Alternativtitel: Private investigations
Warnung: Folgende Zeilen zerstören sich nicht von selbst, können aber nachhaltig so manchen Verstand schwer schädigen. Alternativ bestünde die Möglichkeit, die Genickmuskulatur durch heftiges Kopfschütteln nachhaltig zu schädigen. Auch liegt es im Bereich des Möglichen, durch einen Lachanfall zu ersticken.
Die handelnden Personen übernehmen für derlei (und andere) Fälle keinerlei Haftung.
Samstag 10. April 2010 – Innsbruck – noch wenige Stunden, der Countdown läuft.
Im Skype läuft ein Gespräch, von schwerstem Zynismus gekennzeichnet – Schafi und Dachstein blödeln sich gekonnt durch den Abend. Auch der MSN ist aktiv, wo Dachstein und Tribal herumblödeln. Und schließlich wäre da noch die Unterhaltung mit Talabfahrer via PN im Forum, deren Inhalt hier auszugsweise wiedergegeben werden soll:
Da will also wer Opfer spielen? Zu viert ist Opferspielen ja viel lustiger – ist schon aus Großübungen beim Roten Kreuz her bekannt – wenn du dort einmal tot bist, kannst mit den anderen Toten Karten spielen, während sich die Schwerverletztgeschminkten noch „behandeln lassen“ dürfen / müssen…Talabfahrer hat geschrieben:
Morgen ist die Wahl wieder die gleiche, aber ich hab mir ganz unabhängig von Deinem und Schafis Vorhaben auch wieder MIII & Co. als Ziel vorgenommen. Um 16:30 ist am MIII von der Bergbahn AG eine kleine Feier geplant, u.a. mit Ehrung und Pressebildern von der letzten Fahrt und den letzten Fahrgästen. Nachdem ich heute schon einer der letzten Fahrgäste war, bin ich schon vom Personal angesprochen worden, ob ich denn morgen wieder als "Opfer" zur Verfügung stünde - am Ende stehen wir dann gemeinsam Schlange bei der Abschiedsfahrt.
Also gleich mal eine Rück PN verfasst und uns als weitere Opfer angeboten. Antrag wurde sofortigst positiv angenommen (es wurde kein Antrag auf Abgabe eines Antrags gestellt, obwohl es sich dabei um ein international Opfervergabeverfahren (int. Opfervergabegesetz § 1 Abs. 2) handelte!).
So waren wir am späten Abend alle auf ein Ziel eingeschworen – die letzten Fahrgäste am Maierl III zu sein. Und halt noch ein paar andere Aktionen.
Nun gut, in Anbetracht des schönen Wetters und des erwarteten gewaltigen Ansturms beschlossen wir, erst etwas später an der Fleckalmbahn zu sein. So verabschiedeten sich die 4 wackeren Helden vom Maierl III Sondereinsatzkommando in den Schlaf, voller Vorfreude auf den kommenden Schitag.
Und so entsprangen Schafi, Tribal und Dachstein um 10 Uhr vormittags ihren Vehikeln am Parkplatz der Fleckalmbahn, wo die totale Überfüllung (bestehend aus nix und wieder nix) bestaunt wurde. Die Wartezeiten waren immens, es war fast nicht möglich, eine leere Gondel zu finden (waren alle voller Luft) – sodass hier die Auswahl etwas schwer viel – darf es Laos sein, oder doch Kambodscha? Entschieden haben wir uns dann für Kirgisien, dort soll es ja im Moment recht spannend zugehen.
Und so ging es jetzt mal 1000 Meter aufwärts, immer die sehr interessant wirkende Piste im Blick, leicht braun geworden, manchmal auch etwas mehr als etwas. Dazwischen eine Person – Starli? Darkstar? Doch da gewesen? Doch er tut etwas, was wir Stunden später nicht tun werden…
Auch auf der Ehrenbachhöhe ein etwas komisches Gefühl, etwas still hier heute. Nur das leichte Klappern der beiden Leitners hört man, und in der Ferne surrt die DSB Maierl III ihrem letzten Betriebsschluss entgegen. Surreal wirkt die Szenerie zusätzlich durch die dünne Neuschneeschicht, die die Pisten verziert.
