Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

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gernot
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Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von gernot »

da sterben 155 menschen und keiner ist schuld

»Da hat Gott für einige Minuten im Tunnel das Licht ausgemacht«

http://salzburg.orf.at/stories/400775/

interessanter artikel dazu in der zeit

Gerechtigkeit für Kaprun

http://www.zeit.de/2009/33/A-Kaprun

wenn da auch nur die hälfte stimmt, ist's unglaublich in welchen "rechts"staat wir leben

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Frankenski
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von Frankenski »

Bananen Staat Austria :grosseaugen:

Es zählt nur noch Geld :? was würde denn passieren, wenn Österreicher das gleiche in Deutschland passieren würde :?: gekaufte Gutachter :cry: ich kann mir nicht vorstellen das bei einem vorsätzlichen Massenmord die verjährung 2010 endet, denn man hat ja im Kauf genommen das was passieren kann, ein 08/15 Heizlüfter soll jetzt alleine Schuld sein, nur weil die Betreiber zu blöd sind und sich nicht an die Richtlinien halten, aber was kann man von einem Staatsbetrieb schon erwarten, die von nix eine Ahnung haben.

Bitte ein wenig im Ton mäßigen. Du unterstellst hier doch ein wenig viel...
Danke
Jakob
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jens.f
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von jens.f »

Naja, in Deutschland läuft dass doch auch nicht anders - siehe das ICE-Unglück von Eschede

Hier gab es ja auch eine Kombination aus technischen und organisatorischen Mängeln.
Siehe hierzu:
http://de.wikipedia.org/wiki/ICE-Ungl%C ... e_Ursachen

Und auch hier wurden alle Verfahren eingestellt...

Gruß, Jens
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k2k
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von k2k »

jens.f hat geschrieben:Naja, in Deutschland läuft dass doch auch nicht anders
Genau das ist der Punkt.
"Seilbahnen sind komplexe technische Systeme. Sie sind Werke innovativen vielschichtigen Schaffens und bilden ein spannungsvolles Zusammenspiel technischer und wirtschaftlicher, politischer, sozio-kultureller und landschaftlicher Faktoren." (Schweizerisches Bundesamt für Kultur)
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Klosterwappen
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von Klosterwappen »

Frankenski hat geschrieben:cry: ich kann mir nicht vorstellen das bei einem vorsätzlichen Massenmord die verjährung 2010 endet,
Jetzt lass einmal die Kirche im Dorf:
Es geht hier nicht um Mord, sondern um fahrlässige Tötung = Totschlag in Deutschland.

Bei Mord hat der Täter die Absicht, jemanden anderen umzubringen, bei der fahrlässigen Tötung läßt er Sorgfaltsmaßnahmen ausser Acht, die dazu führen, dass jemand anderer stribt.
Ich maße mir nicht an, zu beurteilen, wem welcher Sorgfaltsverstoß im Zusammenhang mit der Kaprum Katastrophe zu machen ist und ob diese Sorgfaltswidrigkeit ein Ausmaß erreicht hat, das strafrechtlich relevant ist.*)
Eines glaube ich aber schon sicher sagen zu können: Niemand hat den Zug absichtlich in Brand gesetzt und mit dem Vorsatz brennend in den Tunnel geschickt, die Fahrgäste umzubringen.

UND DAMIT LIEGT HIER KEIN MORD VOR!

*) Ich höchstpersönlich bin sicher mindestens 50mal mit der GBK gefahren; ich hätte nie im Leben daran desacht, dass der Zug in Brand geraten könnte.
Darf ich die Gelegenheit nutzen, allen Usern dieses Forums bereits jetzt ein gesegnetes Weihnachtsfest und Alles Gute für 2024 zu wünschen!
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3303
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von 3303 »

