Anfahrt: Ettlingen - A8 - A7 - Füssen - Fernpass - Imst - Pitztal 3:45 h
Wetter: Sonnig, zwischenzeitlich Durchzug von Wolkenfeldern, -5°C am Gletscher bis +5°C in Mandarfen
Schnee: Jede Schneequalität zwischen Pulverschnee im Gletscherskigebiet und Sulz in Mandarfen. Stets genug Schnee zum Skifahren.
Anlagen geöffnet: Alle
Gefallen: Wetterbedingt richtige Zielentscheidung getroffen; Skigebiet Rifflsee
Nicht gefallen: Einführung unpassender Marketing-Kunstnamen für Infrastruktur im Skigebiet
Bewertung: 5 von 6 Punkten
Internet: http://www.pitztaler-gletscher.at/
Pistenplan Pitztal © http://www.pitztaler-gletscher.at.
Eigentlich sollte jetzt bei den Schneeberichten ein Beitrag vom Schilthorn und den Diablerets stehen, denn Frau Harzwinter und ich wollten eine Wochenend-Skifahrt in die Schweiz unternehmen und wollten in Anbetracht der Frühlingstemperaturen hoch hinaus. Doch am Vorabend der Fahrt wurde klar, dass das Wochenendwetter in der Mittel- und Westschweiz wacklig werden und der Sonntagvormittag von Westen aufziehenden Regen bringen würde. Also wurden die Pläne spätabends gekippt und von Destination Schweiz auf Tirol umgeschwenkt. Unser südöstlichstes Ziel für eine Wochenend-Skifahrt ab Ettlingen mit Übernachtung ist das Pitztal (ab Raum Karlsruhe ca. 3:45 h Anfahrt, wenn alles klappt). Wetterseitig lagen wir mit der Zielentscheidung tatsächlich richtig, wie wir am Ende der Skifahrt feststellten.
Die Anfahrt ins Pitztal über den Fernpass am Samstag verlief störungsfrei, wenn man vom Traktorfahrer absieht, der die halbe Fernpassstraße und weiter durch Imst bis ins Pitztal unüberholbar vor unserer Fahrzeugkolonne her fuhr. Unsere Wartezeit auf den Gletscherexpress in Mittelberg betrug gerade mal 5 Minuten und sollte die einzige des Skiausflugs bleiben. Am Gletscher erwarteten uns Sonnenschein und Pulverschnee, nachmittags zogen einige Wolkenfelder durch, bis es wieder sonnig wurde.
Als Gletscherskigebiet bietet der Pitztaler Gletscher keine alpinskiseitigen Herausforderungen, das war vorher klar. Abwechslungsreicher als der Kaunertaler Gletscher ist er aber allemal. Unser letzter Besuch am Pitztaler Gletscher war 2004, da gab es den Sicherheitsweg noch nicht, und auf der Trasse der heutigen EUB Mittelbergbahn liefen noch die Mittelbergjoch-Schlepplifte.
Erfreut haben wir gelesen, dass die Pitz-Panoramabahn zum Sommer 2012 einer EUB weichen wird. Dazu stehen bereits drei Stützen der Bauseilbahn neben der bisherigen Trasse. Die Technik der bestehenden Gruppenumlaufbahn ist zwar individuell und interessant. Sie mit Skiequipment im Arm zu benutzen und minutenlang in der unbequem konstruierten, vollgestopften Bahn in der Mittelstation darauf warten zu müssen, dass im Tal die Gäste ein- und am Berg aussteigen, ist einfach nur lästig. Ich werde der alten Bahn nicht nachtrauern. Mit der neuen EUB wird man die wohl schönsten Abfahrten des Gletscherskigebiets am Hinteren Brunnenkogel intensiver nutzen können. Warum die neue Bahn dann unbedingt Wildspitzbahn heißen muss statt Brunnenkogelbahn oder weiterhin Pitz-Panoramabahn, wird wohl niemand verstehen außer der Marketingagentur, die sich mit dieser irreführenden Titulierung durchgesetzt hat. Auch die neue Bahn fährt nun mal nicht auf die Wildspitze.
Das Panorama vom Hinteren Brunnenkogel als Österreichs höchstem Seilbahnberg (3440 m) vermag mich nach wie vor nicht nachdrücklich zu begeistern, wenn man vom Blick auf die prächtig vergletscherte Wildspitze absieht. Zu ähnlich sehen sich all die anderen Felskegel, und noch nicht einmal die steilen Dreieinhalbtausender überm Pitztal wirken vom Hinteren Brunnenkogel eindrucksvoll. Aber beim Betrachten der Wildspitze denke ich gern an deren Besteigung im Jahr 2002 zurück.
