


Den Feiertag am 01.11.2011 nutze ich für eine Fahrt ins Lechtal, wo auf meiner Wanderkarte noch einige Talschlepper eingezeichnet sind. Schon seit einiger Zeit wollte ich diese Fahrt einmal unternehmen, seitdem ich im Januar 2009 das erst Mal diese Gegend besucht hatte.
Schon bei diesem 2009er Erstbesuch hatte mich diese Gegend irgendwie fasziniert, denn sie ist nicht nur wegen der paar alten Schlepplifte sehenswert. Damals war wenig los, als ich unter der Woche früh an einem eiskalten, klaren Wintermorgen durch das scheinbar endlose, verschneite Tal dahinfuhr. Der Lech fließt in einem breiten Bachbett neben der Strasse, die wiederum durch urige Dörfer führt – teilweise geht es nur einspurig zwischen alten Bauernhöfen und malerischen Kirchengebäuden hindurch. Ich verfluchte damals, meine Digitalkamera zu Hause gelassen zu haben, denn der ein oder andere Zwischenstopp auf dem weiten Weg ins Schigbiet hätte sich sicherlich gelohnt.
Auf die Kameramitnahme wurde damals meinerseits verzichtet, da es meiner Ansicht nach in Warth/ Schröcken nix zu knipsen gab – ein Schigebiet mit ausschließlich modernen Sesselbahen. (Passt gar nicht in diesen hintersten Winkel, an den ich sofort denken musste, als ich am April diesen Jahres Kühtai das erste Mal aufsuchte.)
Nun – 2009 hatte ich mir „geschworen“

Das erste Ziel: Der lt. Liftworld 1967 errichtete, 650m lange Moosberglift in Weißenbach im Lechtal. Ein Kurzbügler mit Liftomat 2000! Da muss ich im Winter mal hin, sollte der noch laufen...


Die Herstellerfrage kann sogar von einem Herstellerlaien leicht beantwortet werden.

Wie immer dachte ich bei diesem Anblick wehmütig an meinen Lieblingslift Reiteralm II († 1991) zurück

Liftomat am Morgen...

Am Anfang geht der Moosberglift ganz schön steil rauf.

Oben – hier ein Zoom – verläuft er neben der Piste weiter. Leider keine Walddurchfahrt, was im Winter bei Schleppern immer ganz nett ist.


Eine Bauruine tauchte auf und ich war erleichtert, dass es kein Wohnhaus mit den üblichen „Schleppliftwächteridioten“ war, die immer draußen herumlungern...


Nette Abfahrt – also für einen Zwischenstopp im Winter geeignet.

Am Ausstieg.

Die Umlenkung steht etwas weiter hinten.


Auch unten neben der Talstation wäre für Stimmung gesorgt...
Weiter ging es nach Stanzach, wo ein längerer Übungslift und einige kleine Seillifte stehen. Bevor ich wieder sämtliche Kuhgassen durchqueren, diverse Katzen überfahren und argwöhnische Anwohner aus ihren Ställen locken würde, parkte ich das Auto neben einem Stadel am Straßenrand Richtung Namlos und wanderte mit der Kamera um den Hals über die vom Raureif heimgesuchten Wiesen...

Hier ein Zoom zu den Seilliften.

Am Stoamandllift angekommen, der so 600-700 Meter messen dürfte.

Blick nach unten – auch dieser Lift verläuft direkt am Pistenrand. Die Schlepptrasse verschwindet zuweilen in einer Senke. Bilder von der Talstation machte ich erst am Rückweg, als die Sonne dann endlich hinterm Berg hervorkam.

An der Bergstation angekommen.

Bei diesen Temperaturen wanderte man gerne den Berg zur Umlenkstation hinauf.

Im Schatten des Novembermorgens steht die Umlenkung am Waldrand – außer mir kein Mensch zu sehen, was sich auf dem Rückweg ändern sollte...

80er Jahre?

Blick auf die Piste – auch hier lohnt sich ein Zwischenstopp im Winter allemal!

