Gegen Anfang des Jahres 1996 - die Harald Schmidt Show war gerade einige Wochen auf Sendung - wurde mir die Show von einem Freund empfohlen. Ab diesem Zeitpunkt war ich regelmässiger Zuschauer. Anfangs nur an Freitagen und in den Ferien, später auch an den anderen Tagen unter der Woche, erlebte ich zunächst Szenen wie den Silikon-Check bei Samantha Fox oder das Ablecken von Verona Feldbusch, garniert mit Einspielfilmen à la "Die dicken Kinder von Landau". Später, während der Bildungsoffensive der Harald Schmidt Show, durfte ich Zeuge von spannenden Dramen sein, vorgespielt vom Meister höchst selbst mit Hilfe von Playmobil-Männchen in liebevoll gestalteter Landschaft. Dem Publikum war es vergönnt, grosses Theater aus Reclam-Heften vorzutragen und Filmklassiker neu zu synchronisieren.www.spiegel.de hat geschrieben:PLEITE FÜR SAT.1
Harald Schmidt legt seine Show auf Eis
Der Rauswurf Martin Hoffmanns als Geschäftsführer von Sat.1 scheint ernste Konsequenzen für den Berliner Sender zu haben: Die "Harald Schmidt Show" wird nächstes Jahr nicht fortgesetzt. Entertainer Schmidt, unter Hoffmann und dessen Vorgänger Kogel zum Aushängeschild von Sat.1 geworden, will eine "Bildschirmpause" machen.
Berlin - Harald Schmidt lege nach acht Jahren bei Sat.1 eine Kreativpause ein, teilte der Sender am Montag mit. Es sei aber vereinbart worden, Gespräche über eine zukünftige Zusammenarbeit zu führen.
Nach acht Jahren sei nun Zeit für eine "Bildschirmpause", wird der Entertainer zitiert. "Ich habe Sat.1 viel zu verdanken und bleibe dem Sender auch weiterhin sehr verbunden." Man bedanke sich "herzlich bei Harald Schmidt für acht Jahre großartiger Fernsehunterhaltung", sagte Urs Rohner, Vorstandsvorsitzender von ProSiebenSat.1. Man habe Verständnis für die Entscheidung, "auch wenn wir dies natürlich sehr bedauern."
Über die Fortsetzung des Vertrages zwischen Schmidts Produktionsfirma Bonito und Sat.1 wurde in den vergangenen Wochen lange verhandelt. Der überraschende Rausschmiss des Sat.1-Geschäftsführers Martin Hoffmann am vergangenen Donnerstag könnte etwas mit der vorläufigen Absage Schmidts zu tun haben, denn immerhin gelten Schmidt und Hoffmann als freundschaftlich verbunden. Dessen Vorgänger Fred Kogel hatte Schmidt vor acht Jahren zu Sat.1 geholt.
Noch am Freitag hatte Hoffmann-Nachfolger Roger Schawinski gegenüber dem SPIEGEL bekräftigt, dass er die Abwanderung Schmidts nicht fürchte. Schmidt sei "der Erste" gewesen, den er am Freitagvormittag nach seiner Berufung zum Sat.1-Geschäftsführer angerufen habe. Viel genützt zu haben scheint es nicht.
Die "Harald Schmidt Show" war am 5. Dezember 1995 erstmals auf Sendung gegangen. Schmidt wird auf Sat.1 noch in zwei Specials am 29. Dezember mit einem Jahresrückblick und am 8. Januar moderieren.
Typisch schmidtige Aktionen wie das Auswendiglernen und Vorspielen eines FAZ-Artikels (nachdem dessen Veröffentlichung auf der Website von der FAZ-Redaktion untersagt worden war) werden mir noch lange in Erinnerung bleiben, ebenso wie die vielen illustren Gäste, von Anastasia (MTV) bis Zlatko (Big Brother). Auch die gelegentlichen schwäbischen Einlagen sollten hier nicht unerwähnt bleiben. Unvergessen: HS kauft Hausmacher Leberwurst auf der Schwäbischen Alb.
Ausgaben wie "Le show en francais", eine ganze Sendung nur auf französisch - oder das Jubiläum "100 Jahre Radio", bei dem der Bildschirm dunkel blieb und man nur die Stimme des Meisters hörte - solche Sendungen fand und findet man sonst nicht einmal im Nachtprogramm eines Kulturkanals. Trotzdem waren sie Entertainment in Vollendung - nicht nur für mich, siehe die zahlreichen Preise und Lobhudeleien in den Feuilletons grosser Tageszeitungen.
Der Höhepunkt war aber wohl die Sendung vom 25.09.01 - erste Sendung nach den Terroranschlägen in den USA. Schmidt gelang es IMHO auf meisterhafte Weise, auch aus diesem Ereignis, das die ganze Welt in Schockzustand versetzte, die komischen Elemente herauszuarbeiten und in unterhaltender Form zu präsentieren. Einsame Spitze!
Leider war der Niedergang der Show in den letzten Monaten unübersehbar, denn immer häufiger bestand die Sendung nur noch aus lieblos zusammengestelltem Inhaltsmüll, so dass der Bildschirm auch bei mir immer öfter schwarz blieb. Vielleicht war der nun erfolgte Schritt nur die logische Konsequenz dieses Sachverhalts.
Was bleibt ist die Trauer eines treuen Zuschauers, der (fast) von Anfang an dabei war, und die Hoffnung auf eine triumphale Rückkehr in alter Stärke.
*schnief*