Andermatt-Sedrun (März 13) - Frühjahrsklassiker
Wieder mal war Andermatt das Tagesziel gegen Endes des Winters, diesmal aber nicht bloss der Gemsstock, sondern die ganze Gotthard-Oberalp-Arena. Zu diesem Verbund gehören mehrere kleinere, unterschiedliche Skigebiete westlich und östlich des Oberalppasses, welche durch die Matterhorn-Gotthard-Bahn miteinander verbunden sind. Bekanntlich soll sich hier in naher Zukunft einiges ändern, darum also ein letzter Besuch im derzeitigen Zustand. Ich startete mit der 2SB Andermatt-Nätschen ins Skigebiet, da ich keine Lust auf die lange Warteschlange der Gemsstockbahn hatte.
vom Bahnhof aus erkennt man die 2SB hinauf zum Nätschen
auf dem Zubringer, Baujahr 1983
Das eher kleine, aber sonnige und recht leere Skigebiet Nätschen beginnt eigentlich erst ab der gleichnamigen Bahnstation. Die Hauptanlage ist die steile 4KSB Stöckli aus den 90er Jahren, die hier zwei Skilifte ersetzt hatte. Die Zweiersesselbahn wurde nur gebaut, um neben der Eisenbahn einen zweiten Zubringer zu haben. Ich freute mich über das traumhafte Wetter und genoss die Aussicht auf die Gotthardregion. Gegenüber ist der Gemsstock omnipräsent.
ein paar Meter nebenan startet die 4KSB
die steile 4KSB Nätschen-Stöckli
Bergstation auf 2314 Metern Meershöhe
gegenüber der Gemsstock - einfach ein klassischer Skiberg
Bahnhof Nätschen, im Hintergrund die untere Hälfte des Gemssstock-Gebiets
Eigentlich wäre die Schneelage gut gewesen. Da es aber wenige Tage zuvor weit hinauf geregnet hatte, und das Wasser anschliessend gefror, war es sowohl auf als auch neben den Pisten aalglatt. Darum war auf den steilen schwarzen Pisten leider nicht an unbeschwertes Fahren zu denken. Ausserdem war es durch den ständigen Wind sehr kalt. Windig dürfte es am Nätschen fast immer sein, darum stehen hier auch drei Windräder. Als störend habe ich sie aber nicht empfunden, auf den Pisten sieht man sie kaum.
nochmals die Hauptanlage und der Gemsstock im Hintergrund
Blick ins Urserental, rechts der Skilift Dürstelen
auf der blauen Dürstelen-Piste
im Skilift Dürstelen
Schliesslich stehen noch zwei Skilifte im Nätschen-Gebiet: Linkerhand ergänzt der Skilift Dürstelen die Sesselbahn, so dass man nach der breiten, blauen Piste nicht immer den Ziehweg zur Mittelstation fahren muss. Rechterhand erschliesst der recht kurze Skilift Grossboden noch ein, zwei zusätzliche Pisten, die aber nichts besonders sind. Am besten gefielen mir eindeutig die direkten Pisten an der KSB, ich hätte mir einfach etwas griffigere Schneeverhältnisse gewünscht.
Bergstationen und eines der drei Windräder
die vierte Anlage: Skilift Grossboden
eine kleine Erweiterung aus den 90ern
Wegstück zurück nach Nätschen
Einfahrt der MGB
Das Nätschen-Gebiet hatte ich relativ bald abgefahren. Spektakulär oder besonders speziell ist es nicht, aber ich hatte auch keine dahingehenden Erwartungen. Es ist eher die gemütliche Ecke der Skiarena, ähnlich wie etwa die Madrisa in Klosters. Nach 11 Uhr begab ich mich zur Bahnstation, um mit der Eisenbahn in Richtung Oberalppass und Sedrun weiter zu fahren. Die kurze Zugfahrt vom Nätschen zum Oberalppass war praktisch, um etwas zu essen und sich rasch aufwärmen zu können. Die Station selber hat ein spezielles Ambiente: ein Bahnhof umgeben von meterhohen Schneewänden, zu Fuss kommt man zu den beiden Restaurants, und dann gibt es noch den einen Skilift mit seinen Portalstützen. Autoverkehr und Strassen gibts hier nicht. Irgendwie ist das ein nostalgisches Flair, man fühlt sich 30 Jahre zurück versetzt. Wenn in zwei Jahren hier ausgebaut wird, dürfte dieses Flair leider der Vergangenheit angehören.
