Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

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Talabfahrer
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Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von Talabfahrer »

Mich würde mal Eure Meinung zum genannten Thema, also Einschränkung des Sicht- bzw. Blickfeldes, durch Skibrillen interessieren. Hintergrund der Frage ist, dass ich in der vergangenen Skisaison wieder einige Kollisionen von Skifahrern beobachtet habe, bei denen ich mich jedesmal gefragt habe: Schaun die nicht, oder sind die blind? Meine persönliche Meinung ist dann auch, dass das ein bisher viel zu wenig beachteter Faktor bei Skiunfällen, vor allem bei seitlichen Zusammenstößen, ist.

Um dabei nicht von Anfang an aneinander vorbeizureden, möchte ich vorab einige Begriffe erklären. Recht ausführlich ist das in einer im Volltext im Netz stehenden Dissertation von Volker Gralla Peripheres Sehen im Sport – Möglichkeiten und Grenzen dargestellt am Beispiel der synchronoptischen Wahrnehmung beschrieben.
Sichtfeld: (auch Gesichtsfeld) Darunter versteht man denjenigen räumlichen Winkelbereich, in dem optische Information (z.B. eine Lampe oder ein bewegtes Objekt) ohne Augenbewegung wahrgenommen werden kann. Bei einem gesunden erwachsenen Menschen beträgt dieser Bereich ca. 95 Grad nach jeder Seite, 60 Grad nach oben und 70 Grad nach unten. Am Rand des Sichtfeldes werden keine Details, sondern nur noch Bewegungen wahrgenommen, aber das reicht ja auch. Kinder haben ein kleineres Sichtfeld; oder zumindestens scheinen sie Information am Rand des Sichtfeldes schlechter verarbeiten zu können.
Blickfeld: Das ist der Winkelbereich, der überschaut werden kann, wenn Augenbewegungen möglich sind (zur Seite blicken), aber noch keine Kopf- oder Rumpfbewegungen. Beim gesunden erwachsenen Menschen beträgt der Blickbereich nach jeder Seite ca. 135 Grad, d.h. der "tote Winkel" nach hinten ist gerade mal ca. 90 Grad.
Schematisch:<br />A: Sichtfeld, B: Blickfeld
Schematisch:
A: Sichtfeld, B: Blickfeld
sichtblick.gif (5.98 KiB) 5010 mal betrachtet
Umblickfeld: Um eine vollständige Rundumsicht zu erreichen, langt es beim gesunden Erwachsenen aus, zusätzlich zur Augenbewegung eine Kopfbewegung zuzulassen. Die Fähigkeit zur Ausführung dieser Art von Bewegungen nimmt mit zunehmendem Lebensalter ab und muss dann ggf. durch zusätzliche Schulter-und Rumpfbewegungen unterstützt werden.
Soweit erst mal zu den Voraussetzungen; mehr dazu kann man im Anfangsteil der erwähnten Dissertation nachlesen.

Ich möchte Euch jetzt mal vorschlagen, vor allem mit den "fetten" Skibrillen-Exemplaren mit gepolstertem Rand und Elastikband zur Befestigung, auszuprobieren, wie groß denn das übrig bleibende Blickfeld ist. Ihr werdet bemerken, dass in vielen Fällen bereits das seitliche Sichtfeld erheblich eingeschränkt ist. Mit den Augen zur Seite blicken bringt also gar nichts mehr. Zusätzlich schränken viele Skibrillen auch die Sicht nach unten und oben ein, so dass man den Kopf nach unten neigen muss, um den Bodenbereich unmittelbar vor den Skispitzen zu sehen.

Wenn jetzt jemand sagt: Das macht doch nichts, das ist doch Pipifax, dann würde ich mal zur Veranschaulichung zwei Ski-unabhängige Experimente empfehlen: Setzt doch mal allen Spielern einer Fußballmannschaft schöne fette gepolsterte Skibrillen auf, während die gegnerische Mannschaft ohne diese Ausrüstung antreten darf. Ich würde mich schon ziemlich wundern, wenn das ohne Auswirkungen bliebe. Neben dem Nicht-Wahrnehmen des von der Seite herannahenden Gegners dürfte es auch Zusammenstöße mit Spielern der eigenen Mannschaft geben, einfach weil man aus Gewohnheit nicht dauernd den Kopf dreht, wenn der sonst beim unbehinderten Sehen aus den Augenwinkeln wahrgenommene periphere Bereich durch den Brillenrand verdeckt ist. Obwohl ich selbst kein Fußballer bin, kann ich mir vorstellen, dass beim Dribbeln eine eingeschränkte Sicht nach unten auch nicht gerade Erfolgs-fördernd ist.

