Samstag 12.02.2011
Nach 3 Jahren stand Mitte Februar wieder einmal Verbier und die 4 Vallées auf dem Programm. Viel hatte sich in der Zwischenzeit im westlichen Teil der 4 Vallées nicht getan: Die alte Zubringer 2SB von Verbier, die schon seit vielen Jahren nicht mehr in Betrieb war, wurde abgetragen und die beiden PBs zum Mont Fort und zum Col de Gentianes wurden nach über 25 Betriebsjahren überholt, und mit sehr ansprechenden neuen Kabinen ausgestattet. Ansonsten hat man in Verbier nach dem Bau des Telemix und der 6KSB Les Attelas eine kleine Investitionspause eingelegt, bevor in den nächsten Jahren die Verbindung des Hauptskigebietes von Verbier mit dem Savoleyres-Bereich grundlegend erneuert und verändert wird.
Schon bei der Anreise am Freitag im Dunkeln konnten wir sehen, dass die Schneelage dieses Jahr wie erwartet eher dürftig ausfallen sollte, dennoch haben wir zwei tolle Skitage erlebt, an denen bis auf ein paar Routen fast alle Pisten geöffnet waren.
Am Samstagmorgen starten wir mit der 6EUB Medran 1 von Verbier nach Les Ruinettes. Von dort geht es weiter mit dem vor einigen Jahren gebauten Tal-Berg-Tal Telemix nach Fontaret. Den Funitel Funispace lassen wir erst einmal links liegen.
Blick in den La Chaux Sektor. Im Hintergrund der Col de Gentianes und der Mont Fort.
Nach kurzem Einfahren in La Chaux wecheln wir mit der 6KSB Les Attelas auf den gleichnamigen Berg. Leider müssen wir hier feststellen, dass der Mont Gele geschlossen ist und wohl heute den ganzen Tag zu bleibt.
Da es hier noch schön leer ist, machen wir je eine Fahrt mit der Lac de Vaux 3 und der Lac de Vaux 1 Sesselbahn. Am Chassoure sehen wir, dass auch die Route nach Tortin leider wegen Schneemangel geschlossen ist.
Blick vom Chassoure Richtung Attelas wo insgesamt 4 Bahnen enden bzw. starten.
Nach einer weiteren Abfahrt zum Lac de Vaux – dieses Mal über die schwarze und weniger frequentierte Piste nehmen wir die Route zum Col de Mines, die wie alle Routen in den 4 Vallées eine unpräparierte Buckelpiste ist
Blick nach unten
An den Wänden der „Bobbahn“ kann man deutlich sehen, wie wenig Schnee dieses Jahr gefallen ist. Nach der „Bobbahn“ halten wir uns ganz oben links am Hang um den Col des Mines zu erreichen. Alternativ führt eine weitere Route vor dem Col de Mines nach rechts durch das Vallon d´Arbi hinunter nach La Tzoumaz.
Nach dem Col des Mines geht die Buckelpiste geradeaus nach Verbier runter. Die Route liegt zwar zu dieser Zeit bereits seit ca. 1 Stunde in der Sonne, die Buckel sind aber noch komplett gefroren und daher sehr unangenehm zu fahren.
Aus der Mayentzet 2SB schauen wir zurück auf die ca. 600 Höhenmeter Buckelpiste, die deutlich steiler ist, als sie auf diesem Bild erscheint. Unter den vielen Routen in den 4 Vallées ist die Col des Mines Route meiner Ansicht nach aber die unspektakulärste, da sie relativ breit und mit gleichbleibendem Gefälle den Hang runter führt.
Weiter oben in der La Combe 2SB. Diese Bahn wird nächste Jahr zusammen mit den Mayentzet 2SB durch eine neue 6KSB ersetzt. Oben zu sehen das Funispace Funitel.
Nach einer weiteren Fahrt mit der Attelas 6KSB wechseln wir erneut in den La Chaux Sektor. Dort geht es mit der Le Jumbo PB zum Col de Gentianes weiter.
Oben angekommen wird der Blick auf den Mont Fort, dem mit 3330m höchsten Berg im Skigebiet frei
Leichter Zoom zum Gipfel und der „Buben-“ und „Mädchenpiste“ (Copyright by Gerrit
Aus Tortin schwebt die vorletztes Jahr renovierte PB mit neuen Kabinen ein. Das neue Kabinendesign gefällt mir sehr gut.