Aussteigen am Bahnhof Oberalppass
der beliebte Skilift Oberalp-Calmut
Das Skigebiet kam mir bald vertraut vor, schliesslich verbrachte ich vor 6 Jahren (die Zeit läuft!) schon eine Woche in Sedrun, die damals von kargen Schnee- und zweifelhaften Wetterverhältnissen geprägt war. 1988 wurde der Skilift am Oberalppass und das eigentliche Sedruner Skigebiet mit zwei fixgeklemmten Sesselbahnen verbunden. Die rauhe Landschaft und die Schiebestücke nehmen den Pisten hier ein wenig der Reiz, zudem laden die langsamen Lifte nicht gerade für Wiederholungsfahrten ein. Deshalb schlug ich den direkten Weg nach Cuolm Val ein.
auf der schwarzen Piste nach Val Val
gegenüber die Piste im Val da Stiarls
Ankunft bei den beiden Sesselbahnen im Val Val
4SB hinauf nach Calmut
Panorama nach Süden mit dem Lai da Curnera
Am Haupthang des Sedruner Skigebiets kann man es auf der breiten, coupierten Piste so richtig krachen lassen. Platz hat es genug, Kurven gibt es eigentlich keine. Wegen dem konkaven Gelände hat man nur selten einen Überblick über das Gebiet. Am meisten Spass machten die direkten Fahrten von Cuolm Val bis ganz hinunter nach Dieni. Auch hier war der Wind ausgesprochen stark, die 6KSB Mulinatsch war gegen diverse Böen zweiter Sieger und stand oftmals still. Mit dem kurzen Skilift Planatsch konnte ich wegen dessen Mittagspause nicht fahren.
eine der roten Pisten nach Mulinatsch, im Hintergrund Rueras und Sedrun
auf der 6KSB Mulinatsch, gebaut 2006
die beiden Sesselbahnen Dieni-Milez und Mulinatsch
auf der 4KSB Dieni-Milez, darunter die blaue Piste
kurz vor Milez auf der doch 2km langen Bahn
Das Dorfskigebiet Sedrun mit den Anfängerliften liess ich natürlich aus, aber für eine Fahrt mit dem Skilift Tegia Gronda blieb noch Zeit. Anstelle der linken Piste, die mir damals noch gefallen hatte, ist hier nun der Funpark angelegt. Da ich auch noch den Gemsstock auf dem Programm hatte und den vorgemerkten Zug nicht verpassen wollte, schlug ich bald den Rückweg zum Oberalppass ein. Noch eine Wiederholungsfahrt an der 4SB Calmut, damit alle Pisten abgefahren waren, bevor ich zum Schluss noch einige Male am Oberalp-Skilift fuhr. Ein Umlauf (Skilift und Piste) dauert hier etwa 7 Minuten. So kann man sich auf der rassigen Piste schön die Zeit vertreiben, bis der Zug einfährt.
eine Fahrt im Skilift Tegia Gronda mit seinen Portalstützen
Blick auf den Standardhang bei Milez
auf dem Rückweg zum Oberalppass, gegenüber der Pass Tiarms
Val Val mit der Sesselbahn nach Cuolm Val
auf der steilen 4SB Calmut
Calmut auf 2300 m.ü.M.
Kein Wunder, dass mir das Sedruner Gebiet bei Sonne und gutem Schnee besser gefallen hat als beim ersten Mal. Auch die Distanzen sind beachtlich, Andermatt liegt doch ein Stück weit entfernt von Dieni. Allerdings ist der Haupthang doch etwas eintönig, weshalb letztendlich die nostalgische und leicht puristische Ecke am Oberalp am meisten Spass macht. Angesichts des Skifahreraufkommens fuhr nicht nur ich hier am meisten.