Klosterwappen hat geschrieben:
Frankenski hat geschrieben:...
Ich maße mir nicht an, zu beurteilen, wem welcher Sorgfaltsverstoß im Zusammenhang mit der Kaprum Katastrophe zu machen ist und ob diese Sorgfaltswidrigkeit ein Ausmaß erreicht hat, das strafrechtlich relevant ist...
Ich maße mir eine genaue Beurteilung ebenfalls nicht an.
Andere scheinen ja der Meinung zu sein, sie könnten das beurteilen.
Wie dem auch sei. Ich weiß nicht, wer wo wieviel Einblick hat.
Aber:
Sofern das Gericht die Schuld einer Person nicht als erwiesen ansieht, gilt im ordentlichen Rechtsstaat immer noch die Unschuldsvermutung, und das ist auch gut so.
Die Beurteilung des Sachverhaltres und der Gutachten selbst aus technischer und juristischer Sicht überlasse ich wie gesagt Anderen.
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von SkiFan19 »

es ist einfach unfassbar. Der Meinung von Gernot (dass es unglaublich genug sei, wenn nur die Hälfte stimme) schließe ich mich an.
Man müsste diese Gletscherbahnen AG boykottieren. Aber wenn ich mir angucke, wieviele Berichte es von dem Gebiet hier im Forum zu lesen sind, ist das leider reine Utopie.
Viele Grüße
Lutz
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jens.f
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von jens.f »

SkiFan19 hat geschrieben:es ist einfach unfassbar. Der Meinung von Gernot (dass es unglaublich genug sei, wenn nur die Hälfte stimme) schließe ich mich an.
Man müsste diese Gletscherbahnen AG boykottieren.
Dumme Frage: Warum?
Weil ein Fehler gemacht wurde, der leider zu Toten geführt hat?

Punkt 1:
So traurig ist - aber das passiert leider.

Das ist aber bei den meisten Unfällen und Unglück so:
Kaum ein Unfall bzw. Unglück (egal ob Seilbahnen oder Strassenverkehr) passiert "einfach so".
In den fast allen Fällen hat hier jemand (eben mehr oder weniger) Schuld.

GERADE bei Seilbahnen ist es so, das kaum ein Unglück alleine auf "natürliche" Ereignisse (z.B. eine Lawine..) hervorgerufen wird - die meisten Seilbahnunglücke sind durch direkten oder indirektes Menschliches Versagen hervorgerufen wurden (wozu aber natürlich auch das z.B: nicht-eingehen auf Aufkommende natürliche Ereignisse, wie eben einen aufziehenden Sturm) zu zählt).

Wollte man jetzt alle Unternehmen blockieren, die in irgendeiner Form "Schuld" am Tod von Menschen sind, darf man z.B. auch keine Eisenbahn mehr fahren.

Punkt 2:
Das Personen/Unternehmen die (auch zu recht) Beschuldigt werden, sich gegen die Beschuldigungen "wehren", gehört zwingend zu einer demokratischen Rechtsordnung.
JEDER der wegen einer Straftat beschuldigt wird, hat natürlich das recht, seine Position "in ein gutes Licht" zu rücken.
Natürlich gilt das auch nur bis zu einem Gewissen Rahmen - das "Kaufen" von Gutachter-Aussagen oder Zeugen geht natürlich nicht mehr.

Und sicher: Hier ist auch in der Aufarbeitung eines Komisch gelaufen - aber ICH zumindest kann nicht beurteilen, wie weit hier eine "legale" Verteidigung (die eben jeden Beschuldigten zusteht) gemacht wurde ODER wo hier mit illegalen Mitteln gekämpft wurde.

Klar ist: KEINER von den Gletscherbahnen hat diese Unglück gewollt - oder auch nur billigend im Kauf genommen.
Hier bin ich mir ganz sicher: Keiner hat auch nur ansatzweise damit gerechnet, das so ein Heizlüfter so fatale Auswirkungen hat.
Natürlich: Der Einbau dieses Heizlüfters hier war nicht erlaubt - aber es wird täglichen irgendwo gegen irgendeine Vorschrift verstoßen.

Für mich persönlich sehe ich daher keinen Grund wegen dieses Fehler - der eben leider so grosse Folgen hatten - die Gletscherbahnen zu boykottieren.
M.E. gäbe es hier andere Kandidaten, die wesentlich fahrlässiger gehandelt haben (z.B. an der Bettmeralp, wo die Bahn regelmäßig Überladen und die Sicherheitsschaltungen überbrückt worden...)

