Anfahrt: Ettlingen - A5 - Freiburg - Titisee - Bärental - Menzenschwand 1:40 h; weiter nach Bernau 10 min; nach Ibach 10 min, nach Todtmoos 10 min
Wetter: Bis ca. 13:30 h sonnig, dann Eintrübung, später bedeckt, -11°C bis -4°C
Schnee: Seidenweicher Pulverschnee in Menzenschwand bis hart in Ibach
Anlagen geöffnet: Alle außer Bernau Skilift Köpfle I
Wartezeit: Keine außer in Bernau/Spitzenberg 5 min
Gefallen: Neuentdeckungen im Südschwarzwald; mein Schwarzwälder Lieblingsskigebiet Menzenschwand (ok - mit Wieden und Fröhnd)
Nicht gefallen: Ich will endlich wieder einen durchgängig wolkenlosen Skitag.
Eigentlich wollten wir am Samstag Möbel anschauen und aufräumen. Nach einem Familien-Umzug gehen einem die Aufgaben nicht aus. Nachdem wir jedoch am späten Freitagabend den Wochenend-Wetterbericht verinnerlicht hatten, schickte Frau Harzwinter mich auf einen Samstags-Ganztagesausflug in den Südschwarzwald - "... sonst bist Du ja doch bloß unglücklich", meinte sie.
Da die Zeit am Vorabend für die Planung eines wohlorganisierten Vogesenausflugs nicht mehr gereicht hat, geht es am frühen Samstagmorgen in Richtung Feldberg. In Erwartung der Schönwetter-Wochenendschlacht an Seebuck und Grafenmatt aber nur bis Bärental, dort links ab über Altglashütten in Richtung Schluchsee und weiter nach Menzenschwand. Menzenschwand ist eines meiner Lieblings-Skigebiete und einer meiner Lieblingsorte im Schwarzwald. Das hübsche Dorf liegt in einem Talschluss, rund fünfhundert Höhenmeter unterhalb der Feldberg-Passhöhe. Eine Straßenanbindung dorthin gibt es aber nicht (in den 1960er Jahren pendelte im Winter ein umgebauter Panzer (!) zwischen Dorf und Passhöhe, das "Feldbergwiesel"). Deshalb und wegen seiner subalpinen Lage ist Menzenschwand (vielleicht noch zusammen mit St. Wilhelm) der einzige Schwarzwaldort, der auf mich eine Art Schweizer Flair und eine gewisse Gelassenheit ausstrahlt. Dort bin ich gern.
Menzenschwand
Menzenschwand: Pistenplan
http://www.stblasien.de/fremdenverkehr/ ... ericht.php
-11°C zeigt das Thermometer am Parkplatz des Menzenschwander Möslelifts. Von der Passhöhe über Menzenschwand, dem Äuler Kreuz, kann man den dünnen Morgennebel im Menzenschwander Tal sehen, in den ich mich um 9 Uhr begebe. Die Sonne beleuchtet bereits einige Stellen des ansonsten bis in den Januar schattigen Möslehangs, an dem sich gerade mal fünf Skifahrer vergnügen. Also erstmal hoch und gleich wieder runter. Ein Steilhangstück ist schneemangelbedingt nur halbseitig befahrbar, und wenige Grasbüschel schauen heraus. Ansonsten ist der Hang, neben dessen Lifttrasse sich im Wald eine aufgegebene Jugendschanze verbirgt, prima. Trotzdem zieht es mich in die Sonne zum Schwinbachlift. Jedesmal wieder ist es schön, seinen prächtigen Skihang in der Morgensonne glitzern zu sehen. Hier ist Anzahl der Skifahrer gegenüber dem Möslelift verdoppelt: Zehn Personen verteilen sich am Hang. Die Piste - bestens präparierter, seidenweicher Pulverschnee. So toll hatte ich das gar nicht erwartet. Vom Hang aus gibt's Alpenblick. Im Sommer blühen hier die Silberdisteln, erinnere ich mich ... Snowboarder sind heute keine da, so dass das Achtgeben auf Hang-Querfahrer enfällt - entspanntes Skifahren wie 1980. Neben den beiden PHB-Anlagen noch einen dritten Lift zu bauen (den Rehbachlift im Ort zähle ich nicht mit) täte Menzenschwand gut, denke ich angesichts der prächtigen Verhältnisse ... entweder vom Vorderdorf ins Skigebiet, oder eine Beschäftigungsanlage weiter oben am Spießhornhang. Eigentlich müsste ich hier den ganzen Tag verbringen. Aber da ich mir noch mehr Ziele vorgenommen habe, reicht mein Zeitfenster in Menzenschwand heute nur bis 11 Uhr (selbst schuld, denke ich später).
