Kampenwand | 29.01.2012 | Museum im Nebel II
Zeit für etwas Gefühlsduselei: Seit Jahren, ach was sag ich, seitdem ich als Kind der Kampenwandbahn meinen ersten Sommerbesuch abgestattet hatte, standen die drei Winteranlagen dort oben auf meiner absoluten Prioritätsliste. Letztes Jahr im Februar, pünktlich zu meinem Urlaub in Ruhpolding, konnte leider aufgrund der Schneelage kein Skibetrieb angeboten werden und die Saisons davor trieb ich mich eher in Allgäuer Gebieten herum. Es dürfte daher nur nachvollziehbar sein, dass ich bei der Planung des diesjährigen Urlaubes in Tirol den Kampenwandbesuch auch irgendwie mit einbauen wollte. Der Routenplaner gab an, dass die Fahrt von unserer FeWo in Leutasch nach Aschau gute 90 Minuten dauern würde, eigentlich eine vertretbare Fahrzeit, aber ich wollte mir mein Limit diesbezüglich etwa auf 60 Minuten legen. Es wurde also kurzerhand entschieden, die Fahrt ins Urlaubsglück um einen Tag auf den Samstag nach vorn zu verschieben, abends ein günstiges Zimmer in Aschau zu nehmen, um dann vor der Weiterreise am Sonntag nach Leutasch einen schönen halben Tag auf der Kampenwand zu verbringen. Eine passende Begleitung hatte sich schnell gefunden, wer ausser vovo würde nicht Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um sich solch einen Tag voller alter Liftschätze nicht entgehen zu lassen?
Nach einer unfallfreien Autobahnfahrt am Samstag wurde das gebuchte Zimmer in Aschau bezogen und der Urlaubsbeginn in einer dortigen Gastronomie gebührend mit gut bürgerlicher Küche und einer Maß gefeiert. Am nächsten Morgen verspätete sich die kurze Anfahrt zur Talstation der Kampenwandbahn, da ich den Urlaub nicht mit einem überhasteten Frühstück und dergleichen beginnen wollte. Per Handy machte ich den Treffpunkt mit vovo aus. Schlechter Handyempfang ließ mich ihn nur bruchstückhaft, aber ausreichend verstehen: ...Talstation Steinlinglift...tolle Piste...weiss-grüner Uvex-Skihelm...
Am Parkplatz der Talstation angekommen, die Gebühr bekommt man an der Kasse auf den Liftpass angerechnet, gab es dann auch bei mir einen kleinen Schock: aus einiger Entfernung konnte ich den Pistenplan sehen und dort schien doch tatsächlich eine Anlage als nicht in Betrieb befindlich angegeben zu sein. Es handelte sich dabei aber nur um das lsap Weiße Wanne, Glück gehabt! An der Kasse kaufte ich mir eine Vormittagskarte (9.00-12.30) für 20,50€, machte die erste Auffahrt allerdings erst um 9.30 Uhr. Wer hat einen Rechenschieber parat um auszurechnen, wieviel Geld ich der Kampenwandbahn bezahlt habe, ohne dafür die Gegenleistung der Lift- und Pistenbenützung in Anspruch zu nehmen? Und um wieviele Tage habe ich dann auf Grundlage dieses Betrages, ganz nach dem in sich stimmingen Rüganer'schen Prinzip, die Insolvenz der Betrieber beschleunigt, indem ich für einen halben Tag keine Tageskarte löste? Naja, vielleicht wäre das doch besser eine spannende Aufgabe für das kompetente Team von Galileo Mystery...
