Anfahrt: Ettlingen - A5 - Basel - A2 - Luzern - Gotthardtunnel - Airolo in 3:10 h
Wetter: Rheintal trüb und Sprühregen 10°C; Alpennordseite bedeckt 7°C, am Alpenrand geringe Aufhellungen; Airolo sonnig bis bewölkt, Tal +3°C, Berg -2°C.
Schnee: Airolo Tal ca. 50-80 cm Feuchtschnee, Berg ca. 150 cm Feucht- oder Pulverschnee. Am 31.12. hatte es im Skigebiet bis zu einem halben Meter Neuschnee gegeben.
Anlagen geöffnet: Alle (4KSB Varozzei ab Mittag)
Abfahrten geöffnet: Alle außer schwarze Abfahrt Pesciüm-Airolo
Wartezeit: Keine bis max 2 min
Gefallen: Wellige, abwechslungsreiche Naturschneeabfahrten ohne Geländekorrekturen
Nicht gefallen: Airolos Nordhänge liegen im Dezember und Januar vorwiegend im Schatten, aber das hab' ich vorher gewusst. Und noch eine halbe Stunde länger bis nach Cari mochte ich für den Tagesausflug auch nicht fahren.
Wertung: 5 von 6 Punkten wegen geringer Sonneneinstrahlung im Skigebiet
Internet: http://airolo.ch/de/seilbahnen/winter/s ... isten.html
Pistenplan © Funivie San Gottardo, Airolo
Der Neujahrstag ist für mich traditionell ein Skitag. Bei schlechterem Wetter fahre ich an kleinere Schwarzwaldhänge, bei gutem möglichst ins Allgäu oder in die Vogesen in ein Skigebiet, in dem es sonst zu voll ist. Was aber tun, wenn es ringsum in den Mittelgebirgen und an der Alpennordseite regnet ??? Ich nehme für halbwegs lohnende Skitage überdurchschnittlich weite Anfahrten in Kauf; erst bei rund drei Stunden Anfahrt ist für mich Schluss. Dieses Prinzip galt es also bis zum Anschlag anzuwenden. Gemäß deutschem und Schweizer Wetterbericht blieb nur die Fahrt durch den Gotthardtunnel nach Airolo, mit Glück noch Andermatt. Nach dem Schlafdefizit im Anschluss an die Silvesternacht durchaus eine Herausforderung.
Tatsächlich rissen die Wolken im oberen Reusstal auf, und ich begann mich auf einen Skitag in der Andermatter Gotthard-Oberalp-Arena zu freuen. Also verließ ich die Gotthardautobahn an der Abfahrt Göschenen. In Göschenen wunderte ich mich über den zugeparkten Bahnhofsbereich und die vielen Besucher mit Skiequipment und verließ den Kreisverkehr in Richtung Andermatt ... um kurz darauf vor einer Schranke und einer drei Meter hohen Schneewand zum Stehen zu kommen. Die Straßenverbindung Göschenen-Andermatt war wegen Lawinenabgangs gesperrt, was Radio DRS3 leider nicht mitgeteilt hatte. Den Sperrhinweis auf dem Wegweiser am Kreisverkehr hatte ich übersehen. Mist. Eine ungeplante Zugfahrt sah mein Zeitbudget für einen so weiten Ski-Tagesausflug nicht vor. Also zurück zum Gotthardtunnel und weiter nach Airolo.
Airolos Skigebiet, das ich zuletzt im Februar 2008 besucht hatte, ist zwar sehr schön. Wegen der Nordausrichtung der Hänge und wegen des hohen Bergmassivs im Süden des Skigebiets sollte man es allerdings besser nicht vor Anfang Februar besuchen. Im Dezember und Januar liegt Airolos Skigebiet - so wie der Andermatter Gemsstock und das Engelberger Titlisgebiet - vorwiegend im Schatten, das wusste ich vorher. Doch da ich nicht noch eine weitere halbe Stunde weiter bis nach Cari fahren mochte, das am Südhang liegt, nahm ich den Nachteil in Kauf. Weil die Südhänge über Airolo das Sonnenlicht reflektierten, gab es auf den Schattenhängen des Skigebiets keine Probleme mit der Pistenkontursicht. Auch die angenehmen Temperaturen ließen die Sonne als Wärmespender für die Schattenhänge nicht vermissen.