Gruß, Jens
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Dachstein
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von Dachstein »

Ich check bei der ganzen Sache eines nicht: warum wird hier auf die Gletscherbahnen eingebasht? Darf ich daran erinnern, dass die ganze Anlage abgenommen war, auf gut deutsch, die ganze Anlage wurde von der Behörde inspiziert, die haben dem Betrieb zugestimmt.
Um es jetzt mal für den Otto Normalverbraucher etwas durchsichtiger zu machen, ein erfundenes Beispiel als Vergleich:

Für mich ist das in etwa so: du hast ein Auto, stellst es zum Pickerl (TÜV, für die, die nicht wissen, was Pickerl in Österreich heißt) und es wird attestiert, dass das Auto in betriebssicheren Zustand ist und es gefahren werden darf, übersehen aber einen sich schleichend entwickelnden Defekt an der Bremsanlage (Materialfehler oder ähnliches), obwohl er nach besteim Wissen und Gewissen gearbeitet hat.
Wenige Tage später versagen die Bremsen, als du vor einer roten Ampel stehen bleiben willst. Am Fußweg gehen ettliche Fußgänger über die Straße. Beim folgenden Unfall werden Leute schwer verletzt und getötet.

Neben der ganzen pychologischen Problematik wird es jetzt rechtlich interessant: wer ist schuld? Fußgänger wohl kaum. Ist jetzt der Lenker schuld, weil er nicht darauf geachtet hat, ob das Auto betriebssicher ist, oder ist der TÜV schuld, die am Auto etwas übersehen haben?

Und jetzt kann sich mal jeder ausmahlen, wenn er der Autofahrer ist, was würde er dann tun? Freiwillig die Schuld übernehmen? Nicht vergessen, du hast das TÜV Gutachten in der Hand. Der Gutachter hat auch nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt... Schwieriger Fall jedenfalls.
Und das, was ganz einfach ist, ist das nachher gescheiter sein als vorher.

MFG Dachstein

skitime
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von skitime »

Leute Ihr verkennt da was.

1.) Die Gletscherbahnen haben einen Heizlüfter eingebaut, der ausdrücklich nicht für die Benützung in Fahrzeugen zugelassen ist. Dazu wurde dieser auseinander genommen und wieder zusammengebaut. Fahrzeugheizlüfter sind aus gutem Grunde nicht so billig, wie das hier verwendete Model. :twisted:

2.) Die Gletscherbahnen benutzten eine Bremsflüssigkeit, die hoch entzündlich und aggressiv für Kunststoff war. Das Verbot in der Flugindustrie hätte Hinweis genug sein müssen, da es hier zu ähnlichen Situationen kommen kann-> Keine Fluchtmöglichkeit. :twisted:

3.) Warum benutzten die Gletscherbahnen nicht das vom Hersteller spezifizierte Fluid? Damit wäre sicher gestellt, dass die verbauten Komponenten nicht angegriffen worden wären. :twisted: Man füllt ja auch kein Öl in sein Auto, von dem man nicht genau weiß, ob der Motor es verträgt.

Alleine diese drei Tatsachen sind Beweis genug, dass hier die Gletscherbahnverantwortlichen grob fahrlässig gehandelt haben. Und für jeden dieser Vorgänge ist jemand verantwortlich.

Man leiste sich mal so einen Fehler im Anlagenbau (Stichworte BASF, Merck, Shell), dann kann derjenige, der so einen Mist anstellt, direkt einpacken. Und das ist auch gut so!

Somit ist die Meinung, dass man ein solches Unternehmen nicht unterstützen will, vollkommen in Ordnung.
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von skitime »

Es wurde nicht behauptet, das Österreich kein Rechtsstaat ist. Dies heißt aber nicht, dass dort nicht auch Unrecht geschehen kann. Aber das wäre ein anderes Thema.

