Joachim: Sturm, Orkan, heftiger Schneefall, Nebel. Da war es zugegebenermassen ein gewisses Risiko, eine Anreise in die Berge auf sich zu nehmen, entsprechend wurde ich unterwegs während der Hinreise mehrmals fragend angesehen. Diese Unsicherheit wurde allerdings wett gemacht mit der Vorfreude auf richtig winterliche Verhältnisse. Denn wenn schon bei garstigen Verhältnissen irgendwohin, dann an einen Ort, wo es richtig was hingeschüttet hat. Und im Berner Oberland und Wallis war das ja ein Meter und mehr. Tja, die letzten beiden Winter gabs sowas eher selten.
Pistenplan
Das Skigebiet erschliesst den 2000 Meter hohen Betelberg. Die unteren zwei Drittel sind bewaldet, nach oben hin wird der Berg immer flacher. Das ist dann auch gleich der Grund, warum sich hier die Lawinengefahr in Grenzen hielt und überhaupt ein mehr oder weniger normaler Betrieb möglich war, während viele Skigebiete in der Nähe geschlossen waren, sofern sie überhaupt erreichbar waren. Der Betelberg gehört zwar zur Skiregion Adelboden-Lenk, ist mit dessen Hauptgebiet aber nicht pisten- oder liftmässig verbunden.
Wetter: zweistellige Minusgrade, oben ständiger Sturm, zeitweise Nebel, meistens Schneefall. Richtiger Winter eben.
Geöffnete Lifte:6EUB Lenk - Stoss - Leiterli, 4KSB Wallegg, 4KSB Mülkerblatten, SL Leiterli, SL Hasler
Geschlossene Lifte:Skilifte Mauren und Balmen sowie Kinderlifte
Geöffnete Pisten:Offiziell Pisten an der 2. Sektion der Gondelbahn sowie Halser und Mülkerblatten.
Talstation der 6EUB in Lenk
Trassee der 1. Sektion
oben angekommen neben dem Skilift Leiterli, hinten der Mülkerblatten
Blick über die flache 2. Sektion Stoss-Leiterli
An der Bergstation wurde man nebst beträchtlichen Neuschneemassen sofort von stürmischen Verhältnissen erwartet. Waren die Sichtverhältnisse während der ersten Abfahrt noch erstaunlich gut, zog es danach immer stärker zu. Insbesondere die Fahrt am kurzen, flachen Gipfelskilift Leiterli war wegen des hier erbarmungslos peitschenden Windes an der Grenze des Erträglichen. So sollte es auch die einzige Fahrt an diesem Lift bleiben. Anschliessend ging es auf einer der vielen flachen Pisten hinunter zur rechten Seite des Gebiets, zum Skilift Hasler.
erste Abfahrt bei noch akzeptabler Sicht
Winterimpression I
Skilift Leiterli bei Sturm
Talstation Skilift Hasler
Blick hinüber zu Betelberg und Leiterli
Die zweite Achse des Gebiets, hauptsächlich bestehend aus den beiden Sesselbahnen Wallegg und Mülkerblatten erschliesst die Hänge des Mülkerblatten, im oberen Teil zusammen mit dem bereits genannten Skilift Hasler. Auch hier gilt: mehrheitlich flache Pisten. Was hier rot markiert ist, wäre anderswo blau. Dafür sorgten, bei nun wieder besser werdender Sicht, tief verschneite Wälder für Winterstimmung.
Piste am Sessellift Mülkerblatten
Talstation der schönen Städeli-Anlage
Aufhellung am Mülkerblatten
zurück an der 2. Sektion der Gondelbahn
Piste mit schönen Waldpassagen
Offiziell geöffnet waren nur die oberen Pisten. Die Talabfahrten, die hier gut und gerne die Hälfte des Pistenangebots ausmachen, waren weder markiert noch präpariert. So konnte man sich hier unten so richtig im Neuschnee austoben, wobei das Fahren bei einem Meter Neuschnee ziemlich in die Beine ging. Die oft einsamen Fahrten durch die verschneiten Tannenwälder machten Spass, und ab und zu zeigte sich gar kurz die Sonne. Eindeutig etwas Spannenderes als das in Massen betätigte Herunterrutschen auf vereisten Kuntschneebändern, wie es anderswo gepredigt wird!
Mittelstation Stoss
erste inoffizielle Talabfahrt - Natur und nichts anderes
Winterimpression II
für kurze Zeit drückte die Sonne durch
eine andere, stärker befahrene Route
Skilift Hasler
Nach halb zwei zogen erneut Nebelbänke auf, es begann wieder tüchtig zu schneien. Bei diffusem Licht und immer kälter werdender Temperatur wurde es oben immer ungemütlicher, denn der Wind wollte einfach nicht nachlassen. Obwohl, auf den Pisten konnte man noch immer flüssig fahren. Etwas skurill war die Talabfahrt Wallegg, wo es vor allem galt, den laufenden Schneekanonen auszuweichen. Richtig schön war dann wieder die letzte Fahrt auf der Piste Tschuggen, welche immerhin 700 Meter Höhendifferenz aufweist und in der Mitte des Gebiets - also zwichen den beiden Liftachsen - abwechslungsreich durch das wenig steile Gelände verläuft.
Talstation an der Wallegg
brüllende Schneekanonen
unterster Abschnitt an der Wallegg
oben am Mülkerblatten
Piste Tschuggen
Gefallen:
- ermässigte Tageskarte
- fast alle Lifte in Betrieb, was bei diesen Bedingungen überhaupt nicht selbstverständlich war. Bei Bubbles z.B. sind solche Tage hoffnungslos.
- tief verschneite Winterlandschaften
- geile Variantenabfahrten auf den Talabfahrten bei reichleich Neuschnee
- trotz Sturm: meistens gerade noch akzeptable Sicht
Nicht gefallen:
- eisige Kälte, gepaart mit Sturm. War nicht länger als die 4.5 Stunden auszuhalten, die ich im Gebiet verbrachte
- kein hochalpines Flair, mehrheitlich flache Pisten, wäre eigentlich ein Anfänger- und Familiengebiet
Fazit:
Solche Tage habens in sich. Richtiger Winter, und im Skigebiet nur ein paar wenige Freaks, die lange auf den Schnee gewartet haben. Nebst den genialen, menschenleeren Routen ins Tal hinunter war es einfach eine besondere Szenerie, wenn rund herum Sturm und Starkschneefall herrschen.