Menzenschwand: Blick vom Äulemer Kreuz auf der Anfahrt zum Schwinbachhang.
Menzenschwand: Möslelift (PHB), völlig überfüllt.
Menzenschwand: Möslehang im lichten Morgennebel. Lecker präpariert.
Menzenschwand: Morgendliche Schwarzwälder Traumimpression.
Menzenschwand: Immer wieder schön - der erste Blick auf den leeren Schwinbachhang in der Morgensonne.
Menzenschwand: Talstation Schwinbachlift. Massenandrang.
Menzenschwand: Schwinbachlift (PHB)
Menzenschwand: Schwinbachlift über dem Morgennebel. Noch so eine Traumimpression. Hinten rechts die Alpen.
Menzenschwand: Piste Schwinbachlift. Die Präparation sieht richtig schlecht und enttäuschend aus, oder?
Bernau / Hofeck
Pistenplan Bernau: Skihänge Hofeck und Spitzenberg
http://www.hofeck.de/, http://www.bernau-schwarzwald.de/de/winter/bericht.php
Weiter geht es ins benachbarte Bernauer Hochtal. Schon auf der Fahrt wird der Nebel immer dicker, und ich ärgere mich. Das Bernauer Ortsschild übersehe ich im Nebelgrau fast. Bernau hat zwei Skihänge: Den Spitzenberg im Dorfteil Innerlehen und das Hofeck im Talschluss. Ich hoffe auf Sonne am Hofeck und werde nicht enttäuscht. Hier löst sich der Nebel gerade auf ... puh, Glück gehabt. Den Spitzenberg habe beim Vorbeifahren im Nebel nicht mal gesehen. Am Bernauer Hofeck laufen nur ein Schlepplift (Heuss?) und ein Seillift. Irgendwie erschließt der Schlepplift nur die untere Hanghälfte, denke ich jedesmal, wenn ich mich mit dem Hofecklift befasse - so auch diesmal. Hier könnte man noch eine obere Sektion anschließen. Das wird aber leider garantiert nicht mehr stattfinden, denn der Hofecklift sollte wegen seiner isolierten Lage vor einigen Jahren bereits stillgelegt werden. Eine private Gruppe übernahm die Weiterführung des Betriebs und rettete Anlage und Hang. An die Betreiber dafür großen Dank! Freilich sieht man dem Hofecklift den Gilb der Jahre an. Ich dachte nicht, dass ich im Rahmen dieses Ausflugs noch rostigere Anlagen zu sehen bekommen könnte ... Oberhalb der Talstation parkt noch die uralte, rote Ratrac-Pistenraupe, die offenbar in Pension geschickt wurde. Ihr jüngerer Nachfolger ist gelb und steht in der Garage neben dem Antrieb. Vom Stühlchen haut einen der Besuch des Hofecklifts nicht unbedingt. Aber es gibt Stundentickets, die ermöglichen, das Gebotene mit einem geeigneten Zeitbudget zu vereinbaren. Nur wenige Besucher sind hier, aber hier sind Snowboarder darunter. Schneelage und Präparation können sich mit Menzenschwand nicht messen. Der Hang hat sehr ungleichmäßiges Gefälle und nur eine Piste. Interessant ist er wegen seines 1970er Jahre-Flairs und des Fehlens von Wartezeiten trotzdem. Auf der Lifttrasse riecht es kräftig nach Rollenfett ... Mit Ablauf des Stundentickets löst sich der Nebel im unteren Bernauer Hochtal auf. Das passt zu meiner Planung und ermöglicht die Weiterfahrt zum Skihang Spitzenberg.
Bernau / Hofeck: Talstation mit Imbissgebäude.
Bernau / Hofeck: Talstation mit Raupengarage und der neuen, gelben Pistenraupe.
Bernau / Hofeck: Arg rostige Portalstütze des SCHL Hofeck. RoBa = Rostbatterie?
Bernau / Hofeck: SCHL Hofeck kurz vorm Ausstieg. Hinten der Nebel im Bernauer Hochtal.
Bernau / Hofeck: Schleppliftpiste mit Nebelmeer.
Bernau / Hofeck: Schleppliftpiste.
Bernau / Hofeck: Seillift samt Piste.
Bernau / Hofeck: Wundervoller Ratrac-Raupenoldie. Offenbar leider in Pension.