Zweites Experiment: Autofahren mit aufgesetzter Skibrille. Als Verschärfung vielleicht noch den Innen- und die Rückspiegel, die sich bei manchen Automodellen inzwischen der Größe von Klodeckeln nähern (warum wohl?), verstellen, und dann rein in den Berufsverkehr oder auf eine dicht befahrene Autobahn. Ihr fühlt Euch dabei doch nicht etwa unsicher? Ein Narr, wer da irgendwelche Parallelen zum Skifahren zieht!

Dass viele Skibrillen diesen Mangel aufweisen, liegt meiner Meinung auch daran, dass deren Entwickler viel zu sehr den Anwendungsbereich im Sinn haben, aus dem die Dinger urspünglich herkommen, nämlich den Skirennsport. Dort reicht es, wenn man die nächsten Torstangen richtig ansteuert. Von der Seite oder von schräg hinten her kommen keine neue Torstangen herangerast, und, wenn man mal vom Skicross absieht, sind beim Rennen auch keine anderen Skifahrer auf der Piste, die gerne dieselbe Linie fahren möchten, die man sich selbst als Fortsetzung der bisherigen Fahrt vorgenommen hat.

Um vorweg die Frage zu beantworten: Ich fahre selbst immer mit normalen Brillen, wobei ich mir Exemplare mit sehr großen Plastikgläsern ausgesucht habe. Seitlich sind die offen. Wie man aus der Zahl meiner Skitage raten kann, bin ich dadurch keineswegs auf lauwarme Schönwettertage eingeschränkt.

Es gibt auch eine Wechselwirkung mit dem Tragen von Skihelmen. Anscheinend sind nämlich einige (viele? die meisten?) Helme so gebaut, dass das Tragen einer normalen Sportbrille, wie z.B. beim Fahrradfahren, unmöglich oder zumindestens unbequem ist. Dadurch greifen die Helmnutzer dann eher zu den sichtbehindernden Gummiband-Skibrillen, die über dem Helm getragen werden. Dass der Helm trotz der entsprechenden Verbesserungsbemühungen der Hersteller dann auch noch Auswirkungen auf das Richtungshören hat, ist nur noch ein kleiner Nebeneffekt.

Man kann natürlich die Notwendigkeit des "Rückblicks" während der Fahrt mit Hinweis auf die heile Welt der FIS-Verhaltensregeln vom Tisch wischen. Tatsache ist aber, dass im normalen Pistenskibetrieb dauernd Grenzsituationen auftreten, bei denen die "vorne vor hinten"-Regel nicht greift, oder zumindestens für die Beteiligten praktisch nicht entscheidbar ist. Bei zwei nebeneinander mit gleicher Geschwindigkeit fahrenden Skifahrern hilft wirklich nur der Blick zu Seite (wenn möglich aus den Augenwinkeln, mit der falschen Skibrille durch unbequeme Seitdrehung des Kopfes) und ein nachfolgendes defensives Fahrmanöver weg vom Konkurrenten, eine mögliche Kollision zu vermeiden.

Die Frage, ob, und wenn ja, welche Skibrille Herr A. bei seinem folgenschweren Zusammenstoß getragen hat, stelle ich als Randbemerkung ans Ende. Hatte er freie Sicht in alle möglichen Richtungen?

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lanschi
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von lanschi »

Puh.

Mit deiner These hast du in der Tat wirklich Recht. Ich hätte nicht gedacht, dass es so extrem ist, aber ich schätze die Sichtfeldeinschränkung auf ca. 20-25° beiderseits (hab´s grad eben mit meiner Skibrille im Selbstversuch probiert). Wobei ich dazusagen muss, dass ich in dem Bereich, der mir eben fehlt, ohnehin keine Details mehr sehe. Aber es stimmt - das Sichtfeld wird eingeschränkt, keine Frage.

Mich persönlich stört das jedenfalls trotzdem nicht - ich bin an all meinen Skitagen keine 10x mit Sonnenbrille gefahren (ohne Brille sowieso gar nie!), von dem her bin ich nichts Anderes gewöhnt. Außerdem gehöre ich zu jenen Leuten, die auch gerne mal den Kopf zur Seite drehen, um zu schauen, ob da eh niemand ist.

