Auch wenn der Blick ins Forum oder auf das Thermometer derzeit durchaus die ersten winterlichen Gefühle zulassen, möchte ich euch einige Bilder meiner letzten Bergtour nicht vorenthalten. Mittlerweile ist es schon wieder über eine Woche her, als ich dem tagelangen Nebel in München trotzte und ins tiroler Unterland aufbrach. Da natürlich auch dort die Nebelschwaden über dem Talboden hingen, steuerte ich eine Gebirgsgruppe an, in der ich mit einem Lift etwas an Höhe gewinnen kann und somit direkt in der Sonne starten konnte: die Wahl fiel auf den Rofan mit dem Sonnwendjochlift in Kramsach.
Als Tagesroute war eine größere Gipfelsammlung mit Rofanspitze, Sagzahn und Vorderem Sonnwendjoch geplant. Die Tour ist nicht ganz einfach, beinhaltet jedoch keine richtige Klettersteigpassagen (nur eine ganz kurze), Trittsicherheit und insbesondere Kondition für die kumuliert ca. 2000 Hm Abstieg sind aber vonnöten.
Gestartet bin ich an der Talstation des alten Einsersessellifts bei ca. 5°C und dichtem Nebel, die Auffahrt war eiskalt und ich wartete gespannt auf den Durchbruch der Sonne. Kurz vor der Mittelstation war es dann so weit, die Sonne und die zweite Sesselliftsektion mitsamt ehemaliger Skipiste zeigten sich.
Die Auffahrt entlang der zweiten Sektion war gleich viel angenehmer, die Sonnenstrahlen wärmen immer noch auf angenehme Art und Weise, die Bäume zeigen sich in herbstlichem Farbenspiel.
An der Bergstation begann schließlich die eigentliche Wanderung, das Tagesziel – die Überschreitung des von der Rofanspitze nach Süden verlaufenden Kammes – fest im Blick. Daneben hat man bereits hier eine traumhafte Aussicht auf die umliegende Bergwelt mit Bayrischen Voralpen, dem Wilden Kaiser, Zillertal und dem Alpenhauptkamm. Der Rofan im Allgemeinen und das Vordere Sonnwendjoch im speziellen (liegt es doch genau vis-à-vis des Zillertals) gehören wohl zu den besten Aussichtsgipfeln im tiroler Unterland.
Vorderes Sonnwendjoch (li.) und Sagzahn (re.)
Rofanspitze und Rofantürme
Wilder Kaiser
Hinteres Sonnwendjoch (ganz hinten)
Doch zunächst geht es am Roßkogel vorbei in leichtem Auf und Ab hinüber zum Zireiner See, einem malerischen Bergsee.
Zireiner See und Rofantürme
Hier beginnt dann nach dem Einlaufen hierher die erste und wichtigste Schlüsselstelle der Tour, der Schafsteig hinauf zum gleichnamigen Sattel unterhalb der Rofanspitze. Der Steig ist sehr steil, zum Teil ziemlich ausgesetzt und auf den letzten Metern mit Drahtseilen gesichtert. Er ist aber auch sehr imposant, geht man stellenweise doch direkt unterhalb der Felsabstürze der Rofantürme durch Schotterhalden.
Alpbachtal
Vom Schafsteigsattel ist es nicht mehr weit zur Rofanspitze, schwierig ist der Weg auch nicht. Die Rofanspitze ist nach dem Hochiss der zweithöchste Gipfel der Gebirgsgruppe, hier trifft man dann auf einmal eine Vielzahl von Wanderern, die Seilbahnstation der Mauracher Rofanbahn ist nicht weit. Von dort ist die Rofanspitze auch wesentlich einfacher zu erreichen, als von Kramsacher Seite. Das Panorama prägen Richtung Westen der Karwendel und Richtung Norden der Guffert und Unnütz; nach Süden ist der Blick durch den vorgelagerten Kamm nicht ganz frei, was aber heute kein Problem darstellt, ich wandere ja noch weiter dorthin.