Diesmal machte ich keine langen Finger, sondern lange Beine, um schneller wieder bei der Talstation zu sein


Am Einstiegsbereich angekommen – hier sieht man die gesamte Lifttrasse und noch drei weitere Personen. Sie hatten ebenfalls Kameras dabei, schienen aber eher wegen der Landschaft hergekommen zu sein, obwohl sie die Schlepptrasse schnurstraks nach oben wanderten. Ich hatte beim Moosberglift vorhin vergessen zu erwähnen, dass mir dort fast das Gleiche widerfahren war – als ich gerade am Ausstieg oben stand, kamen plötzlich drei dunkle Gestalten unglaublich schnell die Schlepplifttrasse hochgelaufen. Als ich die Piste hinunterlief erkannte ich jedoch bald, dass es nur Jogger waren, die doch tatsächlich die Schlepplifttrasse noch oben rannten. Weitere solche Begegnungen sollten mir dann an jenem Tag erspart bleiben.



Auf dem Rückweg zum Auto – nun hatte die Sonne den Berg überwunden und wärmte angenehm auf.


Hier bin ich bereits ein Ziel weiter- in Vorderhornbach. Leider musste ich dort einen frisch angelegten LSAP-Hang auffinden. (Nach Hinterhornbach bin ich gar nicht mehr gefahren, weil der dortige Lift auf Googleearth nicht mehr zu sehen war und ich vermute, dass man ihn abgebaut hat. Muss eh nur ein kleiner Übungslift auf einer Wiese überm Ort gewesen sein.)

Zoom nach Vorderhornbach hinunter.

Die Schlepplifttrasse unterhalb des ehem. Ausstiegs. Oben stand bereits der böse Abbruchbagger. Dem stach ich aus Rache für den Liftabbau gleich seine Reifen auf

Deutlich ist hier im rechten Bereich die ehemalige Lifttrasse zu sehen. Links die Abfahrt. Schade um diesen schönen Hang, der ähnlich wie der ein Stanzach und Weißenbach ist.
Die Schihütten brauchen sie jetzt wohl auch nicht mehr...





2009 ist der wohl noch gestanden – leider befindet sich die Bundesstrasse auf der anderen Talseite, so dass ich ihn damals nichts gesehen habe.

Die nächste Katastrophe – in der Flasche war nichts mehr drin

Leider konnte man das Seil schlecht zu einer Schlaufe binden – so musste ich halt diesen Schleppliftverlust doch bis auf Weiteres ertragen

Das waren mal alte, breite T-Stützen...
Hier fuhren sie jahrelang zu Tausenden hinauf...

Direkt nach dem Einstieg ging dieser Lift ziemlich steil hinauf.





Die nächste Station war Ebigenalp, wo ich am Ortrand den nächsten LSAP-Lift feststellen musste – oder es handelt sich hierbei um einen Seillift, der im Sommer über in der Schublade verschwindet...

Hier muss er lt. Kompasskarte hinaufgegangen sein. Doch außer dreier Esel auf der Wiese gab es nichts zu sehen.

Am anderen Ende des Dorfes endlich wieder ein intakter Schlepper. Diesmal sogar einer, der noch mal ein Stückerl länger wie seine Kollegen in Weißenbach und Stanzach ist.
Scheint – wg. der Stützen – auch schon ein recht altes Teil zu sein.


Mittlerweile haben die Einzellifte ja auch schon oft eine Beschneiungsanlage.

Hier geht es erst mal steil hoch, was den Büromenschen schwitzen lässt.


Blick zur Piste...

Der 1.11.11 war ein perfekter Herbsttag...

Oben nach den ersten beiden Steilstücken – beim zweiten bin ich sogar lieber über die Piste gegangen – geht es nochmal ein bisserl weiter. Also von der Abfahrt her lohnt sich hier ein Zwischenstopp erst recht.

Kuriose Abwurframpe.


Der steckt auch jetzt noch und meine Fingerabdrücke sind da NICHT drauf...


