Das mit den 250 km Pisten ist übrigens interessant: Gemäss Pistenplan sind es nämlich nach "kommender neuer EU-Regelung" nur 180. War mir gar nicht bewusst, dass nun wirklich eine EU-weite Regelung kommt? Was wohl die Stubaier und Laaxer dazu sagen werden...
Wetter:
Samstag/Sonntag: Kräftiger Schneefall, ca. 30-50 cm Pulverschnee. Teilweise Sturm.
Montag: Zuerst neblig und noch etwas Schnee, danach recht sonnig mit Wolken
Dienstag/Mittwoch: Jeweils sehr sonnig in der Früh, gegen Nachmittag Eintrübung und etwas Schneefall
Donnerstag/Freitag: Fast uneingeschränkter Sonnenschein. Deutlich wärmer.
Schneehöhen:
Die genauen Angaben kenne ich nicht, es lag aber überall recht viel Schnee, nur bei den untersten Abschnitten einiger Talabfahrten wurde es kritisch.
Wartezeiten:
Praktisch keine, ausser bei den PB auf den Pic Blanc und am Petites Rousses
Korblift-GUB Télécentre mit Kurvenstation
In der Télécentre. Grausam langsames Teil. Wir sind danach immer mit einem kurzen KSSL gefahren und anschliessend zu den Stationen der anderen Bahnen traversiert. Selbst zu Fuss gehen wäre schneller gewesen.
Am Sonntag herrschte zunächst starker Schneefall und Sturm, beim gemeinsamen Einstieg zu den beiden KSSL und der 4SB auf den Signal versuchte eine Bahnangestellte, die Skifahrer auf die KSSL zu lenken, die "schneller und wärmer" seien. War bestimmt auch so, wir versuchten es mit der 4SB und kamen, nach einem langen Stopp, nach 10 Minuten oder so durchfroren und ohne jede Sicht oben an.
4SB Signal. Unglaublich lahme Kiste. Die 3 parallelen KSSL von POMA sind viel schneller, aber mit ihrem Katapultstart für Snowboarder nicht ganz Ohne.
Aufgrund der schlechten Sichtverhätnisse fuhren wir vorwiegend im Waldbereich, z.B. die schönen Abfahrten nach Oz hinunter. Der Schnee war hier allerdings nicht so gut wie oben, da eine düne Schicht Pulverschnee auf hartem Untergrund lag und die Pisten doch ordentlich steil sind.
12EUB Poutran mit schöner Winterimpression. Der Winter 2013/14 kanns also doch
Am Montag fiel zuerst noch weiterer Schnee, danach klarte es aber rasch auf und als dann auch noch die Marmottes II rauf zum Gletscher auf grün umschaltete, gab es kein Halten mehr!
Gruppen-Funitel Marmottes II
Oben fuhren wir einige pulvrige Abfahrten an der 4SB Herpie, danach querten wir auf der nicht gepisteten Traverse rüber zur mittlerweilen geöffnete 4SB Glacier. Hier spielten sich Tragödien ab, auch ich blieb nicht verschont: Ich musste einer Skifahrerin ausweichen, geriet dadurch in den Tiefschnee und brach ein. Das Ausbuddeln und zu Fuss weitergehen war auf der Höhe von über 3000m doch sehr anstrengend...
Tragödien-"Piste"
Drüben am Glacier wurden wir aber dicke entschädigt: Feinster, fast hüfttiefer Powder lockte auf eine Abfahrt nach der anderen. Eine geniale Schneeschüssel da oben! Nur leider mit extrem lahmen alten POMA 4SB erschlossen. Und das nicht als einziger Bereich in Alpe d'Huez... Doch wer will bei solch traumhaften Bedingungen schon klagen, zumal in diesem schneearmen Winter!
4SB Herpie
Später fuhren wir dann die geniale Balcons-Abfahrt von der Marmottes-Mittelstation runter. Tiefer Pulverschnee, weit und breit nicht gewalzt, genial steil, eine Hammer-Abfahrt! Und wie ich höre, auch gar nicht so oft geöffnet...