Bernau / Spitzenberg
Der Bernauer Skihang Spitzenberg wird von einem unterhalb gelegenen Winter-Campingplatz "verziert", aus dem sich ein Teil der Besucher zu rekrutieren scheint. Am Skilift Spitzenberg gibt es eine ordentliche Warteschlange und jede Menge Kinderskischulen, die sich über den flachen Übungshang freuen. Auch hier sind fast alle Besucher Skifahrer, Snowboarder fehlen. Der Skilift Köpfle II dagegen erschließt einen wesentlich steileren Hang, der mit dem Spitzenberg-Hang über eine Waldabfahrt verbunden ist. Hier gibt es kaum Wartezeiten. Köpfle I, der einen anderen Bernauer Ortsteil ans Skigebiet anbindet, ist leider schneemangelbedingt außer Betrieb. Dort ist der Schnee zum Teil verweht; Gras und Sträucher schauen an einer Geländekante aus der Schneedecke. Mein sächsischer Liftpartner schimpft über die Warteschlange am Spitzenberglift und spitzt die Ohren, als ich ihm vom leeren Hofecklift erzähle, den er gar nicht kennt. Das ist das Schicksal abgelegener Liftanlagen ... Das Stundenticket am Spitzenberg läuft schnell ab, und es beginnt von Westen her einzutrüben. Mist, jedesmal macht das Wetter das Gleiche, wenn ich im Südschwarzwald bin.
Bernau / Spitzenberg: Spitzenberglift mit netten Anfängerpisten.
Bernau / Spitzenberg: Trasse Spitzenberglift. Hinten links übrigens die Schneise der Tourenabfahrt vom Herzogenhorn. Auf dem Pistenplan erkennt man sie besser.
Bernau / Spitzenberg: SCHL Köpfle II, steiler und leicht vereist.
Bernau / Spitzenberg: Blick von der Piste Köpfle II auf Bernau-Innerlehen und die Nebelreste im nach Süden offenen Bernauer Hochtal.
Bernau / Spitzenberg: SCHL Köpfle II.
Bernau / Spitzenberg: Trasse SCHL Köpfle II.
Bernau / Spitzenberg: Trasse SCHL Köpfle I, der schneemangelbedingt leider außer Betrieb blieb. Na gut, ihn einzuschalten hätte auch keine ernsthaften Probleme bereitet. Am Köpfle II lag auch nicht viel mehr Schnee.
Bernau / Spitzenberg: Waldpiste von den Köpfleliften zurück zum Spitzenberglift.
Ibach
http://www.ibach-schwarzwald.de/
Auf zum nächsten Ziel. Das besuche ich nicht etwa wegen seiner schönen Pisten oder seines Liftverbunds, sondern wegen seiner originellen Beförderungsanlage: Ibach. Ibach ist eigentlich ein Langläufer-Dorado. Aber hier steht einer der beiden letzten verbliebenen Schwarzwälder Stangen-Schlepplifte französischer Bauart (weiß nicht, ob Montaz-Mautino oder Poma - der andere ist der bekanntere Köpflelift in Muggenbrunn). Die nur knapp 300 Meter lange Ibacher Anlage und der zugehörige Imbiss "Lifthüsli" wurden in den letzten Jahren vom Skiclub Ibach saniert, was deren Weiterexistenz vorerst sicherte. Unten steht eine fast ladenneue Pistenraupe im Taschenformat, die mich ein wenig an Spielzeugbagger meines Sohnes erinnert.
Ibach: Skihang mit Stangenschlepplift in der Totalen. Ich weiß nicht einmal, ob Hang und Lift überhaupt einen Namen haben. Leider hat es zwischenzeitlich eingetrübt. Das passiert in der letzten Zeit jedes mal, wenn ich in den Schwarzwald fahre.
Ibach: Fast ladenneue Ibacher Pistenraupe im Taschenformat. Leider fehlt ein Größenvergleich, um zu zeigen, wie klein das Gefährt ist.
Ibach: Skilift-Talstation. Lift, Lift-Hüsli, Zaun - alles ist mit viel Liebe und viel Farbe gestrichen worden. Wenigstens ist der Zaun nicht alufarben.
Ibach: Sanierungs-Dokumentation an der Liftkasse.
Ibach: Liftantrieb in der Talstation. Bis auf die Seilscheiben ist wirklich alles mit Alufarbe vollgepinselt worden - selbst Gummischläuche, Kabelführungskanäle und sogar die Unterseite des Schutzdachs!
Ibach: Lifttrasse des Stangenschleppers - sogar mit Schutzpolstern an den Pylonenstützen. Der Nebel beginnt sich neu zu bilden. Eine halbe Stunde später war alles grau in grau.
Ibach: Trasse des Stangenschlepplifts. So ein Bild könnte auch in Frankreich oder der französischsprachigen Schweiz aufgenommen worden sein. Hier sieht man, dass wenigstens die Schleppstangen nicht gestrichen wurden.
Ibach: Stangenschlepper am Ausstieg. Die Stützen machen sich mit dem neuen Alu-Anstrich besser als die Talstation.