Am Mont Fort angekommen genießen wir zunächst das östliche Panorama samt Matterhorn (linke Spitze)
Panorama Richtung Italien (Süden)
Panorama Richtung Südwesten inklusive dem höchsten Berg der Alpen, dem Mont Blanc (der zweite relative flache Gipfel von links)
Blick nach Nordwesten zum Col de Gentianes (Nordwesten). Dahinter der Mont Gele und das Rhone Tal. Im Vordergrund die 40PB zum Mont Fort, die letzen Sommer neue Kabinen bekommen hat.
Zoom zum stillgelegten Doppelgletscherschlepplift, den ich 1999 zum letzten Mal gefahren bin, und der seit dieser Saison nicht mehr im Pistenplan aufgeführt ist. Deutlich zu sehen der Gletscherschwund unter der Trasse. Der Abstand unter der Kurvenstütze zum Boden beträgt mittlerweile rund 10m.
Nach der Abfahrt vom Mont Fort nehmen wir den kurzen Gletscher-Schlepplift, um ohne Anschieben wieder zum Col de Gentianes hochzukommen, und blicken auf die lange Abfahrt nach La Chaux. Im Hintergrund links zu erkennen ist das Skigebiet von Bruson, das auch noch zu den Quattre Vallees gehört.
Nach einigen Fahrten im Bereich La Chaux, Attelas und Lac de Vaux machen wir uns auf die Talabfahrt nach Verbier, die zu diesem Zeitpunkt zwar viele Skifahrer aufnehmen muss, aber aufgrund ihrer Breite heute nicht allzu überfüllt ist.
Unten im Dorf angekommen machen wir eine letzte Fahrt mit dem Le Rouge Übungs-KSSL
In einer netten Lounge-Bar direkt am Ende der Piste lassen wir den Skitag ausklingen.
Der erste Tag in Verbier hat viel Spaß gemacht. Trotz geringer Schneemengen waren etwa 95% der Pisten offen und boten wie üblich viel Abwechslung. Allein die geschlossene Mont Gele Bahn schmerzte ein wenig. Der Col de Mines, die einzige Route in den Quattre Valles, die ich bisher noch nicht gefahren bin, war allerdings eine kleine Enttäuschung. Ist der erste Teil der Route noch identisch mit der Vallon d´Arbi Route, so ist der zweite Teil eine gleichmäßig abfallende breite schier endlos erscheinende Buckelpiste mit allerdings grandiosem Panorama auf Verbier. Verglichen mit den anderen Routen fehlt dieser Route allerdings das Alleinstellungsmerkmal wie es die anderen Routen hier üblicherweise haben (Vallon d`Arbi: sehr abwechslungsreich, mal breit, mal sehr schmal, dann neben einer Straße verlaufend; Col de Gentianes: durch extremes Gelände verlaufend, sehr abgelegen; Mont Gele: völlig ausgesetzt, teilweise extrem steil; Chassoure oben sehr steil und buckelig, unten in grandioser Landschaft flacher auslaufend). Dennoch war ein Teil der Enttäuschung am Col de Mines sicher auf die unzureichende Schneelage und den am morgen noch extrem hart gefrorenen Schnee zurückzuführen. Bei entsprechend guten Bedingungen kann man auch mit dieser Route viel Spaß haben.
Sonntag 13.02.2011
Am nächsten Tag starten wir wieder mit der Medran 6EUB. Mit dem Funispace Funitel geht es weiter auf den Attelas, wo wir uns am Lac de Vaux erst mal ein wenig einfahren.
Blick vom Attelas auf die Talstation der Lac de Vaux I 4KSB und der Lac de Vaux III 3SB. Vor dem Bau der 4KSB gab es hier zwei 2SB Richtung Attelas
Nach ein paar Liftfahrten geht es weiter in Richtung La Chaux zur „Jumbo“ PB hinauf zum Col de Gentianes. Die Kabine der 150 PB schwebt gerade ein.
Oben angekommen nehmen wir die unpräparierte lange Route vom Col de Gentianes runter nach Tortin. Im oberen Bereich fährt man auf dem Gletscher entlang am stillgelegten Glacier 1 und 2 Schlepplift. Auf dem Bild zu sehen ist die erste Kurve des Lifts und die Talstation.
