Was macht einen Berg, der auf den ersten Blick als Skiberg eigentlich völlig ungeeignet ist – und die Pisten doch auch einige Modellierung erfahren haben, doch interessant?
"Ein bergk, hoch, weitt, wolbekant ligt in Beiern, gnant der Fichtelberg" Matthias von Kemnath
Wahrscheinlich sind diese Worte richtig – es ist vermutlich die Lage, die Atmosphäre. Man kann den Berg aus dem Umland von weitem sehen (der höhere Schneeberg versteckt sich sozusagen hinter dem Ochsenkopf). Ob es jetzt die Fichten sind, welche dem Gebirge den Namen gegeben haben, oder die Grube St. Veith – man weiß es nicht so genau. Aber der in einen Felsen eingemeißelte Stierkopf ist auf jeden Fall der Namensgeber für den heutigen Namen Ochsenkopf (wobei früher nur der Gipfel so genannt wurde – der Berg hieß damals noch Fichtelberg). Der Name kommt wohl von den Alchemisten – die Quecksilber abbauten.
Selbst die Venezianer kamen jedes Jahr um Bodenschätze wie z.B. Kobalt abzubauen, welche dann in Murano weiterverarbeitet wurden. Nicht umsonst wurden dadurch viele Sagen über die Venezianer erzählt. Meistens ging es um Reichtümer, welche im Berg versteckt sind. Aber auch Sagen über mit Gold und Reichtümern gefüllte Kirchen im Berginneren sind ein wichtiges Thema.
Später wurde der Gipfel noch als Hauptvermessungspunkt aufgrund der exponierten Lage verwendet und seit Goethe dort wanderte gibt es auch die Goethefelsen.
In der Neuzeit wurde dann der Asenturm – als Einkehr und Aussichtsturm gebaut (wie will man sonst über die Bäume drüberschauen?!?) – die Asen sind übrigens die germanischen Gottheiten…
Heute ist der Anblick des Berges viel profaner. Der 1958 gebaute Fernsehturm mit heute 190 m dominiert das Bild.
Zudem wurde dann 1969 die Seilschwebebahn gebaut. 1991 bzw. 1997 wurden die beiden Bahnen durch Neubauten von Leitner als 2-KSB mit Bubble ersetzt. Mit 2220 m Länge nicht gerade kurz, dafür mit durchschnittlich 16% Steigung eher flach. Ist wohl in der Top Ten der flachsten KSB’s zu finden. Übrigens haben die KSB’s lasche Beförderungsleistungen von 1000 bzw. 640 Pers/h. Wobei die Südbahn noch flacher ist. Das ist auch der Grund, warum der Berg nicht gerade als Paradeskiberg zählen kann. Der benachbarte Schneeberg wäre viel besser – aber der war lange Jahre militärisches Sperrgebiet und hat dadurch auch so einen hübschen Betonturm auf der Spitze.
Zuletzt wurde auch noch die Beschneiungsanlage mit Lanzen und Propellerkanonen ausgebaut – und dementsprechend modelliert.
Aber die Hauptpisten sind nett, flach zwar, aber gut für Einsteiger geeignet, dazwischen durch die Länge immer wieder auch schöne carvingtaugliche Hänge. V.a. auch nicht überfüllt. Denn alle Leute stehen am Nadelöhr – den Talstationen der KSB’s. 20-25 Minuten sind da keine Seltenheit. In Anbetracht der wenig frequentierten Pisten wäre da durchaus auch eine 4er KSB vertretbar. Würde den Wert auf jeden Fall steigern. Wobei das Preis-Leistungsverhältnis immer noch in Ordnung ist, da man ab 10€ für eine Halbtageskarte für einen Erwachsenen bezahlt. Die Lage der Bergstation – zumindest der Nord-KSB ist nicht optimal (vermutlich wg. dem Funkturm). Zum Start muss man fast 150m bergauf schieben. Da wäre ein Seillift angebracht.
Unten an den Talstationen sind dann noch einfache Seillifte für die Skianfänger. Optimales Anfängergelände. Flach, eine Skischule. Passt soweit.
Wobei die Skischule ein sehr eigentümliches Konzept hat. Man beginnt mit sehr kurzen Skiern, welche dann sukzessive gegen längere getauscht werden. Außerdem bleiben die Gruppen sehr lange am Seillift (was aber sicher mit der KSB zu tun hat). Da fehlt unten einfach noch ein längerer flacher Schlepplift. Vom Gefühl her, hätte man einige Skischüler doch etwas mehr fordern können und schon längst gegen längere Skier tauschen müssen (war mit meinem eigenen Sohn dort, welcher längere Skier fährt…). Mein Skilehrerauge schaut halt auf so was.
Was auch nicht gut ist, dass der Lattalift neben der Talstation eine Extra-Karte hat. Dafür aber ordentlich steil ist und einen Funpark besitzt. Das könnte man besser lösen.
Was gibt es noch: eine Schanze, welche Ihr Dasein fristet und eine ausgefahrene Seilbahntrasse – zumindest eine Alternative.
Derzeit gibt es durch gute Bedingungen noch die Krönung: Tree-skiing. Zwischen Bahn und Piste Nord gibt es immer wieder gute Trassen durch den Wald. Beinahe unverspurt. Genial. Klar sind die Stücke kurz und es könnten mehr und abwechslungsreichere Stücke sein. Aber es ist mehr, als ich am Ochsenkopf erwartet hätte. Möglicherweise gibt es ja noch ein paar mehr Spots mit anderen Ausrichtungen…
So jetzt zu den Facts:
Anfahrt:
Halbe Stunde – BT - Bischofsgrün
Wetter:
Sonne
Temperatur:
0 Grad
Schneehöhe:
60/100
Schneezustand:
Powder
Geöffnete Anlagen:
Alle
Geschlossene Anlagen:
Nix
Offene Pisten:
Gibt ja nur Nord und Süd
Geschlossene Pisten:
Wenn eine Piste geschlossen wird, dann macht das Gebiet zu
Meisten Gefahren mit:
Nord
Wenigsten Gefahren mit:
Süd
Wartezeiten:
Grauslige minuten
Gefallen:
Treeskiing
Atmosphäre
Wetter
Schnee
Preise
Nicht gefallen:
Wartezeiten
Lage der Bergstation
Fazit: 4 von 6 Maximalen.
Abzüge: Wartezeiten natürlich. Ohne Wartezeiten hätt’s 5 gegeben. Aber dadurch, dass ich nur 3 von 6 erwartet habe, war es schon genial.
Talstation Nord
Bilder von der Strecke
Goethefelsen
Blick auf Südpiste
Wahrzeichen Asenturm
Ausblick Nordwest
Fernsehturm und Gipfellandschaft
Piste Nord
Und zum Abschluß noch der Lattalift – sieht recht urig aus