Sodann wollen wir mal gleich die Piste zur Maierl III unter Augenschein nehmen. Der Neuschnee ist überraschend gut zu fahren, teilweise staubt es regelrecht. Und diese mit Nichts überfüllte Piste… Unten dann die böse Überraschung – ein kleiner Abflug, und Dachstein steht nach mehr als 50 Schitagen erstmals ohne Schi da, was das Schafi, welches gerade um die Ecke biegt (welche die bessere Entscheidung getroffen hatte) etwas überrascht. Dachstein hat heuer sowieso schon einige Kunststücke in Kitz vollbracht, legendär war jenes am „Dachsteineck“. Einer Showeinlage, wobei Dachstein noch rechtzeitig die Kurve kratzen konnte. Aber das nur ganz nebenbei. Nicht nur Dachstein strauchelt an dieser Stelle, auch andere Schifahrer machen dort interessante Kunststückchen, wie wir aus der DSB beobachten können.
Nach dem ersten erfolgreichen Vorstoßen zum Ziel, beschloss die Gruppe einen rückwärtigen Vorstoß zum Steinbergkogel, dessen schwarze Pisten nach einer Entjungferung lechzten. Und so ging es hinunter in den Ehrenbachgraben, über eine etwas braun gefärbte, leicht verhaufte Piste zur 8 KSB Steinbergkogel, welche gemütlich vor sich hinsurrt (einzig die Kuppelgeräusche sind, wie bei den Leitners zu hören) . Mit 3,5 m/s übrigens.
Auch hier wieder das leidige Problem, mit den mit nix gefüllten Sesseln. Ja welchen nehmen wir denn da? Schwere Entscheidung. Tribal wurde während Schafi und Dachstein über die Sesselfrage entschieden, beauftragt, mit Talabfahrer Kontakt aufzunehmen.
Dieser war noch etwa 10 Kilometer von der Fleckalmbahn entfernt, sodass wir uns vorerst alleine am Steinbergkogel vergnügen mussten – was jedoch keine Schwierigkeit darstellte. Einzig der etwas harte Untergrund stellte so manchen Schifahrer vor so manche kleine Probleme. Schi haben halt kein ABS (Auto Bleib Stehen System) oder ESP (Extraterrestrisches Schleuderprogramm – nein, nicht aus der Waschmaschine).
Nach mehreren Abfahrten am Steinbergkogel gesellte sich Talabfahrer zu uns. In Anbetracht der Vielzahl der Möglichkeiten musste nun langsam ein Alternativprogramm gefunden werden: L.O.I.S. Programm wurde durch Talabfahrer gelauncht (Dazu ist folgende Tastenkombiantion nötig: B E R G F A H R T_M I T_S T E I N B E R G K O G E L_A N_ B E R G S T A T I O N_ 1 8 0_G R A D_W E N D E / S T A T I O N S G E B A E U D E_I N S I D E.exe)
Ums jetzt klarer zu machen: Lois heißt jener Mann, der am Steinbergkogel Dienst tut – er ist Herr der Bergstation hoch droben am Steinbergkogel. Nachdem heute nicht allzuviel Andrang herrschte, Talabfahrer ein Bekannter von ihm ist (immer diese Dauergäste) beschlossen wir, Lois in seinem einsamen Außenposten einen Besuch abzustatten. Eine nette Unterhaltung war die Folge, welche auch einen weiteren Punkt einleiten sollte: Operation ESL Steinbergkogel. Da ist nämlich noch was drinnen, was professionelle Rostschnüffler wie mich teuflisch interessiert. Na dann, auf zur Eroberung des Steinbergkogels.
So ging es hinüber zur alten ESL Bergstation, schnell wird hinaufgetreten, die Kameras sind im Anschlag, wir gehen um die Ecke, weichen so manchem am Boden herumliegenden Nagel aus und stehen vor einer verschlossenen Türe – das war jetzt aber nicht geplant! Na dann halt zur nächsten Türe (auch die verschlossen), aber halt, hintenrum gibt’s ja auch noch eine, die schnurstrax in Kitzbühl’s schönsten Lokus‘ führt (welcher selbstverstänlich auch dokumentiert sein will).
Das wollten wir ja auch schon immer wissen… und ganz nebenbei, dieses stille Örtchen mit saisonaler kalt und kälter Klimaanlage und jahrealter Zeitung würde sich gut in einem gewissen Thread machen (finden jedenfalls Schafi, Tribal, Talabfahrer und Dachstein).
Na da muss jetzt aber ein Plan B her. Wie könnte man denn in so ein Gebäude reinkommen? Zaubertrank? Steinbergkogeliges Pferd? Auch Sesam Öffne Dich nutze wider Erwarten nichts, und auch Talabfahrers Wilmageschreie in Anlehnung an Fred Feuerstein brachte nicht den erhofften Erfolg.