Ibach: Frei aufgehängte Umlenkung an der Bergstation. Man beachte die Eigenbau-Holzkonstruktion. .-)
Ibach: Abfahrt und Trasse des Stangenschlepplifts.
Todtmoos / Hochkopf
Pistenplan (Stand ca. 1985 - Skilift Präg und Skilift Todtmoos-Weg wurden abgetragen): Der Hochkopf ist das Gebiet mit den beiden Liften oben rechts im Plan.
http://www.todtmoos.de/de/winter/schneebericht.php
Auf die spannenden Ibacher Liftfahrten mit kurzen Abfahrtsunterbrechungen folgt die Weiterfahrt ins benachbarte Todtmoos. Von den Todtmooser Dorfliften ist nur der Kirchberglift übrig geblieben, der im Hochnebelgrau seine Runden dreht. Der Skilift Weg verdient seinen Namen zu Recht - er ist inzwischen weg ... Mich zieht es weiter in Richtung Präg/Todtnau, wobei man das Skizentrum Hochkopf passiert. Hier stehen zwei alte, nicht besonders lange Doppelmayr-Schlepplifte, an denen ich bislang stets achtlos vorbei gefahren bin. Das soll sich heute ändern. Zum Wetter passt das Gebiet auch, denn es liegt in einem Kessel ohne viel Ausblick - hier braucht man weder Sonnenschein noch Fernsicht. Ich freue mich über die wenigen Pkws auf dem kleinen Parkplatz der Hochkopfhütte an der Talstation. Begeistert nehme ich beim Ticketkauf den druckfrischen 1980er Jahre Prospekt (mit vierstelligen Postleitzahlen!) des Skizentrums Todtmoos entgegen, der seltene Pistenpläne inkl. der Skilifte Präg und Weg enthält, die längst stillgelegt und demontiert sind. An der Talstation des Übungsschleppers überrascht mich die große Warteschlange neonbunter Skizwerge. Wo kommen denn die alle her ?!? Nach Passieren des schrecklichen 1980er Jahre Lochkarten- bzw. Magnetstreifenlesegeräts und des Seilniederhalters in rostbrauner Italo-Ästhetik lerne ich während der Liftfahrt, dass sich der gut gefüllte Hauptparkplatz am Hochkopfhaus neben der Bergstation befindet ... und dass am Hochkopf heute Kinderskikurse mehrerer Skivereine stattfinden. Die scharen sich aber nur am Übungslift und lassen den steilen Hauptlift unbehelligt, weshalb ich dorthin wechsle. Dort gibt es gleich mehrere Überraschungen: Der SCHL Hochkopf I arbeitet noch mit Kurzbügeln und einem fleißigen Skiliftbügelgeber.
Todtmoos / Hochkopf: Talstation SCHL Hochkopf II (= Übungsschlepper). Man beachte die Kartenlesegeräte aus dem historischen Museum und die Rostkulturen am Niederhalter ...
Todtmoos / Hochkopf: Kartenlese-Hightech vom Feinsten ... jedenfalls war das um 1980 der Fall.
Todtmoos / Hochkopf: Trasse/Piste SCHL Hochkopf II. Der Blick nach hinten rechts (= Süden) ist der einzige Ausblick aus dem Talkessel. Sogar ein Eckchen Alpen ist schemenhaft zu erkennen.
Todtmoos / Hochkopf: SCHL Hochkopf II mit seinen Kinderskikursen.
Todtmoos / Hochkopf: Antrieb SCHL Hochkopf I in der Talstation. Uralt-Doppelmayr. Seine Oberfläche senkt den durchschnittlichen Rostbefall der Anlage ...
Todtmoos / Hochkopf: Trasse/Piste SCHL Hochkopf I. Schön steil.
Todtmoos / Hochkopf: Trasse SCHL Hochkopf I. Führt offenbar durch eine Baumschule - ein schönes Beispiel für die Umweltverträglichkeit des mechanisierten Alpinskilaufs.
Todtmoos / Hochkopf: SCHL Hochkopf I, eine liebevoll gepflegte Anlage.
Todtmoos / Hochkopf: Die alte Kässbohrer-Pistenraupe sagt Tschüss am Ende meines Skitages.
Fazit
Ein erlebnisreicher Südschwarzwald-Tag! Abgesehen von Menzenschwand sind die besuchten Skigebiete zwar nicht unbedingt der Bringer, aber sehr wohl der Beweis, dass sich abseits der Schwarzwälder Ski-Trampelpfade viel Interessantes entdecken lässt. Für Wochenend-Schönwettertage eine lohnende Alternative zum Massenauftrieb am Feldberg!