Die Entscheidung die Skiregion Villars - Gryon - Les Diablerets zu besuchen, war eigentlich ganz einfach. Am Anfang hätte es eigentlich in die 4-Vallées gehen sollen, aber da ich dieses Mal nicht mit den Eltern sondern mit Kollegen unterwegs war, musste eine günstige aber genügend "grosse" Ferienwohnung her - für diesen Zeitraum ein ziemlich schwieriges Unterfangen. Nachdem uns unsere favorisierte Ferienwohnung in Les Collons weggeschnappt worden war, mussten wir etwas neues suchen. Nach zahlreichen Stunden im Internet stellte es sich dann raus, dass sich wohl die einzige für diesen Zeitraum noch verfügbare Ferienwohnung der Schweiz, die betreffend Preis, Grösse und interessantem Skigebiet einigermassen unseren Bedürfnissen entsprach, auf der Alpe des Chaux ob Gryon stand.
Nachdem wir am Anfang mit dem ÖV anreisen wollten, mussten wir dann im letzten Moment dann doch noch einen PKW organisieren, als uns klar wurde, dass die zuerst forcierte Variante wohl ziemlich zu einem Desaster geführt hätte. Mit dem Auto erfolgte die Anreise recht problemlos und dauerte alles in allem etwas über drei Stunden.
Die Alpe des Chaux - eine Reissbrett-Siedlung aus den 1970er Jahren - war abgelegener als wir dachten und wir waren einmal mehr froh um unser Auto. Am Tag der Ankunft reichte es leider nicht mehr zum Skifahren, da wir die Wohnung erst um 16.00 Uhr beziehen konnten. Trotzdem waren wir mit der Lage unserer Unterkunft sehr zufrieden, befand sich die Talstation des Skilifts, welcher die Siedlung ans Skigebiet anschliesst, doch gleich über die Strasse hinter dem Haus.
Die Schneefälle am Silvester (Mittwoch) verwandelten die Strasse nach Alpe des Chaux in eine Ski- und Schlittelpiste, wesshalb es dann sogar möglich wurde, mit den Skiern direkt vors Haus zu fahren
Am Heimreisetag - dem Samstag, 3. Januar 2009, entschieden wir uns nicht mehr in diesem Skigebiet zu fahren, sondern auch noch das Port du Soleil kennen zu lernen.
Das Skigebiet
Die Skiregion Villars - Gryon - Les Diablerets besteht eigentlich aus vier einzelnen Skigebieten. Bei Les Diablerets befinden die Teilgebiete Glacier 3000, Isenau und Meilleret. Oberhalb von Gryon und Villars befindet sich mit dem Teilgebiet Bretaye-La Chaux der grösste zusammenhängende Bereich der Skiregion. Die Skigebietsteile Bretaye-La Chaux und Meilleret sind seit 1996 mit einer in beide Richtungen benutzen Doppelsesselbahn verbunden, die Isenau ist mit einer Piste an den Glacier 3000 angeschlossen. Der Rücktransport von Glacier 3000 funktioniert wie auch bei der Verbindung Meilleret - Isenau über den im 20-Minutentakt verkehrenden „bus navette“, welcher die Talstationen in Reusch, Col du Pillon und Les Diablerets miteinander verbindet. Laut eigenen Angaben bringt es die Skiregion auf etwas um 220 Kilometer Pisten und 43 Skilifte, Sessel-, Gondel- und Luftseilbahnen. Mit dem Bau einer neuen Gondelbahn Les Diablerets - Isenau - Col du Pillon soll die Skiregion im Jahre 2011 dann definitiv zu einem richtigen, komplett zusammenhängenden Skigebiet werden.
Die Skiorte Villars, Gryon und Les Diablerets bieten heute aber nicht nur eines der grössten Skigebiete der Schweiz, sie gehören auch zu den ersten, die mechanisch unterstützen Wintersport anboten. So öffnete die Zahnradbahn von Villars nach Bretaye bereits am 18. Dezember 1913 ihre Tore und 1937 wurde ein Funischlitten in Betrieb genommen, der die Skifahrer weiter auf den 2120 Meter hohen Grand Chamossaire weiterbeförderte.
Auch in Les Diablerets stieg man früh in das Bergbahn-Geschäft ein. 1939 ging mit einem Funischlitten die erste mechanische Aufstiegsanlage in Betrieb und 1942 erstellte die Firma Sameli-Huber aus Meilen (Kanton Zürich) mit dem Skilift „Les Vioz“ den Grundstein für das zukünftige Skigebiet Meilleret.