Der Schnee auf den Gletscherpisten ist herrlich zu fahren und die Stilllegung des Schlepplifts verhindert Wiederholungsfahrten auf dem Gletscher. Eine 4KSB oder auch eine einfache 2SB auf der Trasse der Seilrückführung des Schleppliftes wäre hier ideal und würde Wiederholungsfahren wieder möglich machen.
Am Ende des Gletschers geht es in den anspruchsvollen Teil der Route, die gut 700 Hm steile Buckelpiste umfasst und dann unten wieder flacher zur Talstation der PB hin ausläuft. Die Route teilt sich an dieser Stelle, so dass man je nachdem, ob man rechts oder links des in der Mitte liegenden Felsriegels fährt, zwei völlig unterschiedliche Routen zur Verfügung hat.
Blick von der Mitte der Gentianes - Tortin Route auf die Rückseite des Mont Gele mit seiner offiziellen Abfahrtsroute, deren Steilheit man auf dem Bild gut sehen kann. Der Mont Gele wird von der anderen Seite her durch eine kleine einspurige PB erschlossen (Bergstation links oben). Die Mont Gele Route geht nahtlos in die Gentianes - Tortin Route über, so dass man hier über 1000 Hm anspruchsvollste Buckelpiste am Stück bewältigen muss.
Leider war die PB zum Mont Gele das ganze Wochenende geschlossen und so war es mein erster Verbier-Aufenthalt, an dem ich diesen genialen Berg nicht fahren konnte.
Weiter unten auf der Gentianes - Tortin Route an der Stelle, an der die rechte und die linke Route wieder zusammengeführt werden. Trotz der geringen Schneelage war die Route heute bei bestem Schnee hervorragend zu fahren, man musste lediglich hier und da auf größere Steine achten.
Die Route war jedenfalls kein Vergleich mit der Col de Mines Route gestern Morgen.
An der Talstation der PB fahren wir weiter auf der flachen aber schön trassierten Piste nach Siviez und nehmen die noch recht neue 4KSB Novelli ins Printze Gebiet, das wir aber im Weiteren aber auslassen, da es im Vergleich zum Verbier-Sektor sehr durchschnittlich ist.
Bevor wir umdrehen, noch ein letzter Blick auf die beiden parallelen Greppon Blanc Schlepper und die Verbindungspisten Richtung Thyon.
Die genüberliegende Seite mit dem Plan-du-Fou auf den eine alte 2SB und ein Tellerschlepplift hinaufführen, die sich so unauffällig in die Landschaft integrieren, dass man sie kaum sieht. Die beiden Lifte werden wohl in den nächsten Jahren durch eine EUB ersetzt. Der Grat auf dem Bild ist unser nächstes Ziel.
In der alten 2SB Siviez mit Blick zurück zum Standort vom letzen Bild und der 4KSB Novelli
Nach einer Fahrt mit dem Schlepplift Plan-du-Fou erreichen wir das Plan-du-Fou, den Übergang zum Skigebiet nach Nendaz. Die Route zur Talstation der PB ist an diesem Tag gesperrt, die PB fährt jedoch bei Bedarf und hält für Fußgänger die Verbindung zum Plan-du-Fou aufrecht.
Steile Buckelroute an der PB. Warum die heute gesperrt ist verstehe ich nicht. Die Umfahrung des ersten Steilstückes rechts außerhalb des Bildes hatte teilweise keinen Schnee mehr, aber das ist fast immer so, da sie südseitig ausgerichtet ist.
Blick zur Talstation der PB und den anschließenden Schlepplift der nach links unten führt. Im Hintergrund zu sehen ist die 4SB nach Nendaz. Dieser südseitig ausgerichtete Bereich ist immer sehr schnell ohne Schnee, sobald es mal länger nicht schneit. Der WWF verhindert hier seit Jahren die dringend notwendige Errichtung einer Beschneiungsanlage.
Blick vom Plan-du-Fou auf den nordöstlichen Teil des Svoleyres-Sektors mit diversen Pisten und Bahnen
Zoom von Plan-du-Fou zum Mont Fort und dem darunter liegenden Gletscher
Nach der Mittagspause im Restaurant am Plan-du-Fou nehmen wir die Piste nach Siviez, die sich schön natürlich in die Landschaft einfügt, aber aufgrund der geringen Schneemenge und der südseitigen Exposition schon einige apere Stellen aufweist.