^Ausblick bei der Auffahrt, erste Titelideen waren schnell gefunden
^Dies ist nicht der Eingang zum örtlichen WC, sondern der Ausgang der Bergstation.^
^Letztere befindet sich nun hinter mir, rechts am Bildrand erkennt man die Bergstation des kurzen SLs Weiße Wanne. Eine ausführlichere Dokumentation dazu findet sich hier.^
^Um das Standardmotiv hier oben in den Kasten zu kriegen, ließ ich vovo am Steinlinglift weiter seine Runden drehen... Schade eigentlich, dass der SL Weiße Wanne nicht hier parallel zur Kampenwandbahn verläuft. Der Hang ist eigentlich nicht schlecht, wenn auch etwas kurz.^
^Den ganzen Morgen überlegte ich, auf welche Anlage ich mich am meisten freute. Den Zuschlag erhielt dann letztlich der ESL Roßleiten, dessen Bergstation man hier sehen kann und welche später aus allen möglichen Perspektiven geknipst werden sollte
^Vorbei an der Bergstation der DSB Kaltwasser...^
^...und einmal unter dem ESL gequert...^
^...ging es dann schnurstracks zum Steinlinglift, einem archaischen Schleppliftdinosaurier von PHB. liftworld hat keine Angabe zum Baujahr, kann da eventuell jemand aushelfen?^
^Um mal etwas Farbe ins Spiel zu bringen... Im Liftstüberl bekommt man (auch im Sommer übrigens) einen ausgezeichneten Kaiserschmarrn! Nach wenigen Minuten hatte mich vovo, der an dem Tag wieder als einarmiger Bandit unterwegs war, gefunden und der gemeinsame Ski(vormit)tag konnte beginnen.^
^Manchmal stimmt einfach das Timing! Als wir am Einstieg auf den nächsten Bügel warteten, stand der Lift für ein paar Minuten still. Dies gab uns die Möglichkeit einen Blick auf das Herzstück der Anlage zu werfen, das Foto ist aber leider nicht wirklich was geworden
^Schließlich ging die Bergfahrt los, den von vovo erwähnten Trassenblick auf das Steilstück bekam ich wegen des Nebels leider nicht drauf.^
^'Die kleine Nummer 8 wäre eigentlich auch was für den Garten' vs. 'Liebling, ich habe die Liftfahrer geschrumpft'
^Hier beginnt das Steilstück, in dem es später auch den ein oder anderen raushaute.^
^Die Abfahrten am Steinlinglift waren ein absoluter Traum, reiner Naturschnee, ein paar Kuppen, kein Eis oder Kunstschnee. Dennoch hatte ich innerlich keine Ruhe und wollte direkt rüber zum ESL wechseln, bevor an diesem aus welchen Gründen auch immer der Betrieb plötzlich eingestellt würde (manch einer wird davon ein Klagelied singen können).^
^Als der ESL dann in Sichtweite kam in offensichtlich noch in Betrieb war, gewährte ich uns dann doch die Zeit für einen kurzen Fotostop am klapprigen Niederhalter vor dem Waldsteilstück.^
^Das ist wirklich Pohlig at its best! Laut liftworld wurde die Anlage 1960 erbaut, ist nur im Winter in Betrieb, hat noch die alten Sessel und ist einer der wenigen Überlebenden Pohlig ESLte in der Gegend, nachdem viele Anlagen etwa am Rauschberg oder am Walmberg lange Geschichte sind. Schade, dass es das "Regelwerk für Schlepplifte" nicht auch für Einersessellifte gibt, der Roßleitenlift wäre sicher ein guter Kandidat!^
^Während vovo seine Ausrüstung wieder verpackte, nutzte ich den kurzen Moment der freien Sicht, um das Waldsteilstück abzulichten. Wenig später würde wieder alles im Nebel verschwunden sein.^
^Am Einstieg wartet eine unscheinbare Talstation, der Antrieb ist an der Bergstation ordentlich behaust.^
^Bei meinem letzten Sommerbesuch 2010 konnte ich den ESL nur von unten begutachten, es ist wirklich toll, dass so eine Anlage noch in Betrieb ist!^
^Elegant, zweckerfüllend und scheinbar auch langlebig.^
^Was ist das? Eine kleine Lawinensprengbahn?^
^Die nachträglich angebrachten Leuchtröhren an den Stützen gefallen mir nicht so wirklich, aber das wäre jetzt Meckern auf höchstem Niveau...
