Anfahrt: Ettlingen - A5 - Basel - A2 - Luzern - Engelberg 3:20 h wegen Autobahnsperrung bei Bühl (normalerweise 3:00 h)
Wetter: Vormittags sonnig, nachmittags föhnig-heiter bis sonnig, Temperaturen zwischen -3°C bis +1°C auf 3000m und +8°C bis +20°C auf 1000m. Im Hauptskigebiet nachmittags bis +8°C.
Schnee: Engelbergertal grün, Trübsee geschätzt 150 cm Nassschnee, Gipfelbereich Pulver; Talabfahrt auf Kunstschneeresten geöffnet.
Anlagen geöffnet: Alle außer SCHL Untertrübsee. Skigebiet Brunni im Saisonschluss.
Wartezeiten: Keine.
Gefallen: Bestes Skiwetter seit und für längere Zeit erwischt; Austoben in großem, leerem Tagesskigebiet.
Nicht gefallen: Nix.
Bewertung: 6 / 6 Punkte
Website: http://www.titlis.ch/
Interaktiver Pistenplan: http://ski.intermaps.com/Engelberg_Titlis/SDDSmap.asp
Pistenplan:
Es ist wieder April und damit Zeit, über einen Skitag in einem typischen Frühjahrsskigebiet nachzudenken. Eigentlich wollte ich die Osterfeiertage für einen entsprechenden Tagesskiausflug nutzen. Aber wie schon an den Weihnachts- und Neujahrstagen 2011/2012 war das Wetter an Ostern 2012 in allen von Ettlingen erreichbaren Tageszielen einfach zu schlecht. Und so hatte ich diesen Skitag bereits abgeschrieben, als ich am Ostermontagabend überrascht im Schweizer Wetterbericht las, dass der Dienstag in der Zentralschweiz dank spontanem Föhneinfluss ganztägig sonnig bleiben sollte, bevor von Westen Regen folgen würde. Also den Chef angemailt, Urlaubsantrag eingereicht, und es konnte los gehen. Da es warm werden sollte, erhielt das Engelberger Titlis-Skigebiet den Vorzug vor Melchsee-Frutt. Andermatt wurde wegen der engeren Nachbarschaft zum schlechten Südalpenwetter verworfen.
Die Anfahrt gestaltete sich wegen Lkw-Unfall-bedingter Autobahnsperrung im A5-Baustellenbereich bei Bühl etwas länger als sonst. Exakt bei meinem Eintreffen im Engelbergertal zog die Bewölkung von dort nach Osten ab. Es hatte am Vortag bis ca. 800m herunter geschneit, was für den Folgetag erneut angekündigt war. Wegen deutscher Osterferien hatte ich in Engelberg mehr Andrang als sonst erwartet. Stattdessen blieben Parkplatz und Titlis-Skigebiet überraschend leer, was den Skitag sehr entspannt gestaltete. Die Gerschnialp präsentierte sich viel weißer als in den Vorjahren um die selbe Jahreszeit. Erstmalig habe ich dort im April den Schlepplift in Betrieb gesehen! Der gewohnte, große Lawinenkegel vom Laub fehlte diesmal ... d.h. hier kommt irgendwann demnächst die mächtige Schneelast des Laub als Lawine herunter.
Über Ostern war im Titlisgebiet rund ein halber Meter Neuschnee gefallen. Entsprechend schön fuhren sich IceFlyer- und Roteggpiste im Pulverschnee. Selbst die komplette Skiroute Stand erwies sich als Pulverschnee-Traum - toll, das hatte ich noch nie! Im Jochpass-Gebiet waren alle Abfahrten (außer der kurzen, schwarzen Graustockabfahrt) so gut präpariert wie bei keinem meiner letzten Besuche.
Schon am Vormittag wurde es im Skigebiet so warm, dass der Neuschnee am Laubersgrat feucht wurde und klumpte. Föhneinfluss blieb jedoch vorerst aus. Gegen Mittag zog von Westen ein großes Wolkenfeld auf, und ich meinte mich schon vom Genussskifahren verabschieden zu müssen. Doch dann setzte der Föhn ein, und nach nur zwanzig Minuten Bewölkungs-Intermezzo wurde es für den Rest des Tages wieder recht sonnig ... und noch wärmer! Aus dem Skigebiet konnte man schön sehen, wie der Föhn das am Frühnachmittag von der Westschweiz aufziehende Schlechtwetter aus dem Alpenraum heraus ins Mittelland drückte.
Die Mittagspause fand auf der Sonnenterrasse des Trübseehotels statt. Hier wird man vom Kindergewühl an der Snowtubingbahn unterhalten.