Kann das sein, dass von dieser Seite her auch mal ein SL hochkam? Sah von oben an einer Stelle mal so ein bisserl nach Trasse aus...
Hier oben wollte ich dann in einem Jägerstand meine Brotzeit – die üblichen Landjäger – verdrücken. Doch sogleich vernahm ich ein näherkommendes Auto und ich zog lieber auf die in der Sonne liegende Bergwiese um, denn direkt am Unterstand kam die Straße vorbei.
Nach der Pause ging es wieder ins Tal zurück und weiter zum Hauptziel dieser Fahrt:

Die Leitner-Ruine in Holzgau, wo seit den 70ern kein Schibetrieb mehr läuft. Sogar in meiner Kompasskarte ist dieser Kurven-Schlepper noch verzeichnet. Leider hab ich diese Tourplanung dann erst lange hinausgeschoben und zwischenzeitlich auch wieder fast vergessen gehabt – zu viele andere Ziele und Lifte geisterten mir stets durch den Kopf.

Erst mal ging es auf Wanderung zur Bergstation, die über einen Weg fast punktgenau erreichbar ist.

Leider zog zwischenzeitlich der Himmel zu, was zwar zu einer schönen, schaurigen LSAP-Stimmung führte, aber natürlich für die Fotoaufnahmen weitaus weniger gut wie das übliche Herbstsonnenlift ist.

Hier fuhren die Leute einst hinauf...

LiftE? Ich fand später noch eine Waldschneise – vielleicht gab es ja mal noch einen Schlepper hier? Wer weiß da was?

Ganz allein auf weiter Flur – außer ein paar Autos, die unten auf der Strasse durchs Tal fuhren, regte sich hier nichts. (Einmal sah ich im Sucher einem riskanten Überholmanöver zu...)



Ich melde mich freiwillig zum Abholzen, wenn ich dann nochmal mit dem Lift fahren darf...


Die Trasse eines zweiten Lifts? Vorne sieht man noch Stützen der talwärts auf direktem Weg führenden Strecke. Diese war mittlerweile total mit Bäumen zugewachsen, so dass ich lieber an der Auffahrtsseite hinaufging.


Das hier war das Highlight des Tages. Die Kurvenstation eines uralten Leitners!

Danach verschwindet der Lift im bewaldeten Steilhang unterhalb des Ausstiegs.



Ein Holzbügel. Am SL in Beuerberg – der nächste von München aus – müsste es doch auch noch welche geben? (Ist sogar ein Kurzbügler, oder?) [Der von München aus nächste Lift könnte aber der bei Moosburg sein – SL Hanslmühle, den ich am Tag der Deutschen Einheit anno 2007 aufgesucht habe...]

Weihnachten fand 2011 schon am 1.11. statt


Dann das: Als ich da so knipste – an einem Bauernhof in der Nähe spielten Kinder auf der Wiese und jemand werkelte an seinem Auto herum – quietschte es plötzlich. Der Schreck fuhr mir in die Glieder, doch dann stellte sich heraus, dass jemand die benachbarte MSB mit diesen Holzstützen „angeworfen“ hatte. Leider wartete ich vergebens auf das Vorbeifahren der Gondel. Gleich ums Eck befindet sich die Bergstation, die ich auf dem Weg zu der des Leitners noch „mitnahm“.

Hier kommt die MSB aus dem Tal herauf...

Die Bergstation – man beachte die Stütze vorne links! Ab hier geht es auf einem Wanderweg bequem zur Bergstation des alten Leitners.

Blick zurück...


Im diffusen Nachmittagslicht traf ich an dieser einsamen Lichtung ein. Außer einem hämmernden Specht regte sich hier nichts und ich knipste mich aus bis der Sensor glühte...


In einem Kastl, das unverschlossen war, gab es noch ein Telefon – ich testete es lieber mal nicht. Aber wenn das noch geht, will ich Resi heißen...

Der weite Weg von München und der Aufstieg hatte sich gelohnt!

Eine sofortige Wiederinbetriebnahme scheidet zweifelsohne aus...

Da geht kein kurzer Bügel mehr durch...

Wie in Italien.


Auf dieses Liftlerhäusl kann man auch nicht mehr ausweichen, wenn es mal wieder Krach mit der Ehefrau gibt...
(Hier in München gibt es dafür aber vorzügliche Brücken an der Isar.)

Leider kommt es auf den Fotos immer nicht so recht heraus – aber hier im letzten Stück verlief der Schlepper ganz schön steil hinauf...

Diese Stütze dürfte man besteigen, sonst würde ja hier stehen, dass es verboten sei

Auch an der Kurve ist man telefonisch erreichbar, wie ich am Rückweg feststellte.

Die Sonne kämpfte sich zurück und sollte gewinnen.





