Vorm Obsteig vom Alpspitz warnte der alte Wopfner: „Felix und a Fritz, passt's mir auf, grad oberhalb vom Innerwald geht’s grad runter bis zum Bichlbach! Das ist wirklich kein Hühnerspiel! So besoffen wie ihr seid, landet ihr noch auf Eurem Moserboden! Was müsst ihr auch so viel bichln auf der Alm!“
Nun – der alte Wopfner war im Recht, die ganze Nacht hatten wir gezecht in seinem Wein-Kellerjoch und Tatort aus Münster geschaut mit Börne und Thial. Viele Flaschen Bellevue waren über den Jordan gegangen und gesungen haben wir im Chor vor der Alpe das Lied vom wilden Kaiser. So ein Rausch am Berg ist schon lustig! Auch wenn der alte Wopfner uns dann predigte – im Stuhl sitzend:
„Jetzt verdi zornig, wenn's net bald a Ruh gebt's, werd' ich euch aus der Hütte ein weng' werfen!“
So legten wir uns auf die Polster klassisch hin und man hörte nur noch ein paar Mucken kogeln.
„Dem Kamp sein Vater ist hier abgestürzt!“, sagte der Fritz am nächsten Tag, als wir am Kofel vorbei patschten.
„Bertis' au!“, meinte ich nachdenklich.
Bald brauchten wir eine Pause, Mittag bahnte sich bereits an.
Wir hängten unsere Füße in den kalten Alpbach und knöpften am Hemd die Hornköpfl auf.
„Salve zum III.!“, rief ich und wir tranken noch einen Astberg trocken.
Bald waren wir wieder so blau, dass wir am Steinberg runter kogelten.
Doch wir hatten Glück und keiner zirog sich eine schlimme Verletzung zu. Nur den Fritz haute es aufs Marul. Ich lachte ihn aus und setzte mich damit ein wang in die Nesseln. Denn der Fritz war stark und hatte einen Nock wie ein Tschier und tratt auf der Alm nach mir.
„Du blöder Mutzkopf!“, rief er, „Stinkst eh wie die Biber hier!“
„Tu mer, du Bachl, den Gefallen und bleib brav!“, meinte ich, „Wir kennen uns hier eh nicht mehr aus, zaferna noch ein mal!“
„Ob Ladis wohl da unten liegt?“, fragte der Fritz, doch ich wusste es nicht.
„Wir haben noch einen ganz schönen Rest Höhe zu bewältigen!“, meinte ich, „Albert Schwende hat mal gesagt, lass dich vom Ross leiten oder frag den Hirsch am Egg!“
„Wur ich bloß kein Bauer geworden, sondern ein Kartenleser!“, stöhnte der Fritz, als wir in eine Grube thallten und es laut plabutschte.
„Jetzt krams ach mal die Karte hervor, da vorne müsst sein der Waag in die Stätt hinunter.“
Tatsächlich war dem so und wir gingen so schnell, dass ich sagen musst:“Fritz, ich kann nicht mehr, machen wir eine Pause in der Hütte da, ich bräucht ein Bett, neu!“
Dort waren aber viele Kühe und wir mussten uns einen Weg durch die Hörner bahnen.
„In so einer Hütt' hatte ich mein Erstes Mal mit der Luise im Heu höhe“, erzählte der Fritz.
„Die Luise hat auch mir recht gschwandt den Kopf verdreht, mehr als Birgits Köpfl. Damals als ich noch war in der Lehr in Moos. Einmal hab auch ich sie geramst am Berg im Zillertal“, sagte ich, „und die ist immer noch sehr vigil. Doch die Algund aus Vellau hat mehr Vorbau!“
„Sölden wir nicht besser hoch und weiter gehen, ich will endlich heim!“, sagte der Fritz nach einer Weile.
„Vent nochmal kurz wartest, ich gurgl mir noch Wasser im Mund hoch, mir ist grad ganz schlecht“; sagte ich.
„Wenn ich endlich bis bei mir daheim hinter bin, mach ich keinen Tux mehr!“, sagte der Fritz und gähnte.
„Bist a pfriemes Köpfl!“, entgegnete ich, als wir wieder weiter gingen.
Wir sahen noch eine schneiderweiße Gais am Berg inmitten der Alpenrosen und liefen hinab ins Tal.