Aus meiner Sicht und mit dem Wissen für was es alles Sicherheitsauflagen und Richtlinien gibt und unter Benutztung des gesunden Menschenverstandes ist es grobe Fahrlässigkeit. Man hat trotz besserem Wissen, nicht geeignetes Material benutzt. Daran ist nicht zu rütteln. Lesen in der entsprechenden Dokumentation oder des Aufdrucks auf der Verpackung des Lüfters oder desen Betriebsanleitung :wink: hätte geholfen. :twisted:

Grüße Buzi/skitime
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von 3303 »

Wenn diese offensichtlichen Missstände dort vorherrschten; was genau steht denn in den Gutachten dazu?
Wie wird dort begründet, dass dies Verhalten der verantwortlichen nicht fahrlässig, grob fahrlässig etc. einzustufen ist?
Was genau ist in den Gutachten falsch und wer kann belegen, dass dort etwas falsch ist bzw. Sachveralte ignoriert wurden?
Wie begründen die Richter, dass den Gutachtern nichts vorzuwerfen ist und auf welcher Rechtsgrundlage geschah dies?
Das alles müsste man neben den fundierten Regeln der Technik mindestens detailliert wissen, um eine Beurteilung vornehmen zu können. Und selbst dann geht das nur, wenn man die Rechtslage genau kennt.
Ich finde, wenn man behauptet, es sei Unrecht gesprochen worden oder ein Land als Bananenrepublik bezeichnet, sollte man das auch genau begründen und mit Fakten belegen.
gernot
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von gernot »

@dachstein 3303

habt ihr den zeit artikel gelesen?
Auch einige rechtliche Finessen verblüfften die Prozessbeobachter. Die Angeklagten waren mit einem 32-köpfigen Verteidigerteam angerückt, und diese juristische Kampfmannschaft erzielte überraschende Erfolge bei ihrer Überzeugungsarbeit. Es gelang ihr etwa, dem Gericht glaubhaft zu machen, eine auf Schienen fahrende Standseilbahn sei nicht als Fahrzeug anzusehen, sondern sie sei vielmehr ein »Fahrbetriebsmittel«. Diese kasuistische Unterscheidung war insofern von Bedeutung, da die Firma Fakir den Einbau ihrer Geräte in Fahrzeugen dezidiert untersagt hatte; im Fall eines »Fahrbetriebsmittels« hatten die Gletscherbahnen hingegen nicht gegen den Buchstaben der Kontraindikationshinweise des Herstellers verstoßen. Ebenso gelang es den Anwälten, das Gericht davon zu überzeugen, dass ausgerechnet bei den vier nach Kaprun gelieferten Heizlüftern die Betriebsanleitung gefehlt haben soll, obwohl sie bei rund 300000 verkauften Geräten stets mitgeliefert worden war.
ist das eine faire vorgehensweise den opfern gegenüber?
Allerdings räumten sie auch ein, es sei ihnen nicht bekannt gewesen, dass ein Elektrogerät wie der betreffende Heizlüfter sämtliche Prüfzeichen, Zulassungen und Gewährleistungen verliere, wenn er sich nicht mehr im Originalzustand befinde, sondern zerlegt, umgebaut und neu zusammengesetzt werde, wie das in Kaprun der Fall gewesen sei.
was haltet ihr von gutachtern, die so etwas nicht in erfahrung bringen?
beteuerte Maurer, ein 82-jähriger emeritierter Professor der Montanuniversität Leoben, er sei leider seit elf Jahren schwer sehbehindert und habe daher die rivalisierenden Gutachten nicht lesen können. In seinen Aufgabenbereich war es ursprünglich gefallen, trotz schwachen Augenlichts jenes Heizlüftermodell, dem zur Last gelegt wurde, die Katastrophe ausgelöst zu haben, einer genauen Prüfung zu unterziehen.
oder davon?

wie gesagt wenn nur ein bruchteil der behauptungen im artikel stimmt, ist das für mich höchst bedenklich
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HBB
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von HBB »

@Frankenski:
Du lehnst Dich hier ganz schön aus dem Fenster - Begriffe wie Bananenrepublik, Massenmord etc. sind absolut unangebracht und unqualifiziert. Eine Diskussion darüber erübrigt sich.
Klosterwappen hat geschrieben: Es geht hier nicht um Mord, sondern um fahrlässige Tötung = Totschlag in Deutschland.
Ich erlaube mir, hier etwas richtig zu stellen:
Auch wenn es bei diesen Delikten en detail doch ein paar Unterschiede zwischen dem deutschen und dem österreichischen Strafrecht gibt, kann man doch folgendes festhalten: Mord u. Totschlag sind Delikte, die mindestens einen bedingten Vorsatz erfordern, während fahrlässige Tötung - wie der Name schon sagt - "nur" Fahrlässigkeit voraussetzt. Dies gilt in Deutschland wie in Österreich. Die Aussage "fahrlässige Tötung = Totschlag in Deutschland" ist also falsch.