Ich fragte Einheimische, wem das Grundstück gehöre. Am besagten Gasthaus nebenan öffnete niemand, so dass ich mir kurz erlaubte, ein paar Fotos zu knipsen. Zwei ältere Männer auf dem Wanderweg weiter oben wurden gleich auf den Plan gerufen und glotzten die ganze Zeit, wie ich da herumlief.

Links die Auffahrtseite.




Ich trennte mich schweren Herzens von dieser genialen Liftruine und lief zum Auto zurück, dass ich vor der Ortschaft am Strassenrand zurückgelassen hatte.

Hier stehe ich genau unter der Bügel-Rücklauf-Trasse. (Wie bezeichnet man die eigentlich offziell bei einem Kurvenlift?)

Hier nochmal ein Lechtal-Bild vom Ortseingang von Holzgau aus...


Nochmal Holzgau, das auf der anderen Ortsseite noch einen Schlepplift aufweist – den Gföllberglift, der mein nächstes Ziel sein sollte.

Kapelle am Ortsrand, wo ich meinen Wagen stehen hatte.

Der nächste zwischenstoppwürdige Schlepplift...


Für eine Wanderung zur Bergstation fehlte mir ein wenig schon die Kraft und ich hatte nach dem fünften Lift in Folge nun auch keine Lust mehr drauf. Lieber fuhr ich noch zur nächsten Station...

Doch in Steeg gab es nur das hier zu sehen. Der kurze Lift am Ortsrand, der auf der Kompasskarte noch eingezeichnet ist, wurde abgerissen, ohne Spuren hinterlassen zu haben.

Schon bei der Fahrt nach Steeg war mir dieses Ding aufgefallen – ich erinnerte mich vage daran, es 2009 auch schon bemerkt zu haben. Scheint die Talstation einer MSB zu sein.

Nein, hier unternahm ich keine Trassenbegehung...
Auf der Fahrt zurück bemerkte ich in Häselgehr (witziger Ortsname – hab ich mir seit 2009 wg. der Kreditkartenabrechnung gemerkt, da ich dort getankt hatte) noch die Talstation eines uralten Seillifts. Aber im Tal unten war es schon recht dunkel und so hielt ich nicht extra an.

In Bach bog ich noch ab, um zur Talstation der DSB Jöchelspitze hinaufzufahren. Ich hoffte, dass dort noch die Sonne schien und ein paar gute Abendstimmungsbilder auf meine Speicherkarte warteten. Doch zuerst fuhr ich Depp die falsche Straße den Berg hinauf. Einspurig ging es kurvenreich durch den Wald – ein Genuss für den städtischen Autofahrer... Wenigstens kam, als ich planlos vor einem Bauernhof herumstand und in der Karte suchte, gleich ein freundlicher, älterer Herr vorbei. Er teilte mir mit, dass ich ein Berg weiter müsse. Also ging es wieder die sagenhafte Strecke zurück und auf der anderen Seite – hier war die Strasse wenigstens in Ordnung – zum Lift hinauf.

Ich musste irgendwie an Tschiernock in Kärnten denken – auch dort fährt man erst eine Passstrasse den Berg hinauf, ehe man den einzigen Lift (in diesem Fall ein stillgelegter ESL) erreicht. Auch wenn hier das Ganze nicht so abgelegen und die Strasse weitaus weniger kriminell an jene in Kärnten ist. Außerdem läuft die Bahn ja noch!
1979 gebaut und 1.684m lang. (Lt. Liftworld)
Außer einem Seillift gibt es hier komischerweise keine weiteren Anlagen. Der Schlepper rechts der DSB, der den Zielhang der Skiabfahrt erschlossen hat, dürfte seit zig Jahren LSAP sein.

Also wenigstens im Sommerbetrieb will ich die Bahn mal fahren...



Blick ins Liftlerhäusl.

Hier nochmal die Trasse. Leider wurde dieser Hang nicht mehr von den letzten Sonnenstrahlen erfasst.
Mit voller Speicherkarte ging es dann wieder zurück nach München. Leider waren jenem Feiertag – extrem viele Schleicher unterwegs, sodass es sich ewig hinzog, bis endlich die A95 bei Eschenlohe erreicht war.