Wenn man jetzt die Helme und die Brillen aber anders bauen würde, so wäre der Schutz nicht mehr in der Form gegeben, denn eine Skibrille hält bei einem Aufprall ja gar nichts aus, bzw. hebt nur die Gefahr zusätzlicher Verletzungen (das ist jetzt kein Postulat - ich habe das selbst am eigenen Leib erfahren, mir hat die Brille einen Gesichtsknochen gebrochen). Wenn man diesen Bereich jetzt noch erweitern würde, dann kann man den Helm gleich vergessen.

Fazit: Man muss halt einfach auch mal zur Seite blicken. Die derzeitige konstruktive Ausführung von Skibrillen ist für mich der bestmögliche Kompromiss von maximalem Kopfschutz und bestmöglichem Blickfeld.
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von Martin_D »

Ich würde diese Blickfeldeinschränkung nicht überbewerten.

Da ich auf einem Auge praktisch nichts sehe (weniger als 10%), habe ich eine deutlich größere Einschränkung als die, die von einer Skibrille verursacht wird. Nach deiner Theorie dürfte ich den Skisport gar nicht mehr ausüben. Trotzdem fahre ich bei passenden Bedingungen gerne mit hohem Tempo.

Am gefährlichsten halte ich die Situation, in der zwei annähernd gleich schnelle Skifahrer/Snwowboardfahrer gleichzeitig den selben Hang hinunterfahren. Deshalb versuche ich, diese Situation solche Situationen zu vermeiden.
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von Talabfahrer »

lanschi hat geschrieben:Mich persönlich stört das jedenfalls trotzdem nicht - ich bin an all meinen Skitagen keine 10x mit Sonnenbrille gefahren (ohne Brille sowieso gar nie!), von dem her bin ich nichts Anderes gewöhnt. Außerdem gehöre ich zu jenen Leuten, die auch gerne mal den Kopf zur Seite drehen, um zu schauen, ob da eh niemand ist.
Für jemanden, der so oft wie Du fährt (fast jeden 3. Tag der Skisaison), und der im Normalfall eine ggf. Sicht-einschränkende Brille aufhat, ist das Problem durch entsprechendes (dann auch automatisiertes) Verhalten kompensierbar. Problematischer sehe ich das beim Gelegenheitsnutzer, der sich erst mal instinktiv auf das ja sonst immer funktionierende periphere Sehen verlässt, und dann eben nicht oft genug den Kopf zur Seite dreht.
Für mich selbst kommt ja ein erheblicher Teil des Spaßes am Skifahren daher, dass so ab dem 20. Skitag wirklich alles Technische "wie von alleine" läuft. Bei den ganz wenigen Gelegenheiten, wo ich (z.B. wegen Temperaturen unter -10 Grad oder Schneesturm) eine Skibrille aufsetze, ist halt das dann notwendige Aktiv-Zur-Seite-Schauen nicht im Unterbewusstsein verdrahtet, und ich fühle demzufolge nach meinen Maßstäben unwohl/unsicher. Allerdings nimmt bei solchen Verhältnissen glücklicherweise auch die Dichte der Platz-Konkurrenten stark ab :biggrin:
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von Talabfahrer »

Martin_D hat geschrieben:Da ich auf einem Auge praktisch nichts sehe (weniger als 10%), habe ich eine deutlich größere Einschränkung als die, die von einer Skibrille verursacht wird. Nach deiner Theorie dürfte ich den Skisport gar nicht mehr ausüben.
Das meine ich ganz bestimmt nicht. Da Du ja diese Einschränkung auch im täglichen Leben hast, bist Du perfekt daran gewöhnt, damit umzugehen (z.B. im Straßenverkehr) und wirst Dich instinktiv richtig verhalten. Wie schon im anderen Beitrag erwähnt, sehe ich das Problem hauptsächlich beim Gelegenheitsnutzer, dem erst mal gar nicht klar ist, dass die sonst als selbstverständlich verfügbar angenommene Peripheriewahrnehmung bei Aufsetzen der Skibrille nicht mehr funktioniert.
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von lanschi »

Der Gelegenheitsskifahrer hat aber - wie sich in den entsprechenden Skigebieten zu den entsprechenden Zeiten zeigt - ganz andere Probleme als "nur" eine seitliche Blickfeldseinschränkung um 20°. :wink:
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von BigE »

meiner meinung nach wäre es zu einfach, die ursache der kollisionen aufs material zu schieben. denn manche leute, besonders gelegenheitsskifahrer, schauen nur bis zu ihren skispitzen.