Dass es sich in Kaprun allenfalls um "fahrlässige Tötung" handeln könnte, wird niemand ernsthaft bestreiten können.
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von Rüganer »

Dieser Fall reiht sich nahtlos in eine ganze Reihe fragwürdiger Justizentscheidungen in Österreich ein. Angefangen von Kaprun über Kampusch, Fritzl usw. Jüngst wurde ein Jugendlicher beim Einbruch von einem Polizisten erschossen. Der unter Tatverdacht stehende Beamte wurde auch vier Wochen nach der Tat noch nicht von der Staatsanwaltschaft vernommen.
Sorry, in Deutschland undenkbar. In Österreich ist´s der Filz, das bestätigen meine Bekannten dort immer wieder.
Danke Schweiz und Bulgarien !

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3303
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von 3303 »

@gernot:
Das stimmt schon, es hört sich zugegebener Maßen mehr als merkwürdig an.
Ich bin zwar nun wirklich kein Österreichkenner, aber dennoch fällt es mir sehr schwer zu glauben, das es um die Rechtsstaatlichkeit in Österreich so schlecht bestellt ist.
Mal sehen, ob es hier eine Berufung geben wird.
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von schafi »

3303 hat geschrieben:Ich bin zwar nun wirklich kein Österreichkenner, aber dennoch fällt es mir sehr schwer zu glauben, das es um die Rechtsstaatlichkeit in Österreich so schlecht bestellt ist.
Hin und wieder hat man schon den Eindruck (z.B. auch in dieser Gesichte: Staatsanwalt "übersah" Anzeige gegen Strasser), aber im Prinzip gibt's wohl kein einziges Land, in dem in dieser Hinsicht alles eitel Wonne ist und international gesehen sind die Zustände in Österreich sicher nicht extra schlimm.

@Rüganer: Was passt dir am Fritzl-Urteil nicht? Der hat ja eh lebenslang bekommen...
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von starli »

gernot hat geschrieben:
Es gelang ihr etwa, dem Gericht glaubhaft zu machen, eine auf Schienen fahrende Standseilbahn sei nicht als Fahrzeug anzusehen, sondern sie sei vielmehr ein »Fahrbetriebsmittel«.
Vom Gefühl her würd ich schon auch sagen, dass eine Standseilbahnkabine, wie eine Gondelkabine, wie ein Sessel, wie ein Schleppliftbügel, kein Fahrzeug ist.

Auch einen LKW- oder Fahrradanhänger oder einen Wohnwagen oder ein Aufzug würd ich nicht als "Fahrzeug" bezeichnen und all das ist einem Standseilbahnwagen nicht unähnlich.

Andererseits find ich's auch etwas komisch, sich auf diese Betriebshinweise/empfehlungen/vorschriften zu beziehen. Einerseits sagt's einem sein Hausverstand, dass man z.B. einen Heizlüfter nicht unbeaufsichtigt in Betrieb lassen soll. Andererseits gehen - im Allgemeinen gesagt - diese Sicherheitshinweise in den Produktanleitungen schon langsam ins Lächerliche, aufgrund solcher Klagen und Produkthaftungsfragen usw. Seitenweise Hinweise und Vorschriften, von denen man 80% als "logisch" empfindet. Und auch aus dem Grund "solcher" Klagen werden überall die Pisten glatt modelliert und riesige Fangzäune aufgestellt, die Helmpflicht eingeführt usw. ...

In "tausend" Jahren, wenn alles passiert ist, was man zuvor nie für möglich hielt, wenn alles geregelt ist, alles 1000x überprüft wird, alles gegen jede Unwägbarkeit abgesichert wird ... wird niemand mehr wagen, etwas anderes auszuprobieren, die Menschheit wird vom selbständigen Denken erlöst werden, die menschliche Rasse wird evolutionär Platz machen für die neue Herrschaft von Bio-Tech-Cyborgs....
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von Theo »

starli bringt es auf den Punkt: Was ist ein Fahrzeug?
Für ihn ( hoffe ich habe da jetzt nichts falsch verstanden ) anscheinen nur ein Auto. Ein anderer wird sagen alles sind Fahrzeuge.
Das Gericht wird vermutlich sagen: Ein Fahrzeug ist es nur dann wenn irgendwo im technischen beschrieb auch Fahrzeug steht.