In Siviez nehmen wir dann die lange Von Roll 4KSB mit 2 Kurven/Mittelstationen Richtung Tortin
Weiter geht es mit der PB hinauf zum Col de Gentianes
Dort entschließen wir uns ein weiteres Mal auf den Mont Fort zu fahren und noch mal das Panorama zu genießen. Dann geht es auf der steilen Piste wieder runter zum Col de Gentianes
Direkt nach dem Einstieg in die „Mädchenpiste“ traversiere ich auf die noch steilere „Bubenpiste“ die herrlich zu fahren ist und im mittleren Bereich sogar mit lockerem Pulverschnee bedeckt ist.
Wieder am Gletscher angekommen nehmen wir ein weiteres Mal die lange steile und verbuckelte Route nach Tortin in Angriff, um von dort mit der 8EUB wieder zum Chassoure zu gelangen.
Aus der EUB schauen wir neidisch auf die leider gesperrte Route unter der Bahn, die trotz Sperrung von einigen Skifahrern gefahren wird.
Grund für die Sperrung dürfte vor allem die geringe Schneelage am Beginn der Abfahrt gewesen sein
Über den Lac de Vaux fahren wir nach Les Ruinettes ab. In diesem Bereich gibt es zwei breite Pisten die durch ein Funitel, eine 6KSB und eine 4KSB erschlossen werden. Dem Andrang an Skifahrern kann man aber auch hier gut entgehen, in dem man etwas abseits der präparierten Pisten fährt (im Hintergrund ist die präparierte Hauptpiste zu sehen, im Vordergrund die unpräparierte interessante Variante).
Nach einer weiteren Fahrt mit der Attelas 6KSB geht es noch mal nach La Chaux und mit dem Telemix wieder auf den Fontanet zurück
Zum Abschluss wählen wir die südlich um den Fontanet herum führende und kaum frequentierte Piste zum Bergstation der Medran Bahnen. In diesem Bereich hat man vor einigen Jahren zwei Sessellifte stillgelegt. Auf dem Bild zu sehen sind die Reste der Bergstation einer ehemaligen 2SB die vom Tal als dritter Zubringer diente.
Blick auf die „Idalp“ von Vebier wo sich zwei EUB, ein Funitel, ein Telemix und zwei 2SB treffen.
Blick über Verbier rüber zum Savoleyres
Die südlichen Savoleyres-Pisten im Zoom, die laut Anzeigetafel heute noch alle offen waren
Nach einer letzten Abfahrt ins Tal beenden wir unseren Skitag und machen uns auf die lange Heimreise.
Trotz der geringen Schneelage hatten wir ein fast perfektes Wochenende, das lediglich durch die Sperrung des Mont Gele und der Route Chasssoure – Tortin etwas getrübt wurde.
Die lifttechnische Erschließung ist in den letzten Jahren in Verbier vor allem durch den Bau des Telemix Chaux-Express und den 6KSB Les Attelas optimiert worden, ohne den Charakter des Skigebietes zu zerstören. Dennoch gibt es auch momentan noch immer einige gemütliche alte Sesselbahnen, die aber i. d. R. abseits der Hauptrouten liegen und dem Schigebiet neben einer effizienten Erschließung durch die schnellen Hochleistungsanlagen noch viel Gemütlichkeit geben. Man hat so die Change alle wichtigen Punkte im Skigebiet mit schnellen modernen Bahnen zu erreichen, kann aber gleichzeitig auch bei Bedarf mit den alten Sesselbahnen alternative Routen wählen und jeglicher Hektik entfliehen.
Die geplante Neuerschließung und Verbindung des Savoleyres mit Verbier, die in den nächsten Jahren realisiert wird, ist sicher eine weitere Verbesserung der Liftinfrastruktur, steht die Zubringer- EUB von Verbier aus doch bisher völlig isoliert und ohne eigene Abfahrt im nördlichen Teil des Ortes. Das Hin- und Herwechslen zwischen den Skigebieten wird dadurch vor allem für schwächere Skifahrer, die nicht die Route über das Vallion d`Arbi nehmen können erleichtert.