Wiiiiiiiiiiiiiiiiiiilllllllllmaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa - äh Aaaaantriiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeb...
Na dann auf zu anderen Methoden. Um zu wissen, warum wir hier überhaupt "einbrechen" wollen, müssen wir erst mal ergründen, was da drinnen ist (sonst würde die Aktion keinen Sinn ergeben). So beschlossen wir, durch Ritzen zu blicken (Zitat Tribal: „i sig wos Grünes, a grünes Trum“). Ganz oben waren zwei Öffnungen in dem Tore, unten ein schmaler Spalt, durch welchen wir womöglich eine Kamera einführen könnten.
Dachsteins Kamera erweis sich für eine derartige Spionagemission als zu groß, Schafis Kamera auch, Tribal hatte seine vergessen (dafür gibt’s noch eine Rüffel!), so musste Talabfahrers alterhrwürdige Olympus ran. Zuerst versuchten wir mit den Händen die Ritze freizulegen, bis sie zu einem Spalt angewachsen war, sodann schoben wir die Kamera rein, und drückten ab.
Versuch Nr. 1:
Zäfix, des wo nix....
Kruzefix, scho wieda nix...
Hümmiherrgottfixsakramantscheißglumaptverreckt's...
Und raus kam jedes Mal eine weiße Wand. Immer noch zu viel Schnee? Seltsam, heuer hats eh so wenig, aber in der Station liegt welcher drinnen, und zwar massenweise. Na gut, dann halt oben rein. Nur wie kommt man denn da rauf?
Starten Sie folgendes Programm mit folgender Tastenfolge: R A E U B E R L E I T E R.exe. Da Tribal Schaltafelschuhe trägt, wurde er für die Mission auserwählt und ausgebildet. Und so schoben Talabfahrer und Dachstein Tribal in die Höhe (ein Bild für Götter, wie Schafi zu berichten weiß).
Und so entstand das erste brauchbare Foto vom Innenleben der Station. Aber wir wollten ja mehr (wie gescheite Fotos
Um nun in die Station zu gelangen, riefen wir Programm R A M M B O C K.exe auf. Aber auch hier scheiterten die 4 Helden kläglich (Szene eventuell gestellt
(Szene gestellt - wobei anzumerken ist, dass der Fotograf nicht zu beneiden war - es ist gar nicht so leicht, 3 Leute so zu dirigieren, dass es halbegs natürlich ausschaut - gut gemacht Schafi!)
Sodann wurde uns die Sache zu anstrengend und vollführten einen überraschenden Vorstoß in den Ehrenbachgraben, aber nicht ohne zu versprechen, mit dem richtigen Werkzeug wiederzukommen (TNT ist es nicht, auch kein Brecheisen, nein, Schlüssel sind die handlichste, aber wirkungsvollste Waffe). Sodann eroberten wir das Restaurant.
Dieses Restaurant hatte vom Belebtheitsgrad jenes einer abgelegen Bundesbahnhaltestelle einer Nebenbahn in der Nacht, die Auswahl erinnerte an jene in der DDR (was nicht verwundert, es ist der letzte Betriebstag, und die Vorräte gehen langsam zu neige). Das Wirtspersonal ist aber freundlich (wie immer!!!!) und hält die eine oder andere Speise noch vor. So bestellten wir geschlossen 2 Nudelsuppen und 4 Portionen Bernerwürstel mit Pommes. Sodann besetzen wir in friedlicher Mission den Gastraum.
Schnell wurden die Suppen gereicht, wobei Talabfahrer aufgrund der Temperatur jenes Essens kurz die Contenance verlor
Sodann beschlossen wir abermals Programm L.O.I.S. zu starten (Tastenkombination siehe oben), um ihm von unseren wagemutigen Abenteuern zu berichten. Nicht nur er hatte beim Anblick der Bilder einen breiten Grinser aufgesetzt…
Nunja: 15:15 – 1:15, der Countdown läuft.
Nach einer Fahrt mit der Jufenalm 3er (wobei sich der Seilbahnbedienste wunderte, dass da noch wer käme – „ es saz seit zwoa Stund de ersten Gäscht bei mir“) ging es via Sonnenrastbahn hinüber zum Maierl.
Und so genossen wir die verbliebene Zeit bei Aprilwetter am Maierl III.
Freilich sei noch die Umgebung etwas mitdokumentiert – um etwas nach 4 wurde es nochmal richtig schön, eine willkommene Überraschung für die 4 wackeren Helden.
Um 16:29 war es dann so weit. 16.29: t-1 Minute, der Countdown läuft.
