Pendelbahnen

Fachforum für Seilbahntechnik: Technische Diskussionen zu Kuppelsystemen, Steuerungen, Seilrechnung und Innovationen im Seilbahnbau.
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HP

Pendelbahnen

Beitrag von HP »

Was mich schon lange interessiert. Liegen die Pendelbahnen mit den Rollen ungesichert auf dem Tragseil ? Ist dies nicht zu gefährlich z.B. beim Durchfahren der Stützen (Entgleisung) ?

Wer kann hier Auskunft geben.


Danke.

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Migi
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Beitrag von Migi »

Naja, ungesichert kannste sehen wie du willst. Die meisten Seilbahnen haben noch ne Fangbremse. Die kann zwar ggf. im Notfall zu nem Teil als Führung dienen, entgleisen kannste aber trotzdem.

Nur, ne Seilbahn entgleist net so schnell. Schaukel tut sie quer zum Seil nur bei starkem Wind, und da gibts dann auch ne Grenze, ist der Wind stärker kannste die Bahn net mehr fahren. Auf der Strecke zeiht die Kabine automatisch durch die Schwerkraft "nach unten", sprich das Fahrwerk wird quasi auf die Fahrbahn gepresst. Auf ner Stütze ist zwar wenn mans so sehen will eine Art Entlastung durch die Stütze da, aber die Schwerkraft ist die selbe, die Kabine wird also genau so nach unten gezogen, sie "sackt" nur net ein wie auf freier Strecke. Somit kann da net wirklich was passieren. Klar, unter Umständen "ruckelt" es beim überfahren einer Stütze, aber auch das ist logisch. Ist dort n Übergang von quasi freier zur festen Fahrbahn.

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Dresdner
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Beitrag von Dresdner »

Die Anforderungen an Laufwerke findest du in den länderspezifischen Regelungen, z.B. in der schweizerischen Pndelbahnverordung unter den Punkten 444 (Abheben von Laufwerken) und 711 (Laufwerke) sowie, damit eng verbunden, 712 (Fangbremse). Die Gestaltung der Laufwerke und ihr Zusammenwirken mit der Fangbremse ist in der Tat eines der delikatesten Kapitel im Pendelbahnbau. Dies hängt mit den Seilschwingungen zusammen, welche im Regelbetrieb sowohl bei Stützenüberfahrten als auch bei Windeinfall auftreten; als auch im Fall eines (unwahrscheinlichen) Zugseilbruchs. 1972 kam es zum GAU, als eine Kabine sich nach dem Zugseilbruch durch den Wegfall der Zugkraft um die quer zur Fahrtrichtung liegende Achse aufschaukelte und das Laufwerk für einen Moment abhob. In diesem Augenblick schappte die Fangbremse ins Leere un die Kabine raste ins Tal. Diesen Vorgängen versucht man mit Dämpfungseinrichtungen zu begegnen, bei älteren Bahnen kann man diese "Stoßdämpfer" noch sehr gut erkennen, bei neueren Bahnen sind sie in das Laufwerk integriert.
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Beitrag von Petzi »

Wo war den der unwahrscheinliche Unfall? Normalerweise umfassen die Tragseilbremsen das Tragseil nämlich fast zur Gänze (bis auf den dünnen Schaft unter der Tragseilauflage der Stützen. Am Patscherkofel hat es deshalb eine bei Revisonsarbeiten über mittag vergessene Kabine bei Sturm einmal um ihre eigene Achse gedreht, ohne abzustürzen! Gab nur ein bisschen einen Kabelsalat!
Wenn Gondeln abstürzen, dann nur durch einen Tragseilriss (1963 Ischgl, 1976 und 1997 Cavalese) Das Geht entweder durch einen Zugseilüberschlag, der aber duch die Erdung des Tragseiles einen Kurzschluss und damit einen Nothalt der Signalanlage auslösen sollte (es sei denn die Signalanlage ist überbrückt) oder so wie in Cavalese, wenn ein amerikanischer Militärjet das Tragseil durchscheidet. Da kann keine Sicherheitsanlage helfen!

Grüsse

Petzi

P.S.: das mit den Schwingdämpfern (nicht Stossdämpfern, ist ja kein Auto) stimmt schon nur sollen diese ungünstige Seilschwingungen verhindern, damit nicht das Seil und nicht das Fahrwerk aus dem Tragseilschuh abhebt!
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Beitrag von k2k »

Petzi hat geschrieben:Wo war den der unwahrscheinliche Unfall?
Müsste auf der Bettmeralp gewesen sein. Zumindest laut der Statistik von Skiresort.
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Beitrag von Migi »

Ja, da war einer. War aber menschliches Versagen. Die haben zuviel Last unten an die Kabine dran gehängt. Da reisst halt mal n Seil...
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GMD
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Beitrag von GMD »

Tragisch war, neben den Toten natürlich, was danach mit der Habegger AG gemacht wurde. Aber ich will hier diesen Skandal nicht wieder hervorziehen.
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Michael Meier
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Beitrag von Michael Meier »

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