen. Mit Hilfe der Presse wurde die Öffentlichkeit aufmerksam gemacht, und es konnten weitere Personen zur Unterstützung gewonnen werden. Nach einer medienwirksamen Kundgebung für den Erhalt der Bergstrecke in Gletsch am 06.August 1983, wurde der Streckenabbruch bis zum Frühjahr 1984 verschoben. Dem am 03.Dezember 1983 gegründeten Verein Furka-Bergstrecke (VFB) gelang es in Verhandlungen mit der FO, der Eigentümerin der Strecke, daß im Juli 1984 der Abbruchentscheid aufgehoben wurde. Freiwillige Helfer gegannen mit Sanierungs- und Unterhaltungsarbeiten, um den Verfall der Strecke aufzuhalten. Fachleute des Vereins Furka-Bergstrecke entwickelten ein Konzept zur Rettung der Bergstrecke und zum Betrieb einer Touristenbahn. Der Verein wäre jedoch alleine finaziell nicht in der Lage gewesen, die Bergstrecke zu sanieren und den Betrieb wieder aufzunehmen. Auch verlangten die Behörden einen haftungsfähigen Träger. Es kam deshalb 1985 zur Gründung der Aktiengesellschaft Dampfbahn Furka-Bergstrecke AG (DFB). Die Strecke Realp-Gletsch mit allen Anlagen ging 1987 von der FO in das Eigentum der DFB über. Den Abschnitt Oberwald-Gletsch behielt die FO noch in ihrem Besitz, die Bahnanlagen gingen aber im Baurecht an die DFB.
Für den Einsatz im Bauzugdienst konnte 1987 die Diesellokomotive Xmh2/2 Nr.21 in Betrieb genommen werde. Sie wurde von MItgliedern des VFB in der Werkstätte Goldau in vielen Arbeitsstunden mit Teilen einer gebrauchten Deutz-Lok praktisch neu gebaut. Erste Dampflokomotive war früher der Visp-Zermatt-Bahn gehörende HG2/3 Nr.6 " Weisshorn". 1941 kam sie als Rangierlokomotive zur HO-VAG Ems. Der nicht mehr benötigte Zahnradantrieb wurde ausgebaut. 1965 wurde sie als Denkmal vor einer Schule in Chur aufgestellt. Offitiell im Besitz der Schuljugend (!), wurde sie 1988 der DFB geschenkt mit der Auflage, sie wieder betriebsfähig zu machen. Die dazu notwendige Hauptrevision erfolgte bei der Schweizer Firma " Oswald Steam" in Samstagern, SLM lieferte einen neuen Zahnradantrieb. Die Inbetriebnahme der Lokomotive erfolgte 1989. Mit ihr wurde 1992 der Zugverkehr zwischen Realp und Tiefenbach aufgenommen. Die ursprünglich zehn Lokomotiven der Furka-Oberalp-Bahn kamen nach 1940/41 erfolgten Elektrifizierung der Strecke nur noch selten zum Einsatz. Die FO verkaufte deshalb die Lokomotiven 1, 2 ,8 und 9 an die französische Kolonialverwaltung, die sie nach Vietnam zur Chemin de fer de l´Indochine brachte. Zusammen mit den bereits in den Jahren 1924, 1929 und 1930 direkt von der SLM und der Maschinenfabrik Esslingen (2) nach Vietnam lieferten 10HG-4/4 Lokomotiven kamen sie auf der Zahnradbahn Krong Pa-Dalat zum Einsatz. Nach dem Ende des Vietnamkrieges waren die Maschinen an verschieden Orten abgestellt und die Strecke unterbrochen. Bei der DFB erinnerte man sich an die ehemaligen FO-Lokomotiven, und nachdem bereits 1985 von einem Schweizer Erdbebenforscher die ersten Fotos der abgestellten Maschinen vorgelegt wurden, resiten zwei Fachleute nach Vietnam um die noch auffindbaren Maschinen, zu inspizieren. Nach langwierigen, zäher Verhandlungen mit der vietnamesischen Regierung gelang es mehrere Maschinen zurückzukaufen. In der spektakulären Aktion " Back to Switzerland" holte im Sommer 1990 eine zwölfköpfige Gruppe die HG3/4 Nr.1, Nrn.2, 8 und 9 in die Schweiz zurück. Den Auftrag zur Rekonstruktion der Loks HG3/4 Nr.1 und 2 erhielt das deutsche Reichsbahn-Ausbesserungswerk Meiningen. NAch der Aufarbeitung 1992/93 konnten die in einem blauen Farbkleid erstrahlenden Dampflokomotiven Nr.1 " Furkahorn" am 19.Juli und Nr.2 " Gletschhorn" am 27.August 1993 offiziell den regelmäßigen Dienst an der Furka aufnahmen. Im selben Jahr wurde auch der Zweizugbetrieb auf dem Streckenabschnitt Realp-Furka aufgenommen. Nach der Sanierung des Scheiteltunnels und dem Bau eines Straßenübergangs kann der Abschnitt Furka-Gletsch vorausichtlich 1996 befahren werden. Die Fertigstellung der gesamten Strecke Realp-Furka-Gletsch-Oberwald wird aber wahrscheinlich nicht vor der Jahrtausendwende erfolgen.
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GMD
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Re: Zahnradbahnen in den Alpen - Teil 5 -> Dampfbahn Furka

Beitrag von GMD »

Space1978 hat geschrieben:Die Fertigstellung der gesamten Strecke Realp-Furka-Gletsch-Oberwald wird aber wahrscheinlich nicht vor der Jahrtausendwende erfolgen.
Ui, das dauert aber noch! Oder alter Text?
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Re: Zahnradbahnen in den Alpen - Teil 5 -> Dampfbahn Furka

Beitrag von missyd »

Ein sehr alter Text. An der Strecke Gletsch - Oberwald wird fleissig gearbeitet. Unterbau und Schienen werden erneuert. So gesehen vor 2 Wochen als ich dort war. :mrgreen:
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