1953 ging auch am Gegenhang eine erste Seilbahn in Betrieb. Die von der Firma Giovanola aus dem nahen Monthey erstellte Anlage war erst die Dritte ihrer Art und schloss Les Diablerets an die sonnigen Skifelder auf der Isenau an.
Erst 1963 beginnt die Erschliessung des Tsansfleurongletschers. Gebaut werden zwei Erschliessungensketten - eine von Reusch und eine vom Col du Pillon aus - die 1964 mit der Luftseilbahn „Cabane - Glacier des Diablerets“ ihre Vollendung finden.
Pistenplan & Anlagen
^^ Auf den Pistenplan klicken, um eine grössere Version anzuzeigen.
Bretaye - Les Chaux
(A) ZRB Villars - Bretaye
(B) 8-EGK Villars - Roc Dorsay [Poma]
(C) 4-EGK Barboleuse - Les Chaux [Garaventa]
(D) 6-SBK Col de Bretaye- Grand Chamossaire [Garaventa]
(E) 1-SLK Col de Bretaye - Roc d'Orsay [Poma]
(G) 1-SLK Combe d'Orsay [Poma]
(H) 4-SBK Lac Noir - Chaux Ronde [Baco-Poma]
(I) 1-SLK Lac Noir - Bretaye [Poma]
(K) 1-SLF Lac de Bretaye - Col de Bretaye [Poma]
(L) 2-SLE Bretaye - Chaux Ronde 1 [Städeli]
(L) 1-SLE Bretaye - Chaux Ronde 2 [Städeli]
(M) 2-SBF Lac Noir – Petit Chamossaire [Städeli]
(P) 6-SBK La Rasse - Chaux Ronde [Baco-Poma]
(R) 1-SLK Parc I [Giovanola]
(R) 1-SLE Parc II [Städeli]
(S) 1-SLE Palace [Städeli]
(T) 4-SBK Sodoleuvre - Croix des Chaux [Baco-Poma]
(U) 2-SLE La Rasse - Sodoleuvre [Garaventa]
(X) 2-SLE Alpe des Chaux - Les Chaux [Garaventa]
Meilleret
(17M) 4-SBK/B Les Vioz- Les Mazots [Garaventa]
(18M) 2-SLE Les Essertons - La Jorasse [Städeli]
(19M) 2-SLE La Ruvine - Les Mazots [Städeli]
(20M) 4-SBK Mi Ruvine - Meilleret [Garaventa]
(21M) 2-SLE Laouissalet - Meilleret [Städeli]
(22M) 1-SLK Vers l'Eglise [Poma]
(26M) 1-SLK Laouissalet - Vieille Case [Poma]
(27M) 2-SBF Perche - Conche [Garaventa]
Isenau
(11I) 4-EGK Les Diablerets - Isenau [Giovanola]
(12I) 2-SLE Isenau [Müller]
(13I) 1-SLK Les Cretes- La Marnèche [Poma]
(14I) 1-SLK La Palette [Poma]
(15I) 1-SLK Floriettaz [Poma]
Glacier des Diablerets (Glacier 3000)
(2G) 125-PB Cabane des Diablerets - Glacier des Diablerets [Doppelmayr Thun]
(3G) 125-PB Col du Pillon Cabane des Diablerets [Doppelmayr Thun]
(4G) 35-PB Reusch-Oldenegg [Garaventa/Habegger]
(5G) 4-SBK/B Oldenegg - Cabane des Diablerets [Doppelmayr]
(6G) 4-SBF Scex Rouge [Doppelmayr]
(7G) 2-SLE Le Dome [Von Roll]
(8G) 2-SLE La Quille du Diable [Von Roll]
(9G) 4-SBK Oldenalp - Oldenegg [Doppelmayr]
(12G) 2-SLE Tsanfleuron [Von Roll]
(30G) 1-SLF Reusch [Poma]
Kommentar
Alles in allem - das möchte ich gleich mal vorneweg nehmen - ist die Skiregion Villars - Gryon - Les Diablerets absolut besuchenswert! Das Skigebiet hat trotz seiner Grösse und Popularität seine Identität gewahrt. Neben den Hochleistungsanlagen an den Knotenpunkten gibt es auch zahlreiche urtümlich gebliebene Ecken, an denen man das Gefühl hat, die Zeit sei stehen geblieben. Die Skiregion ist extrem weitläufig und bietet zahlreiche Kontraste. So kann man an der Meilleret Waldschneisen-Skifahren und in weniger als einer Stunde in die hochalpine, vergletscherte Landschaft des Glacier 3000 wechseln. Äusserst positiv sind auch die Skipasspreise zu beurteilen. Für die sechs Skitage bezahlte ich als Jugendlicher günstige 249 Franken (Erwachsene 277 SFr.). Vor allem in Anbetracht dessen, das hier auch noch die Skigebiete Leysin und Les Mosses inbegriffen wären, ist der Preis absolut okay. Leider konnten wir die beiden letztgenannten Skigebiete nicht besuchen, da wir unsere Ferienwohnung auf der verkehrstechnisch sehr ungünstig gelegenen Alpe des Chaux hatten. Für Feriengäste in Les Diablerets dürfte dies aber ein sehr attraktives Zusatzangebot sein.