so hat uns der rettungschef eines renommierten skigebiets einmal folgende story erzählt:
bei jeder helikopterrettung auf der skipiste wird vor der ankunft des helis der landebereich mit einem fangnetz abgesperrt. und beinahe jedes mal zappelt ein skifahrer in diesem fangnetz! knallig orange und von weit her sichtbar - und trotzdem wird es immer wieder übersehen.

ich habe mich auch schon selber dabei ertappt. als ich etwas neues ausprobierte achtete ich nicht mehr auf die anderen pistenbenutzer sondern nur noch auf meine skier. so passieren unfälle.

der geübte, sichere skifahrer verschafft sich mit kopfbewegungen ebenfalls ein umblickfeld von 360°, einschränkungen durch die skibrille hin oder her.

(ich fahre fast immer mit skibrille, auch bei schönwetter. die sonnenbrille vermag den fahrtwind nicht abzufangen.)
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von thun »

Warum passieren im Straßenverkehr Unfälle bei denen sich eigentlich die Beteiligten hätten sehen müssen? Genau aus dem selben Grund wie beim Skifahren auch, in 95% der Fälle liegts daran dass die Leute nicht schauen was um sie rum passiert. Das ist zwar traurig, aber anscheinend nicht zu ändern.

Trotzdem hast Du mit der Blickfeldeinschränkung durch Schibrillen prinzipiell recht, in den meisten Fällen würde aber ohne Brille das selbe passieren.
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Talabfahrer
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von Talabfahrer »

BigE hat geschrieben:meiner meinung nach wäre es zu einfach, die ursache der kollisionen aufs material zu schieben. denn manche leute, besonders gelegenheitsskifahrer, schauen nur bis zu ihren skispitzen.
...
(ich fahre fast immer mit skibrille, auch bei schönwetter. die sonnenbrille vermag den fahrtwind nicht abzufangen.)
Dazu, dass es viel zu kurz gesprungen ist, die Hauptursachen für Zusammenstöße beim Material, seien es jetzt die "spurtreuen" schnellen Carvingski oder auch bei den hier angesprochenen Sichtbehinderungen zu suchen, stimme ich ich voll zu. Es ist allerdings eine bei der Ursachenuntersuchung von Unfällen in anderen Bereichen (Straßenverkehr, Luftfahrt, wo ich mich berufsbedingt ein bisschen mit den Fehlerwahrscheinlichkeiten beschäftigen muss :wink: ) immer wieder beobachtete Tatsache, daß oft erst das Zusammenwirken mehrerer ungünstiger Faktoren im Zusammenspiel zu einem Unfall führt.

Wenn jetzt z.B. bei einem weniger routinierten Fahrer die Faktoren "schwierige Schneeverhältnisse, Ermüdung, nicht perfekte Skibeherrschung" bereits vorliegen, dann kann es halt doch sein, dass ein weiterer erschwerender Faktor, wie eine Sichteinschränkung, das entscheidende Quäntchen zum Überlaufen des Ursachenfässchen beiträgt.

Zu Deiner Bemerkung "Sonnenbrille vermag den Fahrtwind nicht abzuhalten": Das mag für einen sehr sportlich und schnell fahrenden Skiläufer oder Snowboarder ab und zu richtig sein. Andererseits frage ich mich, wie denn die Radrennfahrer dann mit ihren auch nicht winddichten, aber mit deutlich besserer Seitensicht ausgestatteten Brillen über die Runden kommen können. Viele Durchschnittsskifahrer sind aber ausschließlich mit Geschwindigkeiten unterwegs, bei denen sie mit einer Abfahrtsrenn-tauglichen Vollschutz-Brille ziemlich überausgerüstet sind. Denen würde ich persönlich doch mal empfehlen, einen gegenüberstellenden Versuch in der Richtung zu machen, dass sie mal die Alternativen "Sportbrille mit guter Seitensicht + 1 Packung Taschentücher zum Abwischen der paar Tränen bei der einzigen Schussfahrt des Tages" gegenüber der Dauerbenützung einer geschlossenen Brille mit Sichtfeldeinschränkung ausprobieren.