Das ist doch das Dilemma ander ganzen Sache. Das Gesetz sagt etwas nicht auf den Punkt genau und schon wird interpretiert dass einem schlecht wird. Dann kommt dann noch diese, vor allem im deutschsprachigen Raum sehr verbreite, übertrieben vor gericht muss alles 1000%ig sicher sein und ja niemenden zu hart bestrafen Mentalität dazu und fertig ist das Desaster.

Nun das ist ja eigentlich nicht Thema von diesem Topic, der Prozess und dessen Ablauf ja eigentlich auch nicht.
Es geht eigentlich nur um die Gutachter.

Dass Gutachter auch schlampen ist gar keine Seltenheit. Die meisten negativen Nachrichten darüber gibt es bei Straftäter aller Art und Versicherungsbetrug z.B. Arbeitsunfähigkeit.

Solange diese fehlerhaften Gutachten für die Ersteller keine Konsequenzen haben wird sich aber nichts ändern. Da wird dann vertuscht und schön geredet und abgestritten bis zum geht nicht mehr, auch durch andere Gutachten.

Das gilt nicht nur für A, Ch und D sind da nicht besser.
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Klosterwappen
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von Klosterwappen »

@ Rüganer:
Eines übersiehst Du hier aber schon:
Die strafmündigen Jugendlichen haben vorsätzlich einen Einbruch begangen, die Polizisten auch hier ein Fahrlässigkeitsdelikt.

@ HBB:
In Deutschland wird mit Totschlag etwas anderes gemeint als in Österreich; aber Du hast es auf den Punkt gebracht; es geht in Kaprun um ein Fahrlässigkeits- und um kein Vorsatzdelikt.

@ skitime:
Zu Deiner 3. Frage:
MWn wurde ein anderes Hydrauliköl verwendet, da dieses umweltfreundlich und biologisch abbaubar war; keiner hat bedacht, dass dieses aber einen niedrigeren Flammpunkt hat bzw. dass dies relevant sein könnte.
Ein klassischer Zielekonflikt.
Wie schon gesagt, im Nachinein ist man immer gescheiter.
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von baeckerbursch »

MWn wurde ein anderes Hydrauliköl verwendet, da dieses umweltfreundlich und biologisch abbaubar war; keiner hat bedacht, dass dieses aber einen niedrigeren Flammpunkt hat bzw. dass dies relevant sein könnte.
Ein klassischer Zielekonflikt.
Das ist kein Zielkonflikt! Die Sicherheit der Menschen muss immer an 1. Stelle kommen! Ob das Zeug nun Gewässerbelastend ist oder nicht - oder evtl. auch Hochgiftig - das kommt immer an 2. Stelle!


Und die Haftung von den Gletscherbahnen auf den Hersteller des Heizlüfters übertragen zu wollen ist wohl mehr als gewagt. Für jeden "Schmarrn" braucht man betrieblich zertifizierte Geräte - und die bauen einen 66,- Heizlüfer ein (und das noch zerlegt) und wollen die Verantwortung auf den Herstellerschieben. Das ist Unfassbar.
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von jens.f »

baeckerbursch hat geschrieben:
MWn wurde ein anderes Hydrauliköl verwendet, da dieses umweltfreundlich und biologisch abbaubar war; keiner hat bedacht, dass dieses aber einen niedrigeren Flammpunkt hat bzw. dass dies relevant sein könnte.
Ein klassischer Zielekonflikt.
Das ist kein Zielkonflikt! Die Sicherheit der Menschen muss immer an 1. Stelle kommen! Ob das Zeug nun Gewässerbelastend ist oder nicht - oder evtl. auch Hochgiftig - das kommt immer an 2. Stelle!
Sorry, aber DAS Argument ist nun völlig falsch.
Beispiel Streusalz:
Nach dem Argument müsste man ja im Winter JEDE Strasse und JEDEM Gehweg mit Streusalz vollständig absteuern - da ja sonst die Gefahr besteht, das es zu einem Unfall kommt.
Egal, ob das Salz die Umwelt schädigt oder auch nicht.