Auf der Balcons
Balcons einige Tage später: Immer noch ungepistet und völlig leer
Einen Nachteil hat die Balcons: unten muss man ein gehöriges Stück zu Fuss wieder aus dem Kessel hochgehen, zumal als Boarder. Der Vorteil wiederum: Kaum Leute!
Am Dienstag dann der Moment, auf den alle gewartet hatten: Pic Blanc offen! Sofort machten wir uns auf, mit der PB nach ganz Oben zu fahren. Der sagenumwobene Berg ist ja launisch und manch ein unglücklicher Skitourist hat ihn während einer ganzen Woche nicht erleben dürfen. Wir aber hatten das Glück auf unserer Seite
PB 2700-Pic Planc
Einfach spektakulär, die stützenfreie Auffahrt in klassischer PB-Manier hinauf auf den genialen, ebenso klassischen Skiberg Pic Blanc!
Der Blick geht von über 3300m ganz runter auf gut 200m im Talbereich... Schon eine enorm spektakuläre Landschaft dort, selbst für den verwöhnten Schweizer!
Blick vom Pic Blanc nach Osten, unten rechts 4SB Glacier
Nun musste natürlich auch eine der längsten Abfahrten der Alpen (nach unseren Messungen 12km...), die legendäre Sarenne, gefahren werden. Schön lang, immer mit guter Neigung im roten Bereich verlaufend und natürlich mit ausgesprochenem Hintenrum-Charakter. Sowas mag ich sehr, und so konnte ich auch den im unteren Drittel mageren Schnee an diesem Südhang gut verkraften. Schade ist der etwas lange Ziehwegabschnitt am Schluss, der besonders bei bremsigem Frühjahrsschnee doch gehörig in die Knochen geht. Ging aber auch mit dem Board gerade noch so.
Sulzig und mit Steinen durchsetzt: Der letzte Steilhang der Sarenne
Eindrückliche Landschaft im unteren Abschnitt der Sarenne
Blick vom unteren Bereich des Signal de l'Homme über die Gorges de Sarenne rüber nach Alpe d'Huez
Nach einer Fahrt am schön langen, schnellen (!) und gut geneigten 6KSB Fontfroide, wechselten wir mit dem als "Scare Chair" beworbenen 4KSB Alpauris spektakulär durch die Gorges abtauchend wieder zurück nach Alpe d'Huez:
Steil in die Schlucht hinab
Meine erste Tunneldurchfahrt auf einer SB
Blick vom Signal zur Grande Rousses-Anlagenkette. Links die spektakuläre offene Bergstation der PB Alpettes - Rousses. Die Pisten im untersten Sektor in der Bildmitte sind extrem spassig und rasant zu fahren
Gut zu sehen die zwei prägenden Felsriegel, die sich durch einen Grossteils des Gebiets ziehen und zu interessanten "Canyon"-artigen Abfahrten führen.
Am Dienstag dann das nächste tunnelartige Highlight: Piste "tunnel" als offen gemeldet! Also sofort auf den Pic Blanc hoch und zum Tunneleingang abgefahren:
Tunneleingang mit technischen Daten und fremdem Skifahrer, der sich davor häuslich eingerichtet hatte
Der Tunnel ist mit Skiern gut, mit Board solala zu Befahren, ausser es kommen einem gerade diverse Skifahrer, die den Mut verlassen hat, wieder entgegen...
Im Tunnel
Der Einstieg in die Piste hat es bekanntlich in sich und sieht wohl auch jedes Jahr etwas anders aus...
Einstieg in die Tunnel-Piste
Ist der Einstieg einmal gemeistert, fährt sich die (nicht gewalzte) Abfahrt ganz ordentlich. Besonders mit dem Neuschnee war es durchaus ein Genuss. Der erste Teil ist tatsächlich recht steil, danach wird es aber etwas gemütlicher und insgesamt lebt die Abfahrt sicher auch vom genialen Tunnel und der spektakulären Aussicht.
Blick in die Tunnel-Abfahrt
Einige Tage später war der Schnee dann schon recht ausgefahren, hart und verbuckelt. Da spielten sich dann noch einige Dramen am Einstieg, aber auch weiter unten ab.