Unseren Skitag auf dem Gletscher verbrachten wir größtenteils auf den diversen Pisten der Mittelbergbahn. Die schwarze Abfahrt "Schweizer Weg" an der EUB Mittelbergbahn war bei unserem Besuch leider gesperrt, laut anderen Skigästen wegen verblasenen Schnees und Steinen auf der Trasse. Die Talfahrt traten wir per Gletscherexpress an. Bevor wir den Sicherheitsweg ausprobieren, möchten wir uns über seinen Lawinengefährdungsstatus informieren, wofür wegen der kurzfristigen Zielentscheidung am Vorabend keine Zeit mehr verblieben war.
Als Übernachtungsdomizil fanden wir überraschend schnell ein preiswertes, gutes Hotelzimmer in Tieflehn; damit hatten wir gar nicht gerechnet. Das viele gute Essen im Hotel wird uns einige Zeit auf der Waage nachverfolgen ...
Für den Sonntag stand zunächst das Rifflsee-Skigebiet auf dem Programm, das wir bis dahin noch nicht besucht hatten (außer im Wanderurlaub 2002, aus dem mir die übermäßigen Geländeplanierungen am Grubenkopf in Erinnerung geblieben waren). Option war, mittags noch einmal auf den Gletscher zu wechseln. Doch da uns das Rifflsee-Skigebiet wegen der anspruchsvolleren Abfahrten besser gefiel als das Gletscherskigebiet, blieben wir bis zur Abreise dort. Das Skigebiet Rifflsee versucht sich trotz seiner vornehmlich roten und schwarzen Pisten als Familienskigebiet zu profilieren. Und so hat man dort den früheren Mulden-Schlepplift durch eine dieser kuppelbaren Hochsicherheits-Sesselbahnen mit Kinderdurchrutschsicherung, automatischem Bügelverschluss und verkümmerter Fußraste ersetzt, die ich nicht mag. Sunna-Alm heißt die recht neue Anlage, benannt nach der hilflos titulierten Verpflegungshalle neben der EUB-Bergstation, die 2007 dort hingestellt wurde, wo gar keine Alm war, sondern das "Bergrestaurant Rifflsee".
Der Skitag am Rifflsee hat uns gut gefallen, vor allem die rasanten Abfahrten vom Grubenkopf und die Pause auf der sonnigen Taschachalm, die - warum auch immer - in "Pitztaler Schihütte" umbenannt wurde. Das versteh' wer will - im Gegensatz zum Artefakt "Sunna-Alm" handelt es sich hier wenigstens um einen historischen Almstandort. Der letzte Talabfahrtsteil von der Taschachalm hinunter nach Mandarfen (Schussstrecke) wurde für uns übrigens zu genau dem Wasserskifahren, das wir ansonsten mit der Wahl des relativ hoch gelegenen Skiziels gut vermeiden konnten.
Zum Abreisezeitpunkt zog von Westen geschlossene Bewölkung auf, und auf der Autobahn-Heimfahrt durchs Allgäu Richtung Norden setzte schließlich strömender Regen ein, der uns fast bis in den Raum Karlsruhe erhalten blieb. Wären wir wie geplant zum Skifahren in die Schweiz gefahren, hätte es uns mindestens den halben Skisonntag verregnet.
Fazit: Das Pitztal bleibt für uns ein nettes Wochenend-Skiziel für schneearme Phasen oder bei hohen Temperaturen, das wir im mehrjährigen Zyklus ansteuern. Hoffentlich behält wenigstens das Pitztal selbst bis zu unserem nächsten Besuch seinen etablierten Namen ...
Fotos:
Ankunft in Mittelberg am Gletscherexpress. Vom Gletscherexpress hab' ich wegen des Ansturms auf die Wagenkabinen kein Foto machen können.
Gletscherrestaurant, 2840m. Es ist das einzige Restaurant auf dem Pitztaler Gletscher. Mit dem Neubau der Pitz-Panoramabahn 2012 wird auf dem Hinteren Brunnenkogel ein Café entstehen.
SCHL Brunnenkogel. Den hab' ich schon früher gern gemocht.
SCHL Brunnenkogel mit blauer und roter Piste. Na ja, eigentlich sind beide blau. Entspanntes Terrain.
Neubau Pitz Panoramabahn 2012 als 8EUB mit Gipfelcafé. Spaciges Design des Entwurfs.
Gletscherrestaurant als Mittagsziel.