Das föhnige Prachtwetter hielt wie versprochen bis zum Nachmittag, so dass ich den Skitag bis zum Ende genießen konnte. Allerdings wurde das Skifahren im Nassschnee am Nachmittag sehr kraftraubend, und für Flachstücke vermisste ich Wachs auf meinen Ski ... Schade, dass die obere Etage des Jochpassgebiets auch im Frühjahr schon um 16:00 Uhr schließt. Die Talabfahrt vom Trübsee nach Engelberg war noch offiziell geöffnet und (kunst)schneeseitig unproblematisch. Wenn das Wetter kühl bleibt, wird sie sich möglicherweise noch zwei Wochen halten können.
Bei der Abfahrt aus Engelberg zeigte das Autothermometer 20,5° Lufttemperatur an - kaum zu glauben bei Schneefall bis 800m am Vortag und auch (angekündigt) am Folgetag! Das entspricht einem Temperatur-Pingpong von jeweils 21°C über drei Tage!
Die Rückfahrt nach Hause im Regen geriet nach Stau in Basel unter Zeitdruck, nachdem dem Verkehrsradio zu entnehmen war, dass die deutsche Autobahn 5 zwischen Bühl und Baden-Baden ab 20:00 Uhr für eine Nachtbaustelle in Fahrtrichtung Norden gesperrt würde. Eine Autobahnsperrung pro Tag reicht ... Um 19:56 Uhr war ich in Sicherheit.
Fazit: Die Entscheidung, spontan einen Urlaubstag für die Skifahrt zu opfern, hat sich gelohnt. Engelberg bleibt für mich nach wie vor ein Top-Frühjahrsskigebiet für einen Tagesausflug. Schaun wir mal, ob es die letzte Skifahrt der Saison war oder noch nicht.
26 Fotos:
An der Talstation der Engelberger Titlisbahnen hatte es über Ostern 2012 ein wenig Neuschnee gegeben. Etwas unwirklich wirken die abgetauten Skispuren des Vortages im Gras ...
Auffahrt mit der 6EUB zum Trübsee. Schön zu sehen der Neuschnee der Ostertage im Tal und am Südhang.
Skilift Gerschnialp in Betrieb - und das im April! Genau ein Jahr vorher war hier alles grün und der Lift bereits abgebügelt. Allerdings fehlt noch der Lawinenkegel vom Laub ... hier wird mittelfristig die Schneelast des Hangs herunterkommen.
Fahrt mit der PB Titilis Rotair und Blick auf die Station Stand und die 4KSB Laubersgrat.
Blick von der Aussichtsplattform Kleintitlis zur Felsformation des "Sitzenden Buddha". Dahinter die Wolken-"Wasserfälle", die das Schlechtwetter überm Tessin und Italien nach Norden drückt.
Asiatische Reisegruppen vergnügen sich am Kleintitlis.
PB Titlis Rotair mit Trübsee und Blick 2000 Höhenmeter tiefer ins Engelbergertal.
Piste IceFlyer mit Pulverschnee.
IceFlyer am Vormittag - fast keine Skifahrer unterwegs!
Bergstation Titlis am Kleintitlis am Vormittag. Wenig Betrieb für einen Osterferientag.
Skiroute Rotegg-Stand als Pulverschneetraum vormittags ein Riesenspaß.
Auf den Skipisten am Laubersgrat gab es vormittags auch noch Pulverschnee, was sich gegen Mittag schnell änderte.
Am Trübsee war es schon vormittags unglaublich warm.
Super präparierte Pisten am Jochstock ... und so leer.
Piste zum Engstlensee temperaturbedingt weich und schwer.
Spaß mit Alpendohlen auf der Aussichtsplattform Kleintitlis.
Aussichtsplattform Kleintitlis mit Gadmental und Berner 4000ern mittags beim Durchzug von Wolkenfeldern.
Skihang Rotegg auch nachmittags gut zu fahren ... und gähnend leer. Hinten zieht schon das Schlechtwetter ins Mittelland.
Piste Stand-Trübsee nachmittags. Unglaublich leer und unglaublich warm. Kraftskifahren war hier angesagt.
Blick aus der DSB Rindertitlis zur Infrastruktur am Trübsee. Auf der Terrasse des Hotels herrschten Sommertemperaturen.
Station Stand und PB Rotair. Das Gelände war von den Vortagen stark zerfahren - und das im Gletschergebiet bei teils schlechter Sicht ...
Schwarze Piste am Laubersgrat, schön zu fahren.
Blick von der 6KSB Jochstock über den Engstlensee nach Melchsee-Frutt. Hinten drückt das schlechte Wetter gegen den Föhn an.
Obere rote Piste vom Jochpass zum Trübsee. Die bin ich trotz so vieler zurückliegender Engelberg-Besuche wohl zum ersten Mal gefahren.
Offiziell geöffnete Talabfahrt bei Untertrübsee.
Talabfahrt im unteren Bereich. Schneeprobleme gab's noch keine.