Anfahrt: Ettlingen - A5 - Basel - A2 - Gotthardtunnel - Faido - Cari 3:25 h
Wetter: Rheintal und Alpennordrand trüb mit Regen; Tessin sonnig mit anfänglichem Durchzug von Bewölkung bei +4°C bis -2°C
Schnee: 1,50 bis >3,00 Meter Pulver- und griffiger Feuchtschnee, hervorragend zu fahren
Anlagen in Betrieb: 2KSB Brusada, 4KSB Lago di Cari, Seillift, Förderband
Anlagen außer Betrieb: SCHL Pro da Lei
Wartezeit: Keine bis 3 Minuten (stressfrei)
Gefallen: Sonniges Südhang-Skifahren im Januar, abwechslungsreiches Skigebiet
Bewertung: 6/6 Punkte
Internet: http://www.cari.ch/
Pistenplan © http://www.cari.ch:
Einmal mehr hatten Frau Harzwinter und ich uns einen Sonntag für eine Skifahrt frei gehalten, und einmal mehr spielte das Wetter in allen von Südwestdeutschland erreichbaren Mittelgebirgen und am Alpennordrand überhaupt nicht mit. Regen bis 1300 Meter Höhe war vorhergesagt. Weiter oben würden die Wolken auf den Bergen kleben. Beide waren wir wenige Tage vorher krank gewesen, doch zumindest mir ging es mittlerweile wieder besser. Frau Harzwinter gab mir skifrei.
Abgesehen von den üblichen doofen Baustellen auf der Autobahn 5 konnte ich die Anfahrt von Ettlingen nach Cari in 3:25 Stunden optimal im Tiefflug absolvieren - mein Limit für einen gelungenen Tagesskiausflug liegt sonst eigentlich bei 3:00 Stunden.
Cari ist eine Feriensiedlung, die in rund 1600 Metern Höhe hoch über der Leventina am Hang liegt. Von Faido aus heißt es eine Viertelstunde lang Serpentine um Serpentine Höhe gewinnen. Die Fahrt führt durch mehrere eng gebaute Tessiner Bergbauernweiler, bis man endlich am Ziel eintrifft. Wie am Wochenende die Autokennzeichen im zugeparkten Ort verraten, besitzt offenbar die Hälfte aller Tessiner Einwohner in Cari ein Chalet oder Appartement.
Positiv anzumerken ist, dass Cari die Parkplatzzuweisung am Wochenende an einen privaten Sicherheitsdienst vergeben hat. Der macht seinen Job mit bemerkenswert vielen Einweisern sehr gut und trotzdem ohne Parkgebühr. Wenn alle regulären Parkplätze im Ort belegt sind, müssen späte Besucher ihr Fahrzeug anderthalb Kilometer unterhalb des Ortes an der Serpentinenstraße parken und Bus fahren - hart, aber akkurat.
Cari ist "nur" ein Kleinskigebiet. Früher verrichteten hier eine WSO-DSB und ein WSO-Schlepplift ihren Dienst. Heute sind es unten die 2KSB Brusada und oben die 4KSB Lago di Cari, von denen die letztgenannte auf eine sehr individuelle, Tessin-typische Entstehungsgeschichte zurückblickt.
Der Trumpf Caris ist neben der wohltuenden Südausrichtung die erfreuliche Vielfältigkeit der von den beiden Sesselbahnen erschlossenen Pisten. Offene Hänge, Geländekammern, Waldabfahrt, Steilhänge, Pistenautobahn, blaue, rote, schwarze Abfahrten - alles ist da. Und bei jeder Abfahrt hat man die Weite der Leventina vor Augen und die Sonne vis-a-vis. Schöner und abwechslungsreicher geht es für ein Kleinskigebiet kaum. Und so ist Cari ein idealer Kandidat für einen Tagesskiausflug. Eigentlich wollte ich den Skitag in Cari etwas früher abbrechen und vor der Heimfahrt dem Skihang von Prato Leventina unten im Tal einen Besuch abstatten. Mein Kopf weigerte sich jedoch, die schönen Sonnenhänge gegen einen schattigen Nordhang im Talboden zu tauschen, also habe ich es sein lassen.
Vormittags zogen noch ein paar Wolkenfelder vom Schlechtwetter der Alpennordseite durch, dann blieb es durchgehend schön. Zu meinem Favoriten wurde diesmal die namenlose südseitige schwarze Piste ab 4KSB-Bergstation, die in die ebenfalls namenlose FIS-Abfahrtspiste übergeht. Angesichts der vielen Wochenend-Kinderskischulen im Gebiet trat ich die Mittagspause vorzeitig an und bekam einen Platz auf der Sonnenterrasse des Restaurants Belvedere an der Mittelstation. Die vom Höhen-Seillift erschlossene Riesenslalom-Strecke war offiziell für ein "Jedermann"-Rennen reserviert. Ich fuhr sie nach meiner Rast, als der Seillift eine Mittagspause einlegte, ohne Rennteilnahme. Wie fast alle Abfahrten ist übrigens nicht einmal die Waldabfahrt anspruchslos; auch sie macht Spaß. Alle Abfahrten bieten mehrere kleine Varianten, die sämtlich präpariert werden.
Natürlich durfte auch ein Besuch beim schönen, alten WSO-Skilift Pro da Lei nicht fehlen. Seine oberste, einspurige Gitterportalstütze ist quasi ein Logo Caris; die Betreiber wissen es bloß nicht.
Fazit: Trotz überdimensionierter Anfahrt war die Entscheidung für die Flucht auf einen Tessiner Südhang richtig und hat mir einen tollen, sonnigen Skitag ermöglicht. Cari macht Spaß und Lust auf Wiederholungsbesuche!
Fotos:
Talstation 2KSB Brusada am Morgen.
Trasse 2KSB Brusada quert die Waldabfahrt.
Die Mittelstation Brusada kommt in Sicht.
Weiter mit der 4KSB Lago di Cari.
Bergstation 4KSB Lago di Cari.
Ein Wolkenfeld zieht vormittags durch und färbt die Szenerie ganz anders ein.
WSO-Schlepplift Pro da Lei, leider nicht aufgebügelt ... für mich DAS Logo Caris!
Waldabfahrt.
Piste am Lago di Cari mit Blick in die obere Leventina.
Piste an der 4KSB.
Piste mit Kapelle ... und immer die Sonne vis-a-vis!
WSO-Gitterportalstützen des SCHL Pro da Lei ... für mich ein Schweizer Kulturdenkmal, dessen offizielle Anerkennung als solches überfällig ist!
Kinderland mit Förderband auf Brusada.
Schlepplift- und 4KSB-Station einträchtig nebeneinander ... ob der Schlepplift wohl erhalten wird? Um 2003 herum wurde er komplett überarbeitet.
Bergrestaurant Belvedere auf Brusada.
Bar an der Bergstation Lago di Cari.
Die großartige FIS-Abfahrt, mein Tagesliebling.
Schwarze Variante am Schlepplift.
Und nochmal hoch mit der 2KSB, weil's so schön ist ... wir passieren den oberen Teil der Waldabfahrt.
Nachmittagsimpression an der 4KSB.
Infrastruktur-Ensemble an der Mittelstation Brusada.
Schwarze Piste am Lago di Cari.
Selbige noch einmal mit Blick durch die Leventina.
Die Schatten werden länger. Letzte Abfahrt ...
... durch einen Weiler von Cari. Ein schöner Skitag geht zu Ende!