^Das Kanonenrohr, eine nicht-präparierte schwarze Piste.^
^Winterwonderland meets ESL, kurz vor der Bergstation dankenswerterweise ohne Nebel.^
^Der Skistock soll verhindern, dass man die Bergstation auf dem Bild übersieht
^So in etwa muss es auch am Wallberg an den Stationen der Kirchhangerlbahn ausgesehen haben, mittlerweile stehen dort nur noch die Gebäude und Fundamente.^
^Als letzte Premierenfahrt stand die DSB Kaltwasser auf dem Programm. Sie wurde (ebenfalls) laut liftworld 1977 von DM gebaut und ist somit die neueste Anlage im Gebiet. Ihr Zweck als Rückbringer ins Hauptgebiet ab etwa der Hälfte der Talabfahrt ist meiner Meinung nach durchaus sinnvoll. Bei mangelnder Schneelage im Tal kann man dadurch eine halbe Piste mehr anbieten und der Teil der Talbabfahrt bis zur Talstation der DSB ist wie ich finde auch attraktiver als das Schlussstück bis zum Parkplatz.^
^DM hin oder her, diese DSB-Bauart gehört ja mittlerweile auch schon zur aussterbenden Art. Die alten Sesseln und die Auffahrt durch den Nebel wussten ebenfalls zu gefallen.^
^Während der Auffahrt herrschte eine tolle Stimmung und das garnicht mal wegen interessanter Gespräche zweier Nostalschiinteressierter.^
^Blick zurück in den Nebeltopf, auf den Pisten gab es den unschönen Blindflug über Kuppen und Kanten aber zum Glück nicht.^
^Der einarmige Bandit weist den Weg
^Nun war es an der Zeit für einige Wiederholungs- und Genußfahrten, zunächst am ESL.^
^Drüben am Steinlinglift war gerade nichts los.^
^Und nochmal die Bergstation,links herum gelangt man wohl über einen kleinen Fußweg zurück zur Bergstation der Kampenwandbahn.^
^Auch am Steinlinglift hatte sich der Nebel nicht verzogen, gegen Mittag wurde dieser eher etwas dichter.^
^Der Steilhang forderte seinen Tribut, mit Kindern ist das sicher kein Zuckerschlecken von hier aus zurück zur Piste zu kommen.^
^lsap-Liftlerhäusle
^Eine letzte Auffahrt mit der DSB, danach wollten wir die Talabfahrt probieren.^
^Die Bullys stehen im letzten Drittel der Talabfahrt praktisch mitten im Wald.^
^Zum Abschluss noch ein paar Aufnahmen der Kampenwandbahn, erbaut 1957 von Hasenclever.^
^Verschwommene Bergstation^
^Im letzten Stück der Talabfahrt gibt es diese Auswahl, wir entschieden uns für Blau, eine Verletzung am ersten Urlaubstag wäre sonst etwas für die Kategorie Epic Fail gewesen...^
^Ein toller gemeinsamer Ski(vormit)tag ging schließlich zu Ende, vor dem Abschied vereinbarten vovo und ich dann noch die Einzelheiten für die am Tag darauf folgende gemeinsame Tour.^
Kaiserblicklift Sachrang
Bevor es dann endgültig in Richtung Leutasch ging, entschied ich mich, angestachelt durch münchners Bericht, noch für einen kurzen Halt am Kaiserblicklift, welcher praktischerweise direkt auf dem Weg nach Tirol lag. Neben dem Bergschlepplift in Wagrain, war dies mein erster Schlepplift von Stemag, den ich bisher bewusst gefahren bin.
^Auf dem Parkplatz war einiges los, viele Skikurse und Familien mit Kindern tummelten sich am Kaiserblicklift und den umliegenden Seilliften. An der Kasse löste ich 2 Einzelfahrten für je 1,50€ und stapfte zum Einstieg.^
^Am Einstieg gab es die erste richtige Wartezeit des Tages (auf einem späteren Bild zu sehen), es dürften so 5-10 Minuten gewesen sein. Mich störte es wenig, ich freute mich eher für die gefüllten Kassen der Betreiber.^
^Aufgrund der Warteschlange wollte ich nicht der Flegel sein, der allein im Bügel nach oben fährt und so ging es zusammen mit einem Knirps nach oben.^
^An diesen Stemagliften gefallen mir irgendwie die Gegensätze. Einerseits hat man diese doch bulligen Gitterportale, andererseits wirken die Seilrollen, zusammen mit den Umlenkungen, dem Antrieb und den Kurzbügeln doch geradezu winzig. Dazu die rote Farbgebung und die alten Gehänge, einfach nett anzusehen.^
^Kurz vor dem Steilstück fragte ich den Knirps, ob er wirklich bis ganz hinauf fahren wolle (ich hatte den Bügel - wie so manch lächerlicher Halbstarker seine Hose - in den Kniekehlen hängen), was er bejahte. Letztlich ging aber alles gut.^
^Der einseitige Niederhalter kurz vor dem Steilstück.^
^Blick auf den ersten flacheren Streckenteil.^
^Rechts im Hintergrund gibt es ein paar Seillifte. Für Anfänger scheint das hier ein perfektes Gelände zu sein.^
^Arbeitslose Schneekanone^
^Die Warteschlange hatte sich in der Zwischenzeit nicht wirklich verkürzt und so entschied ich, es bei einer Fahrt zu belassen und den gelösten Einzelfahrschein der heimischen Liftkartensammlung zu übergeben. Die Fahrt nach Leutasch gelang dann ohne große Vorkommnisse, lediglich die Geschwindigkeitsbegrenzung im Inntal auf 100 km/h nervte mich noch genauso, wie schon im Sommer. Dennoch schaffte ich es pünktlich, um noch die Internetradioübertragung des grandiosen 3-0 Erfolg der Gladbacher Borussia über den VfB Stuttgart mitverfolgen zu können. Der Skiurlaub hatte einen perfekten Beginn genommen