Im Kaprun-Prozess sind am Donnerstag im Salzburger Kolpinghaus alle 16 Beschuldigten von Einzelrichter Manfred Seiss freigesprochen worden. Den Männern war seitens der Staatsanwaltschaft vorgeworfen worden, für die Brandkatastrophe am Kitzsteinhorn vom 11. November 2000 mitverantwortlich zu sein. Bei dem Inferno sind 155 Menschen ums Leben gekommen.
13 Beschuldigte mussten sich seit 18. Juni 2002 wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst (bedroht mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren) und drei wegen fahrlässiger Gemeingefährdung (Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren) vor Einzelrichter Seiss verantworten. Mit seinen Urteilen war Seiss am 63. Verhandlungstag nicht dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft gefolgt.
Staatsanwältin Eva Danninger-Soriat hatte in ihrem Schlussvortrag am 20. Jänner 15 Schuldsprüche gefordert. Lediglich bei einem Mitarbeiter der Gletscherbahnen Kaprun AG, der mit der Evaluierung von Arbeitsplätzen betraut war, bat die Staatsanwältin, das Gericht möge die Ergebnisse des Beweisverfahrens entsprechend berücksichtigen. Alle Verteidiger hatten für Freisprüche ihrer Mandanten plädiert.
Bei den meisten Angehörigen stießen die Freisprüche auf absolutes Unverständnis. Einige fuhren nach der Urteilsverkündung weg und hörten sich die Begründung gar nicht mehr an. Man wolle zwar niemandem persönlich Schuld zusprechen, es sei aber unverständlich, dass es gar keinen Verantwortlichen für die Katastrophe mit 155 Todesopfern gebe, war der fast einhellige Tenor der Aussagen Angehöriger.
Infrastrukturminister Gorbach erklärte, dass das Unglück nicht mehr ungeschehen gemacht werden könne, aber alles getan werden müsse, um so etwas in Zukunft zu vermeiden. Der heutige Tag sei für ihn eine Mahnung, Anstrengungen konsequent fortzusetzen, damit solch ein Leid nicht mehr passiere, so Gorbach weiter.
© SN/APA.
Kaprun-Prozeß - Freispruch
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