Ölsardinenvergnügen Pitz Panoramabahn. Definitiv nicht für Skifahrerbedarf gebaut ...
... und das, obwohl sie am Hinteren Brunnenkogel die besten Skihänge des Pitztaler Gletschers erschließt.
Abschiedsfoto von der Gruppenumlaufbahn.
Blick vom Hinteren Brunnenkogel über die Piste der Mittelbergbahn zur Wildspitze, 3774 m. Durchs Mittelbergjoch in Bildmitte links bin ich 2002 mit Bergführer und Wandergruppe auf die Wildspitze hochgelaufen.
Wildspitze und Brochkogel mit Gletscherbruch.
Schöne rote Piste am Hinteren Brunnenkogel. Demnächst mit EUB besser nutzbar.
Rote Piste am Hinteren Brunnenkogel.
Piste vom Hinteren Brunnenkogel zur Mittelbergbahn.
8EUB Mittelbergbahn.
Mittelstation der Mittelbergbahn. Oben rechts die Bergstation Pitz-Panoramabahn auf dem Hinteren Brunnenkogel.
Mittelbergabfahrt mit Mittelbergjoch und Wildspitze. Nicht herausfordernd, aber landschaftlich schön.
Piste Mittelberg im unteren Bereich.
Gemeinsame Talstation Mittelbergbahn und 6KSB Gletschersee.
Bergstation Pitz-Panoramabahn von der Bergstation Mittelbergbahn gesehen.
Blick aus der 6KSB Gletschersee aufs Infrastruktur-Ensemble rund um die Bergstation des Gletscherexpress. Im Sommer ist hier stets ein einziges Bau-Schlachtfeld ...
Habe fertig. Nach der Talfahrt im Gletscherexpress.
Talstation 8EUB Rifflseebahn in Mandarfen am Sonntagmorgen.
Talstation Rifflseebahn. Steil fährt die Bahn den Hang hinauf.
Technik in der Talstation Rifflseebahn. Über die orangefarben lackierte Metallrampe erfolgt die Kabinengaragierung eine Etage tiefer.
Blick aus der Rifflseebahn aufs Hoteldorf Mandarfen.
Das Grießtal, durch das der "Notweg" vom Pitztaler Gletscher verläuft, gesehen aus der Rifflseebahn. Wie selbst der Laie erkennt, ist hier mit Lawinengefahr nicht zu spaßen.
Bergstation Rifflseebahn.
Skiberg Grubenkopf, 2800 m. Fürs gute Skifahrergewissen ein Stück zu heftig planiert, sonst klasse. Vorn die Fläche des Rifflsees.
Grubenkopf-Pisten mit 4KSB.
Rote Piste am Grubenkopf mit Blick ins Söldener Gletscherskigebiet am Rettenbachferner oben rechts im Bild.
Schwarze Piste am Grubenkopf. Hinten mittig die Hohe Geige, mit 3393 m höchster Berg des Geigenkamms überm Pitztal.
Schwarze Piste am Grubenkopf. Mittig die 4SB Muttenkopf. Hinten rechts das Grießtal.
Zoom zum Söldener Rettenbachferner samt Skigebiet. Wer genau hinschaut, erkennt auf der Gletscherfläche die Stützen des Schlepplifts an der Inneren Schwarzen Schneid und oben auf dem Grat die Bergstation der vom Tiefenbachgletscher herüberführenden Sesselbahn.
Rote Piste am Grubenkopf.
Zoom zur Hohen Geige, 3393 m. 2002 bin ich von Plangeross raufgelaufen. 1781 Höhenmeter als Tagestour.
6KSB Sunna-Alm, so ein Ding mit Kindersicherung und Mini-Fußrasten, obwohl sie vorwiegend rote und schwarze Pisten bedient. Ersetzte den SCHL Muldenlift. Wenigstens hat man den Benutzern gelbe Hauben erspart.
SCHL Hirschtal an der Bergstation der Rifflseebahn mit Grubenkopf.
Rifflseehütte. Hier war es bei unserem Besuch ziemlich windig, weshalb die Skigäste lieber auf der Taschachalm pausierten.
4SB Muttenkopf mit schwarzer und roter Piste.
Taschachalm, herrlich windgeschützt und sonnig an der Talabfahrt vom Rifflsee gelegen. Die gewaltige Portionsgröße der servierten Mahlzeiten sorgte bisweilen für irritiertes Lachen der Gäste ...
Schussstrecke von der Taschachalm zurück zur Talstation der Rifflseebahn. Die eigentliche Abfahrt liegt gesperrt ein Stück höher am Hang und ist mit vielen Lawinenkegeln dekoriert.