Rofan (vorne) und Karwendel (hinten)
Unnütz (links) und Guffert (rechts)
Guffert, unten Steinberg
Benediktenwand (ganz hinten)
Christlum
Grubalackenspitze
Hintertuxer Gletscher bzw. Olperer und Gefrorene Wand-Spitze
Alpbachtal mit Großglockner und Großvenediger
Sagzahn, nächstes Ziel
Sagzahn und Vorderes Sonnwendjoch
Nach einer nicht allzu langen Rast – durch den relativ starken Wind war es trotz Sonnenschein sehr frisch – ging es weiter, die Rofanspitze sollte ja nur der erste von drei Gipfeln sein. Als nächstes steht der Sagzahn auf dem Programm, der Weg dorthin ist nicht weit, führt zunächst wieder zurück zum Schafsteigsattel und dann weiter auf einem kurzen und unschwierigen Klettersteig hinauf zum Sagzahngipfel. Die Klettersteigpassage kann auch umgangen werden, allerdings verliert man dabei einiges an Höhe und kommt nicht ohne kleinen Umweg am Sagzahn vorbei.
Sagzahn mit Klettersteig
rechts Rofanspitze, leider nicht ganz sauber
Haidachstellwand
Vom Sagzahn zum letzten Gipfel, dem Vorderen Sonnwendjoch geht es mehr oder weniger eben rechterhand, ein Stück unterhalb des Kammes entlang. Dort hat man nun den prächtigen Blick über das gesamte tiroler Unterland bis nach Bayern, Salzburg und zum Alpenhauptkamm. Die Grashügel der Kitzbühler Alpen, die schroffen Felsen des Wilden Kaisers, der Tiefblick ins 1,7 km tiefer liegende Inntal, das Zillertal mit den 3000ern und der Blick bis zu den Stubaier Alpen machen das Vordere Sonnwendjoch mit seinen 2224 m Höhe zu einem der besten Aussichtsberge der Gegend – auch wenn ich mich hiermit wiederhole, es lohnt sich dort hinauf zu steigen. Leider war das Wetter recht diesig, der Nebel am Talboden löste sich nicht vollständig auf und von Westen zogen hohe Wolken durch. Bei perfektem Wetter und guter Fernsicht komme ich sicherlich noch einmal hier vorbei.
Zahmer und Wilder Kaiser
Guffert
Alpbachtal
Zillertal
Großer Rettenstein und Großes Wiesbachhorn
Großglockner (?)
Großvenediger
Reichenspitzgruppe
Gefrorene Wand-Spitze und Olperer
Hier blies der Wind nicht mehr so stark, weshalb (und natürlich wegen dem Ausblick) die Pause ziemlich lange ausfiel. Was von hier noch folgt, ist der Hauptteil an Kilometern mit 1700 Hm Abstieg, für den man die veranschlagten 3 Stunden auch benötigt. Eine solide Ausdauer und vor allem Wanderstöcke sind hierfür sehr nützlich. Angenehmerweise geht man zwar nicht ausschließlich auf Forststraßen, aber im unteren Teil ist es doch ein nicht unerheblicher Anteil, was die Sache gegen Ende doch stark in die Länge zieht und ich froh war, endlich wieder das Auto zu erreichen.
Insgesamt ist das eine absolute Traumtour, man erklimmt drei Gipfel, anspruchsvolle Bergwege, die aber auch ohne große Erfahrung mit Klettersteigen zu schaffen sind. Die reine Wanderzeit (ohne Liftfahrt und Pausen) beläuft sich auf ca. 5,5 bis 6 Stunden, man bewältigt 16,5 km, 770 Hm bergauf und 2000 Hm bergab (incl. Zwischenanstiege).
So, ich hoffe, jemand findet trotz des winterlichen Kribbelns noch Freude an der schönen Seite des Herbstes. Jetzt kann dann auch bei mir der Winter kommen…
Edit 03.04.2011: Serverumzug (Bilder)