Wir stehen im Zustieg, der Zeiger springt auf Halb, die Drehkreuze schalten auf Rot. Wir haben es geschafft. Die Mannschaft kommt heraus, Tribal und Talabfahrer gleiten aufs Förderband, die Anlage wird abgestellt. Beide bekommen eine Flasche Wein, und eine Tafel mit der Aufschrift: Letzter Fahrgast Maierl III, 11.4.2010 in die Hand gedrückt.
Wir stellen uns auch noch dazu. Die örtliche Presse ist mit dem Snowmobil da, es wird fotografiert. Schließlich macht noch jeder ein Foto, sodass die ganze Mannschaft abgelichtet wird. Um 16:40 ist der Spuk vorbei. Als allerletzte gleiten Schafi und Dachstein auf den Einstieg und fahren hinauf. Oben wird nochmal fotografiert, die Bergmannschaft will auch noch Fotos haben. Um 16:45 ist es vorbei – Maierl III macht die letzten Zuckungen. Sie steht. Aus vorbei. Für immer.
Aber jetzt setzt der Dachstein noch eines drauf: Operation Fabriksschild wird gestartet. Immer wollte Dachstein schon eine weiße Giraktafel haben, jetzt bietet sich die Möglichkeit – Werkzeug hat Dachstein ja dabei. So beschließt er beim Maschinisten zu fragen.
Schnell werden einige wichtige Worte gewechselt, ein Mann eilt in den Umlauf der Anlage, die große Leiter wird hervorgekramt, heruntergereicht. Und schon steht die Leiter an der Wand, auf die sich nun Dachstein schwingen wird, um das Schild (eigenhändig mit Unterstützung der Maschinisten) abzuschrauben – ungläubige Blicke auf sich ziehend übrigens. Wenige Minuten später ist es vollbracht, er hält es in Händen. Ein abschließender Dank ist angebracht, sodann bricht die 4er Gruppe zur Fleckalmbahn auf.
Nun müssen sich die 4 Helden aber sputen, in 4 Minuten ist Betriebsschluss. Doch da kommt Lois des Weges, mit Schi will er ins Tal.
„Jo woiz ned mit owe foahn?“ Tribal, der etwas unüberzeugt wirkt, wird auch noch überzeugt, sodass nach fachmännischer Verstauung der Schilder, Flaschen und ähnliches um 17:01 die finale Talabfahrt startet. Talabfahrer kann meine Giraktafel verstauen, ich verstaue die Holztafel vom Maierlabschied und eine Flasche, Schafi auch, sodann legen wir los.
Alleine, zu fünft pflügen wir über die unebene und durchgefrohrene Piste, mit Panoramaaussicht ins grüne Tal. Die EUB wird schon garagiert, die Mitarbeiter fahren zu Tale, winken uns zu; das letzte Mal für diese Saison fährt diese Bahn nun. Im Mittelteil gabts dann Firn vom Feinsten, aber weiter unten wird es dann richtig interessant.
Aber Lois hat da die Lösung – schnell lernen wir, wie man über nasse Wiese rüberfahren kann – Schwuuuuuunnnnnnng (was sehr elegant ausschaut uns so manchen Tourengeher nicht schlecht staunen lässt) und drüber geht’s, ohne Abschnallen hinunter zur Talstation der Fleckalmbahn, wo wir um 17:23 ankommen.
Das war‘s dann also? Nein, nicht ganz. Eine kleine Fotoseshion wurde noch eingelegt, als die Giraktafel von Talabfahrer zu Dachstein wechselt und die Holztafel vom Abschied vom Dachstein zum Talabfahrer.
Die Anfahrt zur Übergabe wurde auch noch als Dokumentationswürdig eingestuft.
Abschließend verabschiedenden wir uns vom Lois (Danke nochmal für diese nette Aktion und für die Tipps), legten beim Maierl I noch einen Zwischenstopp ein, bevor wir uns nach Hause begaben.
Die Sessel der DSB Maierl I scheinen jedenfalls Hollywoodschaukeltauglich zu sein. Jetzt sind sicher einige am Überlegen…
Conclusio:
- Wir sind keine geborenen Einbrecher
- Suppe kann heiß sein
- Dachstein kann wie ein Honigkuchenpferd grinsen
- Abschnallen ist was für Weicheier und Snowboadfahrer
- Wir waren die letzten am Maiel III
- Danke an Lois und die Mannschaft von Maierl III für diesen außergewöhnlichen Tag
MFG von Schafi, Tribal, Talabfahrer und Dachstein