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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von Andi15 »

Talabfahrer hat geschrieben: Andererseits frage ich mich, wie denn die Radrennfahrer dann mit ihren auch nicht winddichten, aber mit deutlich besserer Seitensicht ausgestatteten Brillen über die Runden kommen können.
[/quote]

DEr Fahrtwind biem Skifahren ist um einiges kälter als der beim einem Rennradfahrer (Winter ist nicht gleich Sommer )
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von Fab »

Meine Augen tränen beim Skifahren recht schnell, so daß ich mit einer normalen Sonnenbrille nicht zufrieden war.
Eine Schneebrille wollt ich nicht nehmen, denn mir persönlich ist die Einschränkung des Blickfeldes zu groß.
Hat mich an meine Taucherbrille erinnert, da habe ich schon so meine Überraschungen erlebt, wenn außerhalb des Blickfeldes was Großes angeschwommen kam.

Hab dann eine große, gebogene Brille mit Wulst gekauft. Riesige Glasfläche, ziemlich gut gegen den Fahrtwind geschützt. Schaut ein wenig "aufzindermäßig" aus, aber den Grund des Kaufs hab ich ja genannt.
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von Talabfahrer »

Andi15 hat geschrieben:Der Fahrtwind beim Skifahren ist um einiges kälter als der bei einem Rennradfahrer (Winter ist nicht gleich Sommer )
Na freilich, aber: Winter ist auch nicht gleich Winter. Bei -15 Grad irgendwann im Jänner und steifem Nordostwind fahr ich auch mit einer geschlossenen Brille, weil ich dann den Schmerz nicht ertragen mag und dann lieber etwas Sichtfeld-beschränkt als gar nicht sehe. Bei den +15 Grad, die es um die Ostertage rum in unserer Gegend bei durchaus guten Skibedingungen (siehe z.B. meine St.Johann i.T.-Beitrag) hatte, habe ich mich aber schon ziemlich über die gar nicht so wenigen Leute gewundert, die immer noch mit dem grossen Brillenbalkon durch die laue Frühjahrsluft gepflügt sind. Allerdings praktisch immer in Kombination mit einem Helm; von den Helm-losen Fahrern hatte kein einziger so ein dickes Gerät auf der Nase.
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von BigE »

wenn du schon st. johann ansprichst kommt noch ein weiterer faktor für winter ist nicht gleich winter hinzu....der höchste punkt von st. johan ist 1700 m.ü.m. meinen letzten skitag verbrachte ich am corvatsch, da ist bereits die talstation höher! :mrgreen: und dann gehts auf 3303 meter hinauf...
und auch in meinem stammskigebiet gotschna/parsenn verbringe ich den grössten teil des skitags auf über 2000 metern.

aber wie auch immer, mir reicht eine sonnenbrille nunmal nicht aus. also trage ich eine skibrille und fahre damit unfallfrei durch die gegend. mag sein, dass sie einen faktor für unfälle ausmacht, er kann aber mit gezieltem um-sich-schauen ausgemerzt werden.
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von Seilbahnjunkie »

Mmh, also ich fahre eigentlich immer wenn es die Witterung zulässt mit Sonnenbrille und das natürlich in Kombination mit einem Helm. Ich persönlich hab da eigentlich keine Probleme, obwohl meine Augen ohne Brille auch schnell tränen. Erst wenn die Sicht durch das Wetter deutlich schlechter wird wechsle ich zur Schibrille.
Das mit der Sichtbehinderung ist mir so noch garnicht bewust gewesen, aber jetzt wo du es ansprichst muss ich dir Recht geben Talabfahrer. Allerdings denke ich, dass ich noch recht gut damit zurechtkomme den Kopf mehr zu drehen obwohl ich nicht so viel fahre (leider).
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von Balou »

Die Frage ist - was kann man ändern? Wenn die Skibrille noch breiter wird passt sie nicht unter den Helm, wenn der Helmrand weiter Richtung Ohr rückt (damit eine breitere Brille drunter passt) schützt der Helm nicht mehr richtig. Außerdem ist dann die Gefahr recht groß, dass es an die Ohren zieht, und da das sehr unangenehm und schmerzhaft sein kann tragen wieder weniger Leute einen Helm.

Ich fahre lieber mit Sportsonnenbrille (mit zusätzlichen "eingeklackten" optischen Gläsern) als mit Skibrille, was aber schlicht und ergreifend daran liegt, dass mir das mit optischer Brille und Skibrille einfach zu viel Gedöns ist und die Kombi aus beidem (bzw. drei Teilen - Helm kommt ja auch noch dazu) sehr schnell unbequem wird und drückt. Meine Sportsonnenbrille schirmt recht gut gegen Fahrtwind ab, hat aber auch recht breite Bügel, und ich glaube nicht, dass ich mit der Sportbrille ein größeres Sichtfeld habe als mit meiner Skibrille.