Meine Hauptkritik hingegen geht an die „neue“ Sesselbahn „La Rasse - Chaux Ronde“ aus dem Jahre 2001. Diese Poma 6er Sesselbahn ersetzte die beiden WSO Sessellifte „La Rasse - Charmet“ sowie „Charmet - Chaux de Conches“, wobei letzterer unterhalb des letzten Steilhangs einen Mittelausstieg hatte. Das man die Bergstation der zweiten Sektion nicht mehr auf dem exponierten Chaux de Conches bauen wollte, ist zwar halbwegs verständlich. Die Bergstation der neuen Sesselbahn hätte aber nicht zwischen den Bergstationen des Doppelskilifts „Bretaye - Chaux Ronde“ und der Sesselbahn „Lac Noir - Chaux Ronde“ platziert werden sollen, sondern auf der Anhöhe rechts der Sesselbahn Chaux Ronde. Im jetzigen Zustand muss von der Bergstation fast in alle Richtungen geschoben werden. Des weiteren - und das ist meiner Meinung nach der grösste Fehler in der Erschliessung des kompletten Skigebiets, sind durch den Ersatz der WSO Sessellifte gleich zwei Mittelausstiege (1x Sektionenwechsel, 1x Mittelausstieg an der oberen Doppelsesselbahn) weggefallen. Da die dadurch erschlossenen Pisten (wunderbares Carvinggelände überigens) nun nicht mehr erreichbar sind, hat man diese gestrichen. Nur eine einzige rote Piste ist erhalten geblieben. Da diese aber nur über einen nicht im geringsten massentauglichen und nur bei Meter hohem Schnee präparierbaren Ziehweg erschlossen ist, ist diese auch bei guten Schneeverhältnissen wie jetzt geschlossen. Gleich am Ende des besagten Ziehweges befand sich früher übrigens der Zwischenausstieg am Sessellift „Charmet - Chaux de Conches“.
Folglich wird die neue 6er Sesselbahn praktisch nur als Verbindungsanlage benutzt, meines Erachtens eine total unnötige Ressourcen Verschleuderung. Das Problem liesse sich übrigens relativ kostengünstig beheben: Durch den Einbau einer einseitigen Mittelstation unterhalb des Steilhanges könnte man unzählige, schön zu fahrende Pistenvarianten erschliessen. Luxuslösung wäre natürlich eine Winkelstation und Versetzung der letzten 150 Meter der Anlage - aber das ist verglichen mit der anderen Variante eine etwas gar freche Forderung
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Verbindung über den Zweiersessellift „Perche -Conche“. Bis zum Abbau des Sessellifts „Charmet - Chaux de Conches“ konnte man wenigstens die Richtung Villars - Les Diablerets auf den Skiern zurücklegen. Heute muss man die 1287 Meter lange, fixgeklemmte Anlage in beide Richtungen benutzen. Ich bin zwar heil froh, dass es den Lift gibt, sollte man diesen aber mal Ersetzen müssen, so hoffe ich auf eine kuppelbare Anlage mit der Streckenführung „Conche - Chaux de Conches - Loussailet“. Damit hätte man eine auf beide Richtungen auf den Skiern zurücklegbahre Strecke, die 10 minütige Fahrt im Schatten (bei gut und gerne bei minus 10°C) würde entfallen und auch die Kapazitätsprobleme am Skilift „Laouissalet - Vieille Case“ (noch so eine Geschichte
Der totale Aufsteller war die exzellente Pistenpräparierung und der für einmal überhaupt nicht harte Kunstschnee (dieser ist aber auch nur an wenigen Stellen vorhanden). Jeden morgen erwarteten einem von neuem perfekte Teppiche die es zu zerstören galt. Weiter wurden nach dem „grossen“ Schneefall am Mittwoch einige Pisten für zwei Tage nicht gewalzt, so dass jedermann gefahrenlos den frischen Pulverschnee geniessen konnte.
Ebenfalls vorbildhaften waren die zahlreichen Panoramatafeln, die es praktisch an jeder Bergstation gab und wo man seinen aktuellen Standort checken konnte (ok, für mich kam das eh nicht draufan, hatte vorher den Pistenplan eh lang genug studiert
Fortsetzung folgt...