Aber, dass macht man (zum Glück) nicht.
Auch hier wird abgewogen: Wo ist es unbedingt erforderlich (umweltschädliches) Salz einzuwenden und wo "reicht" Split oder wo schaffen es die Leute auch so?

Auch hier wird also Sicherheit der Menschen gegen die Umweltgefährdung abgewogen.

Genauso war es auch bei dem Öl.
Hier kam dazu:
NIEMAND (auch keine Experte) hatte damit gerechnet, dass in einem "Fahrzeug" ohne eigenen Antrieb so ein Feuer ausbrechen kann.
Aus genau diesem Grund war die Verwendung ja auch zulässig.
Wie Du selbst sagtest: Für Flugzeuge ist es verboten - aber auch aus guten Grund, da wir hier Triebwerke, Aggregate etc. haben..
In einer Standseilbahn haben wir aber nichts von dem.

Gruß, Jens
skitime
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Re: Verfahren gegen Kaprun-Gutachter eingestellt

Beitrag von skitime »

Ja so ein Quatsch der hier übers Öl erzählt wird.

Spätestens seit der Disskussion um den Biokraftstoff dürfte auch dem letzten hier klar sein, dass due Auswahl eines Öles nicht trivial ist, da dies zur Zerstörung eingebauter Polymerteile führen kann. Die Chemie dazu erspare ich euch mal.

Nochmal: Es füllt keiner ein Öl in sein Auto, von dem er nicht genau weiß, ob sein Motor es verträgt. Also sieht er im Handbuch nach oder macht sich in der Werkstatt seines Vertrauens kundig, was er einfüllen darf.

Genau so gibt es ganz klar geregelte Vorschriften, welche Anforderungen an ein Hydraulicöl gestellt werden. Die sind dann im Handbuch der Anlage abgedruckt. DAS KANN MAN NACHLESEN!

Daran muss man sich halten. Füllt man etwas andres ein erlischt nicht nur der Garantieanspruch an den Hersteller, es kann sogar dazu kommen, dass die Versicherung sich weigert zu zahlen. Ein Einfüllen eines nicht ausdrücklich zugelassen Fluids in ein Fahrzeug oder Fahrbetriebsmittel, wie Ihr es auch immer nennen wollt, ist fahrlässig. Egal welch gute Absicht der Mensch, der das macht, hat. Ganz im Gegenteil, derjenige, der das einfüllt, weiß, dass es dafür Vorschriften gibt.

Wenn die Kapruner Bergbahnen unbedingt "Bio"-Öl einsetzen wollten, hätten Sie eine Anfrage an den Hersteller machen müssen, was zulässig ist. Und ich bin mir ganz sicher, er hätte es verneint.

Und um es hier noch deutlicher zu machen: Der Einbau eines 08/15-Lüfters anstatt eines ordentlichen geprüften und für diesen Zweck hergestellten Lüfters sagt einiges über die Geschäftspolitik eines solchen Unternehmens aus. Man erinnere sich: Geiz kann ganz schön ungeil sein, auch wenn es um eines der Lieblingsskigebiete einiger User hier geht. Wer jedes Jahr Unsummen in Kunstschnee stecken kann, der hätte auch zwei ordentlicher Lüfter kaufen können.

@Streusalz: Falsches Beispiel. Jeder Autofahrer und jeder Fußgänger ist sich der Tatsache vollkommen bewusst, dass wenn es kalt ist oder gar Schnee liegt, die Straßen glatt sein können und hat darauf seine Fortbewegung anzupassen. Der Kraftfahrzeugführer legt dafür sogar eine Prüfung ab und bekommt dann erst seinen Führerschein. :wink: Er ist also über das Risiko vollkommen aufgeklärt und kann selbst entscheiden. Rast er trotzdem bei Schnee und Eis wie ein blöder ist er selbst Schuld.
Zuletzt geändert von skitime am 07.11.2009 - 18:03, insgesamt 1-mal geändert.
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