Ich habe beim Skifahren auch bei milden Temperaturen oft schon Skifahrer mit Skibrille und ohne Helm gesehen, was ich darauf zurückführe, dass viele Leute einfach keine gescheiten anderen Sportbrillen haben. Schließlich geht es in erster Linie um den Schutz der Augen, nicht nur vor Fahrtwind, sondern auch vor schädlichen UV-Strahlen, und eine normale (Sonnen-)Brille schützt nun mal nicht sehr gut.
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von anno_80 »

Das Problem ist, dass viele Leute (vorwiegend Damen :wink: ) beim Kauf einer Ski- (Schnee-) Brille
nur auf die Optik und nicht auf die Funktion (und dazu gehört eben auch ein großes Sichtfeld)
achten. Viele suchen immer eine möglichst kleine unauffällige Brille, dabei ist eine große, weit rumgezogene
Brille viel funktioneller und schränkt das Sichtfeld weit weniger ein, als viele glauben.
Meine Brillen sind jedenfalls alle so gewählt, dass sie mich so wenig wie möglich einschränken.

Gruß André
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von toxy123 »

und eine normale (Sonnen-)Brille schützt nun mal nicht sehr gut.
Das glaube ich so nicht. Also es ist ja auch nicht so, als gäbe es keine Skisonnenbrillen, also solche in der Art wie Sportsonnenbrillen. Aber das der Schutz vor UV-Strahlen im Gegensatz zu den klobigen Skibrillen schlechter sein soll, mag ich nicht so ganz glauben.
Ich bin übrigens der Skisonnenbrillenfahrer, und zwar uneingeschränkt bei jedem Wetter, da mich die großen Brillen einfach nur nerven, einerseits wegen des Sichtfelds, andererseits, weil sie bei mir immer beschlagen, das steht jedoch auf einem anderen Blatt.

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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von missyd »

anno_80 hat geschrieben:Das Problem ist, dass viele Leute (vorwiegend Damen :wink: ) beim Kauf einer Ski- (Schnee-) Brille
nur auf die Optik und nicht auf die Funktion (und dazu gehört eben auch ein großes Sichtfeld)
achten. Viele suchen immer eine möglichst kleine unauffällige Brille, dabei ist eine große, weit rumgezogene
Brille viel funktioneller und schränkt das Sichtfeld weit weniger ein, als viele glauben.
Meine Brillen sind jedenfalls alle so gewählt, dass sie mich so wenig wie möglich einschränken.
Gruß André
Als Brillenträgerin habe ich mir eine grosse Skibrille gekauft die über die Sehbrille passt (von Bollé). Eine Blickfeldeinschränkung habe ich deswegen nicht. Den Kopf muss man halt schon ein wenig drehen wenn man wissen will was sich um einen herum geschieht. Das Kopfdrehen ist für mich natürlich da ich das beim Motorradfahren auch machen muss.
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Re: Blickfeldeinschränkung durch Skibrillen

Beitrag von Balou »

toxy123 hat geschrieben:
und eine normale (Sonnen-)Brille schützt nun mal nicht sehr gut.
Das glaube ich so nicht. Also es ist ja auch nicht so, als gäbe es keine Skisonnenbrillen, also solche in der Art wie Sportsonnenbrillen. Aber das der Schutz vor UV-Strahlen im Gegensatz zu den klobigen Skibrillen schlechter sein soll, mag ich nicht so ganz glauben.
Mit der "normalen (Sonnen-)Brille" ist keine wie auch immer geartete Sportbrille gemeint sondern eine ganz stinknormale Sehhilfe oder auch eine normale Sonnenbrille, wie "Otto Normalverbraucher" sie im Sommer zum Spazierengehen/Autofahren/was-auch-immer trägt. Da schützen zwar die Gläser auch vor UV-Strahlen, sind aber in der Regel nicht sehr groß und auch seitlich nicht "rumgezogen". Der Optiker meines Vertrauens warnt immer davor, mit so einer "normalen Sonnenbrille" Ski zu fahren, weil der UV-Schutz durch die "Bauart" nicht sehr hoch ist - es fällt einfach zu viel Sonnenlicht am Glas vorbei ins Auge.

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