Bei der Rückfahrt von Sedrun stieg ich bei der Station Nätschen wieder aus. Aber nicht für das Nätschen-Gebiet selber, sondern um auf der Passstrasse nach Andermatt zu fahren. Dann noch 10 Minuten Fussmarsch bis zur Talstation der Gemsstock-Bahn. Mittlerweile war es ungefähr 15 Uhr, trotzdem waren die Wartezeiten an beiden Bahnen ziemlich lang, an der oberen 4-5 Gondeln. So dauerte der ganze Transfer vom Oberalppass bis zum Gemsstock eine ganze Weile, mehr als eine Stunde. In der Zwischenzeit war das schöne Wetter vorbei, nach und nach zog ziemlich starke Bewölkung auf und es wurde unwirtlich.
Abfahrt auf der Passstrasse nach Andermatt
1. Sektion der Gemsstockbahn...
... und die 2. Sektion, eine beeindruckende Luftseilbahn
Trotz Wind, Kälte und Bewölkung machte ich den kurzen Abstecher auf die Aussichtsterrasse, und wurde dafür belohnt. Unterhalb der Wolken herrschte überraschenderweise eine erstaunlich gute Fernsicht, und so waren Dutzende von Alpengipfeln in allen Richtungen zu erkennen, beispielsweise die höchsten Gipfel der Walliser und Berner Alpen. Gute 2 Minuten hielt ich es aus, dann machte ich mich kurz vor der Ankunft der nächsten Gondel auf die Abfahrt. So blieb ich der Menschentraube fern und hatte die ganze Piste für mich alleine.
nebenan und weiter unten: das Skigebiet Nätschen
Gipfelpanorama: Aletschhorn, Finsteraarhorn, Fiescherhorn, Mönch, Lauteraarhorn und Schreckhorn (v.l.n.r.)
Gipfelpanorama: Monte Rosa, Strahlhorn, Weissmies, Lagginhorn, Mischabelgruppe, Pizzo Rotondo, Weisshorn und Grand Combin (v.l.n.r.)
Einfahrt in die schwarze Russi-Piste
Um 15.40 erreichte ich die Talstation des Lutersee-Lifts, die Zeit reichte gerade noch für zwei Fahrten vor Betriebsende. Ich war schon etwas enttäuscht vom mittlerweile schlechten Wetter - wie jedes Mal wenn ich am Gemsstock war. Denn darauf hatte am Morgen nichts hingedeutet. Besonders die Russi-Piste war bei diffuser Sicht und eisigem Wind kein grosses Vergnügen. Immerhin, auch hier war der Schnee abseits der Pisten dermassen hart dass eh nur Fahren auf den Pisten infrage kam.
im Skilift Lutersee
Pisten am Lutersee
vis-à-vis der Gemsstock-Hang
auf der 2SB zurück zur Gurschenalp
ein Blick retour zum Lutersee-Hang
Mit einer der letzten Gondel gings nochmals auf den Gipfel, für eine Fahrt auf der Sonnenpiste. Wie bei den letzten Besuchen fand ich es schade, dass der eigentliche "Haupthang" viel zu kurz ist im Verhältnis zur Anfahrt und den Schiebestücken danach. Dort gab erstaunte Gesichter und Worte von anderen Skifahrern, weil ich trotz der Kälte eine Kleinigkeit am Pistenrand ass und dafür die Handschuhe auszog. Anschliessend dann die Talabfahrt ganz hinunter nach Andermatt, für mich eine Premiere. Im Steilhang konnte ich mir beim Beobachten der hippen Freerider ein Schmunzeln nicht verkneifen. In grellen Farben, mit Helmkameras und teuren Skis bestückt, doch ihre Fahrkünste schienen dann doch sehr bescheiden zu sein.
der viel zu kurze "Haupthang" der Sonnenpiste
weiter unten auf der Sonnenpiste
Talabfahrt nach Andermatt
So um 1980 herum dürfte die Region eine spezielle Nummer gewesen sein: eine alpine Eisenbahnstrecke, und bei fast allen Haltestellen einer oder auch mehrere Skilifte. Auch heute noch war der Gesamtbesuch der Gotthard-Oberalp-Arena, das Gondeln von Skigebiet zu Skigebiet war ein interessantes Erlebnis, da sich die verschiedenen Skigebiet gut ergänzen. Man bedenke, dass der Skilift von Realp und das Dorfgebiet von Sedrun-Valtgeva auch noch dazugehören würden, leider nicht mehr das LSAP-Gebiet von Hospenthal. Jedenfalls wird die Arena mit den geplanten Erweiterungen ein neues Gesicht erhalten.