Ein Bergbahnmitarbeiter gab sogar Anweisungen und Tipps, wo und wie man einzufahren hätte
Tunneleinstieg stark verbuckelt
Pic Blanc, in der Bildmitte rechts der Ausgang des Tunnels. Schon eine geniale Trassierung dieser Abfahrt
Später fuhren wir die lange, aber auch recht künstlich trassierte "Fare" runter nach Vaujany. Das Schild am Anfang der Abfahrt, das vor wenig Schnee gewarnt hatte, stand da durchaus zu Recht:
Zustand der "Fare" ganz unten
Etwas nervig an der an sich schönen Abfahrt ist, dass danach zuerst eine grottenlahme GUB zurück zur Talstation der Dome des petites Rousses PB genommen werden muss.. Durchaus symptomatisch für ein Gebiet, dass zwar einen sehr interessanten, aber auch eher unkomfortablen Anlagenmix aufweist.
PB Vaujany-Alpette. Die Vorgängergondel stürzte kurz vor der Inbetriebnahme Ende der 80er bei einer Testfahrt ab
An den letzen Tagen sollten dann auch noch die bisher noch nicht berücksichtigten "Aussensektoren" der Grande Domaine du Ski berücksichtigt werden. Erst ging es nach Vaujany, wo einige POMA (was denn sonst, Grenoble ist um die Ecke...) 4SB einige sehr schöne Kammern erschliessen. Leute hat es hier hinten auch kaum. Wären die Lifte nur nicht so lahm...
Erschütternde technische Daten der 4SB Vallonets. Leider bezeichnend für viele, viele Anlagen im Gebiet. Die Vallonets hat sogar einseitige Niederhalter, leider hab ich kein Bild davon. Wenigstens sind durch die periphere Lage und die geringen Kapazitäten die Pisten in diesem Sektor nahezu leer
Später verlegten wir uns nach Auris, wo ebenso leere Pisten in aber dezidiert voralpiner Umgebung locken.
Links im Hintergrund 4SB Sures
Der Pistenplan täuscht übrigens massiv, indem Vaujany und Auris als kleine uninteressante Anhängsel erscheinen, wo sie in Wirklichkeit recht weitläufige und interessante Hänge anbieten. Dafür wird der zentrale Bereich um Alpe d'Huez und Oz völlig überproportional gross dargestellt. Vielleicht mit ein Grund für die geringe Frequentierung der Randsektoren...
Ganz schön sind übrigens auch die Abfahrten hinunten nach Villard Reculas, auch gibts dort tolle Freeride-Möglichkeiten.
Zum Abschluss noch zwei Bilder von der DMC Grand Rousses, die Besonderheiten des Gebietes hervorheben:
Lange Treppe zur DMC: Urtypisch für Alpe d'Huez...
Die einfallsreichsten Stationsnahmen ever
Gefallen:
[*]Grosses, weitläufiges Gebiet
[*]Viele verschiedene Höhenstufen und Expositionen
[*]Grosse, wirklich grosse Höhenunterschiede bei vielen Abfahrten
[*]Landschaftlich spektakuläres Gebiet
[*]Kein grosser Andrang
[*]Pulverschnee
[*]Allgemeine Schneelage
[*]Spannender Anlagenmix, siehe Bilder
[*]Bekannte, spektakuläre Abfahrten wie Sarenne, Tunnel und Balcons
[*]Ungewalzte schwarze Abfahrten
Nicht gefallen:
[*]Extrem teure und oft schlechte Restaurants (und ich dachte, die Schweiz wäre teuer...)
[*]Zu viele fixe Anlagen
[*]Zu viele Treppen
Insgesamt gehört für mich Alpe d'Huez sicher zu den Topgebieten, die ich je gefahren bin, wenn es nicht gar ganz oben steht. Die Lust auf mehr Frankreich ist jedenfalls geweckt und ich werde bestimmt wiederkommen, um auch noch einige weitere Leckerbissen der Region zu erleben