Diesmal soll der Bericht aus einer Mischung von Allgäuer Brauchtum und einer Bergwanderung bestehen. Das Brauchtum wird dabei durch den größten Viehscheid im Allgäu verkörpert, die Bergwanderung durch die Tour von Obermaiselstein auf den Beseler und retour.
Aber der Reihe nach ...
Die Termine standen schon lange fest, am 18.09.2010 soll somit in Obermaiselstein der größte Viehscheid im Allgäu stattfinden, es wird von rund 1.400 Stück Vieh gesprochen, die von den umliegenden 12 Alpen ins Tal getrieben werden. Und so sind wir schon mittendrin im Brauchtum:
Viehscheid (Einheimische sprechen nur von „Schaid“): In der Früh wird je nach geplanter Ankunftszeit am Scheidplatz damit begonnen das Vieh von den jeweiligen Alpen gen Tal zu treiben. Dabei sind die Tiere mit großen Schellen (nicht Glocken) bestückt, die an kunstvoll gezierten Lederriemen um den Hals hängen. Genauer gesagt handelt es sich bei den Schellen um die Zugschellen, während des Alpsommers hat das Vieh die Weideschelle angelegt. Vielfach sind die Tiere noch mit Kopfschmuck aus Tannenzweigen, Ebereschen, Silberdisteln und anderen bunten Bergblumen. Ganz besondere Bedeutung kommt jedoch dem Kranzrind zugute. Hat eine Alpe während des Alpsommers keine Viehverluste zu beklagen wird ein Rind ausgesucht und festlich geschmückt, die sogenannte Krone (auch Kranz) schmückt den Kopf und oben auf dem Krone befindet sich ein Kreuz, mit welchem der Schutz Gottes erfeleht werden soll. Ferner beinhaltet der Schmuck auch einen Spiegel, mit dem die bösen Geister abgewehrt werden sollen. Das Kranzrind wird vom Oberhirten der Alpe geführt und bildet den Beginn des Abtriebs der jeweiligen Alpe. Wenn nach den teilweise zweistündigen Abtrieben der Ort erreicht wird (aus der Ferne hört man schon laut das Schellen), werden die Tiere auf den Scheidplatz geführt und dort in einen großen, trichterförmigen Einschlag getrieben. Dies hat den Zweck, dass am Ende nur immer ein Tier durch den schmalen Gang am Tricherende geführt (je nach Sturheit auch getrieben) werden kann. So kann der Älpler jeden Besitzer des Viehs aufrufen, welcher es dann vor Ort in Empfang nimmt, nachdem dem jeweiligen Tier mühsam ein Hanfband um Hals und Kopf gebunden wurde. Damit ist auch die Herkunft des Wortes „Viehscheid“ abgeleitet: Viele denken, dass „Scheid“ seinen Ursprung in Abschied vom Alpsommer hat. Dies stimmt aber nicht, denn am Scheidplatz „scheidet“ man die Tiere aus der Herde und verteilt diese zurück an die Besitzer. Nach Übergabe werden die Tiere vor Ort am Scheidhag festgebunden, wo diese geduldig warten, bis die jeweiligen Bauern ihre Tiere in die Anhänger verladen und den Weg in den heimischen Stall antreten. Der Alpsommer findet somit das Ende.
Soviel zur Bedeutung/Erklärung des Viehscheids im Allgäu, welcher in Obermaiselstein durch ein großes Rahmenprogramm begleietet wird (u.a. der Scheidball am Abend des Viehscheids im Festzelt).
Ich schaute mir die ersten drei Alpen an (Grasgehren, Schwaben und Lochbach) und machte mich im Anschluss auf den Weg zum Beseler.
Daher hier erstmal die Bilder vom Viehscheid:
^^ Der gesamte Platz von oben, hinten der Scheidplatz Nr.1, vorne Nr.2, links das Festzelt
^^ Nochmals die beiden Scheidplätze, hinten holen die Bauern ihr Vieh ab
^^ Rechts auf dem Holz steht der Älpler und ruft die Viehbesitzer aus, das Vieh wird durch den schmalen Gang getrieben
^^ Im Ort, das Kranzrind mit Oberhirte (Schwabenalpe)
^^ Kranzrind der Lochbachalpe auf dem Scheidplatz Nr.1
^^ Dito
^^ Der trichterförmige Ausgang
^^ Selbstredend
^^ Dichtes Gedränge
^^ Leichter Kopfschmuck
^^ Viehtrieb gen Auslass
^^ So was ist natürlich scheiße
^^ Muh
^^ Einmal in die Kamera gucken bitte
^^ Ihr bitte auch ... wie oben beschrieben warten sie ruhig am Scheidhag festgebunden auf die Fahrt in den heimischen Stall
^^ Genauso wie diese hier
Im Anschluss verließ ich das rege Treiben und Schellen ... und machte mich auf den Weg zum Beseler, sozusagen in die Ruhe der Bergwelt.
Ausgangspunkt war Obermaiselstein (859m), über den Königsweg wanderte ich zur Oberen Gundalpe und von dort über den Klettersteig auf den Beseler (1.679m). Nach kurzer Gipfelrast stieg ich südseitig über den Wanderweg ab und wanderte ins Lochbachtal. An diversen verlassenen Alpen ging es dann vorbei zurück nach Obermaiselstein.
Anbei einige Bilder:
^^ Dem Beseler fast zu Füßen
^^ Und dort geht es gleich den Klettersteig hinauf, außenherum dauerts 30min, Klettersteig 5min
^^ Einstieg
^^ Weiter gehts
^^ Blick hinab
^^ Blick vom Ende des Klettersteigs ins Schönberger Achtal mit Riedbergpassstraße
^^ Grasgehren
^^ Gipfel
^^ Blick hinab auf die Obere Gundalpe und das Lochbachtal (mein Rückweg)
^^ Zoom auf Oberstdorf
^^ Eine der vielen Alpen im Lochbachtal ... verlassen. Ja wo sind sie denn nur?
^^ Hinten links der Beseler
PS: Ohne das Schellen des Vieh ist es erschreckend ruhig im Allgäu