Am Silvestertag hatte es auf beiden Seiten des Gotthardpasses fast einen halben Meter Neuschnee gegeben, der im unteren Skigebietsteil bereits feucht geworden war. Die 4KSB Varozzei, die die besten Pisten im Skigebiet von Airolo bietet, öffnete wegen der noch laufenden Windenpräparierungsarbeiten erst am Mittag. Trotz des vorwiegenden Schattens machte das Skifahren auf allen Pisten großen Spaß. Insbesondere die Hänge des SCHL Cassinello und der 4KSB Varozzei bieten so viele Varianten, dass das Skifahren in Airolo einfach nicht langweilig wird.
Wegen der gerade mal vier Stunden Schlaf aus der Silvesternacht und der bevorstehenden langen Rückfahrt begab ich mich gegen 15:30 Uhr auf die Talabfahrt nach Airolo über das Bergdorf Nante, wo gerade ein Kuhstall gereinigt wurde und die Kühe auf der Straße den Schnee beschnupperten.
Fazit: Airolos Skigebiet ist als Fluchtziel vor Schlechtwetter auf der Alpennordseite eine sehr gute Wahl, aber wegen fehlender Sonneneinstrahlung erst ab Anfang Februar wirklich zu empfehlen. Wer nicht so weit von Norden anreisen muss wie ich, fährt im Dezember und Januar besser eine halbe Stunde weiter nach Cari. Trotzdem war es für mich ein schöner Skitag und wegen der Nichterreichbarkeit Andermatts per Pkw ohnehin mein wetterbedingt einziges Ziel für die Neujahrsskifahrt.
26 Fotos:
Talstation Funivie San Gottardo in Airolo
Zweite Sektion der PB auf den Sasso della Boggia
Talblick aus der PB-Kabine der zweiten Sektion. Unten links das Restaurant auf Alp Pesciüm.
Minimalistische Bergstations-Konstruktion der PB.
Blick vom Sasso della Boggia über Alp Pesciüm und Airolo zum Gotthardpass.
Auf zum Schlepplift Cassinello! Die 4KSB Varozzei war wegen Windenpräparierungsarbeiten noch geschlossen.
Begegnungen zwischen Alp Pesciüm und Sasso della Boggia.
Piste SCHL Cassinello.
Piste SCHL Cassinello.
SCHL Cassinello.
Piste und SCHL Cassinello mit Blick in die Leventina.
Blick von der Piste Cassinello zur noch geschlossenen 4KSB Varozzei. Die Sonne schafft es gerade so über den Grat.
Bergstation Sasso della Boggia mit mächtigem Berg über der Leventina ... welcher ist es? Am rechten Bildrand müsste sich die Bergstation des Skigebiets von Cari befinden, erkennen kann ich aber nichts.
PB zweite Sektion. Unten rechts die Talstation des SCHL Comascne.
Übungshang auf Alp Pesciüm mit SCHL Comascne, dessen Piste selbst im Februar noch meistens im Schatten liegt.
Die Trasse des SCHL Comascne führt durch interessant buckliges Gelände, wahrscheinlich ein alter Bergsturz.
SCHL Comascne im Schatten. Zwischenzeitlich sind Schleierwolken vor die Sonne gezogen. Trotzdem war die Pistenkontrastsicht viel besser, als es das Foto erwarten lässt.
Piste und SCHL Comascne. Wie gesagt war die tatsächliche Pistenkontrastsicht viel besser auf dem Foto und quasi unproblematisch - ich mag keinen Blindflug.
4KSB Varozzei. Schnelle, zweckmäßige Von-Roll-Anlage.
4KSB Varozzei.
Blick von der Bergstation Varozzei nach Westen durch ein Joch. Was sieht man da? Evtl. Berner oder Walliser 4000er aus ungewohnter Perspektive? Ich kann es nicht einordnen.
Pistenstart 4KSB Varozzei mit Blick in die Leventina.
Piste 4KSB Varozzei mit Pulverschnee im oberen Teil.
Talabfahrt über das Bergdorf Nante ...
... wo die Kühe ihren Neujahrsspaziergang machen, während der Stall gereinigt wird!
Talabfahrtsende. Trotz des vielen Schattens war es ein guter Neujahrs-Skitag.